Begegnung mit Greta Thunberg

Persönlich bin ich ihr noch nie begegnet – aber der Film mit ihr und über sie, den ich gestern Abend im Fernsehen sah, brachte sie mir so nah wie nie zuvor.

Was für ein tolles Mädchen! So sympathisch, sah klar und unbeirrbar – unglaublich! Was sie mit vierzehn begonnen hat, indem sie drei Wörter auf ein kleines Poster schrieb, das seitdem zu ihrem Markenzeichen geworden ist:
„Skolstreik för Klimatet“

Ich bezweifle, dass jemals in der Menschheitsgeschichte nur drei so schlichte Wörter binnen so kurzer Zeit – etwa ein Jahr – so unglaublich viele andere Menschen auf dem ganzen Planeten Erde hinter einer Aufgabe versammelt hat, die nichts weniger ist, als der Plot für eine unglaubliche Science-Fiction-Geschichte – nur dass sie wahr ist und uns alle betrifft: Wir richten das Klima zugrunde – und kaum jemand tut wirklich etwas, um das zu ändern.

Abb. 1: Greta Thunberg (geb. 3. Jan 2003) war gerade mal 16, als sie als jüngste „Person of the year“ auf der Titelseite des Time Magazine geehrt wurde.

So war der Stand jedenfalls, den Greta immer wieder unbeirrbar konstatiert hat – beim französischen Präsidenten, beim Papst und in der Vollversammlung der UNO – wo sie so nebenbei den amtierenden US-Präsidenten Donald Trump abgewatscht und mit einem Blick voller Verachtung vor aller Welt blamiert hat. Ihre Botschaft, die sie sich nie korrumpieren ließ:

„Das Haus brennt – und ihr löscht es nicht!“

Abb. 2: Eines der vielen Treffen der Bewegung Fridays for Future (Photo by Markus Spiske on Pexels.com)

Inzwischen hat sie mit ihren drei Wörtern zig Millionen vorwiegend jungen Menschen zu Fridays vor Future mobilisiert – was hoffentlich die Corona-Pandemie nur vorübergehend ausgebremst hat – jene Pandemie, die vermutlich eine Folge der Klimaerwärmung ist und der Missachtung der Menschen vor der Natur und also zugleich ein deutliches Signal, dass Greta mit ihren Mahnungen mehr als Recht hat.

Ich bin davon überzeugt, dass der Erfolg der Grünen in jüngster Zeit auch mit Gretas Aktionismus zu tun hat. Inzwischen scheint sich ja tatsächlich etwas zu bewegen in der Politik – s. die höchstrichterliche Entscheidung in Deutschland, dass man die Belange der kommenden Generationen in der Klimapolitik berücksichtigen müsse und deren Intertemporale Freiheitssicherung! Ohne Gretas Streik und Protest und ihre unerschütterlichen Mahnungen und die daraus entstanden Bewegung Fridays for Future kaum denkbar – auch Richter haben offenbar Kinder und Enkel und bekommen von diesen ordentlich Zunder.

Der neue amerikanische Präsident Joe Biden ist in Sachen Klimapolitik das genaue Gegenteil von seinem aberwitzigen Vorgänger – eine seiner ersten Amtshandlungen war, den Austritt aus dem Pariser Klima-Abkommen wieder rückgängig zu machen. Und wer weiß: Vielleicht hat die Lawine an Aufmerksamkeit, die Greta losgetreten hat, auch zu Bidens Wahl beigetragen – und wenn es nur jene paar Tausend Stimmen waren, die ihn ins Amt beförderten – und die Trump heute noch leugnet.

Ja – schreiben wir das Gretas Wirken zu!

Dabei macht sie nichts anderes, als unbeirrbar die Wissenschaftler zu zitieren, welche die rasante Klimaveränderung nachweisen und welche Rolle die Menschen dabei spielen – allen Leugnern dieser Katastrophe zum Trotz. Der Film macht es am Schluss ja deutlich, dass es hier nicht nur um Spaß von einigen jungen Leuten geht, sondern dass diese Frauen und Männer auch ein Risiko eingehen: an die hundert von ihnen wurden bereits ermordet, weil sie Geschäftsinteressen und menschlicher Gier im Wege standen.

Und auch Greta selbst ging ja das hohe Risiko ein, nur verlacht und verachtet zu werden, als sie sich das erste Mal vor dem schwedischen Parlament mit ihrem Plakat auf die Treppe setzte und die Blicke der vorbeiflanierenden Menschen aushielt. Da begann das, was man gerne als „Heldenreise“ bezeichnet – und was tatsächlich eine geworden ist: Nicht mit einem kühnen männlichen Recken Mitte zwanzig, der mit seinem Schwert einen feuerschnaubenden Drachen tötet – sondern mit einem dank Asperger-Syndrom sturen, unbeirrbaren 14jährigren Mädchen, dessen einzige Waffe ihre Unbeirrbarkeit und Nichtkorrumpierbarkeit ist.

Was für ein Ausbund an praktischer Kreativität, die geradezu minimalistisch eingesetzt wird und gerade dadurch ein Charisma entfaltet, das man so einem jungen Mädchen niemals zutrauen würde. Ja, so kann man sich täuschen.

Und wenn man die unglaublichen Szenen dieser wilden Bootsfahrt über den Atlantik gegen Ende des Films auf sich wirken lässt und dieses verschüchterte und doch zugleich so unglaublich mutige Mädchen mitten drin – das macht sie nicht, um sich wichtig zu tun. Ich hätte mich das nicht getraut.

Anschauen (den Film)! Teilnehmen (an dieser Bewegung)! Mitmachen – irgendwie (indem man zum Beispiel, wie ich jetzt eben, darüber schreibt und statt mit dem Auto mit dem Fahrrad fährt und kaum mehr Fleisch ist.)

Auch wichtig:
Greta Thunbergs Familie spielt in dieser Geschichte eindrucksvolle Nebenrollen. Im Film ist der Vater immer wieder mal präsent, nur dezent am Rand – um sie zu erinnern, dass sie etwas essen muss, zum Beispiel. Einfach als Reisebegleiter. Der im richtigen Moment auch „loslassen“ und zurücktreten kann – sie zum Beispiel bei dieser kühnen und sicher nicht ungefährlichen Bootsfahrt einem anderen Menschen anvertrauen kann, dem Skipper. Nur ganz selten kommt die wohl allerwichtigste Person ins Bild: Gretas Mutter. Aber man kann ahnen, welche schwierige Rolle sie in dieser bewegenden Geschichte spielt, die ja hinter allen weltpolitischen Groß-Auftritten auch eine Familienschichte ist. Auch die Schwester und die Hunde und ein Pferd sind, mit kurzen Auftritten, verlässliche „Anker“ sind in diesem so turbulent gewordenen jungen Leben – das der Regisseur Nathan Grossmann gekonnt eingefangen hat.

Quellen
Alter, Charlotte et al: „2019 Person of the Year: Greta Thunberg“. In Time Magazine vom 23.-30. Dez 2019.
Grossmann, Nathan (Regie): Ich bin Greta. Alpha TV am 27. Mai 2021, 21:45-23:15 (in der Mediathek abrufbar).
Wikipedia: „Greta Thunberg“ (viel interessantes Material, auch Tondokumente).

aut #1013 _ 2021-05-28/15:36

2 Kommentare zu „Begegnung mit Greta Thunberg

  1. Ja, und dann ist ihr diese verdammte Pandemie so blöd in die Parade gefahren, dass die Corona-Leugner, und Impf-Bedenkenträger und Test-Memmen meinen, sie hätten doch nun wirklich andere Sorgen. Dabei ist das Klima ganz ohne Zweifel unser aller größtes Problem, und man kann sich nicht dagegen impfen lassen.

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