SELBST-TEST: "Bin ich hochbegabt?" (Ergänzungen)*

Wenn Sie einen der üblichen Intelligenz-Tests machen ...



... bekommen Sie scheinbar punktgenau Ihren IQ mitgeteilt. Aber diese Genauigkeit trügt. Ihre Tagesform kann Sie zum Beispiel schlechter abschneiden lassen als Ihrem tatsächlichen intellektuellen Potenzial entspricht. Bereits eine depressive Verstimmung genügt, um Sie zu verlangsamen und Ihre Ergebnisse zu reduzieren; und Prüfungsangst oder Konzentrationsstörungen (ADHS!) sind auch nicht gerade von Vorteil.

Hier werden Ihnen einige wichtige Merkmale vorgestellt, die auf Hochbegabung hinweisen - erster Einstieg in eine Selbsteinschätzung. Den kompletten Selbst-Test samt Erläuterungen finden Sie in meinem Buch (s.u. Details).



Letzte Aktualisierung dieser Verzweigung: 14. Jan 2016

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*in Bearbeitung

[2016-01-14 wip / ur 2004-03-12]


(Autor: Jürgen vom Scheidt)

14. Jan 2016:
Die Website www.minotauros-projekt.de gibt es inzwischen nicht mehr. Für die ausführliche Fassung meines Selbst-Tests muss ich deshalb auf mein Buch Das Drama der Hochbegabten verweisen. Es ist zwar im normalen Buchhandel vergriffen - aber über Amazon und andere Plattformen gibt es immer wieder gebrauchte Exemplare.

2. Jan 2011
Der Hochbegabten-Verein Mensa in Deutschland hat 2010 seinen 8.500 Mitgliedern meinen Selbst-Test vorgestellt und um eine Evaluation gebeten. rund 1.400 Mensaner machten mit. Das Ergebnis stelle ich demnächst vor.

Auf jeden Fall muss ich diesen ST gründlich überarbeiten.


23. Nov 2009
Dieses Kapitel wurde aufgeräumt und erneut ergänzt, zB. bezügl. des Themas Psychotherapie bei Hochbegabten - s.u. Punkt (7).


Vorbemerkung


Immer wieder wurde und werde ich gefragt: Was taugt denn dieser Selbst-Test - ist das denn überhaupt ein richtiger Test?
Meine differenzierte Antwort darauf finden Sie am Schluss dieses Beitrags: Hier klicken

Sie finden hier nicht den kompletten Selbst-Test aus meinem Buch, sondern nur wichtige Ergänzungen, die sich nach Redaktionsschluss (im November 2003) ergeben haben! Die unten angeführten Merkmale in grüner Schrift geben Ihnen jedoch bereits wichtige Hinweise zur Selbsteinschätzung.
Den ausführlichen Test, samt Erklärungen, finden Sie im 6. Kapitel meines Taschenbuchs, das Okt 2005 im Piper-Verlag erschienen ist. Es handelt sich um die überarbeitete, aber (wg. dem Register) seitenzahlengleichen Version der Hardcover-Ausgabe des Kösel-Verlags: TB-Ausgabe "DAS DRAMA DER HOCHBEGABTEN" (Piper)"


Selbst-Test mit 33 Items auf neuer Website
Inzwischen habe ich (JvS) eine komprimierte Form des Selbst-Tests mit den 33 aussagekräftigsten Merkmalen entwickelt, zu denen beispielsweise das INTRINSISCHE VERHALTEN VON HB zählt) . Sie finden diese auf unserer neuen parallelen Website www.minotauros-projekt.de unter Selbst-Test



Inhalt dieses Kapitels
0. Neue Merkmale
1. Notwendige Hinweise zu Tests der Intelligenz
2. Auffällige Hinweise auf Hochbegabung
3. Merkmale, die im Selbst-Test in meinem Buch noch nicht erwähnt sind
4. Die Genauigkeit der Intelligenz-Tests trügt
5. Erfolg im Leben ist nicht alles



18. Jan 2007

0. Neue Merkmale


° 4a Hochbegabte Kinder - hochbegabte Eltern
° 91a Sich fühlen wie ein "Hochstapler"
° 96 "Geknickter" Lebensweg




Was den Selbst-Test betrifft, so sind wir sehr an Rückmeldungen von Lesern - wie Ihnen - interessiert (bitte verwenden Sie unser Formular e-Mail ...)
° die den Selbst-Test bei sich gemacht haben
° (eventuell noch parallel mit einer Fremd-Schätzung durch jemanden Ihres Vertrauens)
° und den eigenen IQ durch einen der standardisierten Tests wie IST (nach Amthauer) und HAWIE (Hamburg-Wechsler Intelligenztest für Erwachsene) oder HAWIK (dito für Kinder) bereits kennen (oder, angeregt durch den Selbst-Test, nachträglich ihre Intelligenzhöhe messen ließen und so ihren IQ erfahren haben).

Wir wollen nämlich gerne wissen, wieweit der von uns entwickelte "Selbst-Test" wirklich aussagekräftig ist. Dazu sollten rund 100 solcher Vergleichsdaten genügen.

Es wäre schön, wenn Sie uns dabei unterstützen könnten - denn es ist Kritik von seiten der Testpsychologen zu erwarten. (Auch Rückmeldungen von Kollegen, die I-Tests vornehmen und vielleicht parallel unseren Selbst-Test als Ergänzung einsetzen, sind natürlich hoch willkommen).

Wir sind jedenfalls der Meinung, dass auch Erwachsene, die keinen der üblichen Intelligenz-Tests machen wollen (aus welchen Gründen auch immer - zum Beispiel weil diese "wissenschaftliche" I-Testerei ohnehin sehr umstritten ist!) - ein berechtigtes Interesse daran haben, etwas über ihre potenzielle Begabungs-Struktur und Intelligenzhöhe zu erfahren.
(Ein zusätzliches abklärendes Beratungsgespräch ist jedoch sicher kein Schaden. Wir führen jedoch solche Gespräche aus Zeitmangel nicht durch!)

Danke!



1. Notwendige Hinweise zu Tests der Intelligenz


Viele Menschen haben offenbar eine große Scheu davor, einen Intelligenztest zu machen, um ihren IQ zu erfahren. Diese Scheu ist verständlich, und zwar aus zwei Gründen:

1. könnte sich herausstellen, dass man nicht so intelligent ist, wie man von sich annahm.
2. hätte es Konsequenzen (und daran denken viele vielleicht gar nicht bewusst) , wenn man erfährt, dass man überdurchschnittlich intelligent ist, bislang aber keine entsprechenden Erfolge aufzuweisen hat.

Die Erfahrung zeigt (dies wird beispielsweise von der Frankfurter Hochbegabten-Therapeutin Andrea Brackmann bestätigt - s. Bibliographie), dass sogar dies fast schon ein Merkmal für Hochbegebung ist:
Sich kategorisch als nicht hochbegabt einzuschätzen und dies geradezu heftig von sich zu weisen.


Ich habe mein Buch "DAS DRAMA DER HOCHBEGABTEN" vor allem deshalb geschrieben, um für die Angehörigen dieser zweiten Gruppe Anregungen zu geben. Denn eines hat mich sowohl die Erfahrung mit vielen sehr begabten Menschen in meinen Seminaren und in Einzelberatungen gelehrt wie auch die Selbsterfahrung: nicht verwirklichte Intelligenz und Begabung führt zu enormer Frustration - denn es stellt eine drastische Beeinträchtigung des Selbstwertgefühls dar, ständig "unter dem eigenen Niveau zu leben".

Im sechsten Kapitel des Buches finden Sie einen Selbst-Test in Form einer Checkliste mit rund 90 Merkmalen, der Ihnen eine erste Schätzung des angeborenen und vielleicht noch nicht realisierten intellektuellen Potenzials aufzeigt. Eine kleine Kostprobe dieses Tests finden Sie nachfolgend.
(Die angegebenen blauen Ziffern entsprechen denen des Selbst-Tests im Buch - die grünen Ziffern kennzeichnen neu hinzugekommene Merkmale.)

Einige Lesern haben mir mitgeteilt, dass sie im Selbst-Test musische und praktisch-intelligente Begabungen (zum Beispiel die Beherschung eines oder mehrerer Instrumente oder exzellente Beherrschung einer Sportart) vermissen. Dies will ich gerne in späteren Auflagen berücksichtigen. Einige dieser Talente habe ich weiter unten bereits aufgeführt.

Falls Sie bei sich selbst oder jemand anderem auf ein Merkmal bzw. eine Fähigkeit stoßen, die ich ergänzen sollte, teilen Sie es mir bitte mit - über unser Formular e-Mail ...


Wenn Sie von den hier angeführten Merkmalen wenigstens fünf bei sich selbst entdecken, deutet dies auf Hochbegabung hin.

Wenn Sie weniger Merkmale auf sich beziehen können, muss dies keinesfalls unbedingt bedeuten, dass Sie "nicht hochbegabt" sind!

Bitte bedenken Sie auch, dass es sich nicht um einen der üblichen Intelligenz-Tests handelt, sondern um eine Check-Liste zur Selbsteinschätzung!

Warum ich sie dennoch als Test bezeichne? Weil sie wie jeder Test (!) eine Art Momentaufnahme der eigenen Möglichkeiten erlaubt.
- nichts anderes ist ein (psychologischer) Test.

Mehr Gewissheit kann jedoch nur einer der sachgemäß durchgeführten Intelligenztests vermitteln, zum Beispiel ein von einem lizensierten Testpsychologen durchgeführter Hamburg Wechsler Intelligenztest für Erwachsene (HAWIE).

Noch mehr Gewissheit gibt wohl nur der Erfolg im Leben und nicht zuletzt das damit verbundene Gefühl der Zufriedenheit mit der eigenen Leistung. (Es gibt allerdings viele Hochbegabte. die trotz Erfolg nicht zufrieden sind - aber das ist eine komplexe Geschichte, die hier nicht erörtert werden kann. Erfolg heißt jedenfalls nicht nur "materieller Erfolg"!)




2. Auffällige Hinweise auf Hochbegabung


Auffallend viele Bücher zur Hochbegabten-Thematik befassen sich mit HB bei Kindern. Erst im Erwachsenenalter wird man jedoch auf die folgenden Merkmale stoßen:

(1) Ein abgeschlossenes Hochschulstudium (das am leichtesten zu überprüfende Merkmal)

(2) Eine Promotion zählt in manchen Studien (z.B. bei Winner 1996) als klares Indiz für einen IQ von 130 aufwärts (Promotion in Naturwissenschaften sogar als IQ 140+, eine Habilitation mit Professorentitel nicht selten ebenso).

vergl. zum Thema "Erfolg" auch:
° (91) Großer beruflicher Erfolg
° (91a) Hochstapler-Gefühl:



(4a) Hochbegabte Kinder haben hochbegabte Eltern
Wenn bei einem eigenen Kind durch einen der üblichen Standard-Intelligenz-Tests Hochbegabung festgestellt wurde (IQ um 130 und höher z.B. im HAWIE), so ist zu vermuten, dass auch einer der Elternteile oder beide Eltern hochbegabt ist. Woher sonst soll die überdurchschnittliche Intelligenz beim Kind kommen - wenn nicht vererbt von den Eltern?
Der Satz "Hochbegabte Kinder haben hochbegabte Eltern" mag nicht immer stimmen - aber sehr wahrscheinlich ist seine Aussage durchaus.
Das ist eigentlich naheliegend, wurde von uns aber bisher in der Check-Liste nicht als typisches Merkmal berücksichtigt (wahrscheinlich haben wir es übersehen, weil dieser Zusammenhang so selbstverständlich ist - eine Art Betriebsblindheit.)

(Warum wurde dieses Merkmal als 4 a eingeordnet? Es soll eine komplizierte Umnummerierung vermieden werden, welche die Vergleichbarkeit des Selbst-Tests hier auf der Website mit dem im Buch abgedruckten ST unmöglich gemacht hätte.)



(5) Hohes Einkommen (z.B. mehr als ca. 60.000 €uro pro Jahr aufwärts - als Ergebnis des Erfolgsstrebens).


Diese bisher angeführten Beispiele und Items wären sichere Hinweise auf Hochbegabung bei Menschen, deren intellektuelles Potential schon früh erkannt (und von ihnen selbst akzeptiert wird (!) und die in der Schule und später im Studium optimal gefördert werden.
Es ist klar, dass jemand, der im Lotto eine Million gewinnt oder ein großes Vermögen erbt und von dessen Zinsen leben kann, nicht unbedingt hochintelligent sein muss. Aber alle fünf genannten Merkmale zusammen - oder einige der folgenden Merkmale kombiniert - das sind schon recht zuverlässige Hinweise auf Hochbegabung.
Letztlich ist der wichtigste Unterschied zwischen Hoch- und Normalbegabung, dass bei ersteren das Gehirn schneller und komplexer arbeitet. Und das muss sich ja irgendwie zeigen - vielleicht sogar nur als erhöhte Reizbarkeit ("Nervosität") - die als ADH-Syndrom sogar die Entfaltung von Begabungen enorm stören kann (siehe hierzu meinen eigenen RITALIN-ERFAHRUNGEN!)



(10 a) Geknickter Lebenslauf
Wenn Ihr Lebensweg auffällig geknickt verläuft und insbesondere die berufliche Laufbahn seltsame Sprünge aufweist
- dann sollten Sie ebenfalls in Erwägung ziehen, dass dies nicht unbedingt an neurotischem Verhalten oder Willensschwäche liegt und schon gar nicht daran, dass Sie zu dumm sind - sondern ganz im Gegenteil kann die Ursache eine nicht erkannte und entsprechend nicht adäquat realisierte Hochbegabung sein. Es kann so sein, wie gesagt.

Wenn Sie eine weit unter Ihrem möglichem Niveau liegende Arbeit verrichten und aufgrund Ihrer eigentlich viel höheren Intelligenz Einsichten gewinnen, was man in ihrer Arbeitsumgebung besser machen könnte und diese Erkenntnisse auch noch Kollegen oder Vorgesetzten (die vielleicht weniger intelligent und begabt sind) gegenüber äußern, werden Sie immer wieder Probleme mit dieser Besserwisserei bekommen, die Ihren Lebensweg massiv beeinflussen und entsprechend geknickt verlaufen lassen).
(Diese Probleme haben Sie mit hoher Wahrscheinklichkeit bereits in der Schule gehabt - und entsprechend werden Ihre Zeugnisse und Ihre gesamte Schulkarriere ausgesehen haben.)


Mögliche Abhilfe: Abklärung der Begabungshöhe und -struktur und Entwicklung einer neuen Lebensstrategie. Das ist nicht einfach - aber machbar! Allerdings lässt sich das nicht in Monaten oder Jahren verändern - rechnen Sie mit Jahrzehnten (Faustregel von Psychoanalytikern: Für jedes schon gelebte Jahr sollte man für die nachhaltige Veränderung der Lebensstrategie etwa die selbe Anzahl an Jahren ansetzen. Klingt nach hohem Einsatz - aber es lohnt sich!)
Eine Psychotherapie im üblichen Sinne ist nicht unbedingt der richtige Weg hierzu - auch wenn profilneurotisches Verhalten leicht diagnostizierbar sein dürfte. Viele Psychotherapeuten haben offenbar - wie ich immer wieder von ratsuchenden Lesern höre - keine Ahnung von der Hochbegabungs-Problematik - oder nehmen sie nicht adäquat zur Kenntnis - s.u. Punkt (7).)



3. Viele Hochbegabte werden gar nicht als solche erkannt


Viele Hochbegabte werden gar nicht als solche erkannt oder schaffen es (zum Beispiel infolge Traumatisierung in der Kindheit) nicht, ihr angeborenes Potezial zu realisieren. Nicht nur nach meinen Beobachtungen sind wahrscheinlich gut die Hälfte aller Hochbegabten solche gebremste Latente oder total blockierte Underachiever. In diesem Fall muss man vom Merkmal Erfolg erst einmal absehen (s. auch unten Nr. 93: Am Erfolg Scheitern ) und stattdessen nach anderen Hinweisen suchen. Dazu einige Beispiele, die Ihnen vielleicht helfen, das eigene Potenzial besser einzuordnen.

(17) Übergroße Neugier und Fragelust.
Dies sind wie das frühe LESEN (s. o. Nr. (1)) ebenfalls schon ein für die Kindheit Hochbegabter sehr typisches Merkmal. (Wird sie frustriert, kann diese Neugier leicht zu irritierender Fragerei um des Fragens willen ausarten.)


Das vielleicht sicherste Merkmal überhaupt findet man ebenfalls schon im Kindesalter:
(18) Frühes intrinsisches*Schreiben * selbstbestimmtes
Hochbegabte Kinder können oft schon vor dem Schuleintritt Lesen - bringen sich diese wichtige Kulturtechnik sogar selbst bei: Ein deutlicher Hinweis auf den großen Hunger nach Informationen des Gehirns Hochbegabter, das schneller und komplexer arbeitet als das von Normalbegabten. Geradezu potenziert wird dieses Merkmal, wenn sehr früh schon eigenständig mit dem Schreiben begonnen wird.

(19 bis 22) Intensives Lesen
Nicht nur "frühes LESEN", sondern überhaupt intensives Lesen aus eigenem Antrieb - ausgesprochene Leselust also - ist deutlicher Hinweis auf ein ungewöhnlich informationshungriges Gehirn. Leider kann es auch zu einem passiven "Nur-Lesen" führen, aus dem sich keine eigenschöpferischen Aktivitäten entwickeln - wie beispielsweise eigenes Schreiben (s.u. Nr. 67 und 68).
Auf jeden Fall verlangt das Lesen eines einigermaßen anspruchsvollen Romans oder Sachbuchs eine Menge geistiger Kompetenz und Kapazität, die von einem entsprechend schnellen und komplexen Gehirn geliefert werden muss.

(28 und 69)
Polythematisches Interesse = Interesse an mehreren großen Themen, die gleichzeitig verfolgt werden - z.B. Briefmarkensammeln als Hobby und Interesse an indischer Musik und Studium der Arabistik und ein Faible für Inkunabeln des Mittelalters.
Diese verschiedenen Interessen können miteinander vernetzt sein. Sie können aber auch - scheinbar - nichts miteinander zu tun haben (in der Tiefe, das heißt in sehr unbewussten Schichten, haben sie sehr wohl etwas miteinander zu tun - stammen sie doch aus der selben Persönlichkeitsentwicklung).

(44) Hohe Sensibilität...
... für innerpsychische und fremdpsychische Zustände und Geschehnisse. Das bekannte Andersonsche Märchen von der "Prinzessin auf der Erbse" demonstriert dies. Solche extreme Feinfühligkeit und Empfindsamkeit (dass eine winzige Erbse durch 23 Matratzen hindurch als störend erlebt wird) kommt aber nicht nur bei weiblichen Personen vor, wie das Märchen mit der Figur der "Prinzessin" nahelegt, sondern durchaus auch bei männlichen.
Über "Hoch-Sensibilität und Hochbegabung" hat Andrea Brackmann sehr Aufschlussreiches veröffentlicht (s.u. Bibliographie).
Negative Ausprägung: Diese Sensibilität kann naturgemäß zu einer erhöhten Störbarkeit in Bezug auf das Selbstwertgefühl führen. Extreme Reaktionen sind möglich bei Traumatisierung, die zu psychischer und psychosomatischer Krankheit führen kann (hier ist Psychotherapie dringend notwendig)

(67 und 68) Intrinsisches Schreiben
Wer selbst, vor allem aus eigenem Antrieb, ans Schreiben kommt, Schreiblust entwickelt, verfügt über ein Merkmal, das die mehr aktiven Aspekte der Informations-Aufnahme und -Verarbeitung repräsentiert.



3. Merkmale, die im Selbst-Test in meinem Buch noch nicht erwähnt sind


Hier noch einige Merkmale, die im Selbst-Test in meinem Buch "Das Drama... noch nicht erwähnt sind, die jedoch den Test sinnvoll ergänzen:


(4 a) Vererbung der Intelligenz
Wenn bei einem eigenen Kind durch einen der üblichen Standard-Intelligenz-Tests Hochbegabung festgestellt wurde (IQ um 130 und höher z.B. im HAWIE), so ist zu vermuten, dass auch einer der Elternteile oder beide Eltern hochbegabt ist. Woher sonst soll die überdurchschnittliche Intelligenz beim Kind kommen - wenn nicht vererbt* von den Eltern?
* Um den Anteil der Vererbung wird in der Wissenschaft und in populären Veröffentlichungen heftig gestritten. Je nach Position (= Meinung) wird mal die eine Studie zitiert, mal die andere.
Wenn man, wie ich (JvS), Hochbegabung für eine Mutation hält kann man gar nicht anders, als den vererbten Anteil höher als 50% einzuschätzen. Ist es nur Geschmacksfrage, wenn man Normalbegabung und Hochbegabung mit entsprechend niedriger / höher getakteten Mikroprozessoren vergleicht? Keine Frage, dass entsprechend positive (fördernde) Maßnahmen im Elternhaus oder ihr Gegenteil diesen Erbanteil massiv verzerren können - bis ins Gegenteil (s. Underachiever - Overachiever).



(7) Psychotherapie bei Hochbegabten
Ich betrachte, was viele Leser zunächst verwundern dürfte, das Absolvieren einer Psychoanalyse oder einer vergleichbaren hochwertigen (tiefenpsychologisch orientierten) Psychotherapie* mit mindestens 100 Stunden als starkes Indiz für den Wunsch, vorhandenes Potenzial doch noch zu realisieren.
* Nachtrag 23. Nov 2009: Ob der Erfolg bei Problemen von Hochbegabten allerdings dem Verfahren resp. dem Aufwand entspricht, muss in so manchem Fall bezweifelt werden (wie ich etlichen Zuschriften von Lesern meines Buches entnehmen kann). Obwohl ich selbst sehr gute Erfahrungen mit zwei Psychoanalysen gemacht habe, will ich meine Skepsis nicht verhehlen, ob (viele) Psychoanalytiker resp. Psychotherapeuten anderer Provenienz mit der Hochbegabten-Thematik überhaupt richtig umgehen können bzw. sie überhaupt (an-)erkennen. Sigm. Freud sah offenbar (hohe) Intelligenz geradezu als Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Psychoanalyse an, wie man seinen Schriften entnehmen kann. Seine Schüler und Nachfolger haben, wie er selbst, das Thema "Intelligenz" jedoch kaum bis gar nicht reflektiert.
Interessant ist, dass zwei der verständnisvollsten und einfühlsamsten Arbeiten über diese Thematik von einer Verhaltenstherapeutin stammen: Andrea Brackmann (s. Bibliographie); die Verhaltenstherapie galt (und gilt wohl noch immer) als akademischer Gegenpol zur Tiefenpsychologie und zur Psychoanalyse.
Wenn man Hochbegabung mit all ihren Störmöglichkeiten jedoch nicht ins Kalkül einer Therapie mit einbezieht, dann ist das m.E. ähnlich als würde man das Geschlecht des Analysanden resp. seine Sexualität ignorieren.
Einzig Heinz Kohut mit seiner Psychologie des Selbstp hat hier Pionierarbeit geleistet. Was er über Narzissmus und Kreativität geforscht und veröffentlicht hat, zählt mit zum Interessantesten in Hinblick auf Hochbegabung. Seltsamerweise haben ihn die orthodoxen Psychoanalytiker (gerade deshalb?) massiv ausgegrenzt. Ähnliches ist übrigens C.G. Jung passiert, erst Gefährte, dann Widersacher von Freud. Auch er hat viel Erhellendes über Kreativität geschrieben - was für mich Hochbegabung weitgehend einschließt.



(91a) Hochstapler-Gefühl In Andrea Brackmanns neuem Buch "GANZ NORMAL HOCHBEGABT fand ich eine Beobachtung bestätigt, die ich im Verlauf meiner Arbeit mit erwachsenen Hochbegabten ebenfalls immer wieder mal gemacht habe: Dass Hochbegabte, allen Erfolgen im Beruf zum Trotz, sich gerade da, wo sie wirklich gut kreativ und und innovativ sind oder gar brillieren - für "Hochstapler" halten. (Brackmann 2007, S. 106)
° Das hat zum einen mit den (nicht selten übertrieben ) hohen Ansprüchen zu tun, die Hochbegabte gerne an sich selbst (und ihre Mitmenschen) stellen
° zum anderen rührt es daher, dass Hochbegabte gerne die Grenzen ihrer Domän überschreiten oder sogar eine neue Domän gründen und bei ihrer Pionierarbeit nicht auf entsprechende Vorbereitung zurückgreifen können - manche müssen diese Spezialkenntnisse und -fähigkeiten autodidaktisch entwickeln, weil Elternhaus, Schule, Universität sie nicht darauf vorbereitet haben!
Auch dies kann also ein Merkmal für Hochbegabung sein; richtige Hochstapler hegen offenbar keine solche Skrupel. Ich ordne es unter der Merkmals-Nr. 91a ein - weil es ja gewissermaßen die Verzerrung des Erfolgsgefühls ist..



(92) Intrinsisches Musizieren, Malen
Analog zur kreativen Schreiblust (s. o. Nr. 67 und 68) würde ich folgende Merkmale als deutlichen Hinweis auf überdurchschnittliche Begabung betrachten: aktives Ausüben einer musikalischen Begabung, vielleicht sogar mit mehreren Instrumenten oder gar verbunden mit eigenem Komponieren, vor allem auch aus eigenem Abntrieb (weil man dieses Talent in sich spürt und es realisieren möchte).
Oder Malen oder eine andere sichtbare kreative Betätigung .


(93) Mehrfach-Begabungen...
... zählen natürlich ebenfalls. Wer beispielsweise, wie ein Freund von mir, Jazz-Gitarre spielt, kreativ in einer Band improvisiert - dazu noch eindrucksvoll fotografiert und zudem zeichnerisches Talent hat - der/die zeigt drei Äußerungen von drei Begabungen, die zusammen genommen Hochbegabung nahelegen - vor allem dann, wenn jeweils überdurchschnittliche Qualität erreicht wird.
Solche Mehrfachbegabung äußert sich u.a. auch in Merkmal Nr. 28 und 69 (s.o.)


(94) Früh Ungewöhnliches denken und tun
Ein weiteres typisches (psychisches) Merkmal hochbegabter Kinder: Sie tun sehr früh ungewöhnliche Dinge, und zwar wiederum aus eigenem Antrieb (intrinsisches Verhalten nennt man das).
Drei Beispiele mögen dies veranschaulichen (sie gehören zu den Kindern von Ted Brauer aus der Fallgeschichte in meinem Buch Das Drama ...):
° Tobias bringt sich als Fünfjähriger mittels Micky Maus-Comics das Lesen selbst bei (die Eltern werden nur gelegentlich um Hilfe gebeten).
° Manni erfindet als Fünfjähriger ein Krimi-Kurz-Hörspiel, indem er einen Dialog mit sich selbst als Detektiv und alternierend als verfolgter Verbrecher auf Cassette aufnimmt. Die Dialoge sind verblüffend stimmig und konzentriert. (Manni wird 20 Jahre später Filmregisseur.)
° Gary bringt sich als 13-jähriger selbst das Programmieren in der Computersprache Basic bei und wird zu einem begeisterten Spieler am Computer. (Er legt mit dieser Kombination während des Physikstudiums den Grundstock zu seiner späteren Karriere als Unternehmer - mit einer speziellen Software für die Entwickler von Computerspielen.)


(95) Erkenntnisse praktisch umsetzen.
Bei manchen Berufen ist nicht nur intellektuelle Begabung gefordert, sondern zusätzlich die Fähigkeit, eine Erkenntnis auch praktisch umzusetzen. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Tätigkeit des Arztes. Während der - heutzutage ja auf wenige Minuten reduzierten - Sprechstunde muss anhand der Angaben des Patienten und eigener Beobachtung rasch das richtige Symptom erkannt und ein entsprechendes Heilmittel verschrieben werden. Das setzt eigentlich Hochbegabung voraus!
Bei Ärzten, die wirklich noch buchstäblich behandeln (also beispielsweise Chirotherapeuten oder Chirurgen) kann das Talent vor allem "über die Hände" wirksam werden.
Bei einem sehr guten Kraftfahrzeugmechaniker kann Hochbegabung sich darin zeigen, dass er geradezu genial in der Behebung von Motorschäden ist - der Rennstall eines (hochbegabten) Stars wie Michael Schuhmacher wird sich um so einen Crack reißen!
Ich habe einen Schuhmacher von Beruf gekannt, der unglaublich geschickt war im Anfertigen von orthopädischen Einlagen. Ich würde nicht zögern, ihm diesbezüglich Hochbegabung zuzusprechen (die hundert andere Schuhmacher eben nicht haben - weshalb deren Einlagen selten auf Anhieb passen). Bei diesem Mann ließen sogar die habilitierten Koryphäen der Orthopädischen Universitätsklinik ihre Einlagen anfertigen - obwohl er nicht einmal ein "richtiger orthopädischer" Schuhmacher war. Aber er verstand eben sein Handwerk wirklich meisterhaft. (Dass er darüber hinaus noch ein sehr gebildeter Mann war, mit dem man über Umweltschutz genauso reden konnte wie über andere Themen, sei nur ergänzend angemerkt).



(96) "Am Erfolg scheitern"
Sehr häufig beobachtet man gerade bei mehrfach begabten Menschen, die sich schwer tun, einen Begabungsschwerpunkt zu entwickeln, dass sie "am Erfolg scheitern" - ein neurotisches Symptom, das bereits Sigmund Freud beschrieben hat. Es werden immer neue Anläufe in immer neuen Berufskarrieren gemacht - und sobald sich Erfolg zeigt, wird abgebrochen und "etwas Neues probiert, weil man sich langweilt".



(97) Vielfach geknickte Lebensläufe
Vielfach geknickte Lebensläufe und entsprechend wechselhafte Berufskarrieren sind für den erfahrenen Beobachter ein gutes Indiz für nicht realisierte Hochbegabung - vor allem dann, wenn das schon erwähnte frühe Lesenlernen und eine vielversprechende Volksschulzeit mit "vielen Einsen" (die auf dem Gymnasium dann vielleicht dramatisch absacken) hinzukommt.
Was sich so negativ ausnimmt, lässt zumindest den hohen Verdacht auf nicht realisierte Hochbegabung zu.
Ich habe nicht wenige Zuschriften von Lesern bekommen, die "zwei Hochschulabschlüsse haben und Hartzt IV-Empfänger" sind! Da kann also einiges schieflaufen, was die Realisierung eines Hochbegabungspotentials angeht.
(Ein Beispiel für einen Patchworker und Jobhopper fand ich in der Süddeutschen Zeitung mit dieser Unterzeile: "Vom Schlosser zum Amtmann, Taxifahrer, Doppeldiplomwirt und Ghostwriter". So etwas schafft man nicht ohne weit überdurchschnittliche Intelligenz.)



(98) Geringes Schlafbedürfnis
Ein sehr spekulatives Merkmal. Immerhin fällt auf, dass in den Biographien deutlich als hochbegabt einzustufender Menschen dieses Merkmal immer wieder auftaucht . Napoleon sei hier genannt,der angeblich nur vier Stunden Nachtschlaf benötigte (die allerdings geschickt tagsüber durch kurze Phasen von Blitzschlaf ergänzte). Kein Wunder, dass der französische Kaiser einmal feststellte:
"Vier Stunden Schlaf für die Männer, fünf Stunden für die Frauen, sechs für die Idioten."
Einer der größten "Idioten" wäre demnach allerdings Albert Einstein gewesen, der sich selbst als Langschläfer bezeichnete, der regelmäßig zwölf Stunden Schlaf benötigte.
Zu bedenken geben möchte ich, dass eine Depression das Schlafbedürfnis deutlich erhöht. Gerade erfolglose Hochbegabte dürften stark zu depressiven Verstimmungen und neurotischer Depression neigen (s. hierzu auch hier auf der Website DEPRESSION).
Man erkennt schon an diesen wenigen Beispielen, wie kontrovers die Diskussion verläuft. Gregor Brand hat hierzu 1997 einen aufschlussreichen Artikel veröffentlicht, den man unbedingt lesen sollte. Die wissenschaftliche Untersuchung dieses Phänomens ist jedenfalls noch in vollem Gange.
(Mehr zum Schlafverhalten Hochbegabter hier auf der Website: SCHLAFVERHALTEN - allerdings noch in Bearbeitung.)



4. Die Genauigkeit der Intelligenz-Tests trügt


Wenn Sie bei einem Diplompsychologen mit entsprechender Zusatzausbildung und Berufserfahrung einen der üblichen (wissenschaftlich abgesicherten) Intelligenztests absolvieren, erhalten Sie eine Grafik mit Ihrem IQ-Hauptwert und einigen zusätzlichen Unter-Werten, die Schwerpunkte Ihrer Begabung aufzeigen. Diese Tests gelten als sehr zuverlässig.

Sie haben allerdings einen Haken: Diese Genauigkeit trügt. Ihre Tagesform kann Sie zum Beispiel schlechter abschneiden lassen als Ihrem tatsächlichen intellektuellen Potenzial entspricht. So genügt eine depressive Verstimmung, um Sie zu verlangsamen und Ihre normalerweise erzielbaren Ergebnisse deutlich zu reduzieren, weil Sie gar nicht alle möglichen Aufgaben lösen und entsprechend Punkte sammeln können. Das kann leicht zu einem um zehn und mehr Punktwerte verminderten Intelligenzquotienten führen!
Ähnliches gilt für Prüfungsangst und Konzentrationsstörungen (vielleicht bedingt durch ein ADH-Syndrom).
(Nur eines ist ziemlich sicher: "nach oben" manipulieren können Sie das Testergebnis kaum - auch nicht, indem Sie vorher ein "schlaues Buch" lesen oder im Internet die Beantwortung möglicher Fragen vorab trainieren).

Der von mir entwickelte Selbst-Test (der wie erwähnt im Buch neunmal umfangreicher ist) hat einen völlig anderen Ansatz. Er geht von Merkmalen aus, die für Hochbegabung sprechen. Solche Merkmal-Listen finden Sie in jedem Artikel und Buch über Hochbegabung, zum Beispiel in Ellen Winners Hochbegabung oder in einem Aufsatz des Münchner Hochbegabungsforscher Kurt A. Heller mit dem Titel "Begabtenförderung - (k)ein Thema in der Grundschule".

Ich denke, die Annahme, dass das Vorkommen einer Vielzahl solcher Hochbegabungs-Merkmale entsprechend stark auf Hochbegabung hinweist, dürfte der Realität sehr nahe kommen.



5. Erfolg im Leben ist nicht alles


Letztlich kann aber nur (sehr großer) Erfolg im Leben den Beweis liefern - könnte man zumindest meinen. Ich möchte dies allerdings hinterfragen. Mindestens so wichtig erscheint mir Zufriedenheit mit dem, was man tut und mit dem Leben allgemein. Wer seine Arbeit als Therapeut, Arzt, Programmierer oder Schriftsteller erfolgreich über viele Jahre hinweg ausübt, gibt vielen Menschen ohne auffällige eigene Prominenz etwas ungemein Wertvolles - nämlich ein Stück eigener Lebenszeit und Kreativität.

Und eine Mutter, die zwei hochbegabte Kinder aufzieht und ihrem talentierten Ehemann den Rücken für sein Glänzen im Beruf freihält, zeigt ihre eigene Hochbegabung vielleicht nur auf diese indirekte Weise (als "Frau im Schatten", wie ich das nenne). Aber wenn sie selbst glänzen würde mit ihren speziellen Begabungen - wer weiß, ob die Kinder und der Herr Gemahl mit den eigenen Erfolgen so gut zurechtkämen!

Kommt irgendwann noch Weisheit zur Begabung hinzu - nun, dann kann man am Ende eines derart erfüllten Lebens mit Gewissheit sagen: Der - oder die - war vermutlich ungewöhnlich bzw. hoch-begabt:

° Ungewöhnlich begabt in einer speziellen Domän (etwa als exzellenter Schachspieler oder Programmierer)

° Oder ungewöhnlich vielseitig begabt und schöpferisch tätig.

(Weisheit muss meines Erachtens übrigens nicht unbedingt an hohe Intelligenz gekoppelt sein - sondern ist wohl eher das Ergebnis eines gut bewältigtes Schicksals!)


(Mehr zu dieser gesamten Thematik der Hochbegabung finden Sie, wie erwähnt, in meinem Buch "DAS DRAMA DER HOCHBEGABTEN".)




Nachbemerkung


Immer wieder wurde und werde ich gefragt: Was taugt denn dieser Selbst-Test - ist das denn überhaupt ein richtiger Test?

Letzteres sei zuerst beantwortet: Nein, das ist kein Test im streng psycho-diagnostischen und -statistischen Sinn. Es ist eine Checkliste mit Merkmalen der verschiedensten Art, welche bei Hochbegabung relevant sein können.
Nicht mehr - und nicht weniger.

Vielfältige Erfahrungen zeigen jedoch, dass diese Checkliste zum Teil brauchbarer ist als die Ergebnisse eines richtigen Intelligenz-Tests - sofern man nur das Ergebnis in Form einer Punktzahl wie "IQ 132" oder ähnlich mitgeteilt bekommt und keine zusätzliche, differenzierte Auskunft erhält, was das denn nun - und vor allem was es im im Einzelnen - bedeutet. Wobei diese Auskunft letztlich wieder auf Merkmale zurückgreifen muss, wie sie in meiner Check-Liste verwendet werden.
Voraussetzung für brauchbare Ergebnisse ist allerdings: Man mogelt nicht, sondern bemüht sich um eine ehrliche Einschätzung. Dabei kann man sich natürlich bei aller Ehrlichkeit auch irren. Deshalb wäre es sehr hilfreich, wenn eine weitere Person, die einen gut kennt, diese Merkmalsliste ebenfalls - bezogen auf den Selbst-Tester - ausfüllt. Stimmen die Ergebnisse resp. die Punktzahlen einigermaßen überein, so ist dies ein hilfreiches Indiz, dass das Ergebnis stimmt.

Was das grundsätzliche Taugen des Selbst-Tests überhaupt angeht, so möchte ich an dieser Stelle gleich auf eine grundsätzlich paradoxe Situation hinweisen:
Bei einem der üblichen standardisierten Intelligenz-Tests erhält man scheinbar wissenschaftlich korrekte Auskünfte über die Höhe und u.U. auch über die Art der Intelligenz. Diese Auskünfte lege ich nun meinem Selbst-Test "Bin ich hochbegabt?" zugrunde und behaupte dann auch noch, dass er u.U. mehr taugt als einer der standardisierten Tests. Wie denn nun?

Meine Antwort (über die man ruhig ein wenig nachdenken sollte):

I-Tests der üblichen Art zeigen einem, dass man hochbegabt ist, wenn man bestimmte Aufgaben in einer Testbatterie korrekt, umfassender und vor allem schneller beantworten kann als der Durchschnitt der Bevölkerung. Als hochbegabt wird bezeichnet, wer zu den 2,27 Prozent der Bevölkerung zählt, die diesbezüglich extrem gut abschneiden. Wobei die Crux - und hier setzt jede Kritik an - vor allem ist, dass da überwiegend schriftlich (oder in Form von Abbildungen) erfassbare Intelligenz geprüft und mit dem Bevölkerungsdurchschnitt verglichen wird - also eine ganz spezielle Form von Intelligenz, die man als "intellektuelle, für ein akademisches Studium wichtige Intelligenz" bezeichnen könnte. Ein Jazz-Musiker, der phantastisch gut Saxophon spielt und (was früher sicher vorgekommen ist) Analphabet ist, hätte nie die Chance, mittels HAWIE oder AMTHAUER IST als "Hochbegabter" erkannt zu werden.
Liest man freilich solche Lebensläufe, etwa im Feuilleton einer guten Tageszeitung, dann er kennt der geübte Brainspotter rasch die "weit überdurchschnittliche Begabung überhaupt". Beispiel: Der weltbekannte Jazz-Saxophonist Wayne Shorter (Süddeutsche Zeitung vom 6. Nov 2009) oder der Rock´n´Roller CHUCK BERRY (Kurz-Bio).

Mein Selbst-Test hingegen erfasst zusätzlich ganz andere Dimensionen wie Sensibilität und Musikalität - allerdings mit dem Nachteil, dass man hier selbstschätzend tätig werden muss und keinen statistisch-diagnostischen Vergleich mit anderen Menschen vornehmen kann - was ja auch gar nicht durchführbar ist: Sensibilität kann man nicht messen - Musikalität ebensowenig. Man kann jedoch sehr wohl bei anderen Menschen spüren, ob sie "sensibel" sind oder "unsensible Holzklötze", ob ihr Saxophonspiel "sehr gut", "innovativ" und dergleichen mehr ist oder nur mäßige Hausmusik.

Was ich mit der Merkmals-CheckListe des "SelbstTests" mache, ist im Grunde genommen dies: Ich benütze das Konstrukt des üblichen Intelligenz-Tests wie eine Leiter, steige damit auf eine andere Ebene - und stoße die Leiter weg, weil ich sie nun nicht mehr brauche.

Alles klar?


Bibliographie
Brand, Gregor: "Schlafen hochbegabte Kinder länger als durchschnittlich begabte?" In: Labyrinth 1997, Nr. 52, S. 12-14) - Gregor.Brand@t-online.de
Brackmann, Andrea: Jenseits der Norm - hochbegabt und hoch sensibel? Stuttgart 2005 / 2. Aufl. (Klett-Cotta)
Demmer, Chistine: "Jobhopping als Prinzip". In: Süddeutsche Zeitung vom 4. März 2004
Heller, Kurt A.: "Begabtenförderung - (k)ein Thema in der Grundschule". In: Grundschule Nr. 5 /1996
Lehmkuhl, Tobias (Interview mit Wayne Shorter): "New Jersey Flash". In: Südd. Zeitung vom 6. Nov 2009
Scheidt, Jürgen vom: Das Drama der Hochbegabten. (2004) München 2005 (Piper)
Winner, Ellen: Hochbegabung. (New York 1996) Stuttgart 1998 (Klett-Cotta)

(c) 2016-01-14 / 2004 beim Autor Jürgen vom Scheidt / Quelle: Website "hyperwriting.de"