Karl Valentin und die prekären Berufe als Haiku

Prekäre Berufe – das sind all jene gemeinhin als „kreative Tätigkeiten“ bezeichneten „freien Berufe“ – die bei enormem Einsatz miserabel bezahlt werden – mit Garantie auf Altersarmut. Die Fotografen zählen dazu und die Jazzmusiker und die Kunstmaler und die Grafikdesigner –
Ja, und auch die Schriftsteller und Schreib-Seminarleiter sowie viele Journalisten – also Angehörige jener drei Berufe, die ich selbst ausübe (wobei der Journalist nur noch also Blogger auftritt – also gar nichts verdient).

„Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.“

Karl  Valentins viel zitiertes Bonmot hat ihm mit großer Sicherheit keinen einzigen Penny eingebracht – obwohl es inzwischen bestimmt unzählige Male zitiert worden ist, sich also andere Leute mit seinem kreativen Einfall schmücken (wie ich jetzt). Immerhin hat es mich zu eigener Kreativität angeregt, denn ich möchte es nun ergänzen und zugleich in ein Haiku verwandeln – was Valentis Ausspruch nahelegt, wenn man ihn in zwei Zeilen zerlegt:

„Kunst ist schön,
macht aber viel Arbeit.“

Das sind bereits fünf Silben – fünf Silben. Ergänzen wir diesen Zweizeiler durch eine dritte Zeile und fügen wir der zweiten Zeile das steigernde „meist sehr viel“ hinzu – und schon ist das ein Haiku:

Kunst ist manchmal schön,
 macht aber meist sehr viel Arbeit
– und wird schlecht bezahlt.“

(Zählen sie es ruhig nach: fünf Silben – sieben Silben – fünf Silben.)

Das ist der Fluch der kreativ-prekären Berufe: Sie werden in der Regel „schlecht bezahlt“. Dieser Blog ist ein passendes Beispiel: Er ist hoffentlich „schön“ (zumindest die Abbildungen sollten es sein), macht höllisch viel Arbeit – und bezahlt wird dafür gar nichts. Jedenfalls nicht direkt. Vielleicht lockt die Qualität und das Thema „Schreiben“ den einen Leser oder die andere Leserin in eines meiner Schreib-Seminare. Dann wäre der Blog immerhin PR, die sich finanziell bemerkbar macht.

Und jetzt noch das passende Bild von Spitzweg (aus der Wikipedia, die es aus vom heutigen Standort in der Neuen Pinakothek übernommen hat):

  • – – –

Tja, das geht leider nicht, weil WordPress das Bitmap-Format nicht akzeptiert. Macht aber nichts. Dieser „Arme Poet“ hart sich so tief ins kollektive Gedächtnis des Abendlandes eingeprägt, dass jeder einigermaßen Gebildete es inzwischen kennen dürfte. Und notfalls können Sie es sich ja in der Wikipedia anschauen: Einfach „Der arme Poet“ eingeben – und schon haben sie es. Carl Spitzweg hatte schlauerweise als Apotheker einen nicht-prekären Brotberuf und wäre später im Leben sicher auch als Kunstmaler gut zurechtgekommen. Im Gegensatz zu seinem weniger glücklichen Malerkollegen Vincent van Gogh, dessen Bilder zu Lebzeiten niemand haben wollte und die heute mit zig Millionen gehandelt werden. Pech gehabt. Das richtige Jahrhundert muss man eben auch erwischen oder einen reichen Gönner (oder eine reiche Frau). –

Jetzt hab ich es doch noch geschafft, das bmp-Format ins jpg-Format umzuwandeln, und hier ist er, der „arme Poet“ (den Spitzweg selbst nie als solchen bezeichnet hat – das machten erst seine biedermeierlichen Zeitgenossen und Nachfahren):

Carl Spitzweg: Der arme Poet (1839 – Neue Pinakothek)

Hoffentlich krieg ist jetzt keine Abmahnung von einem schlauen Rechtsanwalt. Aber bei mir ist nichts zu holen (s. oben „prekäre Berufe“).

Arbeitszeit für diesen Blog-Beitrag: 1Std 20 Min. Verdienst: niente.

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