„Bin ich hochbegabt?“ (SelbstTest)

(Vorbemerkung: Dies wird eine kleine Serie innerhalb des Blogs, die nach Abschluss der Serie in einer eigenen stabilen SEITE Hochbegabt? zusammengefasst und archiviert wird. Dementsprechend ist dieser SelbstTest – erreichbar am oberen Menü-Rand der Startseite – derzeit noch sehr „work in progress“.)

In meinem Buch Das Drama der Hochbegabten habe ich 2004 eine Reihe von Merkmalen zusammengefasst, die in der psychologischen Literatur als typisch für Hochbegabung gelten – also für einen Intelligenzquotienten von 130 aufwärts.

Schon letzteres muss genauer definiert werden, denn es gibt inzwischen eine fast unübersehbare Fülle von solchen Tests, mit denen die Höhe der Intelligenz eines Menschen (oder auch eines Tiers – wie bei vielen Ratten- oder Mäuseversuchen) geprüft wird. Fast allen diesen Tests ist ein Manko gemeinsam: Sie versuchen (!), die verbale intellektuelle Denkfähigkeit durch standardisierte Fragenkataloge zu erfassen. Einige wenige I-Tests (wie der Labyrinth-Test) nähern sich der Fragestellung durch „sprachlose“ Struktur – sind dadurch aber naturgemäß mit den sprachorientierten anderen Tests nur schlecht vergleichbar.
Man kann sich bei mensa (einem Verein von Hochbegabten) mit einem Online-Test oder einem Gruppen-Test einen ersten Eindruck vom eigenen Potenzial verschaffen.
Wie bei jedem psychologischen Test gilt: Das Ergebnis ist sehr von der jeweiligen Tagesform abhängig und von der eigenen Persönlichkeit mit all ihren Unwägbarkeiten:
Wer an einer Depression leidet, hat nicht nur eine verringerte Motivation, so einen Test möglichst gut zu bestehen – sondern ist auch in seinen Reaktionen und Denkabläufen verlangsamt und wird dementsprechend nicht so viele Fragen des Tests beantworten können wie jemand, der psychisch einigermaßen gesund ist.

Mein hier vorgestellter SelbstTest ist kein standardisierter (= vielfach überprüfter) richtiger Test, sondern nur ein Merkmalskatalog, der eine erste grobe Einschätzung ermöglichen soll. Diese Selbsteinschätzung sollte man irgendwann mit Hilfe eines bewährten Tests wie dem HAWIE überprüfen lassen. Der liefert nur dann sinnvolle Ergebnisse, wenn er von einer entsprechenden Fachperson durchgeführt wird – in der Regel eine Diplompsychologin oder ein Diplompsychologe mit Zusatzausbildung.

Auch untereinander sind diese Tests wenig kompatibel. Man muss zum Beispiel wissen, dass zum Beispiel ein IQ, der mit dem in Deutschland früher viel verwendeten Amthauer-Test ermittelt wurde, etwa zehn Punkte nach unten von Ergebnissen des HAWIE abweicht. Als ich 1961 die Eignungsprüfung für das Studium der Psychologie absolvierte, war mein Ergebnis mit dem Amthauer „119“. Erst während der Arbeiten an meinem Buch Das Drama der Hochbegabten begriff ich, dass dies beim HAWIE einem Ergebnis von etwa „129“ entspricht. Meine Tagesform damals war – schon wegen dem Prüfungsdruck bei so einer Veranstaltung, welche die Weichen für ein ganzes Leben stellt – auf gutdeutsch „beschissen“. Aber immerhin – jetzt weiß ich, dass ich hochbegabt bin. Den auf einen Punkt mehr oder weniger kommt es wirklich nicht an.

In Deutschland, wie auch anderswo in der westlichen Welt, hat sich der HAWIE-Test als immer wieder überprüftes und nachjustiertes Verfahren durchgesetzt. Es ist genau genommen die Test-Variante für Erwachsene (was der letzte Buchstabe des Akronyms „Hamburg Wechsler Intelligenztest für Erwachsene“ andeutet); der entsprechende Test für Kinder ist der HAWIK.

(Wer sich für die Geschichte der Intelligenz-Tests und ihrer Entwicklung über die Jahrhunderte hinweg interessiert, findet alle wichtigen Details in meiner Zeittafel zur Psychologie von Intelligenz… Eine hochinteressante Geschichte, in der sich so ziemlich alle Themen der Psychologie vorfinden lassen.)

Abb. 3: Die Gauß’schen Glockenkurve der Intelligenz (auch »Normalverteilung« genannt) (Archiv JvS)

Wie man obiger Grafik (Abb. 3) entnehmen kann, verfügt der größte Teil der Bevölkerung (rund 95 %) über eine durchschnittliche Intelligenz zwischen 70 und 130 (Mittelwert = 100). Am linken Rand findet man rund drei Prozent Minderbegabte, rechts entsprechend drei Prozent Hochbegabte. Der genaue Wert ist 2,27%. Ich nehme das aber nicht so genau, denn
° zum einen ist kein Testergebnis eine derart punktgenaue Aussage,
° zum anderen mag ich die Zahl „3“ sehr (was natürlich überhaupt kein wissenschaftlich relevantes Argument ist)
° und drittens lässt sich mit 3% leichter rechnen (um zum Beispiel den Anteil der HB an der deutschen Bevölkerung abzuschätzen*).

* Wer es genau haben will: Die deutsche Bevölkerung beträgt rund 83 Millionen (Stand 2019) – davon 1% = 830.000 x 3 = rund 2.49 Millionen Hochbegabte. Rechnet man exakt mit 2,27 %, ergibt das 1,88 Millionen HB.
Bezogen auf die Weltbevölkerung von 7,95 Milliarden (Stand 2021) – ergibt das 23,85 Millionen HB weltweit (bzw. 18,046 Millionen HB bei 2,27%) – immer vorausgesetzt, dass der Anteil der HB überall etwa gleich ist.

(Fortsetzung folgt)

Quellen
Brackmann, Andrea: Ganz normal hochbegabt. Stuttgart 2006 (Klett-Cotta).
dies.: Extrem begabt. Stuttgart 2020 (Klett-Cotta).
Scheidt, Jürgen vom: Das Drama der Hochbegabten. München 2004 (Kösel). TB-Ausgabe München 2005 (Piper).
ders.: Zeittafel zur Psychologie von Intelligenz, Hochbegabung und Kreativität. München März 2004 (Allitera) 176 Seiten – 18,00 €uro / ISBN 386520-043-5.
Winner, Ellen: Hochbegabt: Mythen und Realitäten von außergewöhnlichen Kindern. (1996) Stuttgart 1998 (Klett-Cotta).

aut #405 _ 2021-07-21/08:43

Begegnung mit einem Baum: WuTang

(Nein, ich war an diesem Abend nicht bekifft, war ich schon seit 40 Jahren nicht mehr. Ich war nur phantasievoll. Und open-minded.)

Wenn du reden könntest, großer Baum – wenn du einen Namen hättest –

Du könntest mich WuTang nennen.

Was denn – du sprichst? ein Baum?

Ja.

Klingt irgendwie chinesisch – WuTang –

Mag schon sein.

Warum soll ich dich so nennen?

Du sollst nicht – du kannst.

Ich weiß nicht so recht – ein Baum kann doch nicht reden.

Wenn du meinst.

Nein, das geht nicht, Bäume reden nicht – das hat dir mein Bauch telefoniert.

Oder ich Baum habe es dir geflüstert.

Im Herr der Ringe können Bäume reden und laufen und sogar Krieg führen –

Kann ich alles nicht. Ich kann nur stehen und wachsen. Seit mehr als 200 Jahren stehe und wachse ich. Aber meine mir angemessene Größe habe ich längst erreicht. Ich weiß, dass Wachstum eine Grenze hat. Mehr sage ich dazu nicht.

Redest du wirklich mit mir – WuTang?

Ja – wenn du mich WuTang nennst.

Verstehe. Ist ein wenig einsam hier, nicht wahr?

Fühlst du dich einsam? Ich nicht. Da sind all die Menschen, die sich wie du hier auf die Bank setzen und schwätzen und fotografieren und staunen. Da sind die Vögel, die mir was erzählen. Da rauscht der Fluss vorbei – Bist du einsam?

Eigentlich nicht. Naja, manchmal schon. Seit meine Frau Ruth gestorben ist – aber ich komme gut zurecht. Hab Kontakt mit vielen Menschen. Und bin schon immer sehr selbstgenügsam gewesen. Lese gerne, kann mich in ein Buch verlieren, oder einen Film –

Oder mit einem Baum reden –

Moment mal – du hast doch das Gespräch begonnen.

Hab ich das?

So sieht es für mich aus – oder soll ich sagen: So hört es sich an?

Ich kann noch etwas, Mensch, während ich hier stehe. Ich kann dem Fluss zuhören, der seit Tausenden von Jahren von den Bergen kommt und mir von dort oben erzählt und von dem, was er unterwegs erlebt und mitnimmt. Viel braune Muttererde zur Zeit, die der Regen der letzten Tage weggeschwemmt hat. Viel Leid unter den Menschen transportiert der Fluss an mir vorbei. Aber in einigen Tagen bin ich wieder klar und durchsichtig. Sagt der Fluss. Wie all die Jahrtausende zuvor.

Hier bei dir ist gut zur Ruhe kommen, WuTang. Am Stauwehr im Englischen Garten hinter dem Haus der Kunst. Danke!

Gern geschehen. Kannst ja mal wiederkommen.

Mache ich, WuTang. Ach noch was, da kommt mir eine Idee. Wenn ich mal tot bin – dürfte ich meine Asche hier an deinen Wurzeln verstreuen lassen?

Muss nicht unbedingt sein. Ich kann mich ja nicht dagegen wehren. Der nächste Wind pustet das eh weg. Aber du könntest deine Überreste ja gleich in den Eisbach streuen lassen – ist eine saubere Lösung. Wenn die Friedhofsverwaltung das erlaubt.

Das wird sie wohl nicht tun. Es sei denn, wir nennen es Seemannsbestattung –

Du – ein Seemann?

Nein. Lassen wir das. Ich wollte mich eh kompostieren lassen, sobald das technisch auch bei uns möglich ist.

Deine Angelegenheit. Mensch.

Nichts für ungut, Baum. Und Guten Abend, WuTang.

Dazu sag ich jetzt nichts mehr. Du willst eh das letzte Wort behalten, ich kenne dich.

aut #1102 _ 2021-07-19/12:18

Tsunami am Horizont

Ich bin mit einem starken Druck im Kopf aufgewacht. Als ich meinen Early Morning Tea trank und begann, meine Gedanken zu sortieren und aufzuschreiben (wie ich das jeden Morgen mache), wurde mir plötzlich klar, weshalb mir in der Kurzgeschichte →
„Was murmelt hier?“ das Bild mit dem drohenden Tsunami eingefallen ist.
Das hatte sich wie von selbst einfach so hingeschrieben. Aber jetzt ist mir klar, dass sich vor mir in der Tat so etwas wie ein Tsunami ankündigt: Eine Fülle von Projekten, die ich in Arbeit habe und demnächst liefern will und die noch nicht abgeschlossen sind – zum Beispiel die beiden Anthologien, die ich demnächst beim Verlag abliefern soll und meine Autobiographie (die zwar allmählich hier im Blog Formen annimmt, aber noch viel zusätzlicher Gestaltungsarbeit bedarf). Dann die Buchführung (seit Februar nachzutragen) und die elektronische Steuererklärung ElStEr für 2020.
Beim Tsunami ist es ja so, dass sich die heranstürmende Monsterwelle vor der Küste immer höher aufgetürmt, weil das flach ansteigende Ufer sich in den Weg stellt. Dieser Effekt wird auf ähnliche Weise bei mir dadurch hervorgerufen, dass es Termine mit Seminaren gibt, die in den kommenden Wochen viel Zeit beanspruchen, in denen ich nicht an den obigen Projekten arbeiten kann.

Um nicht in der Tat zu „ersaufen“, begebe ich mich rechtzeitig auf eine Anhöhe in genügender Entfernung vom Ufer, von der aus ich das Terrain gefahrlos überblicken kann – ohne von der Sturmflut erfasst und davon gewirbelt zu werden. Das habe ich sinngemäß eben getan, indem ich all dies aufgeschrieben habe. Der Druck in meinem Kopf hat sich gelöst. Es ist klar, welche Projekte am dringendsten sind und welche am einfachsten erledigt werden können.

So ist das eben morgens wenn man aufwacht: Im Schlaf und Traum ist das weitgehend abgeschaltet, was man tagsüber als „Enge des Bewusstseins“ erlebt. Das Unbewusste und das Vorbewusste hat solche engen Grenzen nicht.
So ist die Reihenfolge richtig: Der Sturm, das Aufräumen und dann die vorübergehende Leere im Bewusstsein – wenn alles gesichert ist, was an Einfällen und Gedanken auf einen eingestürmt ist.

Abb: So schlimm wird es hoffentlich nicht werden! (Photo by Jess Vide on Pexels.com)

Musikalische Begleitung

Rollee McGill: Rhythm´Rockin´Blues
Nur vier Stücke (von insgesamt 30) sind auf dieser CD immer wieder hörenswert:
° Die schwermütige Ballade „There goes that train“ (mit einem sensationellen Saxophon-Solo von gerade mal 55 Sekunden von Rollee McGill)
° und der gerade herzzerreißende Boogie „You left me here to cry“.
° Wer jemals verliebt war und dann verlassen wurde, wird sich bei “ A Moment of Love“ wunderbar verstanden und getröstet fühlen.
° Der Titelsong der CD „Rhythm´Rockin´Blues“ schließlich ist ein saftiger Stimmungsaufheller, bei dem man aufspringen und tanzen möchte – R´n´B vom Feinsten, wo tiefe Traurigkeit von einem trotzig wilden Rhythmus aufgefangen wird – und zugleich ein schönes Beispiel dafür, wo der Rock´n´Roll der Weißen herkommt, die damit das große Geschäft machten, allen voran Elvis Presley und dann die Rolling Stones und die Beatles.

Die anderen Stücke auf dieser CD sind alle ganz nett, aber typisch für B-Seiten – während „… Train“ und „You left me…“ – ursprünglich auf ein und derselben Single – so etwas wie der zeitlose One wonder hit war und ist, den man bei vielen Sängerinnen und Sängern der R´n´B-Szene findet.
Nur wenige Entertainer wie Joe Turner und Ray Charles haben durchgängig ein sehr hohes musikalisches Niveau gehalten und nicht zufällig hochwertigen Jazz und eingängigere (aber stets originelle, unverwechselbare) R´n´B-Stücke parallel eingespielt. Ray Charles verzeiht man sogar die späteren Chöre und Geigen-Arrangements, mit denen er vor allem bei einem weißen Publikum Anerkennung suchte und ordentlich abkassieren wollte – was ihm auch erstaunlich gut gelungen ist. Wenn man Ray, den Film über sein Leben und seine Musik gesehen hat (worin ihn Jamie Foxx kongenial dargestellt hat) versteht man das alles. Wer auf diesem Planeten schafft es schon, mit dem Vornamen zum Markenzeichen zu werden! Und das als seit dem achten Lebensjahr Blinder, der aus allerärmsten und noch dazu „schwarzen“ Verhältnissen stammte – und es trotzdem schaffte, dank seiner musikalischen Hochbegabung ein Weltstar zu werden, der uns Jugendliche Ende der 1950er Jahre beeindruckte (s. → C.C. Rider) und den man heute noch spielt, sieben Jahrzehnte danach.

Bei anderen Stücken von Rollee McGill wie „There´s Madness in my heart“ kommt es sehr auf die eigene Stimmung (und Lebenssituation) an, wie das auf einen wirkt. Und manches ist einfach grauenhafter Kitsch, der bei den Schwarzen leider noch schlimmer schmachtfetzig ausfällt wie bei ihren weißen Kollegen – wer kennt noch „My Prayer“ und „Only you“ von den Platters oder „When I met you Baby“ von Clyde McPhatter? Bei letzerer Ballade ist sogar mein Vater dahingeschmolzen, der mit „schwarzer“ Musik sonst nichts anfangen konnte (und ich mag diesen Song auch, wenn ich ehrlich bin – wenn mir gerade stimmungsmäßig danach ist.)
„Ain´t going steady any more“ und die meisten anderen Stücke sind die typische Dutzendware für ein Teenager-Publikum und dem Geschmack der weißen Charts abgeguckt – oder es war einfach nicht mehr Kreativität und  Talent vorhanden (sagt aus großer zeitlicher Ferne der abgehoben-kritische weiße alte Mann, der diese Musik vergleicht mit den Großen des Genres und dies auch tun muss – damit er nicht ertrinkt im Meer der Beliebigkeit des weltweiten Angebots an Musik: „75 Millionen“ Titel kann man by Apple Music abrufen, habe ich neulich als Werbung gelesen).

aut #1098 _ 2021-07-18/14:28

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Abb: Lieferbare Bücher (Archiv JvS)

Lieferbare Bücher von Jürgen vom Scheidt – als Paperback, teilweise als E-Book

Kreatives Schreiben – HyperWriting (Sachbuch – Ratgeber). (Frankfurt am Main 1989_Fischer TB). München 2006-11 (Allitera Paperback). 215 Seiten – € 19,90 / ISBN 978-3-86520-210-9.
Kurzgeschichten schreiben (Sachbuch – Ratgeber). (Frankfurt am Main 1994_Fischer TB) München 2002-07 (Allitera). 91 Seiten. 9,90 €uro / ISBN 3-935877-57-9.
Zeittafel zur Psychologie von Intelligenz, Hochbegabung und Kreativität (Sachbuch – Ratgeber). München März 2004 (Allitera) 176 Seiten – 18,00 €uro / ISBN 386520-043-5.
Blues für Fagott und Zersägte Jungfrau (Anthologie mit eigenen Geschichten). München 2005 (Allitera). 140 Seiten – € 12,90 / ISBN 3-86520-121-0.
Männer gegen Raum und Zeit (Roman – Leihbuchausgabe). Wuppertal-Barmen 1958 (Wieba). Überarb. Neuausgabe 2015 (vss-verlag Schladt – Paperback und eBook). 301 Seiten – 14,950 € / ISBN 978-3-9816951-2-0.  / Kindle-Ausgabe als E-Book: 2,99 €.
Sternvogel (Roman – Leihbuchausgabe). Minden 1962 (Bewin). Überarb. Neuausgabe 2017 (vss-verlag Schladt – Paperback und eBook). 190 Seiten – 9,00 € / ISBN 9 781 520 546032.

°Was murmelt hier? (Story)

Das Rauschen kam aus unendlicher Ferne. Seine Augenlider waren wie verschweißt und ließen sich nicht öffnen. Es dämmerte ihm, dass er wohl eben aus einem Traum aufwachte. Hatte der Wecker schon geklingelt? Oder würde diese vertraute Melodie gleich ertönen und ihn sanft in den Tag begleiten –

Dieses verdammte Rauschen! Also doch. Er hatte es geahnt. Er würde wieder am Ufer stehen, auf den leergesaugten Strand mit all dem Dreck schauen und in der Ferne würde sich die Brandung auftürmen und dann würde der Tsunami herantoben und alles mit sich reißen und ihn –

Gemach. Das kannte er alles schon. Er hatte es viele Male erlebt. Und zu Beginn viele Male nicht überlebt. War immer wieder neu aufgewacht zum melodiösen Klang seines Weckers und dem Geruch des Frühstücks-Buffets, das sie unten im Garten des Hotels unter den sich sanft wiegenden Palmen an endlosen Tischen ausgebreitet hatten: Gebratener Speck, Eier, kleine Pizzen, köstliche Fischstücke, Garnelen in exotischen Saucen, sogar Hummer, Salate mit Mango Chutney –

Er konnte von alledem so viel essen, wie er wollte und würde doch nicht zunehmen und am nächsten Morgen genau den selben Hunger haben wie immer – und immer wieder –

Dann das ferne Rauschen. Das Klopfen an der Tür. Die Schöne, die er einige Tage zuvor, und dann auch in den folgenden Tagen angebaggert hatte, immer geschickter – bis sie sich am Abend bei einem Glass Champagner hatte überreden lassen –
Und die dann, ja, das fiel ihm nun wieder ein, mal eben Schwimmen gegangen war, während er noch schlief und nun gleich, mit einer leuchtend roten frischen Hibiskusblüte im Haar und weit offenem Ausschnitt zurückkommen und klopfen würde und –

Aber da war kein Klopfen. Warum trat Anny nicht ein? Warum war da plötzlich kein Rauschen mehr in weiter Ferne, sondern ein eigenartiges Geräusch, schwer einzuordnen, wie fremde Stimmen.

„Was murmelt hier?“ artikulierte seine geschwollene Zunge. Das war auch neu. Irgendetwas hatte über Nacht seine Zunge anschwellen lassen. War das etwas Gutartiges – oder etwas Gefährliches? Sollte er den Hotelarzt kommen lassen?

Und wo blieb Anny? mit der leuchtend roten Blüte? Heute kein Tsunami – nachdem er endlich gelernt hatte, rechtzeitig auf die rettende Anhöhe zu flüchten, von der aus er, in sicherem Abstand, das ungeheure Ereignis beobachten konnte wie ein Theaterstück, das nur für ihn aufgeführt wurde und das fast nur er überleben würde und noch einige Leute, die er nach und nach ein wenig kennenlernte –
– was sonst sollte er tun in diesem verlassenen Stück Südsee, wohin ihn der Urlaub verschlagen hatte-

Jetzt fiel es ihm wieder ein. Gestern der Besuch beim Speziallabor, zu dem der Hotelarzt diese Gewebeprobe aus seiner Zunge geschickt hatte. Er wollte Gewissheit haben und nicht warten, bis der Bericht zum Arzt geschickt wurde, der ihm dann das Ergebnis mitteilen würde – er wollte gleich Genaues erfahren –

Ja, jetzt sah er den Zettel wieder, der auf dem Tisch neben der Tür lag, die auf den Balkon mit Blick aufs Meer führte. Jetzt fiel es ihm wieder ein: Inoperables Karzinom – Letalität 100 Prozent. Lebenserwartung drei Monate. Zunehmende unerträgliche Schmerzen.

Ungefähr so stand es da auf dem gelben Blatt – mit teils roter Schrift. Und ihm fiel nun auch wieder ein, dass er schon ein Dutzend Mal versucht hatte, in eine Variante dieser Zeitschleife zu gelangen, wo dieses tödliche Karzinom nicht existierte.

Er wusste nun auch, dass der Wecker nicht klingeln würde und dass Anny nicht kommen würde. Er würde seine Badehose anziehen und die Badelatschen und das Handtuch leger über die Schulter werfen und ein Liedchen pfeifen und gemächlich zum Strand hinunterlaufen und sich dort mit ausgebreiteten Armen hinstellen und auf diese gigantische Wasserwand warten.

Und dann würde er ja sehen, ob er diesmal davonkommen würde oder ob ihn irgendein winziger Zufall, der aber alles veränderte, vielleicht in eine Zeitlinie warf, in der man den Krebs doch heilen konnte – oder in der er gar keinen Krebs hatte – weil sich das Labor täuschte?

Oder vielleicht kam es nur darauf an, das Unausweichliche mannhaft anzunehmen. Und nicht am anderen Morgen wieder aufzuwachen. Sondern endlich tot zu sein.

Ja, wer oder was murmelt hier, dachte er. Und holte noch einmal tief Luft, während sich über ihm, dreißig, vierzig, fünfzig Meter hoch, das Meer auftürmte.

Abb: Und er holte noch einmal tief Luft… (Photo by Emiliano Arano on Pexels.com)

„Hallo Fred, Guten Morgen“, flüsterte ihre Stimme in sein Ohr und leckte das Ohrläppchen, wie sie es gerne tat, wenn ihr danach war, mit ihm unter die Decke zu kriechen –

Er setzte sich abrupt auf. Was war mit seiner Zunge? Sie fühlte sich völlig normal an. „Was murmelt hier?“ flüsterte er.

Sie lachte hell auf. „Niemand murmelt. Das ist das Rauschen des Meers. Angeblich soll es heute einen Tsunami geben – natürlich nur unten im Kino. Komm, steh auf, ich habe einen Bärinnenhunger – unten sind schon die Köstlichkeiten aufgebahrt -„

„Bitte, Anny, wie oft soll ich dir noch sagen – das heißt nicht: aufgebahrt, sondern ausgebreitet. Aufgebahrt werden nur die Toten – und die wollen wir doch nicht haben – oder?“

„Nein, auf gar keinen Fall, Herr Professor Besserwisser. Aber ins Kino gehen wir schon – sonst wird das wieder so ein langweiliger Abend mit Essen und Champagner und dieser lahmen Kapelle, die immer die gleichen Stücke vom vorletzten Jahr spielt -„

Sie summte vergnügt die Melodie des Schlagers „Auf einer einsamen Insel sind wir beide allein -„

„Okay, gehen wir heute Abend ins Kino. Zum Tsunami. Und jetzt – „

Sie zog ihm schelmisch lächelnd langsam die Badehose aus. „Aber erst noch – wie war das mit der Zunge?“

Jetzt fiel es ihm wieder ein. Groundhog Day hieß dieser Film – auf deutsch ein wenig dämlich übersetzt als Und täglich grüßt das Murmeltier. Wie kam er bloß da drauf? Er hatte den Film nie gesehen. Murmeltier – warum denn das?

Ende

aut #1085 _ 2021-07-17/18:46

(Vergleiche auch den Beitrag → Murmeltier-Tage.)

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Männer gegen Raum und Zeit (Roman – Leihbuchausgabe). Wuppertal-Barmen 1958 (Wieba). Überarb. Neuausgabe 2015 (vss-verlag Schladt – Paperback und eBook). 301 Seiten – 14,950 € / ISBN 978-3-9816951-2-0.  / Kindle-Ausgabe als E-Book: 2,99 €.
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Murmeltier-Tage

Vielleicht kennen Sie diesen Film ja gar nicht: Und täglich grüßt das Murmeltier (oder im amerikanischen Original: Groundhog Day). Ich würde ihn vermutlich auch nicht kennen, wenn einer meiner Söhne mich vor geraumer Zeit nicht begeistert darauf hingewiesen hätte: „Musst du dir unbedingt anschauen – das interessiert dich als Psychologen bestimmt!“

Leider habe ich den Film im Kino 1993 doch verpasst. Aber es gibt ja DVD und Blu-ray. Ich habe ihn mir also besorgt – und inzwischen bereits zehn Mal angeschaut. Woran man erkennen kann, dass er mir gefällt – sehr sogar. Vielleicht renne ich offene Türen ein, wenn ich jetzt erkläre. dass es sich um eine Geschichte handelt, bei der jemand (ein arroganter, beziehungsgestörter Wettermoderator) in eine Zeitschleife gerät, die ihn immer wieder in denselben Tag aufwachen lässt. Morgens um 06:00 Uhr. Als Phil (sehr überzeugend gespielt von Bill Murray) seine fatale Situation am zweiten Tag erkennt, hadert er zunächst mit seiner neuen Situation, rebelliert dagegen, versucht durch Suizid zu entkommen, stellt allerhand Unsinn an (Bankraub inklusive) – und tut Gutes. Rettet Menschenleben. Lernt Klavierspielen (hinreißend gegen Schluss die Szene, als er bei einer öffentlichen Veranstaltung Boogie Woogie spielt). Erst baggert er seine Mitarbeiterin und Produzentin Rita (Andie MacDowell) sehr egoistisch an. Aber sie bringt ihm – Murmeltiertag für Murmeltiertag – allmählich bei, dass das so nicht funktioniert – dass er sich sehr ändern muss. Und das tut er – lernt es auf die harte Tour.

Langer Vorrede kurzer Sinn: Der Film wurde inzwischen mehrmals von anderen Drehbuchautoren und Regisseuren variiert und hat sich zu einem richtigen Kult-Plot entwickelt (s. Filmographie unten). Es gibt ihn als rasantes Science-Fiction-Kriegs-Abenteuer (mit Tom Cruise und Emily Blunt (Edge of Tomorrow), als deutschen Krimi in der Tatort-Reihe (Murot und das Murmeltier) und ganz neu als Mischung aus Fantasy und SciFi mit der zusätzlichen Variante, dass eine zweite Person, die verzweifelte, gescheiterte Alkoholikerin-Schwester der Braut diesen verrückten Hochzeits-Tag ebenfalls immer neu erlebt (Palm Springs). (Was der Regisseur leider am Schluss vergeigt, als er nur den männlichen Protagonisten der Zeitschleife entkommen lässt – was geschieht mit ihr?)

Diese Filme sind alle sehenswert, weil sie mit ihrem sehr tiefgründigen gemeinsamen Thema (etwa: Sinn in einem als sinnlos erscheinenden Leben entdecken) zusätzlich zur „leichten Hand“ des Unterhaltungsfilm-Drehbuchautors auch eine Portion Interesse an Psychologie und Philosophie verlangen.

Damit ist es in Source Code zunächst nicht weit her (ein Soldat soll das Attentat auf einen Zug in immer neuen Varianten verhindern). Doch als die Geschichte Fahrt aufnimmt und man schließlich begreift, was mit diesem tapferen Helden tatsächlich los ist (was ich hier natürlich nicht verrate), bekommt auch dieser Action-Thriller eine gehörige Portion metaphysischer Tiefe.

Wer aufgibt ist tot inszeniert ein deutschen Familien-Melodram – und macht dies auch recht geschickt.
Gewissermaßen als Urformat des Plots könnte man Lola rennt mit der hinreißenden Franka Potente in ihrer zweiten großen Rolle einordnen – auch wenn hier dieselbe Geschichte eines sehr konfliktreichen Berliner Alltags von Tom Tywker nur dreimal variiert wird.

Der Murmeltier-Tag war jedenfalls 1993 die Initialzündung dieser neuen Filmidee. Die tiefe Wahrheit, die er transportiert – und der sich ja jeder Mensch irgendwann stellen muss – heißt ja:

Jeden Tag mache ich im Grund dasselbe, steh auf, putz mir die Zähne, wasch mich, frühstücke, arbeite (oder geh zur Schule oder was auch immer) und fall am Abend müde ins Bett – um am nächsten Morgen in nahezu denselben Tagesablauf hinein wach zu werden – und wozu das Ganze?

Die Antwort des Original-Films von Rami wie seiner Adaptionen ist ganz klar: „Mach das Beste daraus – mit immer neuen kleinen Variationen, die ein wenig deine Welt und die Welt um dich herum verändern und, wenn es gut geht, sogar ein wenig verbessern.“
Im Grunde das altrömische „Carpe diem – genieße den Tag“ – wenngleich etwas moderner und praxistauglicher.

Deswegen liebe ich vor allem diesen Ur-Film Groundhog Day: Weil er mir diese Antwort immer wieder gibt – wenn ich sie mal vergesse. Ein gutes Mittel gegen Depressionen – durch Besinnlichkeit und Entschleunigung.

Beispiele aus dem Alltag von Jedermann und Jederfrau

° Die immer (fast) gleichen Sitzungen einer Psychoanalyse.
° Die sehr ähnlichen Sitzungen vor den Bildschirmen beim Schreiben dieses Blog.
° Das öde Lernen für die Schule – jeden Tag (fast) das selbe.
° Jeden Tag muss Mutter für die Familie einkaufen und kochen.
° Jeden Tag muss Vater in die Firma gehen und für die Familie malochen.
° Jeden Tag muss (ein anderer) Vater für die Familie einkaufen und kochen.
° Jeden Tag muss (eine andere) Mutter in die Firma gehen und für die Familie malochen.

° Jeden Tag müssen Sie – ja was denn?

(Im nächsten Beitrag können Sie eine Kurzgeschichte von mir zum selben Murmeltier-Plot lesen: Was murmelt hier?
Vielleicht gefällt Sie ihnen. Aber schauen Sie sich den einen oder anderen dieser Filme trotzdem an.)

Begleitmusik
Ich könnte die im Ur-Murmeltiertag gespielte Musik nennen, vor allem den Boogie Woogie, den Bill Murray alias Phil zum Besten gibt – ganz wunderbar mitreißend. Aber aktuell ist es ein Konzert von Alicia Keys, das sie in der Sylvesternacht 20020-/21 in Los Angeles gab. Ich sah es zufällig dieser Tage auf ARTE-TV um Mitternacht. War erst begeistert von dieser Musikerin, ließ mich von ihrer guten Laune mitziehen, die sie versprüht – bis ich nach fünf Songs enttäuscht abschaltete. Corona-Zeiten hin und Maskenpflicht samt Abstandhalten her – so oberflächlich muss gute Unterhaltungsmusik nicht daherkommen. Das war weichgespülte Langeweile für ein Weltpublikum.
Dabei kommt diese Frau doch aus der R´n´B-Ecke! Wenn ich das vergleiche mit den Rockröhren der 1950er und 1960er Jahre, fällt sie gegen diese doch gewaltig ab: Ruth Brown, LaVern Baker, Aretha Franklin – oder die Jazz-Sängerin Dakota Staton, die bei dem legendären Newport Jazz-Festival 1958 so sophisticated „Sweet Georgia Brown“ und „All of me“ gesungen hat (enthalten in der Film-Doku Jazz an einem Sommerabend).
Alicia Keys ist zwar fraglos ein toller „Hingucker“, sehr sexy und eine wunderbare Entertainerin und klasse Sängerin – aber ihre Musik kannst du vergessen. Sagen mir meine Ohren jedenfalls.


Quellen
Murmeltier-Varianten
Barbakow, Max (Regie): Palm Springs. USA 2020.
Jones, Duncan (Regie): Source Code. USA 2010.
Liman, Doug (Regie): Edge of Tomorrow: Live Die Repeat. USA 2014.
Ramis, Harold (Regie): Und täglich grüßt das Murmeltier (Groundhog Day). USA 1993 (Columbia).
Tykwer, Tom (Regie): Lola rennt. Deutschland 1998 (Creative Pool).
Wagner, Stephan (Regie): Wer aufgibt ist tot. Deutschland 2016.
Zeitungsartikel
Hildebrand, Kathleen: „Die Faszination der Zeitschleife“. In: SZ #127 vom 07. Jun 2021, S. 11 (Feuilleton).
Musik
Keys, Alicia: Live in LA Sylvester 2020/2021. (BBC) – ARTE TV am 16. Juli 2021 um Mitternacht.
Stern, Bert (Regie): Jazz on a Summer´s Day. USA 1959. (Deutsche Fassung: Jazz an einem Sommerabend).

aut # 1090 _ 2021-07-16/18:39

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Abb: Lieferbare Bücher (Archiv JvS)

Lieferbare Bücher von Jürgen vom Scheidt – als Paperback, teilweise als E-Book

Kreatives Schreiben – HyperWriting (Sachbuch – Ratgeber). (Frankfurt am Main 1989_Fischer TB). München 2006-11 (Allitera Paperback). 215 Seiten – € 19,90 / ISBN 978-3-86520-210-9.
Kurzgeschichten schreiben (Sachbuch – Ratgeber). (Frankfurt am Main 1994_Fischer TB) München 2002-07 (Allitera). 91 Seiten. 9,90 €uro / ISBN 3-935877-57-9.
Zeittafel zur Psychologie von Intelligenz, Hochbegabung und Kreativität (Sachbuch – Ratgeber). München März 2004 (Allitera) 176 Seiten – 18,00 €uro / ISBN 386520-043-5.
Blues für Fagott und Zersägte Jungfrau (Anthologie mit eigenen Geschichten). München 2005 (Allitera). 140 Seiten – € 12,90 / ISBN 3-86520-121-0.
Männer gegen Raum und Zeit (Roman – Leihbuchausgabe). Wuppertal-Barmen 1958 (Wieba). Überarb. Neuausgabe 2015 (vss-verlag Schladt – Paperback und eBook). 301 Seiten – 14,950 € / ISBN 978-3-9816951-2-0.  / Kindle-Ausgabe als E-Book: 2,99 €.
Sternvogel (Roman – Leihbuchausgabe). Minden 1962 (Bewin). Überarb. Neuausgabe 2017 (vss-verlag Schladt – Paperback und eBook). 190 Seiten – 9,00 € / ISBN 9 781 520 546032.

Brille zum Zeitunglesen?

Das ist neu. Bis vor einem Vierteljahr konnte ich mühelos noch sehr kleine Schrift der Größe „3.0“ lesen. Jetzt habe ich Mühe, zwei Spalten der Süddeutschen auseinander zu halten – sie fließen leicht ineinander.
Meine beiden Augen waren schon immer sehr verschieden – das linke sehr schwach und leicht schielend. Jetzt im Alter fällt es dem rechten Augen wohl schwerer, die Dominanz zu halten.

Gut, eine Brille wird das ausgleichen. Aber die neue Situation hat eine alte Erinnerung wieder hochgespült, die mit meiner Mutter zu tun hat. Ich war zwölf, als sie in Hof mit mir beim Augenarzt war (Warum? Hatte ein Lehrer etwas bemerkt?)

Als der Herr Doktor sagte, ich bräuchte eine Brille, sagte meine Mutter nur sinngemäß: „Nein, der braucht keine Brille“. Und das war´s.

Hatte ich vorher immer in der hintersten Bank gesessen (schon, weil man dort so gut schwätzen und heimlich Schundheftchen lesen und irgend welchen Blödsinn machen konnte – was ADHS-Kinder halt so treiben) – setzte ich mich bei der nächsten Möglichkeit (wahrscheinlich im Herbst 1954 beim Übertritt in die vierte Klasse der Oberrealschule) ganz nach vorne in die erste Bank – weil ich nur dort deutlich sehen konnte, was der Lehrer an die Tafel schrieb. Ohne Brille. Die Mutter hatte das ja blockiert.

Nach dem Umzug nach München war eine meiner ersten Aktionen der Gang zum Augenarzt und dann zum Optiker – um endlich eine Brille zu bekommen und klar sehen zu können. Ich hab´s zweimal mit Kontaktlinsen versucht – aber das war nichts für meine empfindlichen Augen. Es war so etwas wie ein erster Akt der Rebellion gegen Mutters magische Macht.

Dass ich offenbar zusätzlich eine Allergie hatte, die sich bei Pollenflug als unerträgliches Jucken in den Augen auswirkte, begriff ich erst viele Jahre später – zufällig. Heuschnupfen in den Augen – wer denkt denn an sowas! Das hätte mich jedenfalls 1964 fast am Bestehen des Vordiploms in Psychologie gehindert – weil dieses Jucken in den Augen mich mehr als irritierte und vor allem massiv beim Lesen und Lernen behinderte- vor allem, weil kein Arzt und auch nicht die Spezialisten in der Zenker´schen Augenklinik herausfand, was es war, was mich da plagte. „Neurasthenie“ – war eine der hilflosen Diagnose. Danke. Das half – nämlich keinen Arzt mehr diesbezüglich zu konsultieren.
Die richtige Diagnose fand ich tatsächlich rein zufällig gut zwanzig Jahre später selbst, als ich mit meiner Frau Ruth im Frühling bei einer Wanderung im Allgäu eine blühende Wiese überquerte – und „wush“ begannen meine Augen zu jucken, als hätte man mir eine ätzende Flüssigkeit hineingeträufelt. Als ich auf der anderen Seite die Wiese verließ – war das Jucken wie weggeblasen. Ich überprüfte das – betrat die Wiese – „wush!“ Verließ das wunderschöne Blütenmeer wieder – „weg“.

Das war´s. Selten habe ich eine so klare Demonstration einer medizinischen Realität erlebt.

Doch zurück nach 1956 und den Anpassung der ersten Brille. Es war wie ein optisches Wunder: Nach vier Jahren endlich klar zu sehen. Im Kino alles mitzubekommen – für mich Kino-Freak schon Wunder genug.

Es war allerdings ein Preis zu zahlen: Mit Brille bist du plötzlich sehr verletzlich. Das erlebte ich auf drastische Weise, als ich auf dem Oktoberfest in eine Schlägerei geriet, bei der man mir als erste die Brille vom Kopf schlug – die wahrscheinlich der Auslöser für die Aggression war. Ich hab´s überlebt – indem ich wegrannte.

Als mein Psychoanalytiker so um 1970 mal unbedacht sagte, er möge keine Leute mir Brille – dachte ich: Schau mal an. Der Herr Doktor – von wegen Abstinenzregel! Vielleicht lag es daran, dass ich die Brille stets schon beim Betreten der Praxis abnahm und im Futteral verstaute – und er mich vielleicht nie mit Brille gesehen hat. Oder es war ein saftiges Stück spontaner Gegenübertragung, was ihm da entfuhr (denn ich muss ein sehr nerviger Patient gewesen sein, der seine gerade göttliche Geduld sicher mehr als strapaziert hat). Schwamm drüber. Heute, im Rückblick, kommt mir das fast so vor, als sei das eine seltsame Wiederholung jener Macht gewesen, die meine Mutter auf mich als Zwölfjährigen ausübte: „Der braucht keine Brille.“ Punktum. (Vielleicht kann ein Psychoanalytiker etwas mit dieser Erklärung anfangen – mir macht sie Sinn. Man wird immer wieder mit seinen Schwachen und Obsessionen konfrontiert – weil man sein inneres Leben um sie herum aufbaut – um sie auszugleichen, oder zu bändigen – los wird man sie nie.)

Meine Augen haben mich immer beschäftigt. Wenn möglich, nehme ich meine Brille sofort ab. Im Fitness-Studio oder wo auch immer – runter mit der Brille. Beim Lesen – runter mit der Brille –

Halt, das hat sich ja jetzt geändert. Ich brauche eine Lesebrille. Na ja. Was soll´s. In meinem Alter.

Lange hat mich dir heimliche Furcht beschäftigt, ich könnte einst blind werden – wie John Milton, dem das in der Mitte seines Lebens geschah. Als ich sein Sonnet „On his Blindness“ als Achtzehnjähriger im Englischunterricht übersetzte, war der Studienrat Feldhütter aus Tutzing nicht sehr zufrieden damit – aber für mich war es eine sehr gelungene Übertragung (das ist jetzt wörtlich gemeint – und nicht psychoanalytisch).

When I consider how my light is spent – ere half my days /
In that dark world and wide…“


Ich kann es noch immer auswendig – in beiden Sprachen. Dieses Schicksal ist mir bisher erspart geblieben (anders als meinem frühesten Kindheitsfreund Dietmar). Stattdessen hat es mich zu meiner Kurzgeschichte „Blindheit“ inspiriert – die bisher am meisten nachgedruckt wurde, in fünf Sprachen übersetzt ist und mir für diese zehn Druckseiten ein beachtliches Honorar eingebracht hat – mehr als 4.000 Mark, schätze ich.

Als Jugendlicher und noch als Student habe ich die Brille beziehungsweise die Kurzsichtigkeit gerne versteckt – etwa in Gestalt einer schicken Sonnenbrille (mit korrigierten Gläsern). Das so zum Beispiel so aus:

Es gibt auch Vorteile

Als ich dann 1956 in München die erste Brille bekam, war dies auch das Ende meines Bubentraums, Testpilot und „Weltraumfahrer“ zu werden. Mit Brille undenkbar. Die Konsequenz: Weltraumfahrten „auf dem Papier“ (in Gestalt eigener SF-Romane) und später auch die „Weltraumflüge nach innen“, zu denen Rauschdrogen der nötige Treibstoff sind. Aber das ist ein anderes Kapitel, das zum Beispiel hier aufgeblättert wird.

MultiChronalia

Die Brille – gleich welche – und die damit verbundene Kurzsichtigkeit ist so etwas wie ein Leitfossil in meiner persönlichen Archäologie und verbindet viele Zeitschichten:
1952 die Machtdemonstration von Mutter („Der braucht keine Brille“). 1953 folgende die zunehmende Wendung „nach innen“ wegen zunehmender Kurzsichtigkeit. 1956 das Aufbegehren gegen das mütterliche Verdikt durch die Anschaffung einer Brille – was zugleich die „Wendung nach innen“ verstärkt und letztlich das Schreiben als Ausdrucksform begünstigt – aber andrerseits das Ende des „Astronauten-Traums“ bedeutet.
Ab 1959 wird die Sonnenbrille zum schicken Accessoire, das die Chancen beim anderen Geschlecht vergrößert (dachte Mann sich jedenfalls).
Zeitsprung in die Gegenwart des Juli 2021: Die Lesebrille als neue Variante, die Fernbrille und Computer-Arbeitslesebrille ergänzt. Nun sind es deren drei.

aut #1096 _ 2021-07-14/21:20

Ravi Shankar: Eintauchen in die indische Musik

Über Cannabis und das Kiffen lässt sich vieles sagen – Positives und Negatives. Ich habe beides erfahren.
Das Negative zuerst: Ich habe als Student zu lange und zu viel gekifft, missbrauchte Marihuana und Haschisch als – leider untaugliches – Selbst-Medikament, um meine neurotischen Probleme zu „behandeln“. Vor allem aber setzte ich viele Joints dafür ein, mein ADHS zu bändigen (von dem ich damals keine Ahnung hatte, was das ist und dass dieses „Zappelphilipp-Syndrom“ mich schon seit frühester Kindheit begleitet hat und Teil meiner psychosomatischen Konstitution ist. Darüber andernorts in diesem Blog mehr → li ADHS*).

* Diese Signatur „→ li“ bedeutet: Hier irgendwann einen Link auf einen separaten Beitrag einfügen, der erst noch zu schreiben ist.

Und hier das Positive:
Klassische europäische Musik erschließt sich einem nur, wenn man sich auf Opern und Symphonien und Fugen und so weiter einlässt, viele Beispiele hört, am besten selbst ein Instrument spielt und sich ein Repertoire verfügbarer Stücke erarbeitet – aktiv musizierend oder passiv Musik genießend. Und noch besser ist es, wenn man verständige Lehrer und Mentoren hat, die einem so manchen Weg durch diesen ja eigentlich sehr fremdartigen Dschungel erschließen – denn Musik kommt in der Natur nicht vor (vom Vogelgesang mal abgesehen), sondern ist immer ein von Menschen gemachtes Kunstprodukt, das man sich mit intensiver geistiger Arbeit aneignen und erschließen muss.

Die Europäische Klassik, wie ich sie mal nennen will, erschloss sich mir schon früh, wie in wohl den meisten gutbürgerlichen Familien, durch Musikunterricht und das entsprechende Schulfach Musik. Mich triezte drei Jahre lang der musikpädagogisch sehr unterbelichtete und vor allem leider sehr ungeduldige Kantor Peter in Rehau am Klavier – der in mir einen lernunwilligen, bockigen, „faulen“ Schüler heranzog – der eines Tages froh war, dieser sinnlos erlebten Fron entronnen zu sein. Eigentlich schade – ich habe das später bedauert; und genieße es heute sehr, wenn einer meiner Söhne, Nichten oder Neffen oder Enkel live oder bei Videokonferenzen Klavier oder Cello spielen und dergleichen mehr.

Ich habe es später aus eigenem Antrieb noch mal mit Gitarre probiert, als mein Freund Alfred Hertrich Unterricht nahm und ich mich da dranhing. Ich gab das bald wieder frustriert auf (übte einfach nicht genug) – während er ein exzellenter Jazz-Gitarrist wurde – mit dem ich später gerne bei Lesungen aufgetreten bin (s. Foto).

Abb. 1: Lesung „Jazz und Poesie“ 1995 in Weiden ( v.l.n.r.) Ralph Bauer (Posaune), Wilfried Lichtenberg (Bass), Alfred Hertrich (Gitarre), Jürgen vom Scheidt (Mikrophon) (Archiv JvS)

Später, schon in München, nahm ich noch einmal einen Anlauf mit Gitarre-Unterricht. Und sogar ein drittes Mal. Es war beide Male ergebnislos.

Nicht gerade „Europäische Klassik“ waren die Schlager, die wir als Kinder und Jugendliche in den später 1940er und frühen 1950er Jahren im Radio hörten (einen eigenen Plattenspieler oder gar Fernsehen gab es noch nicht – das kam erst Ende 1956 nach dem Umzug nach München in die Familie). Aber wir sangen voller Inbrunst mit: „Das alte Haus von Rocky Docky“ und „In einer Nacht am Ganges…“ . Deutsche Originale und vor allem amerikanische Importe – am liebsten original auf „Rias Berlin“ oder im AFN.

Von ganz anderer Art war der Jazz, den ich erstmals 1954 oder 1955 kennenlernte, als mein Freund Klaus Schenk mir eine 45er Füllschriftplatte mit vier Stücken von Woody Herman and His Herd vorspielte. Ich war sofort „hooked“ – hing an der Angel dieser aufmüpfigen Negermusik (obwohl in diesem Fall von Weißen gespielt), die unseren Eltern überhaupt nicht gefiel. Der Rhythm´n´Blues, den mir nach dem Umzug nach München mein dortiger Freund Wolfie Baum (aus dem Science-Fiction Club) nahebrachte, war gewissermaßen die Schlager-Variante des Jazz – in der weißen Version Rock´n´Roll genannt. Was für eine Offenbarung gegenüber den als langweilig empfundenen Symphonien und diesen künstlich geschmetterten Arien der Opern und was sonst noch an Europäischer Klassik geboten wurde – alles brav „vom Blatt gespielt“!
Wieviel lebendiger war da der Jazz, der stets improvisiert und viel emotionaler, rhythmisch wilder und frecher war – mit Texten, die sehr sexuell aufgeladen waren (speziell im Double Talk der schwarzen Blues-Songs) und nicht so verklemmt, wie dieses „klassische Zeug“. Schon die Bezeichnung „Rock´n´Roll“ ist nichts anderes als eine unverblümte Beschreibung des Sex-Aktes (was wir Jugendlichen schnell begriffen haben).

Doch nun zur indischen Musik. Klar, es gibt auch indische Schlager, die nicht anders sind als die europäischen und amerikanischen Hits – meistens nah am Kitsch und in Melodie und Rhythmus immer recht schlicht und oberflächlich eingängig wie überall auf der Welt (wie ich bei meiner Indienreise ständig mitbekam). Aber dann sind da noch die Ragas und die Dhunes und die Talas – Melodien und Rhythmen, von denen nur das Grundgerüst vorgegeben ist, auf dem dann stundenlang improvisiert wird. Dies geschieht mit einer virtuosen Meisterschaft, die für den Kenner gewissermaßen die Brücke darstellt
° zwischen der konzertanten Tiefe und Komplexität und Reife der europäischen Musik (etwa in Mahlers Symphonien, die ich sehr schätze, oder in einer Oper wie der Zauberflöte – die einzige Oper, die mir etwas bedeutet) auf der einen Seite
° und auf der anderen Seite der spontanen improvisierten Lebendigkeit des Jazz.

Die indische Musik hat allerdings eine Eigenschaft, die es dem ungeübten Europäer schwer macht, in sie einzutauchen und sie zu genießen: Das sind die Mikrotöne, die eine Differenziertheit der Melodien ermöglichen, die das „europäische Ohr“ wie Glissandi wahrnimmt. Außerdem hat jede Raga ein ganz spezielles Thema, erzählt sie eine ganz eigene Geschichte und erzeugt im Hörer eine genau umspielte Stimmung wie (erfundenes Beispiel) „das heimliche Treffen der lange getrennten Liebenden in einer Nacht im Monsun, während es draußen regnet“.
Dazu kommt das ständige Raunen der Tamboura (was ungefähr dem Basso continuo der europäischen Musik und der Basslinie im Jazz entspricht) und vor allem die Tabla-Begleitung mit ihrer eigenen, höchst differenzierten Trommelsprache und das sich unaufhörlich bis zu einem furiosen Höhepunkt steigernde Tempo – das man weder im Jazz noch in der europäischen Musik findet – allenfalls im spanischen Flamenco (der wohl irgendwann aus Indien von wandernden Ziganes eingeführt wurde).

Psychologisch gesehen bringt einem eine Raga die frühe tiefe emotionale Beziehung zur Mutter wieder nah – während die Rhythmik den Vater darstellt – so meine Deutung dieser Musik.

Langer Rede kurzer Sinn: Es ist wahnsinnig schwer für einen Europäer, sich auf diese fremdartige indische Musik einzulassen. Es sei denn, man hat einen kundigen Begleiter, der das Zaubermittel kennt: Einen Joint. Das THC in der Haschischpfeife oder in der Marihuana-Zigarette sorgt für die nötige Entschleunigung und öffnet im Gehirn die speziellen Hörfähigkeiten – und dann ist man plötzlich drin und hört nicht mehr ein vorbeirauschendes Glissando, sondern erfährt die Melodie der Sitar als wunderbares Gewebe von Tönen, das auf vielfältige Weise die klare, aus etwa einem Dutzend Tönen bestehende Raga umspielt und nach und nach ein unfasslich komplexes musikalisches Gebilde schafft – das – obwohl nur von einem einzigen Instrument erzeugt – die Vielschichtigkeit einer Symphonie oder eines Jazz-Stücks erreicht und sogar übertrifft – wenn man sich darauf einlässt.

Das geht natürlich auch ohne Joint – indem man sich geduldig über lange Zeit in diese fremde musikalische Welt einhört. Aber mit einem Joint geht es „ruck zuck“ (das „sich Einlassen“ mal vorausgesetzt).

Es gibt großartige Flöten-Ragas und welche mit der Shenai oder der indischen Geige gespielte und ganz speziell die gesungenen Darbietungen – dazu die einzigartigen Tanzkünste Indiens. Ist die Tür des Verstehens erst einmal offen, macht sie ein ganzes kulturelles Universum zugänglich. Dazu noch die „Körper-Kunst“ des Yoga. Und eine Reise nach Indien

Hat sich die Tür durch einen Joint erst einmal geöffnet – kann man in diese musikalische Welt später auch ohne THC immer wieder eintreten. So habe ich es jedenfalls 1963 erlebt (und bin meinem damaligen „Begleiter“ D.H. noch heute dankbar für diesen Joint und diese allererste Raga, in die ich in seiner damaligen Wohnung an der Dachauerstraße eintauchen durfte.)

Quellen
Shankar, Ravi (Sitar): Music of India: Ragas and Talas (Rupak Tal / Raga Madhu Kauns / Raga Yogija / Dhun). USA 1959 (World Pacific #1431). Begleitung: Alla Rakha (Tablas).
ders.: Meine Musik – mein Leben. (New York 1968 _ Simon & Shuster). München 1968 (Nymphenburger Verlagshandlung) – Übersetzung: Elke vom Scheidt – Discographie: Jürgen vom Scheidt.

aut #1094 _ 2021-07-12/14:55

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Kreatives Schreiben – HyperWriting (Sachbuch – Ratgeber). (Frankfurt am Main 1989_Fischer TB). München 2006-11 (Allitera Paperback). 215 Seiten – € 19,90 / ISBN 978-3-86520-210-9.
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Zeittafel zur Psychologie von Intelligenz, Hochbegabung und Kreativität (Sachbuch – Ratgeber). München März 2004 (Allitera) 176 Seiten – 18,00 €uro / ISBN 386520-043-5.
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Sternvogel (Roman – Leihbuchausgabe). Minden 1962 (Bewin). Überarb. Neuausgabe 2017 (vss-verlag Schladt – Paperback und eBook). 190 Seiten – 9,00 € / ISBN 9 781 520 546032.

°Die Wunderheilung (Story)

Sie wollte sich heilen lassen – aber der Analytiker gab ihr weit mehr

Die Frau nahm in dem ihr zugewiesenen Stuhl Platz. Es war ein sehr unbequemer Stuhl, auf dem man es nicht lange aushielt; man musste dann entweder bald wieder gehen – oder sich auf der Couch gleich dahinter niederlassen.

Der Psychoanalytiker schaute die Frau sehr lange schweigend an (so kam es ihnen beiden jedenfalls vor).

„Ich kann Sie nicht behandeln“, brach der Analytiker endlich das Schweigen.

„Warum können Sie mir nicht helfen, Herr Doktor?“

„Soll ich ehrlich sein?“

„Ich bitte darum. Deshalb bin ich ja zu Ihnen gekommen – weil ich Ehrlichkeit brauche – so dringend wie ein Verdurstender in der Wüste -„

“ – das Wasser?“

Sie nickte. „Warum nicht? Warum wollen Sie mich nicht behandeln?“

Er räusperte sich, rutschte verlegen auf seinem Stuhl herum, wenn auch kaum merkbar und sehr kontrolliert. Er nahm den Kalender in die Hand, als hätte er es sich anders überlegt. Dann legte er den Kalender wieder zurück auf das kleine runde Beistelltischchen. Er schüttelte den Kopf. „Nein, es geht nicht.“

„Weshalb, Herr Doktor!“

„Weil Sie eine sehr schöne und sehr begehrenswerte Frau sind. Außerdem sind Sie dazu noch -„

„Was denn?“

„Sehr intelligent. Ich habe im Internet ein wenig recherchiert – ihre Liste von Publikationen ist so beeindruckend wie die ihrer akademischen Titel. Und außerdem -„

„Was außerdem?“

„Außerdem sind Sie auch noch sehr wohlhabend – stammen zumindest aus einer sehr reichen Familie -„

„Na und?“

„Das ist das Problem – Zumindest was die beiden ersten Punkte angeht, ist das ein Problem – für mich jedenfalls -„

„WARUM!“

„Ganz einfach. Ich kann schönen, begehrenswerten Frauen nicht widerstehen. Ich würde mich in Sie verlieben. Das geht einfach nicht.“

„Jetzt reden Sie sehr offen mit mir – wo bleibt da die Asbtinenzregel?“

„Sie wollen doch Offenheit, oder?“

Sie nickte heftig. „Aber warum können Sie mich denn deshalb nicht behandeln? Das wäre doch eine geradezu ideale Voraussetzung für eine Psychotherapie -„

„Nein. Ganz im Gegenteil. Und das wissen Sie genauso gut wie ich. Oder wollen Sie mir weismachen, Sie hätten während Ihres Psychologiestudiums, das Sie mit Bestnote abgeschlossen haben und nach Verfertigung einer Dissertation über Möglichkeiten und Grenzen der psychoanalytischen Heilbehandlung, für die Sie summa cum laude bekamen -„

„Sie sind bestens informiert, Respekt -„

“ – Ja – und da wollen Sie so tun, als wüssten Sie nichts von Übertragungsgefühlen und Gegenübertragungen und wie das funkt zwischen Patientin und Analytiker und wohin sich das entwickeln könnte -„

Könnte, Herr Doktor, könnte -„

„Nein. Es könnte nicht – es würde – Frau Doktor -„

„Aber -„

„Kein aber. Die Antwort ist: Nein. Definitiv: Nein.“

„Auch nicht als Analysandin – im Rahmen einer Lehranalyse?“

„Dann erst recht nicht. Der Supervisor würde davon erfahren. Und bald wüsste es das ganze Institut und weiß der Himmel, wer sonst noch alles -„

„Aber es gibt doch eine ärztliche Schweigepflicht, die auch für Psychoanalytiker verpflichtend ist!“

„Ach ja? Soll ich Ihnen mal aufzählen, was in dieser Hinsicht alles schon gelaufen ist – und dass beispielsweise Sabine Spielrein, Carl Gustav Jungs kleine Gespielin, nicht die erste und letzte Patientin war, auf die ein Therapeut abgefahren ist – – und dass das inzwischen alle Welt längst weiß?“

Wieder sickerte das Schweigen aus den Wänden (so kam es jedenfalls beiden vor), in die schon so viele Wörter und so viel beredtes Schweigen hineingesickert waren.

„Ich muß also weiterhin krank bleiben, nur weil Sie sich weigern -„

„Nicht ich weigere mich, genau genommen, sondern Sie selbst tun das.“

„Ich? In welcher Hinsicht sollte ich mich weigern?“

„Gesund zu werden! Es bedarf nur dieser einen und einzigen Entscheidung: Ich möchte gesund werden.“

„Aber das will ich doch – um alles in der Welt -„

„Es bedarf zwar nur dieser einen wesentlichen Entscheidung – aber sie ist die schwerste von allen. Zu viel Krankheitsgewinn steht dem im Wege. Und Reichtum und hohe Intelligenz und Schönheit – das sind riesige Hürden auf dem Weg, alte Gewohnheiten aufzugeben. Aber mit alledem erzähle ich Ihnen ja nichts Neues. Sie haben es in Ihrer Dissertation seitenweise selbst ausgeführt.
Nein. Es bleibt beim Nein.“

Sie schwiegen beide wieder eine ganze Weile. Der Sand war aus der 55-Minuten-Uhr schon fast nach unten durchgelaufen, als sie aufstand, eine Zweihundert-€uro-Note aus ihrer Brieftasche zog und sie auf dem Beistelltischchen ablegte. Sie zögerte. Dann nahm sie den Schein zurück und gab ihn dem Analytiker direkt in die Hand.

„Danke“, sagte sie und schaute ihm tief in die Augen.

„Danke meinerseits“, gab er lächelnd zurück.

„Es geht mir jetzt schon viel besser als am Beginn unseres Gespräch. Meine Migräne hat sich wie in Nichts aufgelöst -„

„Oh -„

„Doch, ja. Als ich kam, hatte ich rasende Kopfschmerzen. Aber ich habe bewusst keine Tablette genommen. Wollte sehen, ob das etwas Psychodynamisches ist und sich vielleicht durch unser Gespräch auflöst.“

„Und – hat es das?“

„Offensichtlich. Es war die Festigkeit und Klarheit, die ich bei Ihnen gespürt habe. Alle Leute, die ich kenne – die ich an mich heranlasse – sie schmeicheln mir entweder, oder sind zu abweisend -„

„Hm -„

„Vielleicht haben Sie mich ja sogar eben geheilt. Vor allem haben Sie der Versuchung widerstanden, mich tausend Stunden lang finanziell ordentlich zu melken, wie eine Milchkuh. Das wird Ihnen nicht leicht gefallen sein. Ich weiß, dass Sie zur Zeit nur wenige Patienten haben. Psychoanalyse ist nicht mehr der Renner wie vor Jahrzehnten noch -„

„Oh – Sie haben sich aber ebenfalls gut informiert.“

„Das war ich mir schuldig. Aber ich merke, daß Sie mir wirklich sehr geholfen haben.“

„Fast eine Wunderheilung -„

„Es wird sich zeigen, ob das hält. Oder ob das nur der Übertragungsliebe zu schulden ist. So nennt man das doch, oder?“

„Na klar. Steht doch so deutlich in Ihrer Dissertation, in Kapitel drei, wenn ich es recht erinnere.“

Sie lachte hell auf. „War doch alles nur abgeschrieben. Aber jetzt habe ich eine echte Erfahrung gemacht – eine eigene Erfahrung.“

„Und die wäre?“

„Daß man Zuneigung wirklich nicht kaufen kann. Zuwendung aber schon. Sie waren mir in dieser Stunde sehr zugewandt. Ich glaube, das habe ich noch nie wirklich erlebt – oder jedenfalls schon sehr lange nicht.“

„Unsere Zeit -„

„Ja, ich weiß. Der nächste Patient – Falls ich Ihre Hilfe noch einmal brauchen sollte -„

„In Notfällen immer. Aber ich denke nicht, dass es nötig sein wird.“ Er reichte ihr ein Papiertaschentuch aus der Packung auf dem Beistelltischchen. Sie nahm es und ging.

Ende

Abb: So könnte es abgelaufen sein… (Photo by cottonbro on Pexels.com)

aut 1089 _ 2021-07-09/ 13:02  

Traum vom liebenden Kind

Ein Kind kommt nicht „leer“ auf die Welt. Es hat neun Monate lang eine intensive Beziehung zu seiner Mutter erlebt und diese wird nach der Geburt fortgesetzt – wenngleich nun anders. Die „Nabelschnur“ ist ab da die liebevolle Suche nach Nähe der Mutter. In dieses Muster werden der Vater eingefügt und – falls schon vorhanden – Geschwister und wer sonst noch häufig auftaucht im Leben des Neugeborenen.

Soweit – so trivial. Soweit – so abstrakt – abrufbares psychologisches Wissen. Wobei zu ergänzen wäre, dass man gerade in diesem Beispiel deutlich erkennen kann, wie missverständlich es war, als Sigmund Freud in seinem Bemühen um „Naturwissenschaftlichkeit“ die Menschen als „Objekte“ bezeichnete und damit gewissermaßen neutralisierte. Eine Mutter (oder ein Vater), dem ein Kind so seine Liebe schenkt, ist kein lebloses „Objekt“, sondern ein sofort reagierendes „Subjekt“. Es entsteht von Anfang an, eine vielschichtige dynamische Wechselbeziehung, die sich (im Sinne der Kybernetik) ständig verstärkt oder abschwächt.

Heute früh bin ich mit einem Traum aufgewacht, der mir die Realität vor Augen geführt hat, wie das damals gewesen sein muss, als meine eigenen drei Kinder auf die Welt kamen: Wie sie mich liebevoll angeschaut – und dadurch in mir die Liebe zu ihnen geweckt haben. Ein überwältigendes Gefühl – abgespeichert in den Tiefen meiner Erinnerungsspeicher – und heute Morgen plötzlich in aller Intensität da.

Während ich der langsam wieder verblassenden Traumszene noch nachsann – begriff ich plötzlich, wie es meinem Vater zumute gewesen sein muss, der das nie richtig erlebt hat, weil er irgendwo in Europa in Hitlers Auftrag Krieg führte gegen Menschen, die das genauso wenig wollten wie er. Er war zwar einige Tage nach meiner Geburt im Februar 1940 auf Heimaturlaub kurz in Leipzig – aber so ein flüchtiger Moment kann keine tiefe, stabile Beziehung aufbauen. Das nächste Mal habe ich ihn, ebenfalls nur für einige Tage, an Ostern 1943 erlebt, wieder auf Heimaturlaub.
Richtig nachhause kam er erst im Juli 1945, nach kurzer Gefangenschaft bei den Amerikanern.

Aber für einen fünfjährigen Jungen und einem da bereits 38 Jahre alten Vater ist es enorm schwer, eine unbelastete intensive Beziehung aufzubauen. Doppelt schwer vor allem, weil der Vater ab da ja auch immer wieder – teils für Monate – verschwunden war, wenn er irgendwo in Deutschland endlich Arbeit als Kellner gefunden hatte: 1946 in einem Café in Wuppertal – 1947 auf Sylt im britischen Offizierskasino (das umfunktionierte Kurhaus von Kampen) – 1948 in Garmisch bei den Amerikanern im „Casa Carioca“.

Danach machte er sich als Handelsvertreter selbständig – und war wieder die ganze Arbeitswoche über „verschwunden“ – fuhr am Montagvormittag weg (manchmal schon am Sonntagabend) und kam meistens spät abends am Freitag heim (manchmal auch erst am Samstagmittag).

Perspektivenwechsel – vom Kind zum Vater

Das ist die eine Seite – wie ich sie als Kind erlebt habe und die zu einer lebenslangen „Suche nach dem Vater“ führte, die unsere Beziehung sehr schmerzhaft mit starken Zügen von Trauer, Wut, ja hassvoller Ablehnung (als unbewusste Bestrafung?) versah – besonders schmerzhaft, weil mein Vater ja auch viel gab und sich immer wieder sehr bemühte: wenn er mir das Schwimmen und tauchen beibrachte und später das Autofahren, mir den nächtlichen Sternhimmel erschloss, englische Vokabeln schon mir Siebenjährigen in Kampen mit Vokabelkärtchen nahebrachte und damit die Liebe zu dieser Fremdsprache weckte. Oder wenn er mich in den Ferien mit auf Geschäftsreise nahm und mir dabei viel Nähe zeigte und viel von der Welt zeigte. Aber es fehlte eben etwas ganz tief unten im emotionalen Fundament, das gleich zu Beginn des Lebens gelegt wird.

Wie eine „Insel“ in diesem ständigen Suchen und Verlieren war die drei Monate auf Sylt, wo mein Vater zwar arbeitete – aber auch viel Zeit für seine Familie und speziell für mich hatte. Drei Monate waren wir dort in den Ferien – ich mit der Sondergenehmigung und der Auflage, in Kampen mit den „Friesenkindern“ sechs Wochen in die Schule zu gehen – denn die Ferien dauerten ja offiziell nur sechs Wochen und nicht drei Monate. Für mich waren das trotzdem drei Ferienmonate in einem der schönsten Sommer meines Lebens.

Der Traum von heute morgen zeigte mir schlagartig, was ich noch nie zuvor so gesehen habe: Dass genau dieser liebevolle Blick und die tiefe Zuwendung, die dieses Kind mir schenkt – meinem Vater gefehlt haben muss, als sein erstes Kind auf die Welt kam. Eine richtige einigermaßen normale Vater-Sohn-Beziehung gab es für ihn erst 1949, als mein jüngerer Bruder Stefan auf die Welt kam.

Mein Leben lang war ich auf der „Suche nach dem Vater, den ich nie so richtig gehabt habe“ – nun weiß ich, dass es umgekehrt bei ihm ähnlich gewesen sein muss.

Aber darüber wurde nie gesprochen – das wurde wohl auch nur sehr vague erlebt und blieb unbewusst. Aber dank diesem Traum weiß ich es nun. Das Kind im Traum war etwa so alt wie Jonas oben auf dem Bild – etwa halbjährig. Es war jedoch bei aller Vertrautheit und Nähe zugleich irgendwie unbekannt, als es mir diesen Blick und diese zärtliche Umarmung voller Zuneigung und Zuwendung schenkte. C.G. Jung hätte das wohl als „Archetyp des ewigen Kindes“ bezeichnet – „fremd und vertraut zugleich“ – ein seltsames Oxymoron, das aber diesen Moment exakt beschreibt in all seiner Widersprüchlichkeit.

Mein Vater hat von diesen meinen späten Erkenntnissen nichts mehr – obwohl zwischen uns beiden gegen Ende seines Lebens, als er schon in meinem heutigen Alter war, eine zaghafte, wortlose Annäherung stattfand, die die vorherige Distanz zu überwinden begann. Einmal – da war er schon im Pflegeheim – wollte er mit dem Rollstuhl durch die ebenerdige Tür in den Garten und hatte Mühe damit. Er ließ es wortlos zu, dass ich ihn hinausschob. Das wäre vorher von ihm irgendwie mit einer Entschuldung oder einem trotzigen „Das schaff ich schon noch selber!“ abgewehrt oder sonstwie entwertet worden. Dieses wortlose, fast liebevolle Geschehenlassen war ein großes Geschenk von ihm, das mich noch heute, in der Erinnerung, tief berührt.

Ein wunderbarer Traum heute Morgen – so als wäre ich mittels Zeitreise gleichzeitig zurück an den Anfang meines eigenen Lebens gereist – und hätte meinem Vater diese Zuwendung des eben auf die Welt gekommenen Kindes geschenkt, die er in Warhheit von mir nie bekommen konnte.

MultiChronalia
Der Traum ist, wie alle Träume, vielschichtig, auch was die darin vorkommenden Lebensphasen angeht. Da ist der Anfang meines Lebens 1940 – da sind die ersten Begegnungen mit dem Vater 1943 – dann ab 1945. Der wunderbare Sommer 1947 auf Sylt. Dann die späteren Jahre mit den eigenen Kinder – speziell 1982, als das Foto oben entstanden ist. Und nun die Gegenwart vom 08. Juli 2021, in der der Traum geträumt wurde – wohl ausgelöst von Tagesresten: vor zwei ‚Tagen ein Treffen mit meinem Bruder Stefan (Schwimmen im Starnberger See und ein langes Gespräch über Familiengeschichten – speziell auch über meinen Vater); gestern Telefonate mit meinen Söhnen Jonas und Gregor.

Begleit-Musik

Mehr zufällig schaute ich am Abend nach diesem Beitrag den postapokalyptischen Action-Film Mad Max II: Thunderdome – mit Mel Gibson („Forever Young“) in der Hauptrolle. Und mit einer toll agierenden Tina Turner in ihrer ersten und einzigen Filmrolle*: als Wüstenkönigin in einer untergegangenen Zivilisation „nach unserer Zeit“ (nicht durch die Klimakatastrophe untergegangen sondern durch einen Atomkrieg – makes no difference!). Tina singt auch den mitreißenden Titelsong „Thunderdome“ mit den eingängigen Zeile „We don´t need another hero“ – die alle Heldenreisen in Frage stellt.

* Sie hat jedoch großartige Auftritte in Konzertmitschnitten wie der DVD Tina Turner in Amsterdam.

aut #1088 _ 2021-07-08/11:38

Unser nächstes Seminar

Große Sommer-Schreibwerkstatt vom 30. Juli bis 04. August 2021 – leider ausgebucht. Wiederholung:
Große Sommer-Schreibwerkstatt. 17. bis 22, September – noch sechs Plätze frei.
Anmeldung → hier

Lieferbare Bücher von Jürgen vom Scheidt – alle als Paperback, teilweise auch als E-Book

Kreatives Schreiben – HyperWriting (Sachbuch – Ratgeber). (Frankfurt am Main 1989_Fischer TB). München 2006-11 (Allitera Paperback). 215 Seiten – € 19,90 / ISBN 978-3-86520-210-9.
Kurzgeschichten schreiben (Sachbuch – Ratgeber). (Frankfurt am Main 1994_Fischer TB) München 2002-07 (Allitera). 91 Seiten. 9,90 €uro / ISBN 3-935877-57-9.
Zeittafel zur Psychologie von Intelligenz, Hochbegabung und Kreativität (Sachbuch – Ratgeber). München März 2004 (Allitera) 176 Seiten – 18,00 €uro / ISBN 386520-043-5.
Blues für Fagott und Zersägte Jungfrau (Anthologie mit eigenen Geschichten). München 2005 (Allitera). 140 Seiten – € 12,90 / ISBN 3-86520-121-0.
Männer gegen Raum und Zeit (Roman – Leihbuchausgabe). Wuppertal-Barmen 1958 (Wieba). Überarb. Neuausgabe 2015 (vss-verlag Schladt – Paperback und eBook). 301 Seiten – 14,950 € / ISBN 978-3-9816951-2-0.  / Kindle-Ausgabe als E-Book: 2,99 €.
Sternvogel (Roman – Leihbuchausgabe). Minden 1962 (Bewin). Überarb. Neuausgabe 2017 (vss-verlag Schladt – Paperback und eBook). 190 Seiten – 9,00 € / ISBN 9 781 520 546032.

Werbung in eigener Sache

Dieser Blog ist im Prinzip werbefrei. Aber ich werde in Zukunft am Schluss der Beiträge einen kleinen Kasten einfügen, in dem ich auf meine lieferbaren Bücher hinweise und auf das aktuelle Schreibseminar-Angebot. Und so wird das aussehen:

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Große Sommer-Schreibwerkstatt vom 30. Juli bis 04. August 2021 – leider ausgebucht. Wiederholung:
Große Sommer-Schreibwerkstatt 2 vom 17. bis 22, September – noch vier Plätze (von zehn) frei.
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Abb: Lieferbare Bücher (Archiv JvS)

Lieferbare Bücher von Jürgen vom Scheidt – alle Paperback, teilweise auch E-Book

Kreatives Schreiben – HyperWriting (Sachbuch – Ratgeber). (Frankfurt am Main 1989_Fischer TB). München 2006-11 (Allitera Paperback). 215 Seiten – € 19,90 / ISBN 978-3-86520-210-9.
Kurzgeschichten schreiben (Sachbuch – Ratgeber). (Frankfurt am Main 1994_Fischer TB) München 2002-07 (Allitera). 91 Seiten. 9,90 €uro / ISBN 3-935877-57-9.
Zeittafel zur Psychologie von Intelligenz, Hochbegabung und Kreativität (Sachbuch – Ratgeber). München März 2004 (Allitera) 176 Seiten – 18,00 €uro / ISBN 386520-043-5.
Blues für Fagott und Zersägte Jungfrau (Anthologie mit eigenen Geschichten). München 2005 (Allitera). 140 Seiten – € 12,90 / ISBN 3-86520-121-0.
Männer gegen Raum und Zeit (Roman – Leihbuchausgabe). Wuppertal-Barmen 1958 (Wieba). Überarb. Neuausgabe 2015 (vss-verlag Schladt – Paperback und eBook). 301 Seiten – 14,950 € / ISBN 978-3-9816951-2-0.  / Kindle-Ausgabe als E-Book: 2,99 €.
Sternvogel (Roman – Leihbuchausgabe). Minden 1962 (Bewin). Überarb. Neuausgabe 2017 (vss-verlag Schladt – Paperback und eBook). 190 Seiten – 9,00 € / ISBN 9 781 520 546032.

Begleitmusik
Bob Marley and the Wailers: Kaja. (1978).
Die „heilige“ Marihuana-Pflanze auf dem rückwärtigen Cover unterstreicht es: Relaxte Kiffer-Reggaes mit viel Sonnenschein-Gemütlichkeit.  Und dann war da noch die Rückbindung an den Rastafari-Kult, der sich auf Haile Selassie I., den letzten Kaiser von Äthiopien und somit auf afrikanische Wurzeln bezog.
Aber Vorsicht – diese Musik (Ska) war weit vielschichtiger. Ihre Texte transportierten aufmüpfige Kritik an den politischen Zuständen in Jamaika. Marleys Lebensgeschichte ist schon als Kurzfassung in der Wikipedia lesenswert und aufschlussreich. 
Ihre Herkunft kann diese Musik nicht leugnen: Den Rhythm´n´Blues der schwarzen Nordamerikaner, der von New Orleans über das Meer herüberwehte und eifrig gecovert und kreativ umgeformt wurde.

 

Abb. 1: Bob Marley auf dem Cover von „Kaja“ / Abb. 2: Rückseite des Platten-Covers, das die vielgeliebte „Mary Jane“ feiert (Island Records 1978 / Archiv JvS)

MultiChronalia

Hübscher Zufall: Die Plattenfirma Island Records (bei der Marleys LP anno 1978 erschienen ist) gehörte ursprünglich Richard Branson, der unter anderem mit dieser Firma sein Vermögen aufbaute und sich dieser Tage (14. Juli 2021) als erster Milliardär den ersten Flug in den Weltraum mit seinem eigenen Unternehmen Virgin Galactic gegönnt und damit seine Milliardärs-Kollegen und Weltraum-Konkurrenten Jeff Bezos (Amazon) und Elon Musk (Tesla) ausmanövriert hat.

aut #1068 _ 2021-07-06/13:10