Jesco von Puttkamer: "MENSCHEN IM ALL"

Antworten auf 17 brisante Fragen zum "Jahrtausend-Programm"



Kritiker bezweifeln immer wieder den Sinn der bemannten Raumfahrt, ja sogar der Raumfahrt überhaupt. Jesco von Puttkamer, fast von Anfang an bei der NASA in vorderster Front in der Entwicklung der amerikanischen Raumfahrt, analysiert hier diese Einwände und erwidert sachkundig darauf.

Die Palette der angesprochenen Themen kulminiert im aktuellen "Mars-Projekt" - dem ersten Flug von Menschen zum erdnächsten Planeten und - neben der Entwicklung "künstlicher Intelligenz (KI)" - wohl das größte technische Abenteuer der Menschheit.

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[2007-07-05 ok / ur 2006-11]


(Antworten: Jesco von Puttkamer)


Hier auf der Website finden Sie einen weiteren Beitrag desselben Autors: Jesco von Puttkamer: BRUNNENKRESSE UND RAKETEN

sowie seine Kurz-Biographie: : Puttkamer, Jesco von




Inhalt dieses Beitrags

1. Warum Menschenflug zum Mars?
2. Warum nicht Roboter schicken, statt Menschen?
3. Was bringt der Menschheit heute ein Aufbruch ins All? Was hätte insbesondere Deutschland davon?
4. Als Argument wird aber immer wieder vorgebracht, die bemannte Raumfahrt verschlinge viel Geld
5. Was ändert sich mit dem Mars-Programm für die NASA und gibt es Unterschiede zum Mondprogramm von Präsident Kennedy in den sechziger Jahren?
6. Ist der Mond noch interessant „an sich“ – oder nur als ein Zwischenstopp auf dem Weg zum Mars?
7. Einen vergleichbaren "Motor" wie der Kalte Krieg mit seinem Spannungsfeld gibt es also für das Jahrtausendprojekt Mars nicht. Geht es denn auch ohne das Konkurrenzdenken eines “Wettlaufs im All”?
8. Was sind – fernab von Mars und Pluto – wirkliche zukünftige Ziele der Raumfahrt, die sich der „Normalbürger“ heute noch gar nicht vorstellen kann?
9. Wie weit sind die Visionen, die auch Wernher von Braun zum Mars entwickelte und Sie mit, aus heutiger Sicht zu revidieren oder überholbar? Ist das eingetreten, was auch Sie damals glaubten?
10. Wie empfindet man als weit vorausdenkender Wissenschaftler, wenn Visionen und Planungen nicht oder ganz anders eintreten?
11. Sie haben ja auch Science Fiction Literatur geschrieben und Star Trek technisch beraten. Wie beschreiben Sie das Verhältnis Wissenschaft/Science Fiction? Wer befruchtet wen? Warum? Wie nötig ist der fiktive Bereich in Verbindung mit dem wissenschaftlichen?
12. Wenn man so weit vorausdenkt und plant, hat man dann die Geduld, die es braucht, beispielsweise bei den künftigen Marsmissionen Ergebnisse abzuwarten?
13. Was kann der Mensch vom Weltall lernen, auch bezüglich seiner Existenz auf der Erde?
14. Als Mitgestalter der gesamten Geschichte der Raumfahrt: Was ist Ihre kühnste Vision für die Zukunft – und wann sind wir soweit?
15. Wie ändern sich unsere Begriffe von Raum und Zeit im All, und wird der Mensch selbst sich dort mit der Zeit ändern?
16. Wird der Mensch im All mit zunehmender Abhängigkeit von der Maschine auf Gefühle jeder Art verzichten müssen oder wird er sich ganz neue Gefühlswelten erschließen können?
17. Hätte es Sie selber mal gereizt, als Astronaut mit unterwegs zu sein?
_Bibliographie





1. Warum Menschenflug zum Mars?


Die Ziele des Menschenflugs zum Mars sind zunächst Wissenschaft und Forschung, dann Besiedlung: Erstens wollen wir wissen, wie der Planet entstanden ist und was wir aus den dort stattgefundenen kataklysmischen Umweltveränderungen hinsichtlich unserer eigenen Welt lernen können (durch “Komparative Planetologie”, also vergleichende Planetenkunde). Zweitens suchen wir nach Leben. Dass es auf dem Mars große Mengen an Wasser gibt, steht heute unzweifelhaft fest, und Wasser und Leben hängen eng zusammen. Damit besteht die Möglichkeit, dass es auf dem Mars kreatürliches Leben gab und vielleicht auch heute noch gibt. Denn Lebensformen sind weitaus anpassungsfähiger, als man früher glaubte, und auf der Erde gedeihen adaptierte Mikroorganismen in den unwirtlichsten Gegenden, die man sich vorstellen kann: in über 100 Grad heißen Tiefseeschloten, im Antarktiseis, in wasserlosen Wüsteneien, in Schwefelquellen, in Salzlaken, in radioaktiv verseuchtem Boden, usw.

Was würde eine mögliche Entdeckung von Leben für unser eigenes Leben, unsere Rolle und unseren Stellenwert im Universum besagen? Es wäre wohl eine der größten wissenschaftlichen Entdeckungen des Jahrhunderts, mit Auswirkungen von heute kaum absehbarer Breiten- und Tiefenwirkung in den geistigen und materiellen Bereichen unseres Lebens. Bezüglich unserer Vergangenheit und Zukunft ergäben sich phantastische Möglichkeiten: ist das Leben auf Mars und Erde getrennt entstanden oder einst per "Meteoritenpost" in Form lebensfähiger Sporen aus der Ferne des Alls gekommen? Stammen wir Menschen ursprünglich von Saatgut eines frühen Marsmeteoriten ab und sind somit die wirklichen Marsianer? Zweifellos erhielte dann auch die Suche nach späteren Fossilien höherer Tierformen auf dem Mars und nach Versteinerungen auf anderen Himmelskörpern des Sonnensystems höchste Prioritätsstufe, etwa auf den Monden der äußeren Planeten, wie Europa und Titan, und auf bestimmten Planetoiden und Asteroiden. Betroffen wäre davon auch die Frage, ob Leben außerhalb des Sonnensystems in der Milchstraße existiert, und damit würde das Interesse an der Suche nach eventuellen Radiosignalen intelligenter Rassen ebenfalls hochschnellen.

Und drittens wird der Mensch später den Mars zum Ableger seiner Zivilisation machen, und es könnte sein, dassß einstmals, in Jahrtausenden, nicht nur eine Erde die Sonne umkreist, sondern - nach ökosynthetischer Umformung der Marswelt, auch „Terraforming“ genannt - deren zwei.



2. Warum nicht Roboter schicken, statt Menschen?


Was uns Menschen dazu treibt, selber zum Mars fliegen zu wollen, ist nicht die technische Entwicklung (“weil wir es können”), sondern der uns immanente Wunsch nach Seinsbereichserweiterung, und er treibt die Technik der Raumfahrt. Dass es diesen phänomenalen Wunsch gibt und dassß er von urmenschlicher Substanz ist, zeigen uns die Mythen und Sagen der Völker: bei ihnen ist Seinsbereichserweiterung immer die Voraussetzung für Bewussßtseinserweiterung. Im Mittelalter gab es den “fahrenden Ritter”, der suchend hinauszog und dann „erfahren“ zurückkam; daher stammt dieses Wort. Oder nehmen Sie die Metapher von Jason und dem Zug der Argonauten auf der Suche nach dem Goldenen Vließ. Der Mensch erfährt nur etwas, wenn er reist und unbekannte Orte aufsucht. Jeder Bewusstseinserweiterung geht eine Horizonterweiterung voraus.

Das macht die Raumfahrt absolut erforderlich, denn wenn es für die Menschheit eine Hoffnung gibt, dann liegt sie in Bewusstseinserweiterung, damit wir nicht ständig und ewig alte Verhaltensfehler wiederholen. Die Grenzüberschreitungen der Raumfahrt bewirken diese Erweiterung. Das Geschehen ist ein Teil des menschlichen Entwicklungsprozesses, und die Raumfahrt ist neben ihrer mehr vordergründigen praktischen Bedeutung auch ein Abenteuer der "Schatzsuche", aus Hunger des Menschen nach umfassenderer Erkenntnis, nach dem großwürfigeren Entwicklungsschub, nach geistiger Spiegelung an seinen eigenen Schöpfungen. Außerdem sollten wir künftigen Generationen die Möglichkeit eröffnen, auf anderen Planeten eine weitere Lebensbasis aufzubauen.

Wir werden also Menschen zum Mars schicken, weil wir lebendige Menschen sind; mit seelenlosen Automaten geben wir uns niemals zufrieden, schlichtweg deshalb, weil wir keine sind. Und das Abenteuer des Menschen wirkt stets auf ihn zurück: angesichts der zum hellen Stern geschrumpften Erde unter tausenden anderen Sternen erweitert es sein Bewusstsein und versetzt ihn in ein neues intimeres Verhältnis zu seinem Mutterplaneten. Und so mausert er sich zu einer neuen Mutation, wie schon mehrmals zuvor in seiner Entwicklungsgeschichte.

Ich bin davon überzeugt, dass wir die Erde wieder mehr schätzen lernen, wenn wir aus weiter Ferne zu ihr zurückblicken. Schon heute hat sich gezeigt, dass der Weltraumflug Bewusstseinsveränderungen im Menschen hervorruft, z.B. durch den "Overview-Effekt", d.h., durch den Überblick über unseren gesamten Daseinsbereich, der sich jählings als beschränkt, begrenzt und hochgradig verwundbar erweist: eine hauchdünne, zarte Atmosphärenschicht um den Erdball ist alles, was unsere Existenz ermöglicht. Diese Erlebnisse zwingen jeden zu Fragen - Fragen über sich selbst, über die Mitmenschen, über Vergangenes und Zukünftiges. So wie stets beim Menschen jeder Schritt ins Physisch-Äußere auch einen Schritt ins Psychisch-Innere mit sich bringt, ist jede Reise "hinaus" ins All für uns auch eine Rückkehr zu uns und zur Erde. Die ersten Fotos der Erde aus dem All erzeugten bei vielen Menschen einen "Weltraumschock", der die Umweltbewegung ankurbeln half. Wenn einst Menschen auf dem Mars die Erde nur noch als hellen Stern unter vielen anderen sehen, wird sie für sie eine noch tiefere Bedeutung annehmen.



3. Was bringt der Menschheit heute ein Aufbruch ins All? Was hätte insbesondere Deutschland davon?


Das wichtigste Anliegen der Raumfahrt betrifft die Jugend, denn sie zeigt Perspektiven für die Zukunft und macht Visionen erlebbar. Dies ist gerade für den jungen Menschen wichtig, denn wer anders als er muss existentiell interessiert sein an den Überlebens- und Wachstumsmöglichkeiten der Zukunft. Ein Land ohne Visionen hat eine Jugend ohne Perspektiven, und mit einer Jugend ohne Perspektiven erlebt so ein Land einen Werteverfall und hat keine Zukunft.

Zur Charakterbildung beim jungen Menschen gehören positive Perspektiven. Die Perspektive Raumfahrt übt nicht nur starke Magnetwirkung auf den jungen (bzw. junggebliebenen) inspirationsuchenden Geist aus, sondern erfordert auch durchweg lebensbejahende und persönlichkeitsbildende Faktoren: Wissen (Naturwissenschaften, Mathematik, Physik, Umwelt, usw.), Situationsbeherrschung (Geistesgegenwart), Teamwork, und Geduld.

Ich frage mich oft, wieso es ausgerechnet älteren Menschen ansteht, gegen viele heutige Technikansätze, deren Ausreifung sie selber nicht mehr erleben werden, so vom Leder zu ziehen, wie man es in Deutschland bei der bemannten Raumfahrt tut. Woher nimmt man sich eigentlich das Recht, auch und gerade als Politiker der Jugend Zukunftsalternativen auszureden, zu vermiesen, ja gar zu blockieren, die sie eines Tages zum Überleben und Wachstum benötigt? Welche Leitbilder gibt man denn da den jungen Menschen? Und welche Perspektiven könnten positiver, begeisternder und dem Volksethos zuträglicher sein, als die der Raumfahrt? Man kann den Charakter eines Volkes, seinen Reifezustand und die Mündigkeit seines gesellschaftlichen Bewusstseins, sein “Selbstverständnis”, auch an seiner Fürsorge- und Zuwendungsbereitschaft für die Generationen seiner Nachkommenschaft erkennen. Bemannte Raumfahrt ist also für mich in erster Linie eine ethische Aufgabe, ja Verpflichtung.

Das bedeutet, dass sich das Anliegen Raumfahrt an die Älteren richtet, die heute die Verantwortung tragen oder tragen sollten. Langfristige Großprojekte im All wie die Marsexpedition, die sich nicht durch materialistisch-utilitaristische Kosten/Nutzen-Vergleiche rechtfertigen lassen, weil sie eher humanistische, intellektuelle, gesamtkulturelle Bedeutung haben, bleiben vorerst einer zukünftigen Generation überlassen, deren Prioritäten sich von den unsrigen heute unterscheiden. Die wichtigsten davon sind internationale Zusammenarbeit und globale Lösungsansätze für die Großprobleme der Zukunft, das heißt: sie sind nicht nur Voraussetzung zur Expansion im All, sondern ganz allgemein dazu, die Zukunft in den Griff zu bekommen und handhaben zu können. Ich sehe das All damit als Metapher für die Zukunft schlechthin, und auch das macht die Raumfahrt zur Kulturpflicht.



4. Als Argument wird aber immer wieder vorgebracht, die bemannte Raumfahrt verschlinge viel Geld


Das Argument hinkt, denn es beruht auf einem Mangel an Verständnis dafür, dass es sich bei der Raumfahrt um Investitionen in die Zukunft handelt, nicht so sehr in die Gegenwart, wie man es gewöhnt ist, und das mit einem Kosten/Nutzenverhältnis, welches den Begriff vieler heutigen Menschen weit übersteigt. Wir sind dabei, eine Tür aufzustossen, die den Zugang zu einer grenzenlosen Daseinssphäre freigibt. Um das zu verstehen, genügt die heute übliche beschränkte (im geistigen Input) und beschränkende (im Output) “Scheckbuch”-Mentalität nicht; hier ist eine längere Sichtweite angesagt. Der Erlebnisbereich Weltraum bedeutet für den Menschen eine Erweiterung seines Daseinsbereichs und damit eine Chance für eine neue Denkweise, die ihn positiv beeinflusst und dazu befähigt, mit der Erde behutsamer umzugehen und ein neues Verhältnis zur Natur und zu unserem Mitbürger zu gewinnen. Wer den Weltraum erlebt hat, erkennt zum Beispiel nachweislich die zwingende Notwendigkeit, das Raumschiff Erde intakt zu halten. Der bereits erwähnte "Overview-Effekt" des Raumflugs auf unsere Psyche lässt einen neuen Menschen entstehen mit einem neuen Verständnis der Wirklichkeit, wie es gebraucht wird für neue Maßstäbe, neue Ziele und neue Werte: Weg von Zäunen und Grenzen, von Kurzsichtigkeit und dem engen Horizont von Ethnozentrismus, Rassismus, Fremdenangst und Fremdenhass, die unsägliches Leid über die Welt gebracht haben und bringen. Wenn wir innerlich soweit sind, den Schritt zum Mars zu tun, wird sich zeigen, dass der Flug ins All, obgleich Expansion ins Grenzenlose, keine Abkehr von der Erde, sondern tatsächlich eine Rückkehr zu ihr und damit eine Neubesinnung war.

Was also die Frage nach dem Profit betrifft, so bin ich überzeugt, dassß selbst wenn es den heutigen praktischen Nutzen der Raumfahrt nicht gäbe (die für jeden in sie investierten Euro 12 Euros für die Volkswirtschaft abwirft), allein dieses Phänomen des Fortschritts im kollektiven geistigen Reifungsprozess der Menschheit mehr als genügend rationale Rechtfertigung für die Raumfahrt liefert.



5. Was ändert sich mit dem Mars-Programm für die NASA und gibt es Unterschiede zum Mondprogramm von Präsident Kennedy in den sechziger Jahren?


Bei uns ist eine große Umorganisation im Gang zum neuen Explorationsprogramm, dessen Systeme unter dem Sammelbegriff Projekt Constellation stehen. Viele Kolleginnen und Kollegen müssen ihre angestammte Tätigkeit aufgeben und etwas Neues machen. Hierbei streben wir aber maximale Synergie mit existierenden Programmen an, also zum Beispiel mit Shuttle und der Internationalen Raumstation ISS. Es wird in Zukunft mehr entwickelt und weniger geforscht. Wir sind dabei jedoch völlig offen für neue Ideen. Deshalb haben wir auch ein paar Millionen Dollar für kommerzielle Studien bereitgestellt, die unter dem Titel “Centennial Challenges” innovative Ideen sammeln und entwickeln sollen.

Der Hauptunterschied der beiden offiziellen, 43 Jahre auseinanderliegenden Präsidenten-Aufträge ist, dass das Apollo-Programm damals allein dem Konkurrenzdenken des Kalten Krieges entsprang, mit dem Ziel, die Sowjetunion schnellstmöglich zu übertrumpfen. Diesmal sind ausdrücklich andere Nationen eingeladen, sich an den kommenden Missionen zu beteiligen. Ein weiterer Unterschied ist, dassß Präsident Kennedy uns eine klare Zeitvorgabe für die erste Mondlandung setzte (“vor Ablauf dieses Jahrzehnts”), während Präsident Bushs Plan ein offenes Ende ohne rigide Zeitvorgabe hat. Wir müssen auch nicht sofort zum Mars, sondern gehen zunächst zum Mond, um ihn als risikominderndes Testfeld zu nutzen, sowie Kompetenz und das Vertrauen in unser eigenes Können aufzubauen.



6. Ist der Mond noch interessant „an sich“ – oder nur als ein Zwischenstopp auf dem Weg zum Mars?


Beides ist wichtig, denn die Hauptgründe für unser Explorationsprogramm sind vielfältig:
° Vorbereitung der bemannten Marserschließung,
° wissenschaftliche Erforschung fundamentaler Fragen bezüglich des Sonnensystems und des Universums,
° Ausweitung und Erhaltung der menschlichen Präsenz im All,
° Förderung globaler Partnerschaften,
° Beiträge zur Inspiration, Bildung und Wohlfahrt der Erdenbürger, und
° Errichtung und Stützung ökonomischer Entwicklungen im Weltraum (etwa Weltraumtourismus, Orbitalhotel, usw.).



7. Einen vergleichbaren "Motor" wie der Kalte Krieg mit seinem Spannungsfeld gibt es also für das Jahrtausendprojekt Mars nicht. Geht es denn auch ohne das Konkurrenzdenken eines “Wettlaufs im All”?


Ja, aus zwei einfachen Gründen: weil der Mensch von morgen anders als der von gestern ist, und weil wir die Motivation des als Prestigeunternehmen, als "One-Shot"-Hauruckabenteuer aufgezogenen Apollo-Programms nicht wiederholen. Für die amerikanische Mentalität der frühen 60er Jahre lieferte der Wettlauf mit den Sowjets neben der für uns ohnehin ästhetischen Frontier-Romantik des Vorhabens einen guten Grund für Apollo. Inzwischen haben sich die USA jedoch weiterentwickelt, durch eine Reihe tiefgehender Erfahrungen sowohl extern im globalen Bereich als auch intern mit zum Teil radikalen Umstellungen in ihrer stark multi-ethnischen, multi-kulturellen Gesellschaft. Damit gelten auch die alten Beweggründe für neue Forschungszüge ins Unbekannte nicht mehr. Was heute bei uns eher zieht, sind außenpolitische Entschärfung globaler Konflikte, Bekämpfung des internationalen Terrorismus, Ausgleich der drastischsten Wohlstandunterschiede zwischen Nord und Süd, Ost und West, dadurch weltweit Friedensförderung, Schaffung globaler Märkte durch Unterstützung der freien Marktwirtschaft und des privaten Unternehmertums, aber auch um sich greifende internationale Kooperationen auf allen Sektoren. Es hat ein Paradigma-Wechsel zu einer neuen Doktrin stattgefunden, vom gestrigen Konkurrenz-Motiv des Wettlaufs im All als Raumfahrt-Triebfeder zur Kooperation im All als neuer Triebfeder im jetzt begonnenen 3. Jahrtausend.

Das genügt freilich nicht, um auf längere Sicht aus einer Mars-Exploration ein Jahrtausendprogramm beständiger Fußfassung und Besiedlung zu machen. Bevor eine solche langfristige Zielsetzung auf internationaler Ebene akzeptiert wird, sind erhebliche Weiterentwicklungen im allgemeinen Reifezustand der betreffenden Völker nötig. Denn so ein Expansionsprogramm ist ja nicht einfach eine Ansammlung kostspieliger Technikprodukte, eine "Infrastruktur" ausgeklügelter Maschinerie im All, sondern ein dynamischer Prozess, ein Ausdruck einer Gesamtkultur, ein Teil eines Volksethos. nd dessen Prioritäten liegen derzeit anders; wir haben “Wichtigeres” zu tun, als zum Mars zu fliegen. Menschen, die bei einem derartig schicksalshaften Unternehmen noch ständig nach dem "Warum" und nach den "Gefahren" und "Kosten" fragen müssen, sind einfach noch zu beschränkt dafür.

Für mich aber steht fest, dass diese Fußfassung auf einer anderen Welt einst von fundamentaler arterhaltender Bedeutung für uns und unser Überleben als Gattung sein wird. Deshalb ergibt sich für uns die Aufgabe, uns zu einer Gesellschaft weiterzuentwickeln, für die ein menschliches Expansionsprogramm von der Art des Marsfluges ein natürlicher, unbezweifelbarer Ausdruck des menschlichen Soseins ist, jenseits von "Wenn und Aber". Ja, es werden Menschen zum Mars fliegen, aber es wird ein Typ von Mensch sein, der den engen Horizont vieler heutiger Zeitgenossen gesprengt hat. Menschen mit dieser Mentalität sind bereits heute im Entstehen, und bezeichnenderweise ist es die Raumfahrt selbst, die mit ihrer horizontweitenden Wirkung zu ihrer Entstehung beiträgt.



8. Was sind – fernab von Mars und Pluto – wirkliche zukünftige Ziele der Raumfahrt, die sich der „Normalbürger“ heute noch gar nicht vorstellen kann?


Visionen gab es ja zu allen Zeiten, und die bemannte Raumfahrt zum Mond haben sich auch die wenigsten Bürger noch 20 Jahre vorher kaum vorstellen können.
Aus heutiger Sicht können wir, was die Entfernung betrifft, die inneren Planeten unseres Sonnensystems durchaus mit den existierenden bzw. in Planung und Entwicklung befindlichen Techniken erreichen. Mars wird besiedelt und, wenn ethisch zulässig, durch Ökosynthese zu einer für uns wirtlicheren Welt umgeformt werden. Das interplanetäre Gebiet jenseits des Mars, also der Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter und die großen äußeren Planeten, zumindest deren hochinteressanten Monde wie Ganymed, Europa und Titan, wird in den Jahrzehnten nach 2050 erschließbar werden. Und mögliche Lösungsansätze für den interstellaren Menschenflug, also etwa zum nächsten Stern, Alpha Centauri, schwirren schon lange in den Vorstellungen technischer Vordenker herum, sind aber derzeit, solange wir keine Antriebssysteme haben, die die heutigen weit übertreffen, noch solide im Reich der Science Fiction zuhause. Auf lange Sicht werden dem Menschen jedoch prinzipiell kaum physikalische Grenzen im All erwachsen, wenn an den Science Fiction-Ideen vom kryogenisch-unterkühlten Tiefschlaf oder dem "Generationenschiff" (also Raumschiff/Kolonie-Kombinationen) etwas dran ist.



9. Wie weit sind die Visionen, die auch Wernher von Braun zum Mars entwickelte und Sie mit, aus heutiger Sicht zu revidieren oder überholbar? Ist das eingetreten, was auch Sie damals glaubten?


Die tatsächliche Realisierung unseres ursprünglichen Traums von der Entwicklung der neuen Grenze im All und ihrer Infrastruktur für Mond und Mars hat einen gänzlich anderen und in erster Linie wesentlich längeren Weg genommen, als wir es vor 50 Jahren sahen. Beispielsweise haben unser Wissen, Knowhow und die Techniken, die bei unseren ersten Entwürfen von bemannten Marsexpeditionen noch in den Anfängen steckten, inzwischen große Fortschritte gemacht. Aber die Hauptschwerpunkte des Großen Plans sind nach wie vor ungeändert – nur eben sequentiell, sich einer nach dem anderen entwickelnd, statt parallel zueinander entstehend, wie wir es einst in naiver Missachtung politischer und finanzieller Realitäten planten. Wernher von Brauns Vision, dessen “was danach kommt”, wird in der Tat genau so Wirklichkeit werden, wie er es gesehen hat, nur eben einen Schritt nach dem anderen: zuerst Space Shuttle, dann die durch sie ermöglichte Raumstation ISS, dann die durch diese technisch gestützte Rückkehr zum Mond und schließlich der durch das Mondprogramm vorbereitete und risikoreduzierte Flug zum Mars.



10. Wie empfindet man als weit vorausdenkender Wissenschaftler, wenn Visionen und Planungen nicht oder ganz anders eintreten?


Das wirkt natürlich stark enttäuschend und schmerzlich, vor allem wenn man deutlich erkennt, dass man Dinge, an denen man sein Leben lang gearbeitet hat und noch immer arbeitet, nicht mehr selber erleben kann. Aber diese Erkenntnis, so bitter sie ist, ist auch ein wesentlicher und sehr lehrreicher Teil des persönlichen Reifeprozesses, den man an jüngere Generationen weitergeben sollte: Wenn wir den Schritt ins Universum tun, so erfordert das eine Art neue Aufklärung, die uns nicht länger auf die engen Perspektiven und Horizonte unserer traditionellen Umwelt beschränken darf.

Die wirklichen Gründe, warum der Mensch Raumfahrt unternimmt trotz aller Hindernisse, die sich ihm dabei in den Weg stellen, die sich schon Oberth, v. Braun und Korolow in den Weg stellten, liegen eben auf einer anderen, höheren Ebene. Ihre einzig sinnvolle Begründung als notwendige und logische Entwicklungsstufe kann nur von der Warte der großen Linien der Geschichte unseres Planeten im Rahmen noch größerer Weltgesetze kommen. Es ist ein langsamer Prozess, der Generationen braucht, um sichtbare Früchte reifen zu lassen. Selbst die großen griechischen Naturphilosophen haben in ihrer Ära das Weltbild nicht verändert; doch heute gibt es keinen Zweifel über ihr Tun, das die Welt mittlerweile einschneidend verändert hat. Von Friedrich dem Großen stammt ein Ausspruch, der mir schon immer haargenau auf die Raumfahrt zu passen schien und mir stets weitergeholfen hat: “Wer Großes schaffen will, der muss darauf verzichten können, es selbst noch genießen zu können." Das Problem, dem wir in der Raumfahrt gegenüberstehen, ist, dass es derzeit viel zuviele Menschen gibt, die sich lediglich für Dinge engagieren wollen, deren Früchte sie noch selbst genießen können.



11. Sie haben ja auch Science Fiction Literatur geschrieben und Star Trek technisch beraten. Wie beschreiben Sie das Verhältnis Wissenschaft/Science Fiction? Wer befruchtet wen? Warum? Wie nötig ist der fiktive Bereich in Verbindung mit dem wissenschaftlichen?


Es existiert eine gemeinsame Abhängigkeit. Beide Bereiche helfen sich gegenseitig.

Beispiel Raumfahrt: Ihre Anfänge gehen weit zurück, lange vor der Verwirklichung des uralten Traums vom Fliegen und vom Raumflug durch Wissenschaft und Technik anfangs dieses Jahrhunderts, zu den Träumern der Frühzeit, die sich den langen Weg zu den Planeten und Sternen allein auf abstrakten Leitern aus Denkprozessen und schierer Vorstellungskraft emporgearbeitet haben: mit phantastischen Vorstellungen. In Schriften festgehalten, quasi-logisch strukturiert und verbildlicht, regten solche Visionen immer häufiger andere Menschen erst dazu an, auf dem Weg weiterzugehen und den Traum der Verwirklichung näher zu bringen. Science Fiction und Science Fact waren und sind also fest miteinander verkettet, und sie befruchten sich gegenseitig.

Am Beispiel Mars zeigt sich diese Evolution des menschlichen Geistes besonders deutlich. Schon sehr lange vor den Forschern und Ingenieuren waren Visionäre und Träumer, Geschichtenerzähler und Dichter und Phantasten gewesen, gab es Mythen und Sagen um den roten Planeten, den Gott des Krieges, des Feuers, aber auch der Männlichkeit. Für die Raumfahrtpioniere wie Konstantin Ziolkowsky, Robert Goddard, Hermann Oberth, Wernher von Braun und Sergei Korolow war Mars der lockende Leitstern, der ihr Interesse als Jugendliche geweckt, ihre Berufswahl als junge Erwachsene bestimmt und für den Rest ihres Lebens ihre Arbeit geleitet hat. Sie alle sprachen und schrieben über Mars und über die Möglichkeit, ihn zu erreichen. Ziolkowsky beschrieb als Erster visionäre Raumfahrtsysteme von heute; Oberth wurde von Jules Verne angesteckt; Goddard startete 1926 die erste Flüßigkeitsrakete der Welt, getrieben vom Lockruf des Mars, den er 1898 vom Wipfel eines Kirschbaums in Massachusetts aus vernommen hatte; Wernher von Braun, als Student fasziniert von utopischen Romanen und selber Autor von zumindest einer Science Fiction-Novelle (betitelt “Lunetta”), konzipierte 1950 das erste ingenieurtechnisch realistische Marsprojekt und baute Trägerraketen von zunehmender Größe, die die USA von der Durchführbarkeit des Mondlandeprogramms überzeugten; und er, Krafft Ehricke, Ernst Stuhlinger, Harry Ruppe, ich selbst und andere tüftelten Jahre und Jahrzehnte an immer realistischeren und detaillierteren Studien zur Erreichbarkeit des Mars durch Menschen. Die Faszination Mars hat uns inspiriert, hat uns in unseren Leistungen motiviert, hat unserem Reifungsprozess immer wieder einen Schuss Jungblut gegeben.

Ja, wir Menschen sind schon seit sehr langer Zeit auf dem Weg zu den Sternen, und Phantasien und Visionen, angeregt von Science Fiction, haben den Weg gewiesen. Und umgekehrt kommen unsere realen Leistungen heute wiederum in Science Fiction zum Ausdruck und machen diese vor allem in Film und Fernsehen populärer denn je zuvor.



12. Wenn man so weit vorausdenkt und plant, hat man dann die Geduld, die es braucht, beispielsweise bei den künftigen Marsmissionen Ergebnisse abzuwarten?


Man hat keine andere Wahl, es sei denn man lässßt sich ins Bockshorn jagen, wirft die Flinte ins Korn und gibt resignierend auf. Siehe obiges Zitat von Friedrich dem Großen.



13. Was kann der Mensch vom Weltall lernen, auch bezüglich seiner Existenz auf der Erde?


In erster Linie: wie er die Erde besser erhalten und bewirtschaften kann - das zeigen bereits die heutigen Umweltprogramme aus Erdumlaufbahnen. Durch Forschung in der Mikrogravitation und im Vakuum des Alls werden wir ferner auf Gebieten wie Medizin, Chemie, Physik, Werkstoffen uva. neue Durchbrüche erleben. Wir werden auch lernen - ja wir tun es bereits - wie Nationen der Erde friedlich miteinander an Großprojekten arbeiten können, etwa heute an der von 16 Nationen entwickelten ISS oder an dem bemannten Marsprogramm der Zukunft.

Ohne den Schritt in den Weltraum wird die menschliche Existenz auf der Erde früher oder später gegen die Schranken stoßen, die sich Lebensformen immer und überall in einem hermetisch geschlossenen System entgegenstellen und ihre physischen und psychischen Lebensbedingungen veröden: letztlich bedeuten sie ein Ende des Wachstums in einer Sackgasse und damit Stagnation und ein Ende des Lebens.



14. Als Mitgestalter der gesamten Geschichte der Raumfahrt: Was ist Ihre kühnste Vision für die Zukunft – und wann sind wir soweit?


Das All ist eine Domäne des Lebens und Werdens, eine Domäne, die wir für ständig neue Grenzüberschreitungen zur Erweiterung unseres Bewusstseins brauchen. So wie wir uns die Domänen von Land, Wasser und Luft erschlossen und zu eigen gemacht haben, sind wir heute dabei, unserem Lebensraum das All als vierte Domäne hinzuzufügen. Wir haben schon seit langem damit begonnen, und es ist nicht aufzuhalten.

Wann sind wir soweit? Ein Ende ist nicht in Sicht und auch nicht relevant, denn gerade in dieser Entwicklung gilt: der Weg ist das Ziel. Ich bin Optimist, und ich glaube nicht, dass jemals der Moment kommen wird, wo Menschen unserer Art einen Strich im Sand ziehen und sagen „Bis hierher und nicht weiter!“ Dann wären es nicht mehr Menschen unseres Schlages.



15. Wie ändern sich unsere Begriffe von Raum und Zeit im All, und wird der Mensch selbst sich dort mit der Zeit ändern?


Raum und Zeit im All sind die beiden Seiten einer Münze: voneinander untrennbar. Seit spätestens Einstein wissen wir, dass der Kosmos ein Raumzeit-Kontinuum ist. Es gibt weder absolute Bewegung noch einen absoluten Ruhezustand - alles ist in Bewegung relativ zu etwas anderem, also: Raum dividiert durch Zeit, das hängt untrennbar zusammen. Für den Menschen sind im All auch weiteste Räume im Prinzip überwindbar - wenn dazu nicht Zeit erforderlich wäre. Daher der Zwang zur schnelleren Bewegung, das heißt, zu höheren Antriebsenergien, bzw. besserer Triebwerkstechnologie, und zu einer Verlängerung unserer Lebensspanne.

Seine sich steigernde Befähigung zur Überwindung von Raum und Zeit wird den Menschen ständig fortschreitend verändern, wie wir es schon heute erkennen können, wenn wir uns mit Menschen vor 30, 50, 100 Jahren vergleichen. Der Mensch der Zukunft wird geistig und körperlich in vielen Dingen sehr viel anders sein als wir. Wir müssen in unseren Zukunftsprognosen daher nicht nur die Technik, Umwelt, usw. hochrechnen, sondern mit ihnen auch den Menschen, und nicht immer wieder den Gedankenfehler machen, uns in der Zukunft als statisch unveränderliche Heutige im Mittelpunkt zu sehen. Daher Vorsicht mit den Worten "ich" und "wir", wenn's um die Zukunft geht!



16. Wird der Mensch im All mit zunehmender Abhängigkeit von der Maschine auf Gefühle jeder Art verzichten müssen oder wird er sich ganz neue Gefühlswelten erschließen können?


Unser Verhältnis zur Technik und zur Maschine ändert sich mit der Zeit grundlegend; schon seit längerem zeichnet sich der Umschwung in unserem klassischen Maschinenbegriff zum Beispiel in der Unbefangenheit der Jugend (und daraus werden zunehmend Erwachsene) im Umgang mit neuer Computertechnik ab. Je menschenähnlicher die Maschine in ihren Funktionen wird, desto mehr wird sie zu unserem Partner: ohne den Menschen kann sie nicht sinnvoll funktionieren und umgekehrt der Mensch ohne sie nicht weiterwachsen, schon gar nicht im All. Auch wenn es dort einst selbst-replikative Maschinen gibt, brauchen sie den Menschen, um ihrer Existenz Sinn zu verleihen. Der Mensch der Zukunft wird durch die Symbiose mit der von ihm hervorgebrachten Maschine ein neues Wesen werden: ein kybernetisches Wesen.

Und was sein Vermögen für Gefühle betrifft, so sind diese die stärksten Überlebens- und Evolutionsfaktoren. Sie haben sich im Laufe der Evolution beim Menschen deshalb so stark entwickelt, wie wir sie kennen, weil sie sich bei der Auslese und Fortpflanzung stets durchgesetzt haben. Wird sich der Mensch der Zukunft durch den Schritt ins All weiterentwickeln, wie ich es sehe, werden sich auch die untrennbar mit seinem Wesen verbundenen Gefühle mitentwickeln, eben weil er Mensch ist und bleibt. Denn ich möchte annehmen, dass sich mit neuen äußeren Erlebnisräumen, die es ja vorher noch nie für ihn gegeben hat, auch innere Gefühlswelten bilden werden, um das "Befriedigungspotential" zu bilden, welches ihn ja erst zu weiterführenden Schritten ins fremde Äußere motiviert,- zur "Fortpflanzung" weiter und weiter.



17. Hätte es Sie selber mal gereizt, als Astronaut mit unterwegs zu sein?


Der brennende Wunsch dazu war immer schon da, wie bei so Vielen von uns, einschließlich meines einstigen Chefs Wernher von Braun. Wir trösteten uns, indem wir uns sagten, dass wir, wenn wir schon nicht auf den Trägerraketen sitzen dürfen, sie doch immerhin bauen können. Und vielleicht tröstet auch das Beispiel von John Glenn, der noch mit 77 Jahren ein zweites Mal ins All flog: es mag helfen, solche Träume in Zukunft auch für den Normalbürger realistischer zu machen. Andererseits bin ich im Verlauf von viereinhalb Jahrzehnten bei der NASA seit den Anfängen der Mercury-, Gemini- und Apollo-Programme bei jedem einzigen unserer bislang 145 bemannten Raumflüge, darunter bei 114 Shuttlemissionen, in Gedanken intensiv dabeigewesen. Das sollte eigentlich für ein Realitäts-Erlebnis der virtuellen Art ausreichen. Es war und ist eine emotionale Berg-und-Talbahnfahrt, mit der ich nicht nur überaus zufrieden und glücklich, sondern für die ich auch sehr dankbar bin.


Prof. Dr. Jesco v. Puttkamer _ Washington, DC (November 2006)


Bibliographie

Puttkamer, Jesco von: MENSCHEN IM ALL – das Jahrtausendprogramm
(Antworten auf 17 Fragen an Jesco v. Puttkamer). Washington, DC im November 2006 (Manuskript des Autors)


© 2007/2006 für diesen Text: Jesco von Puttkamer / Quelle: www.hyperwriting.de