Bollywood im Wallis – was für ein Zufall

Vor zwei Tagen, am Donnerstag den 11. Februar 2021, schreibe ich den Artikel über Bürchen im Wallis. Abends schaue ich mir den Bollywood-Film Bang Bang! an. Das ist einer dieser typischen Hollywood-Nachahmer, in diesem Fall eine Art „James Bond im Geheimdienst der indischen Regierung“. Toll gemacht – spannender und wilder und weltläufiger geht´s bei JB auch nicht zu.
Außer an mehreren spektakulären Schauplätzen in Indien (Shimla, Bombay) kommt von Europa handlungsbedingt eigentlich nur noch Prag vor und – für eine opulente, fast pornographisch „direkte“ Tanzeinlage – irgendeine griechische Insel. Solche indienfernen „fremden“ Schauplätze sind seit einigen Jahren in Bollywood-Filmen üblich – Hauptsache exotisch spektakulär. Aber auf dem Weg dorthin kommt das turtelnde Pärchen „Agent plus schönes Bankempfangsmädchen“ (geographisch und handlungsbedingt völliger Blödsinn) im Zug der BLS auch in die Schweiz und zwar ins Wallis – der Regisseur allein weiß, weshalb. Mir war das die Male zuvor beim Betrachten des Films nie aufgefallen – aber vorgestern hat es mich richtig gerissen, als ich begriff:

Die fahren oberhalb Raron auf der Südrampe der Lötschbergbahn (BLS) von Brig kommend Richtung Außerberg. Neben diesem Gleis bin ich unzählige Male in der selben Richtung gewandert.

Die Blickrichtung nach Süden stimmt und auch eine Wasserleitung gibt es auf der anderen Talseite- man muss sich in Gedanken nur auf die andere Seite des Rhonetals an die Lötschberg-Südrampe beamen – so hat der indische Regisseur sich das jedenfalls gedacht (Archi: JvS)

Die Szene ist reines Füllmaterial, um optisch Eindruck zu schinden, ein typisches retardierendes Moment, um die Spannung des Action-Krachers danach umso mehr zu steigern. Im letzten Drittel des Films fährt jedenfalls fünf Sekunden lang ein Zug auf der rechten Seite des Rhonetals, von Brig kommend, die Lötschbergrampe hoch Richtung Außerberg – mit einem prächtigen Ausblick nach Süden Richtung Genf, wo man schräg vorne links oben auf 1.500 M.ü.d.M. das Plateau mit Unterbäch und eben auch Bürchen ahnen kann.
Es ist die Szene zwischen der wilden Ballerei am Strand einer Insel (irgendwo in der Südsee?) und einer Stadt mit deutschsprachigen Schildern – vermutlich in „dr Schwýz“.
Zufälle gibt´s – die gibt´s nicht – aber eben doch. Man kann das nur registrieren und staunen. Und damit Sie, werte Leserin und werter Leser, auch etwas von dem Film haben: Hier das Cover der Blu-ray:

Der Bond-Verschnitt mit seinem Bond-Verschnitt-Girl (Cover der Blue-ray von Rapid Eye Movies)

In dem Lichtspiel, das auch eine Variante der Serie Mission Impossible“ mit Tom Cruise sein könnte und diese nicht nur sehr gut imitiert (wilde Fahrten auf dem Motorrad inbegriffen), sondern immer wieder auch übertrifft, gibt es übrigens auch noch eine Sequenz mit der typischen Tanz- und Gesangseinlage (die mit der Handlung, wie in Bollywood üblich, überhaupt nichts zu tun hat). Die Szenerie dafür ist ein – Labyrinth! Genauer: ein kalkweißer Irrgarten, durch den die Tänzer sich – einander anschmachtend – hindurchschlängeln. Wunderbar: antikes Griechenland im Indien von heute.
Was will man mehr. Außer der bizarren Erkenntnis, das dies ja noch ein weiterer wirklich großer Zufall ist – denn in meinem Wallis-Artikel geht es genau um dies: Das Birkenlabyrinth – das ich dort 2002 mit einer Schulklasse auf einer Bergwiese ausgelegt habe!

MultiChronabilia
Bei so vielen Zeitschichten, die da durcheinanderwirbeln und durch den Zufall zusammengefügt werden, kann einem schwindlig werden:
Den Film (in den Kinos 2014) habe ich am Abend des 11. Februar 2021 gesehen. Er erinnert mich zunächst an manche Szene, die ich in Indien selbst erlebt habe. In Shimla hat mein Yogalehrer Max Kirschner, während des Zweiten Weltkriegs dort interniert, eine Milchfarm mit tausend Kühen verwaltet.
Die Wallis-Zug-Szene beamt mich zurück in die Zeiten, wo ich auf eben dieser Strecke zwischen 1980 und 2008 jedes Jahr gewandert bin.

Quelle
Anand, Siddhart (Regie): Bang Bang! Indien 2014 (Rapid Eye Movies).

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