Wieviele Menschen haben bisher auf der Erde gelebt?

In meinem Rückblick auf meine Mitarbeit beim „Playboy-Berater“ hat sich einer der fingierten Leserbriefe mit der Wiedergeburtslehre befasst. Auf die Idee zu diesem Leserbrief brachten mich zweierlei:

° eine Zahl, die ich in Wolfgang Schmidbauers Buch über die Jäger und Sammler schon 1972 gelesen und die mich sehr beeindruckt hatte.

° Mit dem Thema Wiedergeburt hatte ich mich vorher immer wieder beschäftigt, aber mehr so nebenbei, aus (pseudo-) wissenschaftlicher Neugier. Und weil ich der Meinung bin, dass dies die einzige religiöse Idee ist, die mich wirklich überzeugt: Dass man für seine Taten verantwortlich ist (Karma-Lehre) – und immer wieder eine Chance zur Korrektur bekommt – in einem folgenden Leben.

Wirklich geglaubt habei ich das nie. Ich glaube viel mehr, dass man seine „Geschäfte“ hier auf Erden in diesem einen Leben so erledigen sollte, das man nichts mehr zu korrigieren hat. Jedenfalls erscheint es mir erstrebenswert, sich dem anzunähern – denn „nobody is perfect“. Die Lehre von „Karma und Wiedergebnurt“ ist zumindest eine Mahnung, sich in diesem Sinne immer anständig zu verhalten.

Einige Jahre nach diesem fingierten Leserbrief ging die Saat dann auf in einer Sendereihe für den Bayrischen Rundfunk: „Die Kette der Wiedergeburten“. Was diesen Titel angeht, so bedeutet die „Kette der Wiedergeburten“, dass der Mensch buchstäblich viele Jahrtausende existieren könnte – zum anderen, dass dieses Wissen während vieler Jahrtausende in den Mysterienkulten als großes Geheimnis gehütet und nur an wenige Eingeweihte weitergegeben wurde. Die Funkreihe bestand aus sechs Teilen:

1981-09-17: Der Zyklus der Leben.
1981-09-24: Sterben als Erfahrung des Selbst
1981-10-01: Vom inneren Weltenraum
1981-10-08: Rituale des Übergangs
1981-10-15: Thanatologie
1981-10-22: Sinnlichkeit und Sinn des Lebens. –

Aus dieser Reihe entstand kurz darauf das Heyne-Taschenbuch Wiedergeburt – Geheimnis der Jahrtausende. Dies war meine letzte intensive Beschäftigung mit Esoterik nach der 7teiligen Reihe Funkreihe „Esoterische Wege der Selbsterfahrung“, dazu viel praktischer Arbeit mit dem chinesischen Orakel- und Lebenshilfe-Buch I Ging, mit dem Tarot und ein paar Ausflügen in die Astrologie. Aber mit alledem werde ich mich ein andermal ausführlicher befassen. Kurz gesagt: Das meiste halte ich für Humbug, weil es überhaupt nicht ins moderne naturwissenschaftliche Weltbild passt. Aber seltsame Zufälle und Koinzidenzen haben mich doch immer wieder zum Grübeln gebracht.

Nun zu der interessanten Frage, die im Titel dieses Beitrags angedeutet wird:

Wieviele Menschen haben denn nun bisher auf der Erde gelebt?

 W. Schmidbauer schätzte in diesem Buch Jäger und Sammler (1972, wohlgemerkt) die Anzahl der bisher auf der Erde gelebt habenden Menschen auf 80 Milliarden. Neuerer Zahlen lauten naturgemäß anders, höher.

Jan Osterkamp gab vor einigen Jahren in einer Online-Ausgabe von Spektrum der Wissenschaft folgende Antworten (die ich ausgiebig zitiere, weil man es besser kaum ausdrücken kann):

Das langweiligste – die Antwort – vorweg: Insgesamt lebten und starben auf der Welt bislang so um die 108 Milliarden Menschen. Ausgerechnet haben Experten der Demographie das Resultat (plus/minus ein paar Milliarden) allerdings mit Hilfe gehöriger Fantasie. Stimmt es überhaupt? Kann die Zahl seriös ermittelt werden?
Um eine exakte Antwort haben sich bereits die Scholastiker des Mittelalters bemüht, angetrieben durch pragmatische Sorgen: Wie viele Menschen passen in den Himmel? Ist die Hölle irgendwann voll? Wie groß ist die Zahl der Auserwählten, die am Ende der Welt ins Himmelreich gerettet werden? Zumindest letzteres beantwortet die Primärquelle exakt, wenn auch mit einer erschütternd niedrigen Zahl: Hundertvierundvierzigtausend (Offenbarung 14:1, 3). Aber hundertvierundvierzigtausend von wie vielen insgesamt denn nun?
Mathematisch nähert man sich die Frage nach der aktuellen plus gewesenen globalen Gesamtbevölkerung mit Nathan Keyfitz, einem vor wenigen Jahren verstorbenen kanadischen Demographie-Vordenker. Sein Ansatz ist eine Formel, in die alle notwendigen Einflussgrößen auf die Populationsentwicklung eingehen – am wichtigsten Parameter wie die Geburtenrate der Menschen, die auch von der Lebenserwartung und der Dauer der „fortpflanzungsaktiven Zeit“ einer Generation abhängt. […]

Die folgende Tabelle (aus derselben Quelle) veranschaulicht die Dynamik:

Zeit                 Gesamtbevölkerung Geburtenrate Geburten seit letzter Periode
50.000 v. Chr              2  [Mio?]                                            
8000 v. Chr.               5 Mio.                 80                    1,1 Mrd.
1                            300 Mio.                 80                    46 Mrd.
1200                      450 Mio.                 60                   26,6 Mrd.
1650                     500 Mio.                  60                   12,7 Mrd.
1750                     795 Mio.                  50                      3,2 Mrd.
1850                   1265 Mio.                  40                     4 Mrd.
1900                   1656 Mio.                  40                     2,9 Mrd.
1950                   2516 Mio.             31-38                     3,4 Mrd.
1995                   5760 Mio.                  31                      5,4 Mrd.
2011                   6987 Mio.                  23                      2,1 Mrd.

Trotz aller exakten Mathematik bleibt das Ganze ein ziemlich wildes Ratespiel, in das allerlei unbegründbare Annahmen eingehen müssen. So ahnen alle Forscher, dass die Bevölkerung der Erde nicht einfach immer allmählich und stetig gewachsen ist, also einer mathematisch leicht fassbaren Anstiegskurve folgte. Stattdessen stieg die Population zu unterschiedlichen Zeiten sicher mal stärker, mal schwächer. Ziemlich sicher sank sie auch gelegentlich, womöglich drastisch – wegen globaler Naturkatastrophen oder aus anderen Gründen zwängte sie sich womöglich durch einen „demographischen Flaschenhals“.
Bekannt ist etwa der Forscherstreit über den Ausbruch des Supervulkans Toba, dessen globale Folgen vor 74 000 Jahren die junge Menschheit schwer getroffen haben könnte. Weil von einem kontinuierlichen und stetigen Ansteigen der Weltbevölkerung seit den ersten beiden Homo sapiens vor vielleicht 200 000 Jahren also kaum ausgegangen werden kann, greifen clevere Populationsberechner zu einem Trick: Sie verlegen den Zeitpunkt x (siehe oben), ab dem die ersten zwei Menschen mit der Produktion der Nachkommen begannen, möglichst weit in die „Moderne“; etwa in eine Zeit um 50 000 v. Chr.. Damit erklärt man zwar die Hälfte der Menschheitsgeschichte für quasi irrelevant – die ersten modernen Menschen lebten sicher deutlich früher – am Endergebnis ändert das allerdings nicht schrecklich viel.
[…]

Im Jahrhunderttausend vor der Zeitenwende, in dem die Menschen dann unter anderem die Landwirtschaft erfanden, beschleunigte sich der Anstieg der Bevölkerung stark – immer mehr Tote und Lebende erhöhen nun die Gesamtzahl der Menschheit. Die Demografen können auch die wahrscheinliche Geburtenraten der jetzt folgenden Epochen immer besser – wenn auch alles andere als zweifelsfrei – einschätzen. Sie lag vor der Zeitenwende (als etwa 300 Millionen Menschen die Erde bevölkerten) bis in die Mitte des 18. Jahrhundert hinein wohl bei erstaunlichen 80 (pro 1000, man gibt die Geburtenrate stets pro 1000 Menschen der Gesamtbevölkerung an. Zum Vergleich: Deutschlands Geburtenrate liegt bei mageren 8,4, eine in der modernen Welt als extrem hoch angesehene Geburtenrate erreicht die 50. Als Durchschnittswert für die heutige Welt gilt eine Geburtenrate von 30).

Insgesamt sinken also die Geburtenraten in der Neuzeit – trotz einer längeren Lebenserwartung und Fortpflanzungsperiode sowie großer medizinischer Fortschritte. Weil die Bevölkerung insgesamt aber derart viel größer ist als in der Steinzeit, steigt heute die Gesamtzahl der Menschen viel stärker als je zuvor. Und damit Vorsicht: Gleichzeitig veraltet die ohnehin nur vage kalkulierbare Antwort auf unsere Frage auch immer schneller.

Osterkamp, Jan: „Wieviele Menschen…“. In: Spektrum der Wissenschaft online am 10. März 2014.
Schmidbauer, Wolfgang: Jäger und Sammler. Planegg 1972 (Selecta Verlag).

193? _ aut #941 _ 2021-05-03/20:56

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