(Dies ist ein nostalgischer Trip in die Vergangenheit – und zugleich ein Spiegel der Gegenwart und der nahen Zukunft: Mein aufgegebenes Sachbuch-Projekt zum Thema „KI“ – 2008 ersonnen und nun längst von der Realität überholt.)

Bild 1: So träumt die KI eine symbolische Darstellung des Themas nach meinen Angaben im Prompt: Die Roboter sind brave Sklaven der Menschen in der Galeere der Arbeitswelt (ChatGPT am 07. Juli 2026)
Die Menschen werden zunehmend durch Maschinen ersetzt (Computer, Roboter) – höchste Zeit, sich dagegen zu wehren [Werbe-Slogan für das Buch]
Das Ziel der KI-Forscher und -Propagandisten: Die meisten arbeitenden Menschen werden demnächst durch KI (Künstliche Intelligenz) ersetzt. Zunächst nur einzelne Funktionen. Bald ganze Bevölkerungsgruppen. Wenn erst einmal – so der größte Traum der KI-Forscher – in einem Computer künstliches Bewusstsein erwacht sein wird – werden außer vielleicht einigen kreativen Hochbegabten überhaupt keine Menschen mehr benötigt. Es wird dann bald überhaupt keine Menschen mehr geben.
Ray Kurzweil („Homo S@piens“) rechnet damit in ersten Ansätzen schon für das Jahr 2029. Das ist nicht mehr lange hin. Und das ist nicht NUR blühende Phantasie eines Science-Fiction-Autors: Kurzweil hat in dieser Richtung mit Spracherkennung schon bahnbrechende Arbeit geleistet.
Wo bleibt der Aufschrei gegen diesen Irrsinn? Ich habe noch keinen gehört. Deshalb schreibe ich dieses Buch, das die unterschiedlichen Trends in diese Richtung zusammenfasst.
Die zentrale politische und gesellschaftliche Forderung kann nur heißen:
Besteuert werden müssen – und zwar schon sehr bald – all diese produzierenden und Menschen ersetzenden Maschinen. Aus dieser „Maschinen-Steuer“ muss das Grundeinkommen generiert werden, das der Staat den Bürgern zahlt, die anders ihren Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten können.
Jeder, der menschliche Arbeiter beschäftigt, wird entsprechend entlastet.
Sonst kommt es zu einer menschlichen Katastrophe, die einem Krieg nicht unähnlich sein dürfte.
Im Detail:
A. Gegenwart (der umfangreichste Hauptteil des Buches)
Die großen Firmen „entsorgen“ ihre Mitarbeiter tausenderweise. Der Mensch wird immer unwichtiger. Maschinen sind unaufhaltsam im Vormarsch – dazu muss man nur einmal eine Fertigungshalle bei BMW oder VW besuchen.
In Japan werden große Anstrengungen unternommen, alte Menschen durch menschenähnliche Roboter zu unterstützen und zu pflegen.
Persönliches Beispiel: Dieses Buch diktiere ich meinem PC – mit Hilfe der Software „DRAGON naturally speaking“. Die DRAGON-Software* steckt aber nicht nur in meinem Computer – sie steckt auch in den Einstiegsroutinen der Call-Center und von immer mehr Auskunftsstellen. Erst ganz zum Schluss bekommt man einen Menschen an die Strippe. Wie lange noch – dann ist auch diese letzte Instanz überflüssig!
Die Banken haben es vorgemacht: Der „Kunde“ macht am Geldautomaten und beim Online-Banking inzwischen fast alles selbst, sogar den Aktienkauf und -verkauf.
Die Post hat nachgelegt: Die Frauen, welche die eingehende Post sortierten, sind schon lange brotlos: das besorgt der Lese-Automat bereits seit vielen Jahren. Ihre Päckchen können Sie seit 2007 zum Paketautomaten bringen resp. dort abholen.
In Nürnberg fährt die erste führerlose U-Bahn Deutschlands (in anderen Ländern tut sie das schon länger).
Wenn Sie demnächst Ihre Fahrkarte nicht übers Internet selbst buchen, bezahlen und ausdrucken – müssen Sie 2,50 Euro Zuschlag bezahlen – für die Strecke hin ebenso wie für die zurück.
Dass Flugzeuge noch immer nicht vom Autopiloten geflogen werden, liegt nur daran, dass die Passagiere dies einfach nicht akzeptiert haben.
* Anmerkung am 13. Juli 2026: Digitales Diktieren geht inzwischen viel einfacher: Ich spreche meine Text-Entwürfe in mein iPhone, wo es die KI Siri mit hervorragend guter Qualität erfasst. Nachbearbeitet wird das dann mit der automatischen Fehlererkennung von MS Word (in der auch eine Menge KI steckt) und mit der KI Claude.
B. Kurzer Blick in die Vergangenheit
Der Taylorismus** hat um 1910 begonnen, den arbeitenden Menschen als unteilbares Individuum in einzelne Arbeitsabläufe zu zerlegen – von Henry Ford wurde das in seinen arbeitsteiligen Autofabriken in die Realität umgesetzt.
** Frederick Winslow Taylor <1856–1915> glaubte daran, Management, Arbeit und Unternehmen mit einer rein wissenschaftlichen Herangehensweise (Scientific Management) optimieren zu können, und damit soziale Probleme zu lösen und „Wohlstand für Alle“ zu erreichen.
Das Dritte Reich förderte solche Gedanken nicht nur durch die Militarisierung: In den Konzentrationslagern der Nazis bekamen nicht nur die Häftlinge Nummern * – sondern auch die Bewacher von der SS (Hollerith-Verfahren***).
*** Diese Hollerith-Methode war in den USA der Vorläufer der späteren Firma IBM und deren Start ins buchstäblich „goldene Zeitalter“ der Computertechnik und damit auch von KI.
Geht man noch weiter zurück, landet man beim griechischen Ur-Genie Daidalos, dem man als eine seiner Erfindungen einen künstlichen Menschen zuschreibt – Vorläufer des mittelalterlichen GOLEM.
Die Bestrebungen, den Menschen durch effizientere und billigere Lösungen zu ersetzen, sind also nicht neu. Neu ist nur – dass das heute tatsächlich machbar ist.
C. Noch kürzerer Blick in die Zukunft
KI ersetzt uns demnächst – alle?
D. Zum Begriff „Ent-Menschung“
Ich habe den Ausdruck „Ent-Menschung“ erstmals 1998 verwendet. Wie ich in der WIKIPEDIA entdeckt habe, geistert er schon bei den Marxisten herum:
„Die marxsche Darstellung der Funktionsweise der kapitalistischen Ökonomie in seinem Hauptwerk „Das Kapital“ kann aus einer von philosophischen Interessen bestimmten Perspektive verstanden werden. Für Kolakowski ist sie „kein gesondertes Gebiet, das sich unabhängig von seinen anthropologischen Inspirationen und unabhängig von der Geschichtsphilosophie verstehen und darlegen ließe“, sondern stellt vielmehr die „Anwendung der Theorie der Entmenschung auf das Verhältnis der Produktions- und Austauschphänomene“ dar.“
(Vgl. Leszek Kolakowski: Die Hauptströmungen des Marxismus (1979). Bd. 1, S. 299)
Aber die Marxisten setzen diesen Begriff nur für den Klassenkampf ein. Wenn KI Wirklichkeit wird – sind die „Kapitalisten“ ebenso weg vom Fenster wie die von ihnen ausgebeuteten Arbeiter und Angestellten.
E. Ein paar [inzwischen recht alte – und trotzdem 2026 hochaktuelle] Meldungen aus den Medien zur Veranschaulichung:
° 1998-04-01: 6000 Lokführer sollen weg; es wird befürchtet, dass die Sicherheit ab- und Unfälle zunehmen. (1998-03-30/bild). Dies gehört ebenso unter die Rubrik „Ent-Menschung“ (so nenne ich das zunehmende Entfernen von Menschen aus öffentlichen Funktionen, um Geld zu sparen) wie die folgenden Meldungen:
° Die Banken ersetzen immer mehr Angestellte durch Maschinen – und treiben die Kunden den Verkäufern von Finanzvertrieben in die Arme. (1998-03-05/Stern Nr.11) /
° 2000-05-01: Ein Mann will in München im letzten Moment vor der Abfahrt die U-Bahn verlassen, wird mit dem Bein eingeklemmt und 80 Meter weit mitgeschleift. Tödlich verletzt, stirbt er bald darauf. Ein Unfall, der meines Erachtens ein typisches Produkt falscher Technikfolgenabschätzung und Ent-Menschung ist.
Als Ent-Menschung bezeichne ich alle Maßnahmen in der modernen Zivilisation, die aus vorher sinnvoll organisierten Abläufen Menschen entfernen – wodurch die Abläufe automatisch (sic!) gefährlicher werden.
Ergänzend zu geschilderten Unfall: Vor gut einem Jahr [2007 war das] begann man in München, Spiegel anzubringen, mit deren Hilfe die Fahrer der U-Bahnen kontrollieren können, ob die Abfahrt möglich ist, d.h. ob niemand mehr ein- oder aussteigt. Vorher waren die Fahrer aus ihrer Kabine herausgegangen und hatten sich direkt überzeugt, ob die Abfahrt gefahrlos für die Fahrgäste möglich ist. Das entfällt jetzt – es wird nur noch indirekt kontrolliert, via Spiegel. Mir war bei der Sache von Anfang an unbehaglich. Wenn man Menschen aus den direkten Bezügen entfernt (und eben dies nenne ich Ent-Menschung) wird es eben gefährlich. (2000-04-29/az)

Bild 2: So träumt die KI eine völlig andere symbolische Darstellung des Themas nach meinen Angaben im Prompt: Nun sind die Roboter die Einpeitscher und wir Menschen sind brave Sklaven in der Galeere der Arbeitswelt (ChatGPT am 07. Juli 2026)
Anmerkung zu den beiden Illustrationen: Wenn Sie genauer hinschauen, werden Sie bemerken, dass die KI bei diesen beiden Bildern zwar die Symbolik recht drastisch rüberbringt – aber in den Details ziemlich schlampig arbeitet. Ist das vielleicht ein gutes, ein hoffnungsvolles Zeichen – und wenn ja: wofür?
Und würden wir einem „autonom fahrenden Auto“, das von einer solchen KI gesteuert wird, unser Vertrauen schenken?
Post #336 _ aut #4498 _ 2026-07-13/11:25 / 2008-09-12