„Bin ich hochbegabt?“ (SelbstTest)

(Vorbemerkung: Dies wird eine kleine Serie innerhalb des Blogs, die nach Abschluss der Serie in einer eigenen stabilen SEITE Hochbegabt? zusammengefasst und archiviert wird. Dementsprechend ist dieser SelbstTest – erreichbar am oberen Menü-Rand der Startseite – derzeit noch sehr „work in progress“.)

In meinem Buch Das Drama der Hochbegabten habe ich 2004 eine Reihe von Merkmalen zusammengefasst, die in der psychologischen Literatur als typisch für Hochbegabung gelten – also für einen Intelligenzquotienten von 130 aufwärts.

Schon letzteres muss genauer definiert werden, denn es gibt inzwischen eine fast unübersehbare Fülle von solchen Tests, mit denen die Höhe der Intelligenz eines Menschen (oder auch eines Tiers – wie bei vielen Ratten- oder Mäuseversuchen) geprüft wird. Fast allen diesen Tests ist ein Manko gemeinsam: Sie versuchen (!), die verbale intellektuelle Denkfähigkeit durch standardisierte Fragenkataloge zu erfassen. Einige wenige I-Tests (wie der Labyrinth-Test) nähern sich der Fragestellung durch „sprachlose“ Struktur – sind dadurch aber naturgemäß mit den sprachorientierten anderen Tests nur schlecht vergleichbar.
Man kann sich bei mensa (einem Verein von Hochbegabten) mit einem Online-Test oder einem Gruppen-Test einen ersten Eindruck vom eigenen Potenzial verschaffen.
Wie bei jedem psychologischen Test gilt: Das Ergebnis ist sehr von der jeweiligen Tagesform abhängig und von der eigenen Persönlichkeit mit all ihren Unwägbarkeiten:
Wer an einer Depression leidet, hat nicht nur eine verringerte Motivation, so einen Test möglichst gut zu bestehen – sondern ist auch in seinen Reaktionen und Denkabläufen verlangsamt und wird dementsprechend nicht so viele Fragen des Tests beantworten können wie jemand, der psychisch einigermaßen gesund ist.

Mein hier vorgestellter SelbstTest ist kein standardisierter (= vielfach überprüfter) richtiger Test, sondern nur ein Merkmalskatalog, der eine erste grobe Einschätzung ermöglichen soll. Diese Selbsteinschätzung sollte man irgendwann mit Hilfe eines bewährten Tests wie dem HAWIE überprüfen lassen. Der liefert nur dann sinnvolle Ergebnisse, wenn er von einer entsprechenden Fachperson durchgeführt wird – in der Regel eine Diplompsychologin oder ein Diplompsychologe mit Zusatzausbildung.

Auch untereinander sind diese Tests wenig kompatibel. Man muss zum Beispiel wissen, dass zum Beispiel ein IQ, der mit dem in Deutschland früher viel verwendeten Amthauer-Test ermittelt wurde, etwa zehn Punkte nach unten von Ergebnissen des HAWIE abweicht. Als ich 1961 die Eignungsprüfung für das Studium der Psychologie absolvierte, war mein Ergebnis mit dem Amthauer „119“. Erst während der Arbeiten an meinem Buch Das Drama der Hochbegabten begriff ich, dass dies beim HAWIE einem Ergebnis von etwa „129“ entspricht. Meine Tagesform damals war – schon wegen dem Prüfungsdruck bei so einer Veranstaltung, welche die Weichen für ein ganzes Leben stellt – auf gutdeutsch „beschissen“. Aber immerhin – jetzt weiß ich, dass ich hochbegabt bin. Den auf einen Punkt mehr oder weniger kommt es wirklich nicht an.

In Deutschland, wie auch anderswo in der westlichen Welt, hat sich der HAWIE-Test als immer wieder überprüftes und nachjustiertes Verfahren durchgesetzt. Es ist genau genommen die Test-Variante für Erwachsene (was der letzte Buchstabe des Akronyms „Hamburg Wechsler Intelligenztest für Erwachsene“ andeutet); der entsprechende Test für Kinder ist der HAWIK.

(Wer sich für die Geschichte der Intelligenz-Tests und ihrer Entwicklung über die Jahrhunderte hinweg interessiert, findet alle wichtigen Details in meiner Zeittafel zur Psychologie von Intelligenz… Eine hochinteressante Geschichte, in der sich so ziemlich alle Themen der Psychologie vorfinden lassen.)

Abb. 3: Die Gauß’schen Glockenkurve der Intelligenz (auch »Normalverteilung« genannt) (Archiv JvS)

Wie man obiger Grafik (Abb. 3) entnehmen kann, verfügt der größte Teil der Bevölkerung (rund 95 %) über eine durchschnittliche Intelligenz zwischen 70 und 130 (Mittelwert = 100). Am linken Rand findet man rund drei Prozent Minderbegabte, rechts entsprechend drei Prozent Hochbegabte. Der genaue Wert ist 2,27%. Ich nehme das aber nicht so genau, denn
° zum einen ist kein Testergebnis eine derart punktgenaue Aussage,
° zum anderen mag ich die Zahl „3“ sehr (was natürlich überhaupt kein wissenschaftlich relevantes Argument ist)
° und drittens lässt sich mit 3% leichter rechnen (um zum Beispiel den Anteil der HB an der deutschen Bevölkerung abzuschätzen*).

* Wer es genau haben will: Die deutsche Bevölkerung beträgt rund 83 Millionen (Stand 2019) – davon 1% = 830.000 x 3 = rund 2.49 Millionen Hochbegabte. Rechnet man exakt mit 2,27 %, ergibt das 1,88 Millionen HB.
Bezogen auf die Weltbevölkerung von 7,95 Milliarden (Stand 2021) – ergibt das 23,85 Millionen HB weltweit (bzw. 18,046 Millionen HB bei 2,27%) – immer vorausgesetzt, dass der Anteil der HB überall etwa gleich ist.

(Fortsetzung folgt)

Quellen
Brackmann, Andrea: Ganz normal hochbegabt. Stuttgart 2006 (Klett-Cotta).
dies.: Extrem begabt. Stuttgart 2020 (Klett-Cotta).
Scheidt, Jürgen vom: Das Drama der Hochbegabten. München 2004 (Kösel). TB-Ausgabe München 2005 (Piper).
ders.: Zeittafel zur Psychologie von Intelligenz, Hochbegabung und Kreativität. München März 2004 (Allitera) 176 Seiten – 18,00 €uro / ISBN 386520-043-5.
Winner, Ellen: Hochbegabt: Mythen und Realitäten von außergewöhnlichen Kindern. (1996) Stuttgart 1998 (Klett-Cotta).

aut #405 _ 2021-07-21/08:43

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