Die eigene Welt von außen betrachten

In der Zeitung fesselt mich ein Artikel im Lokalteil. Es wird ein japanischer Künstler und Architekt vorgestellt, der sich während seines Aufenthalts in der Schweiz und in München die deutsche Sprache auf sehr spezielle Weise nahegebracht hat: Indem Hayato Mizutani neue Begriffe in einem höchst persönlichem Wörterbuch notiert, das er Monat für Monat zu einer Art „Teillieferung“ binden lässt. Künstler, der er ist, hat er seine Worttagebücher auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Im Web kann man über Kurze Links „Das fünfte Jahr“ und „Das sechste Jahr“ bestaunen und nachvollziehen. Eine sehr ästhetische Website – leider ohne Portrait des Künstlers.

Warum ich hier im Blog davon berichte? Zum einen möchte ich solche interessanten Schreib-und Sprachexperimente gerne weiterempfehlen. Zum anderen gefällt mir die Position, die Mizutani zu seiner Arbeit einnimmt:

„Wenn ich neue Wörter lerne, stoße ich an die Grenzen in meinem Kopf. Dadurch kann ich die Welt besser verstehen. So denke ich.“

Und ja: Ich denke ähnlich. Hier im Blog entsteht, so ganz nebenbei, ebenfalls eine Art „Privates Wörterbuch meiner Welt“, das gewissermaßen die Grundlage meiner Autobiographie wird, der ich irgendwann den Arbeitstitel „ABC meines Lebens“ gegeben habe. Dadurch kann ich mich quasi „von außen betrachten“ und „die Grenzen in meinem Kopf“ besser erkennen und transzendieren – und dadurch die Welt besser verstehen – und mich selbst, logischerweise, ebenfalls.
Vorbild dafür war Adalbert von Schirndings Alphabet meines Lebens, vor vielen Jahren gelesen, aber auch der Lexikonroman von Okopenko, der dies eher fiktional angeht.

Durch mein Konzept der MultiChronie nähere ich mich der (räumlichen und zeitlichen) Vielschichtigkeit meiner Existenz und wie sie mit den Existenzen anderer Menschen verknüpft ist und von diesen beeinflusst wurde und wird – s. die verschiedenen Begegnungen, die ich hier im Blog dokumentiere und die über die Kategorie „Begegnungen“ erreichbar sind.

Quellen
Mizutani, Hayato (vorgestellt von Stefanie Schwetz): „Die Vertrautheit der Leuchtkäfer“. In: Südd. Zeitung Nr. 12 vom 16./17. Jan 2021, S. R11 (Lokalteil).
Okopenko, Andreas: Lexikonroman. Salzburg 1970 (Residenz).
Schirnding, Albert von: Alphabet meines Lebens. München 2000 (dtv premium).

06. Feb 2021 / 19:20 / aut #160

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