Puzzle meines Lebens

Man kann die vielen Erinnerungs-Bruchstücke des eigenen Lebens auf mancherlei Arten organisieren:
° chronologisch in einer Zeittafel,
° alphabetisch (nach Themen – s. die Kategorienwolke dieses Blogs),
° als Cluster oder
° als Organigramm.

Abb. 1: Das Leben als Puzzle – könnte künstlerisch-symbolisch gestaltet so aussehen (Photo by Magda Ehlers on Pexels.com)

Aber zunächst einmal ist das ein wirres Durcheinander von Puzzle-Teilen, die erst identifiziert und eingeordnet werden müssen. Das ist dann ein sehr aufwendiger, viel Zeit beanspruchender kreativer Prozess und wie Karl Valentin es einmal unübertrefflich in einem anderen Zusammenhang gesagt hat: „Kunst ist schön – aber macht viel Arbeit.“
Dieses Durcheinander bildet mein Blog ab, wo ich die Einfälle so notiere, wie sie eben „einfallen“ – angeregt dieser Tage etwa durch den Ukraine-Krieg.
Aktuell gibt es in meiner Datenbank 1.250 Datensätze, aus denen bisher hier im Blog 256 Beiträge und 54 noch nicht veröffentlichte Entwürfe entstanden sind. Klingt nach viel – ist aber vermutlich kaum die Hälfte der Ereignisse, die mein Leben ausmachen.

Vielleicht ist mein Vorgehen in punkto Autobiographie für manchen Leser dieses Blog Anregung, sich selbst an so eine Arbeit der „Selbstvergewisserung“ zu machen. Es lohnt sich!

Die alphabetische Anordnung wird durch die Kategorienwolke erleichtert, die den Blog dynamisch, sich ständig verändernd, begleitet. Hier mal in ungewohnter Perspektive, horizontal:

Abb. 2: Die Kategorien-Wolke in ungewöhnlicher Perspektive – und als alphabetisch organisiertes Puzzle (Archiv JvS 2020)

In jedem Leben gibt es sog. Schlüsseljahre – in denen sich wichtige Ereignisse häufen oder Weichen gestellt werden – etwa durch einen Unfall (wie bei mir im März 1953, in welchem Jahr aber auch noch ganz andere wichtige Ereignisse stattfanden).
Die rot markierten Jahr oben in der Mitte des folgenden Bildes haben nur indirekt mit meinem eigenen Leben zu tun, das ja erst 1940 begonnen hat:

1816 fand am Genfer See jenes denkwürdige Ereignis statt, bei dem vier Autor*innen sich zu dem zusammenfanden, was ich als „erste Schreib-Werkstatt“ bezeichne und während dem Mary Wollstonecraft-Shelley* ihren berühmten Roman Frankenstein begann, der zugleich als Beginn der Science-Fiction-Literatur gilt. (Brian Aldiss sieht dies so – für mich ist das schon früher mit der Geschichte vom genialen Erfinder Daidalos und dem Labyrinth geschehen.)
* Die drei anderen Autoren waren Lord Byron, dessen Leibarzt und Autorenkollege John Polidori (der damals die erste Vampir-Geschichte schrieb – Vorbild für Bram Stokers Dracula) und Marys Mann Percy Bysshe Shelley.

1895 hat Sigmund Freud seinen Irma-Traum aufgeschrieben und gedeutet, der zugleich so etwas wie der Startschuss zur Psychoanalyse ist und viel mit Freud Kokain-Selbstversuchen 1884-86 zu tun hat (Scheidt 1973). Diese „Traum-Entfaltung“ (wie ich es nenne) zeigte nicht nur eine neue Möglichkeit, (eigene) Träume zu verstehen, sondern ist mit dieser Methode der „Freien Assoziation“ wichtiges Werkzeug des Kreativen Schreibens geworden.

Beide Jahre sind nicht direkt Teil meines Lebens – und haben doch sehr viel damit zu tun.

Abb. 3: Auch eine Möglichkeit: die wichtigsten Jahre als Cluster (Archiv JvS 2021)

Meine Autobiographie, für welche dieser Blog so etwas wie mein Sammelplatz ist, wird chronologisch angeordnet sei, aber auch als Anhang ein komprimiertes „ABC meines Lebens“ bekommen, plus eine Zeittafel, die einen groben Überblick vermittelt. Dazu immer wieder übergreifende (vernetzende) Themen-Blöcke etwa zur „Science-Fiction“ oder zu „Rauschdrogen“, den „Träumen“ und natürlich dem „Schreiben“, „Entschleunigung“, „Hochbegabung“.
All dies soll verbunden werden durch mein übergeordnetes Konzept der MultiChronie.

(Vielleicht sind dies ja auch brauchbare Tipps für Leser dieses Blogs, die ebenfalls an einer Autobiographie arbeiten.)

Quellen
Aldiss, Brian: Billion Year Spree. (1973) London 1975 (Corgi Press). Deutsch: Der Milliarden- Jahre-Traum. Bergisch-Gladbach 1990 (Bastei-Lübbe).
Freud, Sigmund: Die Traumdeutung. Wien 1990. Kap 3: „Der Traum von Irmas Injektion“.
Scheidt, Jürgen vom: Freud und das Kokain. München 1973 (Kindler – Geist und Psyche).

aut #1254 _ 2022-03-28/10:21

Ein Kommentar zu “Puzzle meines Lebens

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