Persönliche Digitalisierung 5.0

Die Corona-Pandemie, eigentlich ein rein „analoges“ Geschehen, hat der Digitalisierung unserer modernen Welt einen ungeheuren Schub verliehen – fast könnte man sagen: Dieser verschlafenen Gesellschaft einen kräftigen Tritt in den Arsch verpasst.

Wenn ich so meine eigene Digitalisierung anschaue, dann war und ist das eine sehr komplexe und sehr lange Geschichte. Man mag sich wundern, wenn ich den Ursprung schon so früh ansetze: im Jahr 1953. Aber bei mir waren es utopische Geschichten (heute sagt man: Science-Fiction), die bei mir das Interesse an Robotern und Rechenmaschinen weckten und in Gang brachten, was man heute als Digitalisierung bezeichnet. Schon als Dreizehnjähriger habe ich in der Heftserie Jim Parkers Abenteuer im Weltenraum eine Erzählung über einen Roboter gelesen (heute würde man sagen: über eine KI).
1957 beschrieb ich in meinem ersten Roman Männer gegen Raum und Zeit ein Labyrinth-Computerspiel, mit dem sich einige Raumfahrer die Langeweile vertreiben, bald darauf im zweiten Opus Sternvogel ein im Hintergrund intrigierendes Rechengehirn und 1975 in meinem dritten Roman Der geworfene Stein einen riesigen Komplex von Rechenmaschinen unter dem Englischen Garten – den Kyberneten von München.

Abb.: Das sieht doch richtig geheimnisvoll aus – dieses Innenleben eines Computers (Photo by Martin Lopez on Pexels.com)

Das eigentliche Schlüsselerlebnis waren die ersten leibhaftigen Computer, die ich 1964 bei der IBM in Sindelfingen während meines zweiten psychologischen Praktikums dort bestaunen durfte (was neben der guten Bezahlung und dem am Schluss nicht so guten Zeugnis der eigentliche Anlass gewesen waren, mich für dieses Praktikum zu bewerben). Dass ich bei dieser Gelegenheit auch kennenlernte, dass man damals schon diese „schöne neue Welt“ für die Produktion von sexistischem Schweinkram* missbrauchte – was soll´s.

Diese vier Wochen bei IBM generierten außerdem eine Novelle, bei der ich diese Firma ins Jahr 2000 und auf den Mond „fortschrieb“: „Psarak abukò“.
Meinen ersten eigenen Personal Computer (von inzwischen 13) bekam ich 1983 – als „Leihgabe für Journalisten“ von IBM (wobei mir die alten Kontakte von 1964 geholfen haben – über den Abteilungsleiter Herbrich – der mir, man staune, 1979 die Leitung eines Seminars mit Meistern der IBM-Fertigung verschafft hatte. Es geht nichts über „Vitamin B“ = Beziehungen.)
Und heute, im Jahr 2022? Online-Schreib-Seminare dank Corona-Pandemie via Internet, Hörgeräte mit Bluetooth-Verbindung zu Computer, Fernseher und Smarthone – Digitalisierung allüberall.

* Mit sichtlichem Stolz zeigten mir die Angestellten in der Buchhaltung, dass man mit den passend programmierten Lochkartenstapeln die Rechenzeit der Mainframe-Computer zu später Nachtstunde auch dafür einsetzen konnte, die Umriss-Zeichnung einer nackten Frau zu generieren (auf etwa zwei Meter Endlosdruckerpapier) und dazu eine wirklich widerliche Kurzgeschichte über eine geile Frau, die es mit einem Schäferhund treibt (ungefähr fünf Seiten Endlosdruckerpapier) – und das bei Kosten einer Computerstunde von damals an die tausend D-Mark. Diese Lochharten wurden sicher nicht von den männlichen Angestellten perforiert – sondern von den weiblichen, vermute ich mal.
Aber „Sex (and Crime)“ sind keine Erfindung des Internets, sondern so alt wie die Menschheit.

Quellen
Scheidt, Jürgen vom: Psarak abukò“. In: Pioneer Nr. 19. Wien 1064. Nachgedruckt in → Alpers 1982.
ders.: Männer gegen Raum und Zeit (Leihbuchausgabe). Wuppertal-Barmen 1958 (Wieba).
ders.: Sternvogel. Minden 1962 (Bewin).
ders,: Der geworfene Stein. Percha bei München 1975 (R.S.Schulz).
Alpers. Hans Jürgen (Hrsg.): Science Fiction Almanach 1983. Rastatt 1982 (Arthur Moewig Verlag).

aut #925 _ 2022-05-09/19:31 (2021-05-07)

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