Viermal guter Rat für Spieljungen

Durch das Interview mit Hans Bender, dem Freiburger Parapsychologen, das ich mit Hans Hartl (alias „Philip Vandenberg“) damals machte, war der Kontakt zum Playboy geschaffen. Das Interview wurde nicht gedruckt (wg. massiven Änderungswünschen von Bender), dafür kam 1975 von Redakteur Niklas Frank der Auftrag für die Beantwortung von Leserbriefen (von denen jedoch etliche getürkt waren), zum Stückpreis von DM 150. Mark.

Vier davon aus meiner Schreib-Werkstatt seien hier vorgestellt. Das ist ja schon eine Weile her – so dass sich niemand mehr betroffen fühlen muss.

Crossed Senses

Was versteht man eigentlich genau unter „crossed senses“? Diesen Ausdruck las ich neulich in einem englischen utopischen Roman, und gemeint war damit etwas, das ich in ähnlicher Form selbst schon einmal erlebt habe: Bei dem Helden der Erzählung waren sämtliche Sinnesempfindungen vertauscht, er „hörte“ also mit den Augen, „sah“ mit der Nase, „roch“ mit den Tastzellen der Haut. Ich bekam mal nach einer schwierigen Operation Morphium, und in der damit verbundenen Euphorie hatte ich ebenfalls verschiedentlich das Gefühl, meine Sinnesorgane seien falsch „gepolt“ – eine sehr verwirrende Situation. (G. S., Pirmasens)

Was Sie erlebt haben, wird „ Synästhesie “ genannt. Das Wort stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Mitempfindung“ oder „Doppelempfindung, also das Hinüberwirken von Sinneseindrücken auf andere Wahrnehmungsorgane, die nicht gereizt wurden. Solche Vertauschungen sind in der Tat auf allen Sinnesgebieten möglich. Allerdings handelt es sich niemals um eine totale Umpolung, sondern solche Menschen (sie sind sehr selten und werden Synästhetiker“ genannt) haben lediglich beispielsweise beim Hören von Musik Farbempfindungen, die so intensiv werden können, daß der Betreffende an Halluzinationen glaubt. Was Sie in jenem Roman lasen, ist lediglich utopische Spekulation. Immerhin erinnert sich unser Archivar an einen Fall, der sich im letzten Jahrhundert zugetragen haben soll, wonach ein junger Mann nach seinem ersten Orgasmus den Verstand verlor und fortan mit seinem edelsten Organ die merkwürdigsten Sinneswahrnehmungen empfing.

Eine ganz spezielle Massage

Ich bin Maschinenbauer und hatte durch meine Firma Gelegenheit, in verschiedenen exotischen Ländern zu leben und zu arbeiten. Als passionierter Junggeselle habe ich dies natürlich zu ausgiebigen Studien der einheimischen Damenwelt benützt. Eine Erfahrung habe ich dabei gemacht, die mir heute noch Kopfzerbrechen bereitet: Es war eine gar nicht mal so hübsche, aber in Liebesdingen ungemein erfahrene Inderin, die mich mit bestimmten Massagen derart in Ekstase brachte, daß ich schon glaubte, diese Körpergegend sei wichtiger als der eigentliche Freudenspender. Lachen Sie nun bitte nicht, wenn ich sage, daß jene besonders empfindliche Gegend ausgerechnet die Fußsohlen waren. Wie läßt sich das erklären? (S. J., Pernambuco, Brasilien)

Körpermassagen, auch unter erotischen Gesichtspunkten, sind in Indien Bestandteil der Volkskultur. Es gibt eine Theorie, wonach sich vor allem an den Fußsohlen außergewöhnlich empfindliche Nervenpunkte befinden, mit denen sich Nervenzentren an anderen Körperstellen reizen lassen; es scheint sich um ähnliche Vorgänge wie bei der Akupunktur zu handeln. Offenbar erreichen Frauenhände da genau das Gegenteil von Akupunkturnadeln (die ja betäubend wirken sollen). Diese Praktik, einen Orgasmus zu erzielen, setzt allerdings beim Mann die Fähigkeit voraus, sich ganz passiv-weiblich der Lust hinzugeben, und dies wiederum wird Ihre erfahrene Inderin durch andere Formen der Massage erreicht haben. Im Sinn der Völkerverständigung begrüßen wir es auf alle Fälle, daß Sie mit der dunklen Dame im wahrsten Sinne des Wortes auf gutem Fuß gestanden haben.

Der Vorführ-Effekt

Was, bitte, ist der „Vorführ-Effekt“? Ein Bekannter von mir, Elektronik-Ingenieur, benützt diesen Ausdruck gelegentlich. Ich bin mir aber nicht so recht sicher, ob es sich dabei um einen Ausdruck in der Elektronik handelt oder um einen mir unbekannten Ausdruck aus dem sexuellen Bereich. Da ich ihm nicht meine Unkenntnis zeigen möchte (ich bin seit einigen Wochen seine Freundin), bitte ich Sie um Auskunft. — (B. W., Ulm)

Unser einschlägiges Archiv ließ uns im Stich: Es handelt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht um einen sexuellen Jargon-Ausdruck (so anschaulich er auch klingt). Hingegen versichert uns ein Elektroniker aus unserem eigenen Bekanntenkreis, daß es diesen Ausdruck in seiner Branche tatsächlich gibt. Man bezeichnet damit jenes merkwürdige Verhalten von defekten Geräten, die ausgerechnet dann, wenn sie dem Fachmann vorgefuhrt werden, anstandslos funktionieren. Erst zu Hause, wenn man sie – erfreut über die Geldersparnis – in Betrieb nehmen möchte, sind sie prompt wieder defekt. Dieses Spielchen soll bei besonders „begabten“ Geräten aus der Hi-Fi-Familie sogar mehrmals hintereinander klappen.

Ein Problem der Wiedergeburts-Lehre

Da ich mich in jüngster Zeit stark mit der indischen Wiedergeburtslehre beschäftigt habe, hätte ich von Ihnen gern eine Auskunft, die mir bisher niemand geben konnte: Wie verträgt sich diese Lehre, wonach die Seele eines Verstorbenen in bestimmten Zeitabständen wieder in einem Körper „inkarniert“ wird, mit der explosionsartigen Zunahme der Menschen – werden da nicht irgendwann die „Seelen“ knapp? (T. T. A., Überlingen)

Führende Anthropologen schätzen, daß bislang (Stand 1972) rund 80 Milliarden Menschen auf der Erde gelebt haben, verteilt über einen Zeitraum von etwa einer Million Jahren. Dank der rapiden Bevölkerungszunahme drängen sich davon fünf Prozent, also vier Milliarden, hier und heute auf dem Globus. Hier liegt wirklich ein schwacher Punkt in der Argumentation der Anhänger der Wiedergeburtslehre. Die gängige Antwort ist folgende: Es soll im Universum einen Grundstock von „Seelen“ geben (die Rede ist von etwa einer Milliarde, aber es gibt auch andere Spekulationen), die zwischen den verschiedenen Inkarnationen mehr oder weniger lange in einem geheimnisvollen Zwischenstadium verharren (manchmal „Limbo“ genannt). Eine Möglichkeit, die Zahl der gleichzeitig lebenden Menschen zu erhöhen, also entsprechend viele „wandernde Seelen“ zu erhalten, wäre, daß sich die Abstände zwischen den Reinkarnationen verkürzen. Irgendwann wird das dann zwangsläufig ein ganz schönes Gedränge geben.

Wer sich für diese Frage eingehender interessiert, kann gerne weiterlesen im Beitrag Wieviele Menschen haben auf der Erde gelebt?

Ein Kommentar zu “Viermal guter Rat für Spieljungen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: