Intertemporale Freiheitssicherung

Jetzt wird es interessant: Das höchste deutsche Gericht hat sich eingemischt und dem Begriff MultiChronie nicht nur eine neue Variante hinzugefügt – sondern dies gleich noch juristisch festgeschrieben und quasi über Nacht staatsstreichartig dem Grundgesetz hinzugefügt:

Die heute Verantwortung tragenden Generationen (also die „Älteren“ und die „Alten“, die wählen dürfen) habe nicht nur eine so dahingesagte „Verantwortung“ für die nachfolgenden Generationen (und letztlich auch für sich selbst im höheren Alter, so in dreißig, vierzig, fünfzig Jahren) – sie müssen im Heute aktiv das Morgen mitdenken und juristisch festzurren. Dies der überdeutliche Auftrag an die deutsche Politik.

„Intertemporal“ ist das neue juristische „multichronal“ (Archiv JvS)

Das Bundesverfassungsgericht hat dies in den etwas sperrigen Begriff „intertemporale Freiheitssicherung“ gegossen.

Das ist nicht mehr nur ein Spielen mit „Was wäre wenn“ wie in der Science-Fiction – das ist ein: So wird es wahrscheinlich kommen – und das müsst ihr ab sofort in euren heutigen Entscheidungen und Weichenstellungen mit bedenken!

Also Ausstieg jetzt aus der Kohle und aus anderen fossilen Energien (und auch aus der für unzähligen nachfolgenden Generationen so hochgefährlichen Atomenergie!) und aus der Technologie der Verbrenner-Autos nicht erst „im Jahr 2030“ oder 2040 oder noch besser ( weil die entsprechenden Industrien noch länger schonenden) im Jahr 2050 – also am Sankt-Nimmerleins-Tag, für den wir ja keine besondere Verantwortung haben –

– sondern heute und hier Einstieg in umweltschonende, ressourcenschonende, nachhaltige Energien und Technologien!

Hätte man das bei der Technikfolgenabschätzung zur Atomenergie schon in den 1950er Jahre bedacht – oder bei der Einführung der Benzin- und später der Diesel-Technologie um 1900 – oder bei welcher Technologie auch immer, die unsere Zivilisation so dramatisch vorangebracht hat –
– dann müssten wir uns heute wohl nicht solche Sorgen um die anlaufende Klimakatastrophe machen.

Reiner Zufall, bestens zum Thema passend: Gestern war es am 10. Mai, einem Frühlingstag, hochsommerliche 35° heiß (wie ich beim Vorbeiradeln an einer Apotheke angezeigt sah) – so extrem warm, dass ich nach einmal heimgefahren bin und meine dunkelbraunen Cordhosen gegen eine leichte helle Sommerhose umtauschte und das viel zu dichte langärmlige Hemd gegen ein luftiges kurzärmliges. Klar, heute ist das Thermometer schon wieder 20° Grad (!) tiefer gefallen, auf frische 15 Frühlings-Grad – heute, das ist das Gewohnt-normale – gestern, das war das, was uns in der Zukunft immer häufiger blüht – auch wenn dieser April 2021 seltsamerweise der kühlste seit 40 Jahren war.

Aufwachen Leute – die vom Bundesverfassungsgericht sind es endlich auch. Und die CDU-CSU und ihr „Große Koalition“-Anhängsel SPD wollen das Klima-Thema aus dem Wahlkampf der kommenden Monate am liebsten heraushalten („Klima-Konsens!“ mahnen sie) – weil ihnen die Erfolge der Grünen Muffensausen machen – endlich!

Das nenne ich MultiChronie pur – die heutige Zeitschicht und die kommenden Zeitschichten mit zu bedenken, sogar nahezu in eins zu denken. Und nicht so tun, als gehe uns das nichts an, was für eine Zukunft wir den heute Fünfjährigen oder Zehnjährigen bereiten – bei denen uns schon das Schulschicksal in Corona-Zeiten am Arsch vorbeigeht, nicht wahr?

Umso eindrucksvoller finde ich es, dass mir der oben zitierte Begriff „intertemporale Freiheitssicherung“ zum ersten Mal – rein zufällig (sonst lese ich dort nur die Witze) in der Kinder-Beilage der Süddeutschen Zeitung begegnet ist (Cadeggianini 2021).

Quellen
Cadeggianini, Georg: „Weitersehen“. In: Südd. Zeitung für Kinder vom 08./09. Mai 2021.
Ladeur, Karl-Heinz: „Freiheit als Anspruch auf staatliche Lenkung?“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung online vom 05. Mai 2021.

aut #962 _ 2021-05-11/13:02

Nazi-Juristen nicht verstecken – sondern sichtbar machen

Aus meinen zwei Semestern Jura-Studium im Jahr 1960 (eingeklemmt zwischen einem Semester „Mathematik und Physik“ an der Technischen Hochschule und dem Psychologie-Studium an der LMU) sind mir die beiden voluminösen Standardwerke, um die es hier geht, nur zu vertraut gewesen. Jeder Jurastudent muss sie sich irgendwann kaufen – ich habe das (in Vorahnung meines baldigen „Hinwerfens“) damals zum Glück nicht getan.
Der Palandt (Kommentare zum Bürgerlichen Gesetzbuch) und der Schönfelder (Gesetzessammlung zum Bürgerlichen Recht) sind schon seit vielen Jahren unter Beschuss – weil beide Herausgeber in der Nazi-Zeit prominente Vertreter der Justiz des Dritten Reichs und ausgewiesene Antisemiten waren. Palandt ließ außer den Juden auch gleich noch die Frauen aus dem juristischen Betrieb ausschließen.

Die Wikipedia beleuchtet ausführlich die historische Belastung beider juristischen Standardwerke und meldet in lakonischer Kürze
° zum Palandt: „Neben seiner Popularität auf Grund der weiten Verbreitung gilt er als Grundstein im Rahmen der Juristenausbildung und ist in den meisten Bundesländern als Hilfsmittel im zweiten juristischen Staatsexamen zugelassen.
° Und zum Schönfelder: „… ist eine im Verlag C. H. Beck erscheinende Gesetzessammlung, die einige der wichtigsten Gesetzestexte des deutschen Bundesrechts enthält. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um Zivil- und Strafgesetze (bspw. BGB und StGB). Damit enthält der Schönfelder die zentralen Gesetze der ordentlichen Gerichtsbarkeit. […] Die Bedeutung des „Schönfelder“ wird seit Jahrzehnten in der Juristenausbildung dadurch gefestigt, dass er für angehende Juristen bereits während des Studiums und im Referendariat ein täglich benötigtes „Handwerkszeug“ darstellt.

Der renommierten Verlag Beck in München, für den beide Werke (weil jeder Jurist sie benötigt) so etwas wie eine „Lizenz zum Gelddrucken“ sind, weigert sich seit vielen Jahren beharrlich, die politisch enorm belasteten Herausgeber-Namen zu ändern. Vor allem beim Palandt ist das doppelt peinlich, weil der ursprüngliche Herausgeber Otto Liebmann (ein jüdischer Jurist und Verleger) und dessen Mitarbeiter auf üble Weise nicht nur ihrer Urheber-Rechte beraubt wurden, sondern auch noch systematisch der Vergessenheit anheim gegeben wurden.
Die Weigerung fiel dem Verlag wohl leichter, solange die Kritik aus der eher politisch „linken Ecke“ kam, also von den Grünen und den Sozialdemokraten, und man wohl annahm, dass Juristen eher der konservativen Mitte entstammen, der die „braune“ Vergangenheit der beiden Standardwerke traditionell nicht so wichtig ist (oder sogar, zumindest in der Nachkriegszeit mit ihrem Heer nazi-affiner Juristen, sehr willkommen war). Dies scheint sich nun zu ändern, weil der aktuelle Justizminister der bayrischen CSU ein „unverdächtiger“ Konservativer ist, der die Sachlage von einem Historiker untersuchen und neu begutachten lässt und damit Druck aus einer „anderen“ politischen Richtung auf den Verlag macht – wie ich einem aktuellen Zeitungsbericht (Steinen 2021) entnehme.
Höchste Zeit, meine ich, dass hier etwas geschieht – war doch gerade mal wieder (am 20. April) „Führers Geburtstag“, der in rechtsradikalen Kreisen wohl immer noch gefeiert wird – während das Münchner Stadtarchiv zum Gedenken an die Befreiung von den Nazi-Verbrechern durch die Amerikaner bei Kriegsende an eben diesem „30. April“ weiße Fahnen raushing – (ich bin da passenderweise vorbeigeradelt und habe das auf diese Weise zufällig mitbekommen – zunächst irritiert durch das Datum „30. April 1945“).

Nicht „streichen“ – sondern „herausstreichen“

Ich meine, dass die „Streichung“ solcher belasteten Herausgeber-Namen ebenso wenig bringt wie die Ersetzung von ähnlich belasteten Straßennamen (von Trotha-Straße und Meiser-Straße in München) und Schul-Namen (Wernher von Braun-Gymnasium in Friedberg*) durch „unbelastete“ Namensgeber. Vielmehr sollte man die Gelegenheit nützen, auf das Unrecht, das mit den alten Namen verbunden ist, und auf diese ganze „braune“ Vergangenheit und ihre Verbrechen hinweisen. Warum nicht den Palandt „Palandt“ sein lassen und den Schönfelder eben „Schönfelder“ – und auf dem rückwärtigen Umschlag in einem kleinen, aber gut formulierten Kasten, die historische und politische Belastung sichtbar machen?

* Wernher von Braun hat ja mit seiner Saturn-Rakete nicht nur die Amerikaner auf den Mond gebracht, sondern war im Dritten Reich maßgeblich verantwortlich für die Entwicklung der Raketen, die London und Coventry und andere Städte in Schutt und Asche legte, unzähligen Menschen den Tod brachten – und schon bei ihrer Herstellung durch Zwangsarbeiter unzählige Todesopfer forderten, von seinem Rang als SS-Offizier mal ganz abgesehen – wie Rainer Eisfeld akribisch nachgewiesen hat.

MultiChronalia

München, meine Heimatstadt seit 1956, taucht in diesem Beitrag nicht zufällig so oft auf – war es doch im Dritten Reich die (von den Münchner Bürgern und Stadträten gerne so gesehene) „Hauptstadt der (braunen) Bewegung“.
Als ich 1960 Jura studierte, war ein prominenter Alt-Nazi noch immer aktiv mit Vorlesungen zum Staatsrecht und sogar als Kultusminister (für die CSU): Theodor Maunz. Nach dem Bekanntwerden seiner NS-Vergangenheit trat er als Minister zurück und publizierte bis zu seinem Tod – u. a. anonym in der rechtsradikalen National-Zeitung.

Dass Umbenennungen auch „nach hinten“ losgehen können, zeigte die Änderungen eines Straßennamens in München gleich beim Königsplatz (den die Nazis einst während ihres Tausendjährigen Reiches zu gerne in „Adolf-Hitler-Platz“ umbenannt hätten):
Aus der „Bischof Meiser“-Straße machte man 2010 eine „Katharina von Bora“-Straße (nach dem Geburtsnamen von Martin Luthers Ehefrau), weil Bischof Meiser, erster Landesbischof der Evangelischen Kirche in Bayern, sich im Dritten Reich mit antisemitischen Äußerungen „beliebt“ gemacht hatte. Blöderweise war nicht nur Martin Luther ein Antisemit (zumindest der späte Luther sieht in den Juden Christusfeinde und ruft unverhüllt zu Pogromen auf) – sondern seine Ehegespons hat ihn noch deutlich übertroffen: Sie gibt den Juden die Schuld an Luthers körperlichem Zusammenbruch in Eisleben, der zu seinem Tod am 18. Februar 1546 führte. (Graf 2010).

Quellen
Eisfeld, Rainer: Mondsüchtig. Wernher von Braun und die Geburt der Raumfahrt aus dem Geist der Barbarei. Paperback, 2012.
Graf, Friedrich: „Meiserstraße in München: Heikle Umbenennung“. In: Südd. Zeitung online vom 05. März 2010.
Palandt, Otto W. (Hrsg.): Bürgerliches Gesetzbuch (Kommentare). München (Beck Verlag).
Schönfelder, Heinrich (Hrsg.): Deutsche Gesetze. München (Beck-Verlag).
Steinke, Ronen: „Justizminister will Nazi-Namen tilgen“. In: Südd. Zeitung Nr. 106 vom 10. Mai 2021, S. R10 (Bayern-Teil).

aut #961 _ 2021-05-11/11:49

Beforeigners: MultiChronie im Film

In Oslo und anderswo auf der Welt tauchen, begleitet von rätselhaften Lichteffekten, fremde Menschen auf – die offenbar aus früheren Epochen in die Gegenwart geschleudert wurden und nun gestrandet sind – wie zuvor Flüchtlinge aus aktuellen Krisengebieten. Aber diese „Foreigners“ (engl. „Fremde“) – sind (zumindest in Oslo) in Wahrheit einheimische Norweger. Nur stammen sie – wie das Kofferwortspiel des Titels Beforeigners andeutet ( before – Foreigner → Beforeigner) aus früheren Zeitschichten. Entwickelt wird die Erzählung als utopischer Kriminalfall: Eine dieser Zeitreisenden (wie man zunächst vermutet), wurde ermordet.

Abb. 1:: Meine symbolische Darstellung von MultiChronie. Mehrere (Zeit-) Schichten überlagern und durchdringen sich: Gegenwart, mehrere Vergangenheiten und sogar immer wieder eine Ahnung von Zukunft (Archiv JvS)

Diese Fernsehserie ist ein sehr anschauliches Beispiel für das, was ich als „kulturelle MultiChronie“ bezeichne (und was in der Serie „multitemporal“ genannt wird): Mehre Zeitschichten existieren gleichzeitig neben- und durcheinander:
Menschen aus der Vergangenheit tauchen in der Gegenwart auf, so dass Parallelgesellschaften entstehen. Tausende von Menschen aus der Steinzeit und der Wikingerzeit sowie Bürgerliche aus dem 19. Jahrhundert stellen als Einwanderer die Toleranz der norwegischen Gesellschaft auf eine Belastungsprobe. Als im Hafen von Oslo die Leiche einer Frau mit steinzeitähnlichen Tätowierungen gefunden wird, erscheint das zunächst als gezielter Angriff auf die Zeitmigranten. Kommissar Lars Haaland wird mit dem Fall betraut. Ihm wird als Assistentin Alfhildr Enginnsdottir zugeteilt, die gerade die Polizeischule abgeschlossen hat. Sie gehört zu den Neuankömmlingen, wurde im 11. Jahrhundert geboren, hatte dort ein Leben als Schildmaid geführt und ist nun die erste Polizeimitarbeiterin „mit multitemporalem Hintergrund“. (Wikipedia).

Ähnlich krass stellt sich bei näherem Hinsehen das Universum der Star Wars-Serie dar, mit heftig (und sehr sinnlos) kontrastierenden Zeitschichten: Jedi-Ritter (!), die in einer ferner Zukunft mit überlichtschnellen Raumschiffen und gewaltigen stellaren Vernichtungswaffen (Todesstern) bei ihren Duellen mit Laser-Schwertern (!) kämpfen wie weiland die mittelalterlichen Rittersleut´.
In der Mini-Serie The Mandalorian aus dem selbem utopischen Universum ziehen Kopfgeldjäger (eben die Mandalorians des Titels) in handgeschmiedeten Ritterrüstungen samt Helm aus Metall (!) durch die Gegend – als seien nie ums Jahr 2000 bei uns leichte und viel widerstandsfähigere Schutzanzüge aus Kevlar (Karbonfaser) erfunden worden.

Sternenkönigreich mit Prinzessinnen und dergleichen sind in der amerikanischen Science-Fiction sehr beliebt – s. Isaac Asimovs Foundation-Serie oder The Star Kings (dt. Herrscher im Weltenraum,) von Edmond Hamilton – m.E. das Vorbild für die Star Wars-Filme von George Lucas.
Auch Frank Herberts Dune-Serie spielt vor dem Hintergrund eines galaktischen Kaiserreichs mit rivalisierenden Baronen und Grafen und bezieht religiöse Elemente mit jüdischen bzw. christlichen (Dune Messias) und islamischen (Dschihad) Versatzstücken ein, die eher in eine mittelalterliche Welt passen als in eine ferne Zukunft mit Raumschifflinien zwischen vielen Sternensystemen.

Sehr viel augenzwinkernder spielt mit den verschiedenen Zeitebenen die Trilogie Zurück in die Zukunft – Zeitparadoxa bzw. das Bemühen, solche zu vermeiden, inbegriffen. Der junge Held Marty McFly, der zurück ins Jahr 1955 befördert wird, erfindet dort so nebenbei das allererste Skateboard und flüchtet darauf vor seinem Widersacher Biff Tannen (in Wahrheit wurde das Skateboard erst ein Jahrzehnt später, in den 1960er Jahren, erfunden und populär).

Outland (mit Sean Connery in der Hauptrolle als künftiger Space Marshall) ist eine an High Noon (Mit Gary Cooper als Sheriff) orientierte Science-Fiction-Geschichte mit Pistolenduellen wie im Wilden Westen – nur dass sich dies in einer Bergbaumine auf dem Jupitermond Io abspielt.

Nicht ganz so krass prallen die Zeitebenen aufeinander in den beiden Teilen von Kill Bill: Auch hier wird in einer Gegenwart des Jahres 2003/2004 mit (Samurai-) Schwertern eines mittelalterlichen Japan gekämpft.

Rückblenden und Vorblenden

Bleibt noch zu ergänzen, dass in nahezu jedem Film und jedem Roman dies beliebte Hilfsmittel sind, andere als die jeweils aktuelle Zeitschicht zu erweitern und zu ergänzen: Rückblenden in frühere Zeitabschnitte (meistens der Hauptfigur) und gelegentlich auch Vorblenden in mögliche Folgen von Entscheidungen der Hauptfigur.

Quellen
Asimov, Isaac: Foundation. (Ab 1942). Dt. Der Tausendjahresplan etc.
Filoni, Dave et al (Regie): The Mandalorian. USA 2019 ff (Disney Studios).
Hamilton, Edmond: (The Star Kings). (USA 1949) <Herrscher im Weltenraum _ Berlin 1952 _ Gebr. Weiss>. Die Sternenkönige. München 1980 (Heyne TB).
Herbert, Frank L.: Dune. New York 1965 ff. (Deutsch: Der Wüstenplanet).
Hyams, Peter (Regie): Outland. Great Britain 1981).
Lien, Jens (Regie): Beforeigners – Mörderische Zeiten (norwegische Fernsehserie). Oslo 2019.
Lucas, George (Regie): Star Wars. USA 1977 ff.
Lynch, David (Regie): Dune (nach Teil 1 von Frank Herberts Roman-Serie). USA 1983 (De Laurentiis).
Tarantino, Quentin (Regie): Kill Bill 1 + 2 (USA 2003 und 2004.
Zemeckis, Robert (Regie): Zurück in die Zukunft 1,2,3. USA 1985 / 1989 / 1990.

aut #960 _ 2021-05-09/17:00

Mein Roman-Projekt „glü“

Über einen Roman zu schreiben, der sich aktuell noch in einem arg rohen, unfertigen Zustand befindet, ist mehr als kühn. Ich teile diesbezüglich auch die Überzeugung so ziemlich aller Autoren: Über ungelegte Eier soll man nicht gackern.

Andrerseits muss man sich selbst immer wieder ermuntern „dran zu bleiben“. Und sich öffentlich (wie hier im Blog) dazu zu äußern, zählt durchaus zu diesen Ermunterungen – vor allem weil die „Öffentlichkeit“ auch eine Art Verpflichtung ist.

Und drittens: „Klappern gehört zum Handwerk“. Also immer wieder auch ein wenig Werbung machen, Neugier wecken. Ich stelle mir das auch als eine Art Schnitzeljagd vor: Wer meinen Blog regelmäßig liest, wird immer mal einen kleinen „Kiesel“ im Mondlicht blitzen sehen (Achtung: glü-Roman!). Wie im Märchen von „Hänsel und Gretel“, wo der kluge Hänsel ja ab und zu einen Kieselstein auf den nächtlichen Waldweg streut, um den Rückweg nachhause zu finden. Was ja beim ersten Mal auch geklappt hat. Mit den Brotkrümeln, dem zweiten Versuch, lauf es dann nicht mehr so gut.

Abb. 1: Auszug aus dem Memo-Feld meiner Datenbank zum glü-Roman (Archiv JvS)

Kleiner Kieselstein für Sie: Mein glü-Roman handelt vom ersten Kontakt mit Außerirdischen. Er findet hier in München statt und in diesen Tagen – vielleicht gerade heute (so genau leg ich mich da nicht fest). Auf jeden Fall kommt die Corona-Pandemie vor. Und dieser „First Contact“ verläuft völlig anders als bisher (in anderen Geschichten). Selbst wenn Sie ein SF-Aficionado sein sollten und schon Hunderte von SF-Romanen gelesen und x SF-Filme und -Serien gesehen haben: So wie in meinem Roman ist das garantiert noch nie abgelaufen!

Einen zweiten Kieselstein können Sie bereits vor einigen Tagen in diesem Beitrag finden: Früh übt sich…

Und alle Hinweise (Kieselsteine) in früheren Posts erreichen Sie, wenn Sie in der Kategorien-Wolke das Stichwort (Kategorie) „glü“ anklicken. Viel Spaß bei der Spurensuche.

Abb. 2: Auszug aus der Titel-Liste für die Kapitel zum glü-Roman aus meiner Datenbank (Archiv JvS)

aut #957 _ 2021-05-09/14:39

Der rote Faden dieses Blogs?

Normalerweise hat jeder Blog ein bestimmtes Thema – das man auch „roter Faden“ nennt. Das ist so etwas wie der Weg durch das Labyrinth der Informationen. Ohne den „Faden der Ariadne“ hätte Theseus nie den Weg aus dem Yrrinthos wieder herausgefunden, in dem er den schrecklichen Minotauros erschlagen und die athenischen Geiseln gerettet hat.

° Mancher Blog ist allgemeiner gehalten. Beispiel: (fiktiver Blog-Name) Fußballliebe: „Warum ich Fußball liebe, obwohl ich selbst nie einen Ball gekickt habe…“).
° Mancher Blog ist spezieller ausgerichtet. Beispiel: Wer mit viel liebe zum Hobby über die Trainer der deutschen Fußball-Ligen schreibt (fiktiver Blog-Name. FußballTrainer), fokussiert sich genau auf dies: Deutschlands Fußball-Trainer.

Ohne Worte (Archiv JvS)

Was ist der „rote Faden“ meines Blogs, den Sie gerade lesen?

Jetzt wird es schwierig. Als im Frühjahr 2020 die Corona-Pandemie ihre grimmige Fratze zu zeigen begann, startete ich wie unzählige andere Menschen eine Art „Corona-Tagebuch“. Das wäre was für einen Blog, dachte ich damals – und verwarf den Gedanken gleich wieder, nicht zuletzt weil ich sah, dass alle Welt das plötzlich zum Thema eines Blogs machte.

Am 08. April 2020 schrieb ich in mein Logbuch einen Beitrag – der nachträglich zum ersten Beitrag in diesen Blog wurde: Mein Can-Blog.
Irgendwann im Oktober dachte ich: Warum nicht doch ebenfalls einen Blog publizieren – aber nicht über „Ich und Corona“ (oder höflicher: „Corona und ich“) – sondern: „Schreiben in Zeiten der Corona-Pandemie“. Erste Notizen entstanden, erst mal nur handschriftlich in einem eigenen Büchlein (Logbuch), das ich im Rucksack immer bei mir habe; dann als Word-Datei.
Im Herbst entschied ich mich: Es soll ein richtiger Blog werden – und fand auch in meinem Enkel schlockonock (hier sein eigener Blog: Leicht Rezepte finden) hilfreiche Unterstützung, das technisch anzugehen. Als ich im November 2020 mit dem eigenen Blog anfing, tippte ich einfach drauf los, was mich gerade so beschäftigte. Da war der Blog noch nicht online und hatte erst mal nur den Arbeitstitel „Hyperwriting – alles was mit Schreiben zu tun hat“.
Dann kam irgendwann Ende November, nicht zufällig mit dem zweiten Lockdown, plötzlich der Gedanke auf: Das würde ich gerne meiner Familie hinterlassen (so wie mein Urgroßvater Ferdinand Naumann mir seine Tagebücher hinterlassen hat). Ich gab diesem Beitrag den flotten, aber auch etwas makabren Titel: Grabstein zu Lebzeiten. Da dachte ich immer noch: Das schreibe ich nur für mich selbst und für meine Familie und einige Freunde und Bekannten.

Ich schrieb und schrieb – und merkte, dass ich so ja meine Autobiographie schreiben könnte. (was ich schon seit 2019 vorhatte). Danach schlichen sich immer wieder Ideen zu dem glü-Roman-Projekt ein. Und inzwischen ist mir klar geworden, dass der Blog zwei ganz große Themen hat:

° Das bin zum einen ich selbst mit meinem Versuch, mir am Beginn meines neunten Lebensjahrzehnts Überblick über dieses mein Leben zu verschaffen. Ich nenne das Selbstvergewisserung: Universum JvS. Riecht nach Größenwahn nicht wahr? Aber als Künstler (und so verstehe ich mich) kommt man ohne eine Prise Größenwahn nicht weit – sagt man doch: „Keine Größe ohne Größenwahn“ (Yeraklit zugeschrieben). Was mich zu der kühnen Behauptung führt: Jeder Mensch ist es wert, sein eigenes Leben in Worte zu fassen – zumindest für sich selbst (und seine / ihre Nachkommen). Es muss ja nicht unbedingt ein Roman* daraus werden.
(Wer hierzu eine technische und schreiborientierte Begleitung sucht: Ich stelle mich gerne als Coach zur Verfügung – E-Mail genügt: jvs@hyperwriting.de.)

* Ernest Hemingway stellte mal fest: „Jeder Mensch kann einen Roman schreiben – den über sein eigenes Leben.“

° Das ist zum anderen das wirklich große Thema: Alles rund ums Schreiben. Deshalb nenne ich meinen Blog ja hyperWriting.de. Die (griechische) Vorsilbe hyper besagt genau dies: „über, darüber hinaus, jenseits von (einer bestimmten Grenze)“.

Mein eigenes Leben, wie es hier im Blog sichtbar wird, ist gewissermaßen das Modell, nach dem andere ihren eigenen Blog (oder ihre Autobiographie etc.) gestalten können. Ich biete es ganz bewusst als bunte Mischung an, als „Wundertüte“, in der man alle drei Varianten des Schreibens findet (ja, es sind genau drei):
° Das Autobiographische,
° das Erzählende (am einfachsten kommt man ins Erzählen, in dem man autobiographisches Material, also Erlebnisse, verfremdet);
° das Sachliche (beispielsweise in Form kleiner Reiseberichte oder Essays).

Was ist also mein „roter Faden“ hier im Blog?

HyperWriting: Ich (also mein Leben) als Varianten des Schreibens (wozu für mich immer auch das Veröffentlichen gehört – ein Blog, der ja öffentlich stattfindet, ist dafür eine gute Übung).

Wie oben erwähnt: Ich stelle mich gerne als Coach auf diesem Weg zur Verfügung. Man kann es auch in meinen Schreib-Seminaren kennenlernen und üben (derzeit nur online mit Video-Konferenzen). Und man kann in drei meiner Bücher viel dazu lesen:
° Kreatives Schreiben – HyperWriting,
° Kurzgeschichten schreiben,
° Blues für Fagott und zersägte Jungfrau (die praktische Anwendung meines Ratgebers Kurzgeschichten schreiben).

(Anmerkung: Dieser Blog listet immer nur maximal 150 Beiträge auf – alle früheren Einträge rutschen allmählich hinter diese – imaginäre – Linie. Sie finden diese am Ende der Liste unter dem Titel: Archiv. Wenn Sie dieses Menü aufklappen, steht da: „Monat auswählen“. Genau das können sie dann bis zu den allerersten Beiträgen im April 2020. Wundern Sie sich nicht, dass darunter noch Februar 1940 folgt. Dort habe ich eine Art ANHANG angelegt, wo Sie vor allem Listen finden, die alle meine Buchveröffentlichungen , Kurzgeschichten, Gedichte, Film-Besprechungen etc. hier im Blog sammeln sowie den programmatischen Beitrag Hallo – das bin ich.

Quellen
Scheidt, Jürgen vom: Kreatives Schreiben – HyperWriting. (Frankfurt am Main 1989_Fischer TB). München 2006-11 (Allitera Paperback). 215 Seiten – € 19,90 / ISBN 978-3-86520-210-9.
ders.: Kurzgeschichten schreiben. (1994) München 2002-07 (Allitera Paperback). 91 Seiten. 9,90 €uro / ISBN 3-935877-57-9.
ders.: Scheidt, Jürgen vom: Blues für Fagott und Zersägte Jungfrau. München 2005 (Allitera Paperback). 140 Seiten – € 12,90 / ISBN 3-86520-121-0.

aut #955 / 2021-05-09/12:00

Kybernetische Rückkopplung: Zimmerheizung, Blogging, Demokratie (w i p)

(Work in Progress)

Vergl. auch
Die Blindheit der Autokraten
Der Regent steigert die Lebensqualität
(Frederic Vesters Umwelt-Spiel Ökolopoly bzw. Ecopolicy)

Die einzelnen Elemente eines kybernetischen Systems sind mit einander verbunden und reagieren auf einander (Archiv JvS)

Kybernetische Kreisläufe regulieren sich selbst (über die Sensoren) und reagieren ausgleichend auf Störungen. Auf diese Weise bleibt ein Dynamisches Fließgleichgewicht erhalten.

Wichtig ist der möglichst freie Fluss von Informationen, der die Realität nicht verfälscht, sondern wahrheitsgemäß registriert.

Menschen neigen allerdings dazu, in solche Kreisläufe einzugreifen: Wenn die Familie im Wohnzimmer sitzt und sich alle wohlfühlen bis auf eine Person, der es „zu kalt“ ist oder „zu warm“ ist und diese Person nun die Heizung hoch- oder runterfährt, beginne sich alle andere unwohl zu fühlen. Solche Kompromisse müssen immer neu ausgehandelt und gefunden werden.

1. Beim modernen Heizsystem einer Wohnung mit Thermostat ist des vergleichweise einfach, weil es nur aus einigen wenigen physikalischen Elementen besteht.

Der Blogger, der auf Kommentare reagiert und nicht nur stur seine „Agenda“ abarbeitet, wird mit seiner Interaktivität (nur ein anderes Wort für „kybernetische Rückkopplung“) auf Dauer vielleicht mehr Bescuher auf seine Seite locken als ein Blogger, der ein bestimmtes Rthema „durchboxt“.

Am kompliziertesten ist das bei einer ganzen Nation mit Millionen Individuen. Ein politisches System funktioniert nur in einer Demokratie einigermaßen gut, wenngleich „langsam“. Erst wenn Mächtige zu ihrem Vorteil eingreifen und die „Einstellungen“ verändern, gerät allmählich alles durcheinander.

aut #944 _ 2021-05-09/11:36

Früh übt sich, was ein…

… Romanautor werden will. 1955 skizzierte ich den Anfang eines utopischen Romans in ein leeres Kontobuch meines —Urgroßvater Eduard Kropf, das ich auf dem Dachboden der Bahnhofstraße 15 in Rehau gefunden hatte.
Es ging um den ersten Flug zu einem Nachbarstern: Alpha Centauri, 4,2 Lichtjahre von der Erde entfernt. Ich weiß fast nichts mehr darüber – nur dass es ein Kugelraumschiff war (außerhalb der Erdatmosphäre braucht so ein Gerät nicht mehr die Stromlinienform einer Rakete) und dass es den Namen Albert Einstein trug, dessen Relativitätstheorie mich damals sehr faszinierte.

Es folgte der Umzug von Rehau nach München – was – aus der Ferne des Jahres 2021 (und immer noch in München) betrachtet, damals wohl von der Bedeutung für mein Leben ähnlich einschneidend war wie der Flug eines Kugelraumschiffs zum Alpha Centauri: Übergang in eine völlig andere Welt.

Meinen zweiten Anlauf, einen Roman zu schreiben, startete ich irgendwann 1956 mit meinem neuen Banknachbarn Dieter Seiffert in der neuen Schulklasse 6e der Gisela-Oberrealschule in München (heute ein Gymnasium). Aber dann überrollte uns wohl der Schulalltag, Dieter begann Gitarre zu üben, ich begann mich zu verlieben…

Den Versuch Nummer 3 zog ich 1957 dann allein durch, Schule hin oder Verliebtheiten her. Dieser Roman —Männer gegen Raum und Zeit wurde fertig – und erschien sogar im folgenden Jahr 1958. Die Begleitumstände waren abenteuerlich – und sind eines eigenen Eintrags hier im Blog wert (demnächst). Das Forschungs-Raumschiff hieß nun Magellan (nach dem frühen portugiesischen Entdecker). Das Jahr war der Handlung war seeeeehr weit weg von 1957: ein fast spiegelverkehrtes 7218 a.D. – mit einem kühnen Zeitreise-Sprung in ein noch viel ferneres Jahr und seltsamen Einstein-Effekten…
Das war – für einen damals Siebzehnjährigen – recht gut erzählt. Wer´s nicht glaubt, kann es ja nachprüfen: Das Buch ist (minimal überarbeitetet) wieder lieferbar, als Paperback und natürlich auch digitalisiert als E-Book.

Vom Erscheinen meines Erstlings angespornt, stürzte ich mich 1958 gleich in das Abenteuer meines nächsten Weltraumflugs – pardon: meines nächsten Roman-Projekts. Der Titel war wie bei Versuch 1 der eines Raumschiffs: — Sternvogel. Diese Geschichte spielte ungefähr ums Jahr 2100 – also schon sehr viel näher an der Gegenwart von 1958, in der sie ersonnen wurde. Das erste Kapitel veröffentlichte ich im Party-Fanzine C. C. Rider des Cool Circle, einer losen Vereinigung von rund 30 party-begeisterten Kids, alle um die 18 Jahre alt.
Die typographische Spielerei war inspiriert von Alfred Besters SF-Romanen The Demolished Man und Tiger! Tiger! Bester war in der Werbung tätig, schrieb Drehbücher für Comic-Strips und verlieh mit seinen bizarren Einfällen dem SF-Magazin Galaxy genau den richtigen „modern touch“, der es vom in die Jahre gekommenen und sehr technikaffinen Veteranen Astounding Science Fiction wohltuend abhob. (Auf diesen Autor und diese Romane, die ich mühsam im amerikanischen Original las, machte mich Lothar Heinecke aufmerksam. 1978 begegnete ich Bester persönlich auf dem Treffen von —World SF in Dunlaoghaire). Bei mir sah das dann so aus:

Sorry – aber die Originale des C.C.Rider aus dem Jahr 1958 sind schon sehr alt und Kopien von Kopien von Kopien (Archiv JvS)

Die Zeit der Handlung rückt immer näher an die Gegenwart

Roman-Projekt Nr. 5 begann ich 1963 – ein Jahr nachdem Sternvogel endlich einen Verlag gefunden hatte (auch eine abenteuerliche Geschichte für sich, die ein andermal erzählt werden soll.*) Ich schrieb das neue Projekt mit dem Titel Der metallene Traum in mehreren Schüben für das Fanzine Munich Round Up und bekam sogar von Willi Johanns (damals mein Nachbar in der Heßstraße und beruflich Chefgraphiker des Goethe-Instituts in München) einige fetzige Tusche-Illustrationen dafür. Dann blieb dieses Manuskript erst einmal in der Schublade. Bis mein neuer Agent Axel Poldner (der ebenfalls eine wilde eigene Story wert wäre) vom Verlag R.S. Schulz den Auftrag bekam, ihm ein komplettes Verlagsprogramm mit Sachbüchern und Romanen zusammenzustellen, welches die gut florierenden Sozialgebungs-Gesetze (die jeder Unternehmer erwerben muss) dieses Hauses ergänzen sollten. Ob ich nicht was für dieses neue Programm hätte?
Hatte ich. Während der Sommerferien machte ich mich an das schon recht umfangreiche Manuskript und konnte im Herbst 1975 das neue Buch abliefern, nun mit dem neuen Titel: Der geworfene Stein. (Das Enstiegskapitel „Der metallene Traum“ machte als eigenständige SF-story ebenfalls seinen Weg.) Diese Geschichte beginnt im Jahr 1963 (als sie entstand) in München und befördert den Helden infolge eines (teilweise missglückten) Kälteschlaf-Experiments ins nächste Jahrhundert, also etwa 2063. Ich fügte eine zweite parallele Handlung hinzu, die sich am Schluss mit der ursprünglichen Geschichte vereinigt – für mich ein neues literarisches Experiment.

Der nächste Roman war eigentlich eine Sammlung von utopischen Kurzgeschichten, die durch eine Rahmenhandlung zusammengehalten wurden. Schon der Titel signalisiert mein Anliegen, aus zukünftigen Fernen sowohl im Raum als in der Zeit näher an die Gegenwart heranzukommen, in der ich damals, 1978, lebte: Rückkehr zur Erde.
Das habe ich dann mit dem Titel (und Inhalt) der Story „Abschied von Utopia“ noch weitergetrieben – spielte die doch ganz in der Gegenwart von (damals) 1986.

An Roman-Projekt Nr. 7 (wenn ich Das Unlöschbare Feuer als Gemeinschafts-Projekt nicht mitzähle) kaue ich seit 1982 herum, seit ich das erste Kapitel dazu geschrieben habe: „Die Reise im Ballon“. Dieser Roman – mit dem Arbeitstitel Weg nach O°Thar – spielt auf einem unsagbar fernen Planeten. Das war mir irgendwann, als der zweite Teil als Manuskripts schon einigermaßen fertig war, „zu weit weg in Raum und Zeit“. Und ich schrieb einen dritten Teil, der die Geschichte der Hauptfigur hier und heute (also etwa 1985) hier auf der Erde im vertrauten München erzählt, als eine Art Vorspiel zu den „fernen Abenteuern“ auf O°Thar.
Dann war lange Sendepause mit Hunderten von Schreib-Seminaren (in der allerdings viele Kurzgeschichten und Märchen entstanden und einige – publizierte – Sachbücher wie Geheimnis der Träume und Das Drama der Hochbegabten erschienen sind). Bis ich 2012 die Idee zu einer Vor-Vor-Geschichte hatte, die in Weg nach O°Thar münden sollte und so etwas wie eine Familien-Saga daraus machen würde, die nach der Jahrtausendwende spielt. Das würde aus dem Gesamtwerk also eine Tetralogie machen. Auch das geriet ins Stocken. Und auch dazu gesellte sich eine nochmals vorangestellte Handlung. Sie stellt eine vierte (fünfte?) Generation dieser Familie vor, einen jungen Historiker namens Ullrich Lauffner (Protagonist Nr. 3) frisch von der Universität, der für eine geheimnisvolle Stiftung die Biographie von Protagonist Nr. 2 (Jan Wolfart) schreiben soll. Protagonist Nr. 1 ist der mit den Abenteuern auf O°Thar (und in München und New York) mit Namen Thomas Lauffner und – genau: der Vater von Ulrich Lauffner. Und dann gibt es noch einen weiteren Protagonisten namens Venn Korr –
Aber das genügt. Es würde Sie nur so verwirren wie mich, der ich als Autor diese vielen Episoden und Fäden zusammenführen muss und will und der all dem zur Zeit mehr so aus der Ferne zuschaut, ab und zu eine Idee und sogar ganze Szenen dazu notiert – in einer Datenbank all dies säuberlich dokumentiert und strukturiert – und hier einstweilen nur den Arbeitstitel verrät: das glü-Projekt.
Es hat viel mit dem Fremden und den Fremden zu tun (Aliens kommen auch vor – aber ganz anders als gewohnt); die Labyrinth-Sage spielt eine große Rolle, es geht um künstliche Intelligenz und fremde Welten und um die Rolle der Hochbegabten in der Menschheit – aber all dies spielt primär hier und (fast) jetzt in (überwiegend) München. Und sogar die aktuelle Corona-Pandemie von 2020 folgende wird ihren Part übernehmen,
° weil sie dieses Roman-Projekt einerseits massiv behindert hat – wie ja auch meine Arbeit mit den Schreib-Seminaren
° und es zugleich sehr beflügelt.

Die Idee mit diesem Blog kam im November vergangenen Jahres 2020 dazwischen, im Jahr 2019 davor schon die Idee, meine Autobiographie anzugehen…

Aber ich bin guten Mutes, habe viel Freude mit dem Blog – und merke zunehmend (und während ich diese Zeilen tippe), dass all dies mit einander zu tun hat und irgendwie das Puzzle meines Lebens abbildet, in das ich schreibend Ordnung hineinbringe.

MultiChronalia

So ganz nebenbei ist dies, wie die fett gedruckten Jahreszahlen bekunden, nun wieder zu einem Beispiel von MultiChronie geworden, bezogen auf meine Buch-Projekte.

* Aber warum nicht gleich hier: Das Manuskript lag seit 1960 bei einem Leihbuch-Verlag in Menden in irgendeiner Schublade. Mein damaliger Agent Wolf Detlef Rohr hatte es dorthin geschickt – und dort dämmerte es nun im Lektorat vor sich hin. Im Frühjahr 1962 ermannte ich mich und fuhr mit dem Zug ins Sauerland, marschierte in diese Druckerei (mehr war das eigentlich nicht) und beschwerte mich. Es muss den Verleger? Lektor? Druckereibesitzer? schwer beeindruckt haben, wie ich meinen Ärger kanalisierte und um einen Vertrag und um baldiges Erscheinen bat: „Mein Bruder hat bald Konfirmation – und ich würde ihm den Roman gerne dazu schenken.“
Die Begründung stimmte sogar – aber ausschlaggebend war wohl mein persönliches Erscheinen. Ich unterschrieb an Ort und Stelle den Vertrag und kurz darauf lag das fertige Buch bei mir zuhause.
Die Angelegenheit ist doppelt witzig – und wirft auf ein bezeichnendes Licht auf den damaligen deutschen SF-Markt – weil ich gleichzeitig noch den Vertrag für den Roman Das Unlöschbare Feuer an Land zog, den ich mit fünf Kollegen aus der SF-Szene als wirklich völlig verrücktes Round-Robin-Experiment in im Fanzine Munich Round Up geschrieben und sehr flüchtig überarbeitet hatte. Auch dieses Manuskript legte ich dem Verlag zeitgleich vor – bekam auch dafür umgehend einen Vertrag – und so erschien diese total bescheuerte Parodie (die damit zufällig so etwas wie ein Vorläufer und Parodie auf die spätere Perry Rhodan-Serie wurde!) – ohne dass sie je ein Lektor kritisch zu Gesicht bekommen hätte.
„Sachen gibt´s – die gibt´s nicht“ würde mein Freund Alfred Hertrich an dieser Stelle vielleicht gesagt haben. Gab´s aber doch.

(S. auch den Beitrag hier im Blog, der sich mit diesem hier ein wenig überschneidet:
Geburt eines Schriftstellers aus dem Kopf einer Rock´n´Roll-Party anno 1957.)

Quellen
Scheidt, Jürgen vom: Roman-Projekt 1 (ohne Titel). Der Flug der Albert Einstein zum Alpha Centauri. Rehau 1955.
ders. und Dieter Seiffert: Roman-Projekt 2 (ohne Titel). München 1956.
ders.: Roman-Projekt 3: Männer gegen Raum und Zeit.(Leihbuchausgabe). Wuppertal-Barmen 1958 (Wieba). Überarb. Neuausgabe Frankfurt am Main 2018 (vss Schladt) – auch als E-Book.
ders.: Roman-Projekt 4: (Leihbuchausgabe). Sternvogel. Menden 1962 (Bewin). Überarb. Neuausgabe Frankfurt am Main 2018 (vss Schladt) – auch als E-Book.
ders.: Roman-Projekt 5: Der geworfene Stein. Percha bei München 1975 (R.S.Schulz).
ders.: Roman-Projekt 6: Rückkehr zur Erde. Pfaffenhofen a.d. Ilm 1977 (Verlag W. Ludwig).
ders.: Roman-Projekt 7: Weg nach O°Thar / glü-Projekt (work in progress)

aut #949 _ 2021-05-06/17:17

Zeugnis unserer Jugendkultur: C. C. Rider

Das Handwerk des Schreibens kann man auf viele Arten lernen. Sieht man mal von den Erfahrungen mit Aufsätzen und anderen Textformen in der Schule ab, beginnt das häufig mit einem Tagebuch. Selten notiert jemand schon als Kind erste Geschichten aus eigenem Antrieb (wie Joanne „Harry Potter Rowling) – was ich übrigens als ein deutliches Merkmal für Hochbegabung deuten würde.
Aber mehr Spaß macht es, wenn man zusammen mit anderen schreibt – nicht in der Schulklasse, weil man muss – sondern weil man das aus eigenem Antrieb möchte. Schülerzeitung sind da inzwischen eine gängige Gelegenheit. Aber bevor ich 1958/59 bei unserer Schülerzeitung Giselaner mitmachte (an der Gisela-Oberrealschule in München), waren das für mich etwas früher bereits drei andere Hobby-Publikationen:
° ANDROmeda (die monatliche Vereinsschrift des Science-Fiction Club Deutschland. SFCD),
° der C. C. Rider (eine Art Party-Zeitung unseres Cool Circle)
° und Munich Round Up (ein Fanzine der Münchner Gruppe des SFCD).

Abb. 1: Die Single „C. C. Rider“ von Chuck Willis ist leider nicht mehr in meinem Archiv – aber ungefähr zur selben Zeit war „School Day“ von Chuck Berry ebenfalls top in den Charts – und passt vom Thema „Schule“ bestens zu der Welt, in der wir uns damals bewegten, als unsere Party-Fanzine erschien (Archiv JvS).

Man kann solche frühen literarischen Geh-Versuche gar nicht hoch genug bewerten, weil sie viererlei bewirken:

  1. motiviert man sich gegenseitig („Wann hast du deine Buchbesprechung fertig – schaffst du das noch bis Samstag ins nächste Heft?“);
  2. regt man sich gegenseitig an, spielt sich Themen-Bälle zu, nennt sich interessante Lektüren oder Musik-Beispiele; und
  3. nicht zuletzt lernt man auf diese Weise, so ganz nebenbei, fremde wie eigene Texte auch kritisch zu betrachten – und vor allem Kritik auszuhalten, ohne gleich beleidigt zu sein.
  4. Doch last but not least hat man beim gemeinsamen Schreiben vor allem immer schon ein Publikum dabei – da schreibt man anders als wenn man nur zuhause etwas ins Tagebuch notiert. (Und wenn man anhand von amerikanischen Songs und SF in der Originalsprache auch noch aktuelles English lernt, ist das ja auch kein Schaden.)

Diese frühen Erfahrungen gemeinsamen Schreibens sind ganz sicher auch die Wurzeln meiner späteren Schreib-Seminare gewesen. Dass so etwas (literarisches Schreiben, journalistisches Schreiben, Schreib-Seminare leiten) ein bzw. zwei Jahrzehnte später meine Brotberufe werden würden, hätte ich mir damals in den späten 1950er Jahren allerdings nicht vorstellen können – da stand mehr so etwas wie Testpilot, Weltraumpilot, Robotpsychologe auf dem Wunschzettel mit den Berufsträumen.

Abb. 2: C.C.Rider Nr. 6 von Okt/Nov 1958 – leider die letzte Ausgabe (Zeichnung: Wolfgang Baum / Archiv JvS)

Bei alledem kommt einer kleine Postille eine ganz besondere Bedeutung zu, die ich zusammen mit meinem Freund Wolfgang Baum mit Texten füllte (wobei andere Mitglieder unseres damaligen Party-Clubs Cool Circle gelegentlich auch etwas beitrugen – wenn man sie nur genügend triezte): der C. C. Rider. Der Name rührt von einem Blues-Song von Chuck Willis her, der damals im amerikanischen Soldatensender AFN gespielt wurde und in der Race-Abteilung des Billboard ziemlich hoch kletterte.

Diskriminierung der Schwarzen in den USA ist nichts Neues

Race-Abteilung? Ja, das gab es damals. Das war eine spezielle Chart für Songs der schwarzen Bevölkerung der USA, die man fein säuberlich aus der offiziellen weißen Schlager-Chart des Musik-Fachmagazins Billboard auslagerte und umgangssprachlich R´n´B (für Rhythm´n´Blues) nannte oder – schön diskriminierend – Race Music (bei uns in Deutschland war das die Negermusik, mit der unsere Eltern alles benannten, was nach Jazz klang, was also laut und sehr rhythmisch war und vor allem „amerikanisch“ – aber eben nicht so nett wie die eingängigen Schmalz-Songs eines Bing Crosby oder Pat Boone oder Frank Sinatra).

Die Diskriminierung der Schwarzen war damals, in den 1950ern, noch viel heftiger als heutzutage, es gab ständig Lynchmorde und Übergriffe der (weißen) Polizisten gegen Schwarze waren an der Tagesordnung – kein Wunder bei einer inoffiziellen Apartheits-Politik, die vor allem in den Südstaaten sehr offiziell Weiße und Schwarze von einander separierte.

Eine Reise zurück in die 50er

Das ist jetzt wie eine Zeitreise – sich an diese Epoche zu erinnern. Die Musik, die manche von uns Jugendlichen gerne hörten, transportierte viel Aufmüpfiges, womit wir uns den Eltern gegenüber erstmals in der Geschichte der Menschheit eine eigene „Jugendkultur“ schufen – ohne zu wissen, was das war und später von Soziologen so benannt werden würde: Mit Crew Cut, Blue Jeans und Bluesuede Shoes (aber bitte mit richtig laut klappernden „Hufeisen“ an den Absätzen) – mit eigenen Filmen (James Dean war einer unserer Rebellen) – mit eigenem Tanzstil (Boogie Woogie, Jitterbug – nicht das langweilige Walzer-Zeug und der Cha-cha-cha aus der Tanzstunde).

Für manche von uns spielte da auch die Science-Fiction-Literatur eine „abgrenzende“ Rolle – wie alle unsere Hobbies und Gewohnheiten und Vorlieben, die vor allem eine Funktion hatten: Sie war „unser eigenes“ – schon deshalb, weil die Erwachsenen nichts davon verstanden und es im Idealfall sogar heftig bekämpften: bei den Mädchen die Petticoats und bei uns Buben die „Röhrenhosen“. Das alles half, eine eigene soziokulturelle Position zu finden – und dabei nicht zuletzt allmählich auch zu entdecken, wie belastet die Vergangenheit unserer Eltern aussah, die in der Nazi-Diktatur aufgewachsenen waren und diese meistens tatkräftig gefördert hatten.

All das spiegelt sich in den gerade mal sieben Ausgabe des C. C. Rider sehr deutlich wider. Als ich ihn nach vielen Jahren mal wieder durchblätterte, wurde mir bewusst, wie wichtig es war, das damals aktiv mitzugestalten – lange bevor dann ein Jahrzehnt später die 68er sich in Bewegung setzten, lauthals gegen den Vietnam-Krieg demonstrierten, sich in den Universitäten gegen den „Muff von tausend Jahren unter den Talaren“ (mit noch verdammt viel „brauner Vergangenheit“) zu wehren begannen.

Dabei haben wir eigentlich nichts anderes gemacht, als uns gerne tanzend am Wochenende bei den Parties zu dieser tollen „anderen“ Musik zu bewegen, zu flirten, zu schmusen, uns zu verlieben (und enttäuscht zu werden) – und was man halt mit 18 so alles macht und denkt und träumt.

Jetzt ist eines der drei „überlebenden“ Originale dieser damals mühsam mit der Schreibmaschine vervielfältigten Zeitschrift beim „Archiv der Jugendkulturen“ gesichert, die Inhalte sind digitalisiert und vielleicht kann sogar das Deutsche Jugend Institut (DJI) etwas damit anfangen – ist es doch ein sehr direkter offener Blick, den wir Jugendlichen damals auf die uns umgebende Welt der Erwachsenen schriftlich dokumentiert haben. Wir haben ja nicht nur im Saturday Night Fever getanzt und am Blue Monday unsere Enttäuschung über ein missglücktes Liebesabenteuer bejammert – wir sind auch zusammen in Kino-Vorstellungen wie Flucht in Ketten gegangen, haben die amerikanischen Jugendlichen der High School im Perlacher Forst getroffen (wo sich das gut abgeschirmte „Ghetto“ der amerikanischen Besatzungsmacht befand) zum Basketballspielen und zum gemeinsamen Besuch eines Fußball-Spiels im Stadion der 1860er an der Tegernseer Landstraße. Wir sind auch in Ausstellungen gegangen und haben uns dabei unsere (oft sehr kritischen) Gedanken über die Welt gemacht, in die wir da hineingewachsen sind.

Im C. C. Rider haben wir eigene Gedichte veröffentlicht und ich schrieb darin sogar den Anfang meines späteren zweiten Romans -li-Sternvogel.

In der oben erwähnten Club-Zeitung ANDROmeda des SFCD konnte ich nicht nur meine allererste Kurzgeschichte publizieren, sondern erfahren, was es bedeutet, von Älteren gefördert zu werden (s. hierzu auch meine Begegnung mit Lothar Heinecke hier im Blog).
Und Munich Round Up (kurz MRU) wurde dann so etwas wie eine „erwachsenere“ Variante des C. C. Rider – wenngleich sehr unter dem Einfluss der aufmüpfigen, kulturkritischen und sehr amerikanisch-popkulturellen Jugendzeitschrift Mad.
In MRU schrieb ich mit fünf anderen SF-Freunden die wilde Space Opera -li- Das Unlöschbare Feuer und die Anfänge meines bereits dritten Romans -li- Der geworfene Stein.

Jedenfalls haben wir, die daran Beteiligten, sowohl im C. C. Rider wie in MRU wie besessen von einem geheimnisvollen Virus geschrieben, geschrieben, geschrieben und auf diese Weise unsere Schreibtalente entwickelt.

Was will man mehr von Jugendsünden!

Abb. 3: Wer dieser geheimnisvolle „jay jay jay“ wohl war? Versuch in konkreter Poesie in Ausgabe Nr. 6 des C.C.Rider (Archiv JvS)

Nachgedanke

Von der Intention und den Inhalten her war dieser C. C. Rider eigentlich so etwas wie ein Vorläufer dessen, was man heute als Blog bezeichnet – nur eben nicht digital im Internet mit Auflage unbegrenzt, sondern analog als handgetipptes Manuskript mit Auflage 30.

aut #935 _ 2021-05-06/09:37

Die Blindheit der Autokraten

Auslöser für diesen Beitrag war ein Artikel in der SZ über die immer brutalere Verfolgung von Journalisten, Aktivisten und anderen kritischen Menschen in Russland – die Putin so gar nicht in sein immer diktatorischer werdendes Konzept passen (Bigalke 2021). In ihrer eitlen Machtbesessenheit übersehen Autokraten wie Wladimir Putin in Russland oder Xi Jinping und die Kommunistische Partei Chinas völlig den tieferen Sinn demokratischer Spielregeln und Gewohnheiten. Wer immer nur „von oben herab“ bestimmt – und mit zunehmend brachialer Gewalt durchsetzt – was zu geschehen hat, vergisst, dass jedes komplexe System Sensoren und Rückmeldesysteme braucht, die über den Zustand des Systems berichten, sodass schädliche Rückkopplungseffekte sich nicht verstärken können.

Kritische Journalisten, Umwelt-Aktivisten und vor allem alle paar Jahre die Wähler sind solche „Sensoren“ und „Rückmelder“. Werden sie ausgeschaltet, wird die Führung zunehmend blind. Die Fehler verstärken sich, untergeordnete Systeme entwickeln fatale „Aufschaukelungen“.

Das ist der riesengroße Vorteil jeder einigermaßen funktionierenden Demokratie: Sie ist kybernetisch bestens gerüstet. Allerdings sind die demokratischen Abläufe sehr „gebremst“. Wenn die Wähler nur alle vier Jahre abstimmen können, kommt solches Feedback sehr spät an. Umso wichtiger sind andere „Sensoren“:
° kritische Journalisten, die Korruption und andere Fehlerquellen aufdecken (s. die „Panama-Papers“, mit denen die Investigativ-Reporter der Süddeutschen Zeitung und anderer Medien ein weltweites System von Steuerhinterziehung aufdeckten, bei dem viele Staaten Milliarden an Steuern hinterzogen wurden);
° Non Governmental Organisations (NGOs) wie amnesty international (die sich um politische Gefangene – also „Sensoren“ im obigen Sinn – kümmern) oder Transparency International (die weltweit Korruption anprangern) oder Green Peace und Fridays for Future, (dessen Unterstützerinnen sich intensiv für Umweltschutz einsetzen);
° oder die SocialMedia-Bewegungen #MeToo und #BlackLivesMatter.

Sie alle decken Missstände auf und prangern sie an. Dann kann das Gesamtsystem darauf reagieren, kann korrigieren – über die Gesetzgebung und die Behörden – und kann über die regierenden Parteien Weichen stellen, welche die Missstände in Zukunft abstellen.

Ja mach nur einen Plan…

Wie jeder einigermaßen wache Zeitgenosse und jede ausgeschlafene Zeitgenossin weiß: Das ist der Idealfall. Je größer solche kybernetischen Systeme sind, je komplexer das Zusammenspiel vieler und vielfältiger Unter-System, je machtvoller die Einzelinteressen von Individuen und Gruppen – umso träger reagiert die kybernetische Selbstregulation.

Wenn Autokraten in Ländern wie Nordkorea, China, Brasilien, Russland, Türkei die Sensoren ausschalten, weil sie in ihrem Größenwahn alles „besser wissen“ – legen sie die Axt an ihr eigenes Gedankengebäude – was in letzter Konsequenz ein Wahnsystem ist, denn nichts ist total durchplanbar. Aber man lernt in solchen rückständigen Ländern einfach nichts dazu und schon gar nicht von einem mahnenden Dramaturgen wie Bert Brecht, der in seiner „Ballade von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens“ in der Dreigroschen-Oper singen lässt:

Ja, mach nur einen Plan!
Sei nur ein großes Licht!
Und mach dann noch ’nen zweiten Plan
Geh´n tun sie beide nicht
.

Pläne funktionieren nur – wenn es immer wieder Korrekturen und Verbesserungen gibt – und notfalls einen „Plan B“ oder „Plan C“.

Wir erleben es gerade in der Corona-Pandemie , die ja auch Folge von Störungen eines komplexen kybernetischen Systems ist: Der gesamten Biosphäre unseres Planeten, auf welche die Menschen durch Raubbau und andere zerstörerischen Aktivitäten zunehmend aggressiv einwirken. Ausgleichende Rückkopplungen nehmen dann eben ein geradezu mörderisches Ausmaß an: Die nanowinzigen Viren vernichten und schwächen in rasender Eile ihre menschlichen Widersacher – um es mal total verkürzt darzustellen.

Wir erleben vor allem auch, dass es Rückkopplungssysteme gibt, die vorher unbekannt waren: Wer konnte mit Corona-Leugnern und Impfgegnern und anderen verblendeten „Gegnern“ von (insgesamt erstaunlich gut funktionierenden) politischen Entscheidungen in diesem Ausmaße und mit dieser Militanz rechnen?
Impfgegner gab es schon bei den Masern, also seit Jahrzehnten. Und Millionen Besserwisser gibt es nicht nur unter Fußballzuschauern, sondern in jedem Lebensbereich. Aber dass sich – dank der Sozial-Media – ihr Widerstand so aufschaukeln würde – das hatte niemand auf dem Radar.

Da sind offenbar andere Kräfte verstärkend im Spiel – zum Beispiel eine enorme Verunsicherung bei den Männern, weil die Frauen immer selbstbewusster werden – was dann gerne auf alles mögliche projiziert wird – vor allem auf „die da oben“.

Die größte Gefahr: Der Klimawandel

Die größte Gefahr, die uns derzeit alle bedroht, ist allerdings der Klimawandel. Auch er ist die Folge sich multiplizierender und exponenzial aufschaukelnder Eingriffe in das komplexeste Rückkopplungssystems überhaupt: Unsere Atmosphäre.

Höchste Zeit, dass sich mehr Menschen mit Kybernetik befassen – und welche Rolle sie dabei, auch als menschliche Winzlinge, spielen – und spielen können. Nicht nur durch die Abgabe einer Wählerstimme alle vier Jahre – sondern durch Engagement in NGOs, durch persönlichen Verzicht auf Unnötiges: Autofahren, Fleischkonsum (schon mal was von „Sonntagsbraten“ gehört? oder von vegetarischer Ernährung?), zerstörerische Urlaube, Häuslebauen auf Kosten der Natur.
Die Liste ist lang, was man selbst tun kann – oder lassen kann – oder könnte – und was sich millionen- und letztlich milliardenfach addiert und multipliziert und dann ebenfalls exponenzial aufschaukelt, aber nun in eine positive Richtung.
Schon vergessen, dass es ein einziges, unglaublich schwaches, psychisch mit Asperger-Syndrom zusätzlich behindertes, gerade mal vierzehnjähriges Mädchen namens Greta Thunberg war – die sich auf die Treppen des schwedischen Parlaments setzte und protestierte: „Schulstreik fürs Kima“ – und was ist daraus geworden!

Beim Kinderkriegen haben wir die Kurve doch inzwischen einigermaßen geschafft! Schon meine Urgroßeltern hatten nur noch drei Kinder – und nicht zehn oder fünfzehn – und das ist in den Generationen nach ihnen so geblieben. Die Chinesen haben es dann mit Gewalt versucht (Ein-Kind-Kampagne) – was inzwischen korrigiert werden musste. In Indien hat man überwiegend weibliche Föten abgetrieben – was auch nicht ohne Konsequenzen geblieben ist…

MultiChronalia

Kybernetik als übergreifende wissenschaftliche Disziplin hat mich schon als Schüler in den 1950er Jahren fasziniert – als ich in Science-Fiction-Stories davon las – etwa in den Roboter-Geschichten von Isaac Asimov und in Jack Williamsons Roman Wing 4, bald darauf in Norbert Wieners Mathematik mein Leben und in den Büchern des Physikers Herbert W. Franke.
1959 war eine sehr eigenmächtige Rechenmaschine (heute würde man sagen: eine KI) ein wichtiger „Mitspieler“ in meinem zweiten Roman Sternvogel (erschienen 1962).
1963 schrieb ich die Kurzgeschichte — „Der metallene Traum“, die 1975 zum Kernstück meines dritten Roman Der geworfene Stein wurde. Darin beschreibe ich ein zukünftiges München, das von einem großen Rechner-Verbund unter dem Englischen Garten (ja, so etwas wird kommen) gesteuert wird – den ich als „Kyberneten“ (griechisch: Steuermann) bezeichne. Keine dystopische Zukunft – aber eine, die ihre Macken hat.
Es ist Frankes Einfluss zu danken, dass ich mich 1962 als 22jähriger Student traute, an der Universität (im Soziologischen Institut) zu einem Seminar „Kybernetik“ einzuladen – wo wir dann zu zehnt, aus mehreren wissenschaftlichen Disziplinen kommend, interdisziplinär uns vernetzten, miteinander kybernetische Bücher lasen, vorstellten und diskutierten.
In den 1970er Jahren lernte ich den Kybernetiker Frederik Vester (1925-2003) kennen, der sich auf vielfältige Weise und unglaublich kreativ bemühte, „kybernetisches Denken“ in die Köpfe seiner Mitmenschen zu bringen: In Sachbüchern wie Das kybernetische Zeitalter, zahlreichen Fernsehsendungen und dem sehr lehrreichen und zugleich unterhaltsamen Spiel Ecopolicy, das es zunächst als Papier-Version gab und dann als Multimedia-Spiel. Ich habe darüber 1983 in der Süddeutschen Zeitung auf der Hobby-Seite berichtet:
Der Regent steigert die Lebensqualität.

Und heute im Jahr 2021 freut mich riesig, dass mein Enkel Nico bei Jugend experimentiert einen Ersten Preis mit einer kybernetischen Simulation gewonnen hat, die ganz in der Tradition von Frederic Vester und Herbert W. Franke steht (obwohl er von diesen beiden Pionieren vermutlich noch nie etwas gehört hat)! Das Stichwort heißt: Interaktiv. Die Kybernetik lebt von der Interaktivität der einzelnen Elemente, die sich gegenseitig beeinflussen.

Erster Preis bei Jugend experimentiert 2021 (privat)

Quellen
Bigalke, Silke: „Anschlag auf die Unabhängigkeit“. In: Südd. Zeitung Nr. 100 vom 03. Mai 2021, S. 06 (Politik).
Brecht, Bert: „Ballade . In: Dreigroschen-Oper, Dritter Akt.
Kilchenmann, Ruth J. (Hrsg.): Schlaue Kisten machen Geschichten. Nördlingen 1977 (IBM Deutschland).
Scheidt, Jürgen vom: Sternvogel. Minden 1962 (Bewin).
ders.: Der metallene Traum“. München 1963 (Munich Round Up – nachgedruckt in Kilchenmann 1977.
ders.: Der geworfene Stein. Percha bei München 1975 (R. S. Schulz).
Scheidt, Nicolas vom: „Interaktive Stadtplanung für Geographie-Experimente“. Studie für „Jugend forscht“ im März 2021.
Vester, Frederik: Das kybernetische Zeitalter. Frankfurt am Main 1974/1982 (S. Fischer).
ders.: Ökolopoly – später Ecopolicy – das kybernetische Strategiespiel; Lehr-Software gemäß JuSchG; (CD-ROM), MCB Publishing House, München, 2011,(deutsch-/englischsprachige multimediale CD-ROM für Windows, als Einzel- oder Netzwerkversion).
Wiener, Norbert : Mathematik. Mein Leben. Autobiographie. Düsseldorf 1962 (Econ).

aut #943 _ 2021-05-04/20:33

Der Regent steigert die Lebensqualität

(Recycelt von der Hobby-Seite der Süddeutschen Zeitung des 23. Juli 1983.)

Die Internationale GartenAusstellung IGA ist längst Geschichte. Auch Frederic Vester ist seit vielen Jahren tot – er lebte von 1925 bis 2003 und war einer der ideenreichsten Menschen, die mir je begegnet sind. Wenn ich jemals einem nicht nur hochbegabten, sondern mit seiner gedanklichen Weite und Zukunftsoffenheit höchstbegabten Menschen begegnet bin – dann ist er das. Direkt oder indirekt hat er mich immer wieder beeinflusst – nicht nur durch das im Folgenden vorgestellte Spiel (das längst seine eigene Weiterentwicklung ins Digitale erfahren hat), sondern durch seine Sachbücher über Kybernetik, über Denken Lernen und Vergessen und vor allem seine quicklebendigen Fernsehsendungen – die ihn zu einem unvergesslichen Vorläufer von Harald Lesch machen.

Ich verdanke ihm ganz praktisch auch die Anregung, mir einen Thesauros einzurichten – ein Hängemappen-Archiv (natürlich verbunden mit einer digitalen Datenbank). Ich sehe Vester noch vor mir, wie er mir voll berechtigtem Stolz ungefähr 1980 im Eingangsbereich seiner damaligen Studiengruppe für Biologie und Umwelt nahe dem Sendlingertorplatz in München den gewaltigen Metallkasten vorführte, in dessen acht ausziehbaren Schubladen jeweils mindestens hundert Hängemappen mit den Themen hingen, die seinen weitschweifenden Geist interessierten. Einige Jahre später stand in meinem Arbeitszimmer in der Seestraße ein ebensolcher Korpus, auf den ich nicht minder stolz war.

Wie es unter Menschen mit ähnlicher Interessenlage üblich ist, förderten wir einander – er, der Ältere und Erfahrenere, indem er mich das eine oder andere Mal als Gast in eine seiner Wissenschafts-Sendungen einlud – und ich, indem ich ihn später für das Nachtstudio des Bayrischen Rundfunks interviewte (09. März 1990 – nachgedruckt in meinem Reader Konzepte für die Zukunft.

Faksimile meines Artikels von 1983 (Südd. Zeitung / Archiv JvS)

Frederic Vesters Ökolopoly– Neuland des Spielens und Denkens

Hat es Sie auch schon einmal in den Fingern gejuckt, als Kanzler an den Schalthebeln der Macht zu sitzen? Auf der IGA haben Sie (im Umwelt-Pavillon beim Feucht-Biotop) Gelegenheit dazu, in Form eines Simulationsspiels. Sie geben einem kleinen Computer Ihre Werte für die Steigerung (oder Drosselung) der Güterproduktion ein, beachten auch die Sanierung der Umwelt, die Lebensqualität der Landesbewohner, das Wachsen (oder Sinken) der Bevölkerungszahl.

Als ich das erste Mal Kanzler spielte, erhielt ich am Ende meiner Regierungszeit im Lande ,,Kybernetien“ folgende Bewertung durch den Computer: „Die Lebensqualität in Kybernetien ist äußerst gering. Ihren Leuten geht es sehr viel schlechter als das letzte Mal…“

Ich habe mich dann mächtig angestrengt, entwickelte neue Strategien – und bekam in der Tat bessere Noten: „Die Lebensqualität ist jetzt fantastisch.“

Vor mir auf dem Tisch liegt nun ein Spiel, mit dem Sie genau wie mit dem IGA-Computer Regierungsstrategien durchspielen können. Soviel vorweg: Es ist dies das erste Spiel, das sowohl meine erwachsene Intelligenz wie meinen kindlichen Spieltrieb gleichermaßen anspricht und zufriedenstellt.

Entwickelt wurde es von dem bekannten Münchner Kybernetiker und Umwelt-Experten Frederic Vester, der auch das eingangs erwähnte Computer-Programm Es lebe Kybernetien entwickelt hat, gewissermaßen als Modell für dieses neuartige Spiel. Eigentlich ist es eine Art Rechenmaschine, und Vester nennt es, mit berechtigtem Stolz, den „ersten Papier-Computer“. Worum geht es?

In seinem Buch Neuland des Denkens hat Vester mit vielen einleuchtenden Beispielen nachgewiesen, dass unsere herkömmliche Art, Probleme zu lösen, für unsere immer komplizierter werdende Welt nicht mehr ausreicht. Ein Politiker, der zum Beispiel eine neue Schule oder ein Kraftwerk in die Landschaft stellen möchte, übersieht leicht, dass außer den unmittelbar abzusehenden Folgen (Geldbedarf, Arbeitsplätze usw.) solche Entscheidungen auch eine Fülle indirekter Nachwirkungen hat. Eine zu große Schule kann Kinder und Lehrer einander so entfremden, dass dies eine Generation später noch ungeahnte seelische, soziale und kulturelle, damit letztlich aber immer auch drastische finanzielle Folgen hat Im Spiel Ökolopoly bietet Vester uns eine faszinierende Möglichkeit, auf lockere und höchst unterhaltsame Weise über solche Probleme nicht bloß nachzudenken, sondern sie unmittelbar spielend immer wieder einzuüben.

Es ist ein Spiel mit und um ökologische Zusammenhänge – daher Ökolopoly. Also genau im Gegensatz zum bekannten Monopoly, wo es ja um nichts anderes geht, als möglichst rasch und möglichst viel Reichtümer anzuhäufen, und zwar auf Kosten aller anderen (Mitspieler), soll hier bei Vester berücksichtig werden, was aus den Prozessen erwachsen kann, die ich bei meinen Spielentscheidungen in Gang setze. Die Variationen des Spiels sind nahezu unbegrenzt. Wer mit den von Vester angebotenen Werten auf den neun (einander beeinflussenden) Zahlenscheiben nicht zufrieden ist, kann auf der Rückseite seine eigenen Ziffern eintragen und neue Strategien des „Regierens“ entwickeln – buchstäblich ein Spiel ohne Grenzen.

Das Spiel besteht aus einem – durch den Graphiker Peter Schimmel sehr ansprechend gestalteten – vierfarbigen Spielbrett, das man zusammenklappen kann. Vor dem Inbetriebnehmen muss man die Zahlenscheiben und einen roten Zeiger für die „Regierungsjahre“ montieren. Das dauert knappe zehn Minuten.

Diese Mechanik ist sehr haltbar und gut durchdacht; einmal montiert, bleibt das Spiel so wie es ist. Jede Drehung an einer der Scheiben (die durch Pfeile mit den Werten anderer Scheiben verknüpft sind) verändert mehrere Zahlenwerte: Wenn ich beispielsweise die ,,Produktion“ erhöhe, erhalte ich zwar mehr Aktionspunkte (z. B. Geld) fürs nächste Spiel – aber gleichzeitig steigt die Umweltbelastung, diese mindert die Lebensqualität, und so weiter. 31 Ereignis-Karten sorgen für weitere Abwechslung im Spielverlauf.

Trotz all dieser auf der Hand liegenden Qualitäten fand sich bisher kein Verlag, der das Spiel vertreiben möchte – Vester hat auf eigene Kosten 10 000 Exemplare produziert. Im Handel wird das Spiel, nach der IGA, etwa DM 42 kosten (was seiner Ausstattung ohne weiteres, angemessen ist). Auf der IGA bekommt man es zum Einführungspreis von DM 22,- (davon sind DM 2,- eine Spende für den Naturschutz-Fonds).

Vom Spiel angeregt, bekommt man dann leicht Interesse an den Büchern Vesters, von denen ich hier nur noch sein originelles Fenster-Bilderbuch Der Wert eines Vogels und Unsere Welt – ein vernetztes System (Begleitband der gleichnamigen Wanderausstellung) empfehlen möchte. Öko-Freaks und Kybernetik-Fans finden übrigens in der – leicht fasslich geschriebenen, übersichtlichen Spielanleitung eine Reihe weiterführender Spiel-Ideen.

Geeignet ist das Spiel bereits für aufgeweckte Kinder etwa ab zehn – nach oben keine Begrenzung. Ich weiß aber auch von Sozialarbeitern und Hochschul-Seminaren, die es in der Ausbildung einsetzen.

(Ergänzung am 05. Mai 2021: Das Spiel in Karton-Version wurde später zu einem echten Computer-Spiel weiterentwickelt, das nun Ecopolicy heißt. Es ist erhältlich bei der Nachfolge-Gesellschaft der früheren Studiengruppe für Biologie und Umwelt. Auf deren Website findet man alle relevanten Details zu Frederic Vesters Leben , seinen Werken und seinem Spiel und vieles mehr.

Wenn er noch leben würde, hätte er sich längst mit dem Thema Klimawandel befasst und aufgezeigt, welche kybernetischen Regelkreise dabei eine zentrale Rolle spielen – und er wäre einer der lautstärksten Mahner geworden.

Frederic Vester (von seiner Website übernommen)

Quellen
Scheidt, Jürgen vom: „Der Regent steigert die Lebensqualität“. In: Südd. Zeitung vom 23. Juli 1983 (Hobby-Seite am Wochenende).
ders.: Konzepte für die Zukunft. Stuttgart München Landsberg 1990 (Bonn aktuell).
Vester, Frederik.: Denken Lernen und Vergessen. Stuttgart 1975 (Deutsche Verlagsanstalt).
ders: Neuland des Denkens – vom technokratischen zum kybernetischen Zeitalter. Stuttgart 1980 (Deutsche Verlagsanstalt).
ders.: Der Wert eines Vogels. München 1983 (Kösel).
ders.: Unsere Welt – ein vernetztes System. München 1983 (dtv).
ders.: Ökolopoly → Ecopolicy. München 1983 ff (Studiengruppe Biologie und Umwelt).
ders.: „Lernen für das Dritte Jahrtausend“ (Interview 1983 – s. Scheidt. J. vom: Konzepte für die Zukunft).

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