LABYRINTH

Mein Symbol für Kreativität sind das Labyrinth und die alchimistische Retorte



Einige Jahrtausende ist das Labyrinth-Symbol alt. Bis heute hat es nichts von seiner Faszination und seiner Aktualität verloren. Zum Logo des IAK habe ich dieses Symbol gemacht, weil es vielfältige Bezüge zu unserer Arbeit mit Schreib- und anderen Talenten aufweist.

Der Weg hindurch wird als Ariadnefaden bezeichnet; es ist der sprichwörtlich gewordene "rote Faden" (s. Abbildung rechts).

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[2008-04-10 wip / ur 2002-07-12]


(Autor dieses Beitrags: Jürgen vom Scheidt)


Aktuelles zum Labyrinth-Thema finden Sie hier auf der Site in meinem LABYRINTH-BLog (bis Mitte Nov 2007) und in meinem Labyrinth-Blog für die Zeitschrift epoc (ab Mitte Nov 2007) - hier der Link dorthin: Labyrinth-Blog bei epoc



Inhalt:
Im Kern des Labyrinths: der Athanor
So ergibt das Märchen keinen Sinn!
Der Minotauros - in uns selbst
Der Traum vom Bau eines Labyrinths


Daidalos, der sagenhafte griechische Baumeister, schuf für König Minos von Kreta ein als Labyrinth bezeichnetes Bauwerk. Es wurde zum Gefängnis für den mörderischen stierköpfigen Minotauros, der einer Mesalliance zwischen der Königin Pasiphaë und Poseidon in Gestalt eines Stiers entsprungen war.

(Mehr über diesen Mythos und den Hintergrund unseres Logos unter LABYRINTH-SAGE und LABYRINTHIADE.)

Der Weg durch das Labyrinth steht für uns symbolisch für den Kreativen Prozeß, zum Beispiel beim Schreiben eines Buches. In einigen meiner Seminare vermittle ich die dabei nötigen Fertigkeiten - Details hier auf der Website unter PROGRAMM.

Aber das Labyrinth ist nicht nur ein Symbol: Man kann auch eines bauen bzw. es mit Steinen auf einer Wiese auslegen. Im Südschweizer Dorf Bürchen (wo wir einige unserer Workshops veranstalten) habe ich mit einer Schulklasse vom Ort ein Labyrinth mit einer Fläche von fast 450 Quadratmetern und einer Ganglänge von (hinein und heraus) rund 500 Metern ausgelegt: BEGEHBARES LABYRINTH IN BÜRCHEN.

Wenn man sich auf das einläßt, was einem beim meditativen Gehen auf dem hin- und her pendelnden Weg so einfällt, kommt man mit etwas Glück auf das Wesentliche. Und man bekommt Antworten auf wichtige Fragen - manchmal sogar auf Fragen, die man gar nicht gestellt hat und nun plötzlich als sehr wichtig erkennt.



Im Kern des Labyrinths: der Athanor


Wenn im Tarot der Narr sich auf den Weg durch das "Spiel des Lebens" macht, wird es irgendwann ernst und es ist vorbei mit dem unbekümmerten Närrischsein. Das Schicksal packt ihn und hängt ihn an den Füßen auf. Kopfunter sieht alles plötzlich sehr verändert aus. Und etwas Neues beginnt.

Wie der uralte schamanistische Weg der Einweihung und der Reise ins "Totenland der Ahnen", drückt das Tarot-Kartenspiel dies mit der Karte Nr. 13 aus: dem "Tod".

Man muß (und nichts anderes will uns diese uralte Abenteuer-Erzählung mitteilen) erst sterben, muß in seine kindlichen und jugendlichen Einzelteile zerfallen, um neu zusammengesetzt und erwachsen zu werden.

Das Märchen vom "Gevatter Tod" berichtet nur die erste Hälfte dieser Reise: In der Höhle mit den Lichtern hört die Geschichte auf, die uns die Brüder Grimm überliefert haben. Der Tod setzt zwar ein neues Lebenslicht auf den Boden der Höhle - aber dann stößt er die Kerze heimtückisch um und der Arzt, sein Patenkind, stirbt...



So ergibt das Märchen keinen Sinn!


Da hat irgendjemand beim Weiterergeben des Märchens in der langen Kette der Geschichtenerzähler nicht mehr verstanden, worum es eigentlich geht: nämlich um Tod und Wiedergeburt. Um Einweihung. Um Läuterung... Wie immer man dies heutigentags verstehen mag. (Zum Beispiel als den Erkenntnis- und Selbsterfahrungsweg einer langjährige Psychoanalyse.)

Es ist wohl auch der Weg, den die Alchimisten gegangen sind - als sie noch nicht so hinter dem materiellen Gold her waren, sondern den und Erleuchtung suchten.



Der Minotauros - in uns selbst


Der Weg ins Labyrinth, verstanden als Kreativer Prozeß der Selbsterfahrung und Welterkenntnis, führt ebenfalls in Dunkel, ist ebenfalls so eine Abenteuerreise. In dem Augenblick, da die Kerze(also das Licht, das Verstehen, das Bewußtsein) erlischt - da alles alte Wissen nichts mehr nützt -

- da taucht aus der Tiefe (des Unbewußten) der Minotauros auf.

Er ist nicht "das Böse draußen" (hier läßt uns die griechische Sage vom tapferen Helden Theseus leider im Stich) - er ist vielmehr unser eigener Schatten (wie der Tiefenpsychologe und Mythendeuter C.G. Jung dies genannt hat). Uns selbst müssen wir überwinden. Dort im Kern des Labyrinths, wo der Athanor am meisten Hitze (der Erkenntnis und der Kreativität) entwickelt.



Der Traum vom Bau eines Labyrinths


Schon viele Jahren (tag-)träumte ich immer wieder davon, irgendwann irgendwo ein begehbares Labyrinth zu bauen. Kein Gebäude, sondern ein auf einer Wiese ausgelegtes Muster aus Steinen. So ähnlich, wie es 1982 in der Evangelischen Akademie in Tutzing unter der Anleitung von Hermann Kern, dem großen Labyrinthforscher, von den 120 Teilnehmern seiner Labyrinth-Tagung auf der Wiese des Schlosses ausgelegt wurde: mit Eiszeitkieseln vom Ufer des Starnberger Sees .

Lange dachte ich, daß das Herstellen solch einer Struktur nur am Ort seiner Erfindung sinnvoll sei: auf Kreta. Aber inzwischen habe ich einen ganz anderen Ort gefunden und seit September 2002 gibt es das BEGEHBARE LABYRINTH IN BÜRCHEN.


© 2008 / 2002 für diesen Text: Jürgen vom Scheidt / Quelle: www.hyperwriting.de