Tsunami am Horizont

Ich bin mit einem starken Druck im Kopf aufgewacht. Als ich meinen Early Morning Tea trank und begann, meine Gedanken zu sortieren und aufzuschreiben (wie ich das jeden Morgen mache), wurde mir plötzlich klar, weshalb mir in der Kurzgeschichte →
„Was murmelt hier?“ das Bild mit dem drohenden Tsunami eingefallen ist.
Das hatte sich wie von selbst einfach so hingeschrieben. Aber jetzt ist mir klar, dass sich vor mir in der Tat so etwas wie ein Tsunami ankündigt: Eine Fülle von Projekten, die ich in Arbeit habe und demnächst liefern will und die noch nicht abgeschlossen sind – zum Beispiel die beiden Anthologien, die ich demnächst beim Verlag abliefern soll und meine Autobiographie (die zwar allmählich hier im Blog Formen annimmt, aber noch viel zusätzlicher Gestaltungsarbeit bedarf). Dann die Buchführung (seit Februar nachzutragen) und die elektronische Steuererklärung ElStEr für 2020.
Beim Tsunami ist es ja so, dass sich die heranstürmende Monsterwelle vor der Küste immer höher aufgetürmt, weil das flach ansteigende Ufer sich in den Weg stellt. Dieser Effekt wird auf ähnliche Weise bei mir dadurch hervorgerufen, dass es Termine mit Seminaren gibt, die in den kommenden Wochen viel Zeit beanspruchen, in denen ich nicht an den obigen Projekten arbeiten kann.

Um nicht in der Tat zu „ersaufen“, begebe ich mich rechtzeitig auf eine Anhöhe in genügender Entfernung vom Ufer, von der aus ich das Terrain gefahrlos überblicken kann – ohne von der Sturmflut erfasst und davon gewirbelt zu werden. Das habe ich sinngemäß eben getan, indem ich all dies aufgeschrieben habe. Der Druck in meinem Kopf hat sich gelöst. Es ist klar, welche Projekte am dringendsten sind und welche am einfachsten erledigt werden können.

So ist das eben morgens wenn man aufwacht: Im Schlaf und Traum ist das weitgehend abgeschaltet, was man tagsüber als „Enge des Bewusstseins“ erlebt. Das Unbewusste und das Vorbewusste hat solche engen Grenzen nicht.
So ist die Reihenfolge richtig: Der Sturm, das Aufräumen und dann die vorübergehende Leere im Bewusstsein – wenn alles gesichert ist, was an Einfällen und Gedanken auf einen eingestürmt ist.

Abb: So schlimm wird es hoffentlich nicht werden! (Photo by Jess Vide on Pexels.com)

Musikalische Begleitung

Rollee McGill: Rhythm´Rockin´Blues
Nur vier Stücke (von insgesamt 30) sind auf dieser CD immer wieder hörenswert:
° Die schwermütige Ballade „There goes that train“ (mit einem sensationellen Saxophon-Solo von gerade mal 55 Sekunden von Rollee McGill)
° und der gerade herzzerreißende Boogie „You left me here to cry“.
° Wer jemals verliebt war und dann verlassen wurde, wird sich bei “ A Moment of Love“ wunderbar verstanden und getröstet fühlen.
° Der Titelsong der CD „Rhythm´Rockin´Blues“ schließlich ist ein saftiger Stimmungsaufheller, bei dem man aufspringen und tanzen möchte – R´n´B vom Feinsten, wo tiefe Traurigkeit von einem trotzig wilden Rhythmus aufgefangen wird – und zugleich ein schönes Beispiel dafür, wo der Rock´n´Roll der Weißen herkommt, die damit das große Geschäft machten, allen voran Elvis Presley und dann die Rolling Stones und die Beatles.

Die anderen Stücke auf dieser CD sind alle ganz nett, aber typisch für B-Seiten – während „… Train“ und „You left me…“ – ursprünglich auf ein und derselben Single – so etwas wie der zeitlose One wonder hit war und ist, den man bei vielen Sängerinnen und Sängern der R´n´B-Szene findet.
Nur wenige Entertainer wie Joe Turner und Ray Charles haben durchgängig ein sehr hohes musikalisches Niveau gehalten und nicht zufällig hochwertigen Jazz und eingängigere (aber stets originelle, unverwechselbare) R´n´B-Stücke parallel eingespielt. Ray Charles verzeiht man sogar die späteren Chöre und Geigen-Arrangements, mit denen er vor allem bei einem weißen Publikum Anerkennung suchte und ordentlich abkassieren wollte – was ihm auch erstaunlich gut gelungen ist. Wenn man Ray, den Film über sein Leben und seine Musik gesehen hat (worin ihn Jamie Foxx kongenial dargestellt hat) versteht man das alles. Wer auf diesem Planeten schafft es schon, mit dem Vornamen zum Markenzeichen zu werden! Und das als seit dem achten Lebensjahr Blinder, der aus allerärmsten und noch dazu „schwarzen“ Verhältnissen stammte – und es trotzdem schaffte, dank seiner musikalischen Hochbegabung ein Weltstar zu werden, der uns Jugendliche Ende der 1950er Jahre beeindruckte (s. → C.C. Rider) und den man heute noch spielt, sieben Jahrzehnte danach.

Bei anderen Stücken von Rollee McGill wie „There´s Madness in my heart“ kommt es sehr auf die eigene Stimmung (und Lebenssituation) an, wie das auf einen wirkt. Und manches ist einfach grauenhafter Kitsch, der bei den Schwarzen leider noch schlimmer schmachtfetzig ausfällt wie bei ihren weißen Kollegen – wer kennt noch „My Prayer“ und „Only you“ von den Platters oder „When I met you Baby“ von Clyde McPhatter? Bei letzerer Ballade ist sogar mein Vater dahingeschmolzen, der mit „schwarzer“ Musik sonst nichts anfangen konnte (und ich mag diesen Song auch, wenn ich ehrlich bin – wenn mir gerade stimmungsmäßig danach ist.)
„Ain´t going steady any more“ und die meisten anderen Stücke sind die typische Dutzendware für ein Teenager-Publikum und dem Geschmack der weißen Charts abgeguckt – oder es war einfach nicht mehr Kreativität und  Talent vorhanden (sagt aus großer zeitlicher Ferne der abgehoben-kritische weiße alte Mann, der diese Musik vergleicht mit den Großen des Genres und dies auch tun muss – damit er nicht ertrinkt im Meer der Beliebigkeit des weltweiten Angebots an Musik: „75 Millionen“ Titel kann man by Apple Music abrufen, habe ich neulich als Werbung gelesen).

aut #1098 _ 2021-07-18/14:28

Unser nächstes Seminar

Große Sommer-Schreibwerkstatt 1 – 30. Juli bis 04. August 2021 – leider ausgebucht. Wiederholung:
→  Große Sommer-Schreibwerkstatt. 17. bis 22, September – noch vier Plätze frei.
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