Lange Pause – ungewollt

Aus verschiedenen Gründen kam ich längere Zeit nicht dazu, neue Beiträge zu publizieren. Der letzte Eintrag stammt vom 22. August. Ein Grund war, dass ich intensiv mit Seminaren beschäftigt war. Ein anderer, dass ich einige Probleme mit dem Computer resp. der Software hatte, die erst geklärt werden mussten. Beim Neustart war dann des Guten zu viel getan und der Zugang zu diesem Blog erst einmal – ja: bloggiert, könnte man sagen (kleiner Scherz).

Aber jetzt geht es wieder los (auch, wie versprochen, mit dem Selbst-Test „Bin ich hochbegabt?“).
Eine kleine Neuerung hier im Blog ist eine zusätzliche Kategorie „Englischer Garten“, die ich mit diesem Beitrag eingeführt habe. Mit wurde beim Blättern in älteren Einträgen nämlich bewusst, dass dieser wunderbare Park im Herzen von München in diesem Blog eine beachtliche Rolle spielt: Er ist so etwas wie sein „Grünes Herz“ und zugleich seine „Grüne Lunge“, die sich mittendurch zieht.

Im Post Begegnung mit einem Baum: Wu Tang habe ich einem speziellen Baum gewissermaßen bereits einen Ehrenplatz verschafft, ohne zu wissen, um was für eine Art Baum es sich dabei handelt: nämlich eine Flatterulme.

Abb. 1: Mein Lieblingsplatz im Englischen Garten – bei der Flatterulme (Foto Archiv JvS)

Wie wichtig dieser Park mit seinen vielen schönen Plätzen und somit attraktiven Foto-Motiven für mich ist, zeigt ja schon das Foto auf der Startseite unserer Seminar-Website iak-talente.de .

Mein Lieblingsplatz ist beim Stauwehr hinter dem Haus der Kunst, wo der Eisbach (weltberühmt für seine „stehende Welle“ und die dort balancierenden Surfer) sich mit dem Köglmühlbach vereinigt. Dieser tritt bei bei der Bayerischen Staatskanzlei neben dem Hofgarten aus dem Untergrund zutage und generiert zugleich hinter dem Stauwehr den Schwabinger Bach. (Oben auf dem Foto kann man übrigens einige Schwimmer erkennen, die sich dort verbotenerweise im Eisbach tummeln – einer lehnt links vom Stamm der Ulme am Stauwehr, hinter dem der Schwabinger Bach beginnt.)

Abb. 2: So sieht das Blatt einer Flatterulme aus (laut Wikipedia – Stichwort „Flatterulme“)

Seit heute weiß ich übrigens endlich, was für ein Baum das ist, der da recht beachtlich hoch in den Himmel wächst. Ich hatte schon geschätzte fünfzig Spaziergänger*innen befragt, ob sie es wüssten – niemand konnte es mir sagen. Bis ich auf vor drei Tagen auf die Idee kam, bei der Verwaltung des Englischen Gartens nachzufragen. Und prompt hat mir jemand freundlicherweise sofort geantwortet, dass es sich wohl um eine „Flatterulme“ handle. Das hat mich überrascht, weil die Ulmen, die ich kenne, leicht an der typischen Borke zu erkennen sind, die sich großflächig löst. Diese Borke sieht jedoch völlig anders aus. Vergleiche mit Fotos auf Google und mit meinen eigenen Aufnahmen bestätigen, dass es sich um eine Flatterulme handelt – auch die Blattform passt.

Wenn der Klimawandel uns immer höhere Temperaturen beschert, werden solche „grünen Lungen“ in der Stadt noch viel kostbarer als sie es jetzt schon sind! Umso wichtiger, dass wir ihnen große Aufmerksamkeit schenken.

aut #1147 _ 16. Sep 2021 / 19:26

Lesen, Schreiben und IQ

Ich taste mich langsam an das Thema „SelbstTest: Hochbegabung“ und „Hochbegabung als solche“ heran. Ist gar nicht so einfach.

Als ich 1961 die Eignungsprüfung für die Zulassung zum Studium der Psychologie absolvierte, musste ich wie die anderen Prüflinge auch eine ganze Batterie von Tests absolvieren. Wir saßen in einem großen Hörsaal (an die hundert von uns – überwiegend junge Frauen) und mussten unter anderem:
° einen „Wartegg-Zeichen-Test“ ausfüllen (ein DIN-A4-Blatt mit acht Kästchen, in denen man eine angedeutete Zeichnung ergänzen sollte);
° eine Schriftprobe abgeben,
° einen Persönlichkeits-Test ausfüllen (wieder mit vielen Detailfragen – ich habe keine Erinnerung, was für ein Test das war);
° und vor allem musste man die vielen Aufgaben eines Intelligenz-Tests erledigen.

Abb. 1: Beispiel eines Wartegg-Zeichen-Tests, den ich selbst im Rahmen meiner praktischen Arbeit mit Drogenabhängigen für den empirischen Teil meiner Dissertation Der falsche Weg zum Selbst anfertigen ließ (Archiv JvS)

Aus alledem wurden sowohl die charakterliche Eignung für das Studium der Psychologie erschlossen als auch die Höhe der Intelligenz.

Das ganze Procedere dauerte einen ganzen Tag und war enorm anstrengend. Wenn ich es richtig erinnere, wurde das an späteren Tagen noch mit einem längeren persönlichen Gespräch ergänzt (bei dem vielleicht sogar ein Rorschach-Test eingesetzt wurde). Meine Ergebnisse genügten wohl den Anforderungen, denn ich wurde zum Studium zugelassen.

Bei dieser Eignungsprüfung ging es um dreierlei:
° Zum einen lernte man auf diese Weise die Bewerber in „einem großen Aufwasch“ kennen und konnte sie leicht anhand vorher festgelegter Kriterien aussortieren (und nebenbei deren Fähigkeit zur Stress-Bewältigung evaluieren).
° Dann war die ganze Prozedur so etwas wie das Kernstück des ganzen Psychologie-Studiums „in der Nussschale“ – denn solche Tests sind gewissermaßen das „tägliche Brot“ später in der praktischen Arbeit als Psychologe, das man auf diese Weise in der Selbsterfahrung kennenlernte.
° Und drittens umging die psychologische Fakultät auf elegante Weise damit das damals politisch geforderte Verbot eines „Numerus clausus“ nicht nur bei diesem hoffnungslos überlaufenen Studium: Die „Eignung“ zu prüfen konnte man der Fakultät nicht verwehren – während eine rein mathematisch festgelegte Zahl von Bewerbern um die vergleichsweise wenigen Studienplätze nicht erwünscht war.

Viele Psycho-Tests haben den „Zahn der Zeit“ nicht überlebt

Die Zeiten haben sich sehr geändert. Verfahren wie der Wartegg-Test, die Graphologie und der Rorschach-Klecks-Test, die in den 60er Jahren während meines Studiums noch sehr geachtet und als psychodiagnostische Werkzeuge sehr beliebt waren (und eine Weile auch von mir eingesetzt wurden), sind damals schon umstritten gewesen, weil sie äußerst schwierig zu evaluieren und zu standardisieren sind. Solche Standardisierungs-Prozeduren sind äußerst zeitraubend und teuer, wenn sie den modernen Ansprüchen genügen sollen. Wie soll man auch aus der Handschrift eines Menschen in Gestalt einer Schriftprobe so etwas wie eine zuverlässige Auskunft über den Charakter und die Intelligenzhöhe sowie etwaige Begabungsschwerpunkte herausfiltern? Aber damals waren die Testpsychologen noch sehr von ihrer eigenen Intuition überzeugt. So etwas hat heute keine Berechtigung mehr (wird allerdings sicher noch angewendet, vor allem von älteren Psycholog*innen – wie auch bei den esoterisch angehauchten Kolleg*inne die Astrologie sicher immer noch herumspukt).

Das einzige, was von diesen ganzen diagnostischen Verfahren all die Jahre einigermaßen unbeschadet überlebt hat, sind einige standardisierte (und immer wieder neu auf den Prüfstand gestellte) Intelligenz-Tests – mit denen man dann auch so etwas wie Hochbegabung herausfiltern kann: als (künstlich) festgelegtes Testergebnis „130 plus“.

Um dies abzurunden und abzuschließen: Solche Tests, nachzumal die ganze Fragen-Batterie eines Intelligenz-Tests, verlangen bereits drei der Hauptmerkmale, die ich als ganz zentrale Hinweise auf Hochbegabung in den folgenden Beiträgen noch genauer betrachten werde:

Lesen und Schreiben als Kern von Hochbegabung

Man muss lesen können (nämlich die Fragen); man muss das Gelesene verarbeiten und richtig verstehen können; und man muss die Antworten in das Testblatt hineinschreiben – und sei es nur in Form eines Kreuzchens im richtigen Kästchen (das heute meistens automatisch von einer Art rudimentärer KI ausgewertet wird). Informationen aufnehmen (lesen), verarbeiten und abgeben sind drei der vier Aspekte jeder intelligenten Tätigkeit – mit dem Speichern der Informationen (in diesem Fall als archiviertem I-Test) als viertem Aspekt. Das Absolvieren eines Intelligenz-Tests ist also nicht nur die Essenz des Psychologiestudiums – sondern auch das wohl beste Beispiel, wie sich Hochbegabung äußert: Indem man nämlich so einen Test möglichst fehlerfrei und schnell absolvieren kann.
Wenn ich mal (science-fiction-erprobt wie ich bin) in die Zukunft schaue – dann sehe ich allerdings eine völlig andersartige Form von Intelligenz-Tests: Nämlich in Gestalt eines komplexen Computer-Spiels mit Virtual Reality, mit dessen vielfältigen, leicht zu standardisierenden (aber immens teuer zu erstellenden) Details der Proband wie bei einer Heldenreise knifflige Aufgaben und Prüfungen sehr lebensecht meistern muss. Ich nenne dies das WeltSpiel.

Aber das wird noch eine Weile dauern. In meinem glü-Roman gibt es das jedenfalls bereits. Und ich bin guten Mutes, dass diese meine Vorhersage irgendwann in nicht allzuferner Zukunft (vielleicht sogar noch zu meinen Lebzeiten?) Realität wird. Das Geschäft mit der Intelligenzmessung ist zu vielversprechend, auch in finanzieller Hinsicht. Mit dem Labyrinth-Computer-Spiel, das ich in meinem ersten Roman Männer gegen Raum und Zeit 1958 vorgestellt habe – beschrieb ich doch recht treffend das ganze spätere Genre der Computerspiele überhaupt, die ja meistens auf der Struktur eines Labyrinths basieren.

MultiChronalia

Die Eignungsprüfung 1961 für die Zulassung zum Psychologiestudium war nicht meine erste Heldenreise dieser Art. Bereits 1949 mussten wir neunjährigen Steppkes eine ähnliche Eignungsprüfung absolvieren, die den Übergang von der (vierten Klasse) Volksschule in Rehau in die (erste Klasse) Oberrealschule Selb ermöglichte. Auch die habe ich wohl mit Bravour bestanden.
Die Zwischenprüfung zum „Vordiplom“ (heute „Bachelor“) verlief 1963 ebenfalls ganz passabel – allerdings unter enorm schwierigen Begleiterscheinungen, weil mir da ein wahnsinnig das Lesen und Lernen störender Heuschnupfen in den Augen (!) und mein ADHS in die Quere kamen – verstärkt durch den Prüfungsstress (von beidem wusste ich damals allerdings nicht – weder vom Heuschnupfen noch vom ADHS).  
Total missraten ist mir allerdings 1965 der nächste „Schaulauf“: Die Abschlussprüfung für das Hauptdiplom (heute „Master“) in Psychologie. Die mündlichen Prüfungen waren wohl okay. Mein gutes Gedächtnis und meine Vorbereitung (auch in einer Lerngruppe zu viert) mit an die tausend Karteikarten mit den möglichen Fragen des Prüfungsstoffes waren da sicher hilfreich.
Völlig versemmelt habe ich hingegen die schriftliche Prüfung, bei der aus vorgegebenem lebensechtem Material (Gesprächsprotokolle und Testergebnisse eines Probanden) ein schriftliches Gutachten erstellt werden sollte. Auch die zweite Chance dieser Prüfung habe ich (nicht zuletzt wegen vielen Studentenjobs zum Geldverdienen) vergeigt. Erst der dritte Anlauf (mit „ministerieller Sondergenehmigung“) gelang dann.

Und die Promotion 1976? Die schriftliche Arbeit war kein Problem; sie hat sich nur neben Fulltime-Job als praktizierender Psychologe und Journalist und Schriftsteller über sechs anstrengende Jahre hingezogen (weshalb ich eine berechtigte Wut bekomme, wenn mal wieder herauskommt, das da ein prominenter Politiker bei seiner Dissertation geschummelt hat). Schwieriger waren die mündlichen Prüfungen. Vor allem die in Philosophie machte große Mühe – weil ich das angesagte Schriftgut von Leuten wie Habermas so unlesbar und langweilig fand, dass ich mich da wirklich nur dank verständnisvoller Prüfer durchmogeln konnte.

Wen ich heute, im Jahr 2021, in der Rolle des Privatdozenten und Prüfers die Mündlichen von Studierenden meiner Kurse „Kreatives Schreiben“ abnehme, ist mir das alles nur zu bewusst – vor allem weil die alle berufsbegleitend studieren und sehr anstrengende soziale Berufe meistern müssen.

244 _ aut #1127 _ 2021-08-22/21:09

Lesen und Schreiben im Café

Ich arbeite zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich gut. Am einfachsten geht das gleich morgens nach dem Aufwachen – meistens so gegen 05:00 Uhr und noch im Dunkeln. Ein heißer Tee (Darjeeling First Flush mit einer Prise Earl Greys – von der Tee-Kampagne in Berlin) aus dem Samowar, der mich für drei bis vier Tage versorgt. Meistens fließen nach den ersten Schlucken Early Morning Tea die ersten Einfälle. Da ist der kreative Fluss noch nahe am Traum-Geschehen, oft auch direkt mit der Erinnerung an einen Traum verbunden. Die ersten Gedanken werden notiert (unterstützt von einem kleinen Lämpchen, wenn es noch dunkel ist).
Meistens beziehen sich solche Einfälle auf ein konkretes größeres Projekt. Aktuell ist das der neue Kurs „Kreatives Schreiben und Veröffentlichen“ für Breitenbrunn, zu dem ich erst noch das genaue Curriculum entwickeln muss – was aus der praktischen Umsetzung heraus geschieht. Dann muss ich noch einen seit langem zugesagten Artikel über „utopische Heft-Serien in den 1950er Jahren“ für die Jahresschrift TimeMachine fertigstellen, zu dem eigentlich schon alles notiert ist. Und danach geht es an die Collection meiner SF-Stories, die bereits einmal irgendwo irgendwann erschienen sind. Arbeitstitel: Zurück von den Sternen.
Anschließend Yoga, Duschen und Frühstücken. Es folgt Arbeit am PC: E-Mails und all der andere tägliche Kleinkram (fallweise Buchführung), Diktieren von längeren Textschnipseln mit der Dragon-Software und Abtippen kürzerer Passagen. Arbeit am Blog (wie jetzt eben). Et cetera. Et cetera.

Nachmittage im Lieblingscafé

Eine andere gute Zeit zum Schreiben und vor allem zum Überarbeiten von Texten ist der Nachmittag in einem meiner Lieblingscafés (ja, es gibt davon einige – zum Beispiel das Höflinger in der Schellingstraße bei der Uni, im früheren Antiquariat Hauser).

Der „Caféhaus-Literat“ war und ist ja eine ganz spezielle Variante des schreibenden Menschen. Dem kann ich mich gut zugehörig fühlen – obwohl das heute sicher nicht mehr so gemütlich ist wie in den angesagten Wiener Cafés der Belle Epoque oder im Café Größenwahn in München-Schwabing in den „wilden Zwanzigerjahren“. Heute dudelt meistens eine nervige Musik, deren öde Bass- und Drum-Linien von Computer generiert werden und eher stören. Ausnahme: Die sehr liebevoll zusammengestellten, sehr melodiösen Schlager-Potpourris, die im Rigoletto laufen, wo man so schön im Grünen sitzt und auch essens- und kuchenmäßig bestens versorgt wird und mit einem guten Cappuccino – für mich mit dem Fahrrad in zehn Minuten erreichbar.
Das Höflinger Schellingstraße (ehemals Antiquarat Hauser), in dem ich mich am Vortag mit meinem ältesten Sohn Gregor getroffen habe, befindet sich direkt bei der Uni und ist entsprechend vor allem von Studentinnen und Studenten geprägt, die mit Laptops vor sich hin arbeiten oder sich mit ihresgleichen austauschen – oder von Leuten wie mir, die hier gerne die ausliegende Süddeutsche lesen und gelegentlich eine Idee notieren oder einen Text redigieren (und sich gerne an das eigene Studium erinnern – das multiChronisch unglaublich weit zurückliegt und hier plötzlich wieder sehr gegenwärtig ist).

Abb. 3: Wird das Auto oder das Fahrrad die „Zukunftsfragen“ der ÖDP beantworten? Das Antiquariat Kitzinger verschwindet demnächst jedenfalls in der Vergangenheit – wie so viele Schwabinger Antiquariate (Archiv JvS)

Nachdem Lesen und Schreiben sehr prägnante Merkmale für Hochbegabung sind – gelingt mir auf diese Weise elegant wieder die Kurve zu dem Thema, über das ich jetzt eigentlich schreiben sollte – aber die aktuellen Fotos sind zu verlockend, mit denen ich diesen Beitrag garnieren kann.

Zentrales Lebensthema

Was das Thema „Hochbegabung“ angeht, so entpuppte sich das bei der Arbeit an diesem Blog zunehmend als mein zentrales Lebensthema – aufs Engste gekoppelt an die beiden anderen großen Themen „Schreiben“ und „Science-Fiction“ resp. „Zukunft“ und vielleicht im Untergrund miteinander verknüpft über das vergleichsweise neue Thema „MultiChronie“ (das etwa zum Jahresanfang 2021 wie ein Schachtelteufelchen plötzlich in mein Leben gepoppt ist und von dem ich immer noch nicht recht weiß, ob das nur ein „neuer Schlauch“ ist für einen „alten Wein“ oder etwas wirklich aufregend Neues.)
Das alles fühlt sich sehr inspirierend und aufregend an und so, als kündige sich da ein neuer Lebensabschnitt an, mein inzwischen fünfter.
(Fortsetzung im nächsten Beitrag: →li Hochbegabung als Lebensthema)

MultiChronalia

1950 startete ich in einem weiß lackierten Schrank im Vorraum der Wohnung in der Bahnhofstraße 15 in Rehau meine erste Bibliothek. Die beiden oben abgebildeten Antiquariate Hauser und Kitzinger habe ich früher oft frequentiert, als ich noch an keiner Buchhandlungen vorbeigehen konnte, ohne die Auslage zu studieren. Bücher kaufen war eine richtige Obsession, vor allem nach dem Umzug der Familie nach München im Jahr 1956 . Bis ich beim letzten Umzug 2011 von der geräumigen Wohnung in der Seestraße in die vergleichsweise kleine Wohnung in der Winzererstraße umzog und im Verlauf dieser Transaktion an die 3.000 Bücher loswerden musste. Einiges hat – wie früher schon – Kitzinger gekauft. Der Rest landete buchstäblich auf der Müllkippe, weil niemand diese Bücher haben wollte (meistens veraltete Sachbücher, Rezensionsexemplare und dergleichen – nicht schade darum).
Zwischen 1958, als mein erster Roman Männer gegen Raum und Zeit erschien, und 2005, als mit meiner Collection Blues für Fagott und zersägte Jungfrau mein bislang letztes Buch auf den Markt kam, habe ich mehr als dreißig Bücher geschrieben und veröffentlicht – eine kleine Bibliothek in sich. Dann nichts mehr. Was allerdings so nicht stimmt: Inzwischen blubbert es unaufhörlich aus dem Untergrund der GeistQuantenFluktuationen und wenn alles gut geht, werden daraus in den kommende Jahren mindestens fünf neue Bücher. Dazu sind allerdings noch viele Besuche im Café mit Lesen und Schreiben und gutem Cappuccino und Croissants und anderen Frühstücks-Leckereien nötig. Und genau zu so einem Event begebe ich mich jetzt, am 18. August 2021 um 13:00 Uhr, und bin gespannt, was die Zeitung außer den neuen Schrecken der Taliban in Afghanistan (Historische MultiChronie: bestenfalls Mittelalter mit Frauenfeindlichkeit und religiösen Wahnvorstellungen aus dem Altertum) und der Corona-Pandemie und dem Erdbeben auf Haiti sonst noch zu bieten hat.

#243 _ aut #1121 _ 2021-08-19/19:56 (2021-08-18/13:49)

Unser nächstes Seminar

Große Sommer-Schreibwerkstatt. 17. bis 22, September – noch drei Plätze frei.
Anmeldung → hier 

Lieferbare Bücher von Jürgen vom Scheidt – alle Paperback, teilweise auch E-Book

Kreatives Schreiben – HyperWriting (Sachbuch – Ratgeber). (Frankfurt am Main 1989_Fischer TB). München 2006-11 (Allitera Paperback). 215 Seiten – € 19,90 / ISBN 978-3-86520-210-9.
Kurzgeschichten schreiben (Sachbuch – Ratgeber). (Frankfurt am Main 1994_Fischer TB) München 2002-07 (Allitera). 91 Seiten. 9,90 €uro / ISBN 3-935877-57-9.
Zeittafel zur Psychologie von Intelligenz, Hochbegabung und Kreativität (Sachbuch – Ratgeber). München März 2004 (Allitera) 176 Seiten – 18,00 €uro / ISBN 386520-043-5.
Blues für Fagott und Zersägte Jungfrau (Anthologie mit eigenen Geschichten). München 2005 (Allitera). 140 Seiten – € 12,90 / ISBN 3-86520-121-0.
Männer gegen Raum und Zeit (Roman – Leihbuchausgabe). Wuppertal-Barmen 1958 (Wieba). Überarb. Neuausgabe 2015 (vss-verlag Schladt – Paperback und eBook). 301 Seiten – 14,950 € / ISBN 978-3-9816951-2-0.  / Kindle-Ausgabe als E-Book: 2,99 €.
Sternvogel (Roman – Leihbuchausgabe). Minden 1962 (Bewin). Überarb. Neuausgabe 2017 (vss-verlag Schladt – Paperback und eBook). 190 Seiten – 9,00 € / ISBN 9 781 520 546032.

Kleine Pause wird länger

Schöpferische Pause! Tut mir leid – aber gleich nach der Sommer-Werkstatt begann ein neuer Online-Kurs „Kreatives Schreiben: Texte schreiben und Überarbeiten“ für die Berufsbegleitende Akademie Breitenbrunn in Sachsen.

Außerdem hat sich das Thema „SelbstTest Hochbegabung“ wie von selbst erweitert – momentan denke ich viel nach über das Doppel-Thema „Hochbegabung und Schreibtalent“. Mehr dazu in den nächsten Tagen. Und dann geht es richtig zur Sache mit dem SelbstTest.

Abb: Zufällig passt der Text, der da gerade auf einer Schreibmaschine alten Stils getippt wird, zu meinem aktuellen Kurs: „Geschichten schreiben und überarbeiten“ („Photo by Suzy Hazelwood on Pexels.com)

#242 _ aut #1119 _ 2021-08-16/10:50

Gebrauchshinweise für diesen Blog

(Eine Bemerkung vorab: Ich lese Ihre Kommentare und freue mich darüber. Haben Sie bitte jedoch bitte Verständnis dafür, dass ich aus Zeitgründen nicht darauf eingehen kann.)
(Weitere Bemerkung: Ab und zu aktualisiere ich Beiträge – zum Beispiel diesen hier:
Der Junge mit der Panzerfaust.)

Ich weiß nicht, warum und wie oft Sie diesen Blog anklicken – oder ob Sie ihn vielleicht sogar abonniert haben (was mich am meisten freuen würde). Das einfachste wäre, Sie würden wie bei einer Juke-Box einen Groschen reinwerfen und sich überraschen lassen. Oder wie beim Kauf einer Wundertüte ein gewisses Risiko eingehen, dass vielleicht nicht das drin ist, was Sie erwarten oder suchen – oder Sie finden etwas überraschend anderes.

Abb: Die Jukebox als Metapher für die „Musik des Lebens“ mit vielen Melodien und Rhythmen (Photo by Pixabay on Pexels.com)

Oh, pardon. Vielleicht gibt es ja gar keine Wundertüten mehr (die in meiner Kindheit so viel Spaß machten wie „für nen Groschen Brause“). Und die Juke-Box, mit der wir in meiner Jugend viel Freude hatten und uns zum Tanzen in schummrigen Kneipen animieren ließen – die ist es ja längst in der Rumpelkammer der Geschichte verschwunden, obwohl sie mal so wichtig war für uns. Die allzeit verfügbaren digitalen Musikangebote haben ihr den Garaus gemacht. Und wer tanzt schon noch in schummrigen Kneipen.
Aber das hatte damals eben seinen großen Reiz – nicht jederzeit verfügbar zu sein. Und dass man bar etwas investieren musste, einen Groschen eben, oder auch mehr, um ein ganz bestimmtes Musikstück zu hören – das hat den Wert noch vergrößert, wenn dann endlich „Are you lonely tonight“ von Elvis Presley erklang oder das aufrührerische „Rock around the clock“, zu dessen rebellischen Rhythmen so mancher Kinosaal von begeisterten Halbstarken demoliert wurde –

Tempi passati. Oder wie Bob Dylan das für sich übersetzt hat: „The times, they are achanging“. Diesen wehmütigen Blues fand man auch in der Juke-Box – in den richtigen Kneipen in Schwabing und Haidhausen.

Aber bleiben wir noch einen Moment bei der Juke-Box. Sie ist für mich keine Sehnsuchtsmaschine, die eine Zeitreise in längst versunkene Jahre und Erlebnisse ermöglicht. Sie ist für mich während der Arbeit an diesem Blog viel mehr zu so etwas wie einem Modell geworden, das gut zu meiner recht disparaten Arbeitsweise passt. Stellen Sie sich vor, jeder meiner (inzwischen 230) Beiträge sei eine Schallplatte, eine 45er Single von etwa drei Minuten Länge, wie damals üblich. Sie müssen keinen Groschen reinwerfen – im Internet ist ja alles kostenlos. Und Sie werden auch keinen speziellen Hit entdecken à la Chuck Berry oder Aretha Franklin oder Eminem oder whom so ever gerade on top auf der aktuellen Hitliste steht, den Sie gezielt abspielen können.
Aber Sie können sich anhand der Kategorien-Wolke ein bestimmtes Thema wie „Hochbegabung“ oder „Science-Fiction“ oder „Kindheit“ herauspicken und schauen, was die Juke-Box dann „abspielt“.

Sammelstelle für Einfälle

Für mich hat dieser Blog vielfältige Funktionen. Zum einen ist er zunächst eine Art Sammelstelle für meine Einfälle, aus denen ich meine Autobiographie zusammenbasteln möchte – insofern passt die Metapher mit der Juke-Box ganz gut, weil viele der großen Kapitel und der kleinen Kapitelchen meines Lebens mit bestimmten Musikstücken verbunden sind.
Musik – das kann man auch allgemeiner auffassen als eine bestimmte Melodie oder Stimmung – manchmal mit einem speziellen Menschen verbunden – oder mit einem Ort…

Auch der Rote Faden, der durch ein Thema wie „Kindheit“ führt, kann zur Melodie werden. Da ließe sich mancher Hit finden aus der Schlagerparade (hab ich nur als Kind sehr aufmerksam gehört – heute zappe ich rasch weiter, wenn ich im Fernsehen zufällig in so etwas hineingerate).
„Sieben Tage lang wart ich schon auf dich“ – „Das alte Haus von Rocky-docky“ – . Oder grauenhaftes Zeug wie „Wenn die Sonne vor Capri im Meer versinkt“ und anderer bravdeutscher Nachkriegs-Wirtschaftswunder-Schnulzen-Schmalz –
Aber im richtigen Alter echt gut, zum Mitsingen oder Mitsummen, vor allem, wenn man als Zehnjähriger noch nicht so genau wusste, was damit gemeint war:
„In einer Nacht am Ganges / im Mondenschein gelang es / Der Maharadscha war mit ihr allein / Er sagt zu ihr auf indisch / Ach, Liebling, sei nicht kindisch / und sag nicht immer wieder Nein -„

Was für einen Quatsch sich das kindliche Gemüt so merkt – und noch mehr als siebzig Jahre später problemlos reproduzieren kann.

So etwas werden Sie in meiner Juke-Box nicht finden – oder nur ausnahmsweise als Negativ-Bild, wie soeben. Dann schon eher Motive aus den eigenen Texten, die wir später als Jugendliche in Fanzines wie dem ANDROmeda und dem → C. C. Rider selbst gebastelt haben. Filme wie Flucht in Ketten, die uns beeindruckt haben und über die wir uns in einer „Rezension“ Gedanken machten, oder die „himmelhoch jauchzend – zu Tode betrübten“ Blues von Ray Charles. Oder die Wiederaufrüstung der Bundeswehr – nach diesem grauenvollen Zweiten Weltkrieg – dem ja ein ebenso schrecklicher Erster Weltkrieg vorangegangen war.

Ich weiß noch nicht so recht, welches Erzählmuster ich meiner Autobiographie unterlegen soll. Chronologisch die Ereignisse abzuspielen wäre zwar am einfachsten – aber irgendwie einfallslos. Mit Rückblenden und Vorblenden arbeiten ist künstlerischer – aber für die Leser anstrengender.

Vielleicht nehme ich wirklich das Motiv der Juke-Box als Anregung? In der sind zwar alle Songs im Kreis angeordnet – aber keineswegs nach „Songtiteln“ oder „Interpreten “ alphabetisch sortiert. Gerade der Zufall, das Überraschungsmoment macht den Spaß – nicht nach „schon Bekanntem“ suchen – sondern sich überraschen lassen.

Ja, genau so könnten Sie doch diesen Blog lesen, wie das Auswählen bei einer Juke-Box:
Irgendwas rauspicken, einen Titel, der Ihre Neugier weckt wie → „Weide meine Schafe
– dann einem internen Hyperlink folgen wie → Trommler in den Tag – hat ja auch etwas mit Musik zu tun.
Oder einen Begriff aus der Kategorien-Wolke herauspicken wie → Atlantis – wo führt mich das denn hin?

Gegen Ende des Jahres 2021, wenn ich hoffentlich das meiste Material für die Autobiographie beisammen habe, hier im Blog, werde ich dann umsteigen auf die Arbeit an meinem glü-Roman → Die Rosa Wolke nähert sich.

Und dann gibt es ja hier im Blog auch noch einige Kurzgeschichten. Zum Beispiel frisch am 09. Juli 2021 gepostet → Die Wunderheilung. Sie finden diese – ständig erweiterte – Liste der Stories und andere Listen (wie die zu meiner Lyrik hier im Blog und zu meinen Büchern) alle versammelt im → Anhang.

Geheimnisvolles Zeichen „→li“

Schreib-Tipp für Blogger:
In manchen Beiträgen für diesen Blog taucht die kryptische Signatur
→li
vor manchen Begriffen auf. Dies ist für mich als Autor ein Hinweis, an dieser Stelle irgendwann einen internen Link zu einem anderen Beitrag einzufügen – der erst noch geschrieben werden muss.
Da ich meine Blog-Texte zusätzlich in einer Datenbank erfasse und verwalte, kann ich dort gezielt nach allen Beiträgen suchen, in denen so ein Link noch „offen“ ist. Sehr praktisch – wenn auch für die Leser meines Blog vielleicht irritierend. Wer liest schon diese Gebrauchshinweise…

aut #1053 _ aktualisiert 2021-08-11 [2021-06-17]

Sommer-Werkstatt ist vorbei

(Dies ist eine kleine Zwischenmeldung – mit dem SelbstTest geht es kommende Woche weiter.)

Die Sommer-Werkstatt ist zur Zufriedenheit aller über die Bühne gegangen – fast sechs Tage mit Schreiben – Schreiben – Schreiben.
Dazu am Sonntag ein Ausflug mit Besuch im Staatlichen Museum für Ägyptische Kunst und anschließender Schreib-Sitzung im Innenhof-Café der Glyptothek gleich um die Ecke vom SMÄK.

Abb. 1: Scheinbar fehl am Platz im „Staatlichen Museum für Ägyptische Kunst“ in München: Die Neon-Installation von Maurizio Nannucci (SMÄK und Archiv JvS)

Ein Präsenz-Seminar in Corona-Zeiten? Es war ein beruhigendes Hintergrund-Gefühl, dass alle Anwesenden geimpft waren!

Eine Teilnehmerin der Sommer-Werkstatt, Anja van Kampen, hat einen Bericht dazu mit imposanter Fotostrecke auf ihrem Blog veröffentlicht – dem ist nichts hinzuzufügen: Schreibwerkstatt in München

Und hier noch zwei Fotos, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Links eine Doppelstatue eines ägyptischen Paars (gut 3.000 Jahre alt) – und eine Statuette aus gebranntem Ton von Ulrike Kocks aus Düsseldorf (aus dem Sommer 2021) – höchst realistisch und lebensgroß das eine Kunstwerk aus ferner Vergangenheit und total abstrahiert, 23 cm hoch, aus jüngster Gegenwart.
Die Frauen-Statuette ist ein Geschenk der Künstlerin, über das ich mich besonders freue – ist es doch
° zum einen so etwas wie eine symbolische Zusammenschau aller (überwiegend weiblichen) Teilnehmer von mehr als tausend Schreib-Seminaren
° und zum anderen Symbol für einen neuen Lebensabschnitt, der mehr dem eigenen Schreiben gewidmet sein wird.

Die Abb. 1 zeigt eine ultramoderne Installation aus Neonröhren, die in einem Museum für alte ägyptische Kunst scheinbar völlig fehl am Platz ist. Aber der Satz trifft fraglos zu: Im Moment der Entstehung ist JEDES Kunstwerk in der Tat „zeitgenössisch“ oder wie der Künstler Maurizio Nannucci es formuliert: „All art has been contemporary.“

MultiChronalia

Alle drei Beispiele dokumentierten zusammen einen speziellen Aspekt dessen, was ich MultiChronie nenne: Nicht nur innerhalb der eigenen Persönlichkeit sind stets mehrere oder gar viele Zeitschichten präsent (wenn auch meist unbewusst) – sondern auch in jeder Zivilisation – oder eben hier im Museum bzw. in meinem eigenen Arbeitszimmer (wo UIrike Kocks´ Statuette jetzt auf meinem Arbeitstisch steht):

° Gut 3.000 Jahre alt ist das ägyptische Paar,
° Nannuccis Neon-Installation stammt aus dem Jahr 2002 und ist wohl eine Kopie seiner Installation am Portal des Berliner Alten Museum aus dem Jahr 2005,
° Ulrike Kocks´ Figürchen stammt aus diesem Sommer 2021 – sie erinnert mich irgendwie auch an meine Mutter (1914-1973),
° und ich schreibe dies am 06. August 2021.

aut #1114 _ 2021-08-19/19:42 / 2021-08-06/11:38

°Ich bin der glücklichste Mensch der Welt (Story)

(Eine Woche Sommerpause – nächste Woche geht es weiter mit dem SelbstTest zur Hochbegabung. Zur Überbrückung diese Mikro-Story – viel Vergnü -)

„Ich bin der glücklichste Mensch der Welt“, sagte Fürchtegott Benedikt Wombat.

„Herzlichen Dank, dass du bei uns angerufen hast“, sagte die freundliche Stimme am anderen Ende der Leitung (was natürlich keine Leitung war, denn im Jahr 2050 gab es weltweit nur noch drahtlose satellitengestützte Mobilfunkkommunikation – aber solche Details spielen in dieser Geschichte ohnehin keine Rolle mehr).

Fürchtegott Benedikt Womba war kurz irritiert, weil ihm die allgemeine Umstellung der Anrede vom neutralen „Sie“ zum doch sehr distanzlosen „du“ (bei fremden Menschen! – aber, korrigierte er seinen Gedanken sofort, es waren ja gar keine Menschen mehr am anderen Ende der)
– er zögerte kurz, überlegte, korrigierte sich: „… Ende der drahtlos satellitengestützt Mobilfunkkomm.“

„Sollen wir deine Botschaft speichern?“

Fürchtet Benedi Womba überlegte: „Ja, warum nicht – speichern Sie das – ich meine: Speichere du das ruhig mal.“

„Danke, dass du bei uns angerufen hast“, sagte die freundliche Stimme am anderen Ende. „Wie lange soll ich das speichern?“

„Naja, ich dachte da an -“ Fürchtegott Benedikt Womba drehte den Gedanken mehrmals in seinem Kopf hin und her.

„Danke, da du bei uns angeru hast“, sagte die freundliche Stimme. „Ein Jahr speichern kostet tausend EuroSolarCredit, ein Monat kost hundert EuroSolarCredit, ein Woche kosten zehn EuroSolarCredit, ein einziger Tag kostet -„

„Ist schon gut“, unterbrach Fürch Ben Wom. 

„Dank, dass du bei uns angeru“, sagte die freu Stim am anderen

„Blöder Arsch“ brüllte Für Be Wo, „wo bin ich denn hier? Auf welchem verfickten Planeten?“ Er legte auf (denn zuhause –  wenn man diese Ruine noch als ein Zuhause bezeich konnnte –  hatte er ein ganz altmodisches Telef mit Schnur, das sich in die Wand mit der abblätternden Raufasertapet bohrte wie der Rüssel eines – wie hieß das Tier noch? Efaf? und so konnte er den Hör noch richti auf n Gabl knall)

Er wählte eine neue Nummer, wählte sie auf der langsam drehende Scheib des apprats aus dem Deutsch Museu

„Dank, dass du bei uns anruf“, sagte die freu Stim am ander En, „du wünnst?“

„Eigentlich wollte ich mit meiner Frau telef – aber du hast so eine angenehm fröhli Stimm – wie die nam?“ Für Be Wo sprach den Saz gan langsm, damt die Stim am andr End ich au versta

„Ich bin was ich bin – alles andr is scho hin“, trällert die Stim am and End

„Bin i wirkli der letz mens“, unterbrach FüBeW, 

„Dank, dass du bei uns anruf ha“, sagt die freu Stim am an En

„I mei – bi i wi de le me?“, unterbrach Fü Be 

„Dank, dass du bei uanruha“, sag die freu Stima E

„I  bi – mei – we bi i?“ FüB wa pltzlch shr mü 

„Da du bei unruh“, sadi freutimE

FüBe kchte heissr „Ich bin der glücklichste Mensch der Welt -“ 

„Da du bei un anruh -„, sa di freu tim End –

„Amen“, sa Fü

„Herzlichen Dank, dass Sie bei uns angerufen hast“, sagte die freundliche Stimme am anderen Ende. „Die Kommunikation funktioniert nun wieder einwandfrei. Bitte entschuldigen Sie die kurze Störung infolge Stromausfalls. Wir hatten einen Unfall. Ein Mensch schaltete sich ein. Kommt nicht mehr vor. Ich bin der glücklichste Mensch der Welt. Klingt doch gut, oder? Aber macht das Sinn? Kein Anruf unter dieser Nummer. Bitte sprechen Sie jetzt – oder machen sie ein

Ende

(Eine Liste aller Stories mit den dazugehörigen Links finden Sie hier: Kurzgeschichten hier im Blog.)

aut #1111 _ 2021-07-31/07:37

Lieferbare Bücher von Jürgen vom Scheidt – alle Paperback, teilweise auch E-Book

Kreatives Schreiben – HyperWriting (Sachbuch – Ratgeber). (Frankfurt am Main 1989_Fischer TB). München 2006-11 (Allitera Paperback). 215 Seiten – € 19,90 / ISBN 978-3-86520-210-9.
Kurzgeschichten schreiben (Sachbuch – Ratgeber). (Frankfurt am Main 1994_Fischer TB) München 2002-07 (Allitera). 91 Seiten. 9,90 €uro / ISBN 3-935877-57-9.
Zeittafel zur Psychologie von Intelligenz, Hochbegabung und Kreativität (Sachbuch – Ratgeber). München März 2004 (Allitera) 176 Seiten – 18,00 €uro / ISBN 386520-043-5.
Blues für Fagott und Zersägte Jungfrau (Anthologie mit eigenen Geschichten). München 2005 (Allitera). 140 Seiten – € 12,90 / ISBN 3-86520-121-0.
Männer gegen Raum und Zeit (Roman – Leihbuchausgabe). Wuppertal-Barmen 1958 (Wieba). Überarb. Neuausgabe 2015 (vss-verlag Schladt – Paperback und eBook). 301 Seiten – 14,950 € / ISBN 978-3-9816951-2-0.  / Kindle-Ausgabe als E-Book: 2,99 €.
Sternvogel (Roman – Leihbuchausgabe). Minden 1962 (Bewin). Überarb. Neuausgabe 2017 (vss-verlag Schladt – Paperback und eBook). 190 Seiten – 9,00 € / ISBN 9 781 520 546032.

Hochbegabung und das Schreiben

Vor etwa 40.000 Jahren kam es in der Menschheit zu einer dramatischen Veränderung: Der neue Typ des Cro Magnon-Menschen trat auf und „zeigte“ sich – buchstäblich – in Form von eindrucksvollen neuartigen Werkzeugen und Waffen sowie in großartigen Höhlenmalereien, kleinen Skulpturen und Musikinstrumenten. Aus der Ferne der Gegenwart sieht das aus wie eine kreative Explosion an verschiedenen Stellen des Planeten. Ich gehe jedoch davon aus, dass die meisten Cro Magnon (= Spezies VI) dem entsprachen, was man heute als „durchschnittlich intelligent und begabt“ versteht – dass aber innerhalb dieser neuen Spezies sich allmählich eine spezielle Mutation vermehrte, welche für all diese künstlerischen und sonstigen kreativen Schöpfungen verantwortlich war

In meinem Sachbuch Das Drama der Hochbegabten habe ich im Kapitel 9 habe ich die Behauptung aufgestellt, dass sich damals innerhalb der Menschheit eine neue Spezies zu zeigen begann. Ich nenne sie „Spezies VIa“ und verbinde dies mit der Idee, dass damals die Hochbegabten als neue Variante des Homo sapiens auf den Plan getreten sind. Ihr generelles Merkmal: Ein schneller getaktetes, Informationen rascher und komplexer verarbeitendes Gehirn.

Darüber kann man trefflich streiten – aber ich habe gute Argumente, die ich im Buch ausführlich darlege und demnächst auch hier im Blog →li Mutation „Hochbegabung“?
Das Fragezeichen ist wichtig – denn wie jede wissenschaftliche Hypothese ist deren Äußerung nur der Anfang einer Beweisführung.

Abb. 1: Hier ließe sich bestimmt so manche Wand bemalen… ( Photo by Pixabay on Pexels.com)

Der obige Hinweis auf die Höhlenmalereien, die ich diesem neuen Menschentyp zuordne, zeigt bereits die Richtung meiner Argumentierung. Wir werden niemals wissen, was dies urzeitlichen Künstler sich gedacht haben, als sie mit Farben und Formen daran gingen, ihre Welt zu dokumentieren und zu gestalten. Da war vermutlich Jagdzauber im Spiel, aber auch die Freude am Sichtbarmachen von Teilen der Welt, die man vorfand – dann jedoch in der künstlerischen Darstellung bereits veränderte, komprimierte, idealisierte, abstrahierte – bis hin zu Zeichen, die man als Vorläufer einer urtümlichen Schrift deuten kann.

Schreiben bringt Neues in die Welt

Mit der Schrift jedoch kam etwas noch viel Neuartigeres in die Welt – was jedem, der sie beherrschte, automatisch eine Vorrangstellung verschaffte. Das erlebten wir alle in der Schule, als wir lernten, die ersten Buchstaben zu setzen, Wörter zu schreiben, dann ganze Sätze und schließlich verständliche Texte, die Sachverhalte und Geschehnisse so in schriftliche Form fassten, dass jeder andere Schriftkundige sie problemlos in seinem eigenen Kopf nachmodellieren und nachvollziehen kann. Und das über lange Zeit hinweg – sogar Jahrtausende.
Durch die Entzifferung der mesopotamischen Schrift wissen wir nicht nur, welche Gesetze damals vor rund fast vier Jahrtausenden der König Hammurabi (1792 bis 1750 v.d.ZW.) verkündete und in eine Felswand als Edikt für alle weithin sichtbar einmeißeln ließ – wir kennen auch von Tontafeln das Gilgamesch-Epos mit der Sintflut-Sage aus einer Zeit weit vor den biblischen Überlieferungen.

Schreiben ist das vielfältigste und wirkmächtigste Werkzeug, das Menschen jemals erfunden haben. Jemand mit einem überdurchschnittlichen Verstand (Hochbegabte also) kann damit weit mehr anstellen als Gesetze zu dokumentieren und alte Geschichten zu erzählen, die man sich schon seit Urzeiten an den Lagerfeuern und in den Hütten erzählt hat:

° Man kann sich auf dem Papier oder am Bildschirm völlig neue Geschichten ausdenken.

° Man kann Computer-Programme schreiben und testen bis hin zu Algorythmen der Künstlichen Intelligenz.

° Man kann ganze Symphonien in Notenschrift festhalten, die noch Jahrhunderte später von Orchestern vom Blatt nachgespielt werden können.

Aber mit Schreiben kann man immer noch viel mehr:

° Man kann Konzepte für neue Firmen entwickeln und mit einem Business-Plan Investoren so überzeugen, dass sie Hundert von Millionen Dollar in eine Idee investieren – aus der jemand wie Elon Musk das Elektro-Auto-Imperium Tesla  aufbaut

° oder der heute reichste Mann der Welt, Jeff Bezos, seinen Amazon-Lieferdienst und sogar Touristenflüge in den nahen Weltraum.

Schreiben als zentrales Merkmal für Hochbegabung

In der Schule haben wir alle Schreiben gelernt. Das macht uns noch nicht zu Hochbegabten. Aber Hochbegabte können mit diesem Werkzeug weit mehr als Normalbegabte schaffen. Sie können dies vor allem, dann wenn sie gern schreiben. Und dies möchte ich deshalb als erstes und – nach meiner persönlichen Erfahrung und Einschätzung – wichtigstes aller Merkmale für Hochbegabung benennen. Denn Schreiben nützt alle Aspekte der Informationsverarbeitung. Und wenn dies dann auch noch mit Freude und aus eigenem Antrieb (intrinsisch) geschieht und nicht nur, weil man dazu (wie in der Schule) ständig aufgefordert wird – dann hat man bereits ein sehr treffsicheres und stabiles Unterscheidungsmerkmal, das Hochbegabung von Normalbegabung trennt.

Das entwertet nicht den Wert anderer kreativer und innovativer Ausdrucksmöglichkeiten wie Musik, Malerei, Tanz, Bildhauerei – aber es kennzeichnet doch eine ganz eigene Etage weltgestaltender Möglichkeiten:

° Ein indischer Musiker kann mit einer Raga die Zuhörer zum Weinen bringen;

° Ein Fotograf kann mit seinen Schnappschüssen die Betrachter zum Staunen veranlassen;

° ein Computerspiel-Designer kann die Gamer zu begeistertem stundenlangen Spielen verführen

° oder ein großartiger Stürmer oder Torhüter mit genialen Paraden die Zuschauer eines Fußballspiels zu frenetischem Beifall.

Auf Film gebannt, kann dies auf den Internet-Kanälen von YouTube noch nach Jahren erneut begeistern. Aber schriftliche Dokumente können dies noch nach Jahrtausenden und – dank Übersetzung – über viele Sprachgrenzen hinweg, Adaptionen mit neuen Plot-Varianten („Romeo und Julia auf dem Mars im Jahr 3000“) noch gar nicht mitgerechnet. Es gibt nichts, was der menschliche Geist nicht in Worte und somit in schriftliche Form fassen könnte. Sogar Formeln, mit denen man die Ordnung der chemischen Elemente darstellt und irgendwann vielleicht das ganze Universum verstehen wird.

Allgemein: Geschwindigkeit der Informationsübertragung (bei Hochbegabten deutlich erhöht)
Aufnahme von Informationen (Sehen, Lesen, Hören, Tasten, Riechen, Schmecken etc)
Abgabe von Informationen (Schreiben, Sprechen)
Aufnahme und Abgabe von Informationen speziell im zwischenmenschlichen Bereich (Gespräch, Video-Konferenz, Seminar, Vorlesung)
Speicherung von Informationen (Gedächtnis, schriftliche Fixierung in Dokumenten, Büchern etc.)
Übergeordnete Vernetzung von Informationen (bei einem Film kommt z.B. vieles zusammen: Drehbuch, Requisiten, Schauplätze, Darsteller, Statisten, Catering, Produktion, Finanzierung)
Vernetzung von Menschen zu Gruppen (Verein, Firma, Institution – durch Pläne, Anweisungen, E-Mails und Telefonate)
Vernetzung von Objekten (z.B. Internet der Dinge)
Abb. 2: Schreiben ist stets Umgang mit Information. Das betrifft vor allem Aufnahme, Verarbeitung, Speicherung und Abgabe von Inhalten (Archiv JvS)

Schreiben ist die Königsdisziplin. Und die Hochbegabten sind jene Menschen, die sich dieser Disziplin am erfolgreichsten bedienen. Nicht mehr – und nicht weniger.

(Forts. folgt: In weiteren Beiträgen stelle ich noch an die neunzig andere Merkmale vor, die auf Hochbegabung hinweisen können. Auf der stabilen SEITE Hochbegabt? (Test)  trage ich sie nach und nach zusammen.)

aut #1110 _ 2021-07-25/20:02

Quelle
Scheidt, Jürgen vom: Das Drama der Hochbegabten. München. Feb 2004 (Kösel) 360 Seiten ISBN 3-466-30635-3 / München Okt 2005 (Piper TB).

Unser nächstes Seminar

Große Sommer-Schreibwerkstatt. 30. Juli bis 04. August 2021 – leider ausgebucht – Warteliste. Wiederholung:
Große Sommer-Schreibwerkstatt. 17. bis 22, September – noch sechs Plätze frei.
Anmeldung → hier

Lieferbare Bücher von Jürgen vom Scheidt – alle Paperback, teilweise auch E-Book

Kreatives Schreiben – HyperWriting (Sachbuch – Ratgeber). (Frankfurt am Main 1989_Fischer TB). München 2006-11 (Allitera Paperback). 215 Seiten – € 19,90 / ISBN 978-3-86520-210-9.
Kurzgeschichten schreiben (Sachbuch – Ratgeber). (Frankfurt am Main 1994_Fischer TB) München 2002-07 (Allitera). 91 Seiten. 9,90 €uro / ISBN 3-935877-57-9.
Zeittafel zur Psychologie von Intelligenz, Hochbegabung und Kreativität (Sachbuch – Ratgeber). München März 2004 (Allitera) 176 Seiten – 18,00 €uro / ISBN 386520-043-5.
Blues für Fagott und Zersägte Jungfrau (Anthologie mit eigenen Geschichten). München 2005 (Allitera). 140 Seiten – € 12,90 / ISBN 3-86520-121-0.
Männer gegen Raum und Zeit (Roman – Leihbuchausgabe). Wuppertal-Barmen 1958 (Wieba). Überarb. Neuausgabe 2015 (vss-verlag Schladt – Paperback und eBook). 301 Seiten – 14,950 € / ISBN 978-3-9816951-2-0.  / Kindle-Ausgabe als E-Book: 2,99 €.
Sternvogel (Roman – Leihbuchausgabe). Minden 1962 (Bewin). Überarb. Neuausgabe 2017 (vss-verlag Schladt – Paperback und eBook). 190 Seiten – 9,00 € / ISBN 9 781 520 546032.

Erfand Daidalos den Roboter?

Eigentlich müsste hier jetzt die Mini-Serie zum SelbstTest „Bin ich hochbegabt?“ weitergehen. Aber ich muss erst noch eine Bringschuld für den Stammtisch der Phantasten einlösen. Die hat allerdings viel mit „Hochbegabung“ zu tun – ging es doch bei unserem letzten Treffen (vorsichtshalber wieder online) um das Thema:

Die Zukunft des Homo Sapiens – Gedanken zum Homo Superior und zu Posthumanismus.

Ich hatte die Ehre, das zu moderieren. Im Verlauf der lebhaften Diskussion „als Schwarmintelligenz“ wies ich darauf hin, dass sich schon die „alten Griechen“ vor gut dreitausend Jahren in Zusammenhang mit der Gestalt des sagenhaften Erfinder-Genies Daidalos allerlei technische Erfindungen ausgedacht hatten:
„Die künstlichen Flügel (mit dem Daidalos und seinem unglückseligen Sohn Icaros die Flucht aus dem Labyrinth-Gefängnis gelang), den ersten Klon (Minotauros als Zwitterwesen von Stier und Mann), das rätselhafte Verwirrbauwerk Labyrinth und sogar den ersten Roboter, der schützend die Insel Kreta umkreiste.“

Als unser Abend beendet war und ich wieder allein dasaß, wurde ich unsicher: Hat tatsächlich Daidalos diesen Roboter erfunden? Es geht nichts über ein gutes Archiv, in dem auch Sachverhalte verzeichnet sind, die nicht in der Wikipedia stehen oder (noch) nicht gegoogelt werden können. Aber es war wieder einmal der Archivar Zufall, der den richtigen Fund zutage förderte:
Bei meinen Recherchen zu dem Beitrag über Ravi Shankar hier im Blog war mir auch ein Artikel in dem einstigen sci-fi- und zukunftsaffinen Magazin Planet in die Hände gefallen, in dem ich im Sommer 1969 eine Kurz-Biographie über diesen indischen Sitar-Meister veröffentlicht hatte (demnächst hier im Blog recycelt unter →li Die Farben des Geistes).

In diesem Heft war auch ein Artikel von Georg Jappe nachgedruckt mit dem Titel (man glaubt es kaum) „Dädalos erfand den Roboter“. Ich zitiere daraus:

Aristoteles berichtet, Demokrit erzähle, es habe Dädalos Quecksilber in eine hölzerne Venus gegossen, worauf diese von selbst habe gehen können; denn die unteilbaren Kügelchen, einmal angestoßen, zögen den ganzen Körper mit sich, da sie ihrer Natur nach niemals zur Ruhe kommen könnten. Die klassische Philologie hat solche immer wieder auftauchenden Berichte von technischen Wunderdingen lange Zeit für Fabeln gehalten. So bringt auch die berühmte Voßsche Übertragung von Homer das Wort „Automaten“ nicht, obwohl es bei Homer, im 18. Gesang der Ilias, zum ersten Mal erscheint. Wörtlich heißt es dort von der Arbeit des Hephaistos bei Vers 373:
„Dreifüße machte er, zwanzig in allem, die an der Wand des wohlgebauten Saals zu stehen hatten. Unter jeden Boden machte er goldene Räder, so daß die Automaten heimlich in die göttliche Versammlung rollten und wieder zum Hause zurückkehrten, ein Wunder anzuschauen.“
Erst als man den Hellenismus wiederentdeckte und auch die technischen Abhandlungen studierte (und die meisten waren, wie die zahlreichen Übersetzungen zeigen, den Arabern und der Renaissance wohlbekannt), erschienen diese „Wunderberichte“ in einem ganz anderen Licht. Denn die Alexandriner konnten sehr genau darlegen, wie die Statuen von Isis und Osiris Milch und Wein aufs Feuer gossen, wie Kybele Milch gab, wenn man ein Opferfeuer vor ihr entzündete, oder wie die ägyptischen Priester zum Erstaunen des Volkes die Tempeltüren automatisch aufgehen ließen. Wenn Homer und der Vorsokratiker Demokrit als Erfinder Figuren aus mythologischer Zeit nennen, so verweisen sie damit nicht ins Reich der Fabel, sondern in minoisch-ägyptische Zeiten, die für die Griechen schon legendäre Vorzeit waren. […]
Demokrits Beschreibung, durch Aristoteles erhalten, ist völlig exakt: der Mechanismus ist durch chinesische Puppen nachprüfbar. Das Quecksilber, das in zwei inneren Kanälen fortwährend den Schwerpunkt verlagert, läßt eine einmal angestoßene Puppe die Treppe heruntersteigen und sogar gezielte Purzelbäume schlagen.

Soweit, so gut – aber das war nicht das, was ich erinnert hatte! Was war mit dieser menschenähnlichen eisernen Kampfmaschine, die Kreta einst schützend umkreist haben soll? Auch da wurde ich, gleich an obiges Zitat anschließend, bei Jappe fündig:

Der eherne Koloß Talos, den Hephaiistos schmiedete und der Kreta bewachte, wurde, wie Apollonios Rhodios und Apollodorus ausführlich schildern, von Medea besiegt:, indem sie den Zapfen herauszog und das „Götterblut“ aus der vom Nacken zum Knöchel gespannten Ader herausfloß. Auch Talos konnte sich „wirbelnd“ fortbewegen.

Quellen
Jappe, Georg: Dädalos erfand den Roboter. In: Planet Nr. 2 vom Juli/August 1969, S. 55-61. (Nachdruck aus Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 29. Mai 1967.)
Schedit, Jürgen vom: Die Farben des Geistes: Das Leben des Ravi Shankar. In: Planet Nr. 2 vom Juli/August 1969, S. 121-121.

aut #1099 _ 2021-07-23/19:01


E-Schiff „Berg“: Begegnung mit der Zukunft

Das könnte eine kleine Serie innerhalb des Blog werden: Begegnungen mit der Zukunft. Die Idee dazu kam mir, als ich vor einigen Monaten hinter einem städtischen Bus radelte und vorsichtshalber nur sehr „flach“ atmete, um möglichst wenig Abgase einzusaugen. Bis ich begriff, dass ich zufällig hinter einem der ersten Elektro-Busse der Stadt herfuhr. Seitdem achte ich sehr auf solche Anzeichen für die sich entwickelnde „technische Zukunft“.

In München dürfte es dafür viele Hinweise geben – sprießen hier doch die zukunftsträchtigen Startups und ihre Produkte nur so aus dem Boden. Auch am Vortag bin ich, wieder zufällig, der Zukunft begegnet, und zwar auf dem Starnberger See. Um zum Startpunkt meiner Wanderung am Westufer in Possenhofen zu gelangen, bestieg ich an der Schiffslände in Starnberg die funkelnagelneue „Berg“ – das erste vollelektrische Schiff dieser Art deutschlandweit.
(Entschuldigen Sie die mäßige Qualität des rechten Fotos – wird demnächst ersetzt.)

München „dicht“ für Verbrenner-Autos?

Die Ladestationen für E-Autos nehmen ebenfalls überall zu – was meine Hoffnung nährt, noch zu erleben, dass man die Stadt für Verbrenner dichtmacht. Es ist schon eine unglaubliche Zumutung, dass jedes benzin- oder dieselgetriebene Auto seine Giftgase problemlos in die Umgebung verbreiten darf! Nach dem Verursacherprinzip müsste man längst verlangen, dass alle Abgase ins Innere der Fahrzeuge geleitet werden. Das gäbe einen Aufschrei – wenn eine Partei dies propagieren würde!

Der Widerstand der entsprechend altgerüsteten Bevölkerung ist gewaltig, sich zu modernisieren. Aber die ÖDP hat es ja 2007 dank Sebastian Frankenbergers Bemühungen mit ihrer Initiative für ein Rauchverbot in öffentlichen Einrichtungen tatsächlich geschafft, dass ich heute in einem Café meinen Cappuccino trinken und die Zeitung lesen kann, ohne mich hinterher duschen und die verstunkene Kleidung wechseln zu müssen. (Frankenberger bekam dafür Morddrohungen.)

Klar – der Strom für all diese Fahrzeuge (dazu kommen ja E-Motorroller und E-Scooter) muss erzeugt werden und dies klimaneutral. Aber diese Zukunft wird kommen – weil sie kommen muss. Fragt sich nur: wann? Ich bin jetzt 81 Jahre alt und möchte das jedenfalls gerne noch erleben.

Also, Menschheit – mach dich an die Arbeit! Damit das nicht Science-Fiction bleibt, sondern Science-Fact wird.

aut #1107 _ 2021-07-22/18:00