Spaziergang durch die Maxvorstadt mit Splitter vom Mars

Genau genommen ist es nur ein eng umrissener Bereich dieses Stadtteils, von dem ich hier berichte: das „Museumsviertel“. Ich schreibe darüber, weil dieses „Kunstareal“ Gegenstand eines sehr aufschlussreichen Dokumentarfilms ist, den Architekturstudenten der Technischen Hochschule (die sich ebenfalls hier im Areal befindet) gedreht haben: „Takemax“. Dazu gehört noch eine sehr gut gemachte Website Takemax.
Warum ausgerechnet dieser Bereich von München? Weil das ein beeindruckendes Beispiel für das ist, was ich „Historische MultiChronie“ oder „MultiChronie in der Außenwelt“ nenne. Zugleich ist es aber, weil ich hier (seit 2011) wohne, auch Teil meiner ganz persönlichen „Inneren MultiChronie“.
Die Max-Vorstadt ist historisch enorm vielfältig aufgeladen – geradezu prädestiniert als Beispiel von MultiChronie in der Außenwelt (während die „MultiChronie in der Innenwelt“ das entsprechende Pendant innerhalb einer bestimmten Person ist).
Zu dieser historischen MultiChronie gehört :
° Die weit zurückreichende Vergangenheit (etwa das prähistorische Skelett eines Urelefanten* im der „Staatlichen Prähistorischen Sammlung“);

* Als vor 40 Jahren, im Herbst 1971, einem Angler ein merkwürdiger Klumpen am Innufer nicht weit von Ebing auffiel, ahnte niemand, dass es sich dabei um einen Sensationsfund handelte. Der „Klumpen“ gehörte zu einem nahezu vollständigen Skelett eines Urelefanten, der vor etwa zehn Millionen Jahren lebte. Heute steht das Skelett im Lichthof der Paläontologischen Sammlung in München.“ (Quelle: ovb. online 2013).

° Die „königliche Zeit“ (wie sie in den Bauten der Glyptothek und der Staatlichen Antikensammlung von Leopold Klenze sowie des Königsplatzes und der Alten wie der Neuen Pinakothek beeindruckt).
° Die Zeit des Dritten Reichs mit ihren vielen Protzbauten (welche das Areal zwischen 1933 und Mai 1945 geradezu in einen „Hotspot“ der Nazi-Diktatur verwandelten).
° Die eindrucksvollen Neubauten, allen voran die Pinakothek der Moderne, das Museum zur Dokumentierung der Nazizeit in München (NS-Dokuzentrum), die Hochschule für Fernsehen und Film und das Ägyptische Museum.
° Letzteres ist zum einen (wie das NS-Dokuzentrum) ein supermoderner Bau aus der Jahrtausendwende „2000“ – dessen Inhalte jedoch Jahrtausende zurück in die Zeit der Pharaonen und davor führen.
° Im Museum für Kristallographie kann man sogar Objekte bestaunen, die viele Jahrmillionen alt sind, zum Beispiel den Stamm eines versteinerten Baums von sagenhafter Farbenpracht und Schönheit. Anlässlich einer Sonderausstellung über Meteoriten konnte ich dort den winzigen Splitter eines Meteoriten erstehen, der durch einen Impakt auf dem Planeten Mars (!) von dort auf die Erde geschleudert wurde – s. unten die Vergrößerung. Dieses Objekt könnte Jahrmilliarden alt sein. (Ein amtliches Zertifikat bezeugt die Echtheit dieses Objekts).
Was meine Person – und damit meine Persönliche MultiChronie angeht -, so wohne ich zwar erst seit August 2011 hier in der Winzererstraße am Rand der Maxvorstadt – aber aufgewachsen bin ich seit März 1956 mittendrin in diesem Areal, direkt gegenüber der Neuen Pinakothek – die als Ruinengrundstück einst mein Spielplatz war. Gewohnt habe ich in der Nr. 6 der Heßstraße (die überhaupt nichts mit Hitlers Adjutanten Rudolf Hess* zu tun hatte – aber zufällig dann eben doch, über meinen Vater).

* Dieses biographische Detail schildere ich an anderer Stelle: Mein Vater war, als einstiger Nazi, immer stolz darauf, dass Rudolf Hess ihn und seine Kameraden an Bord der Bremen besucht hat – was ein Foto aus der Kombüse des Ozeandampfers bezeugt. Dass er später beim Umzug nach München eine Wohnung in der „Heßstraße“ fand, war reiner Zufall. Ich glaube nicht, dass die Auswahl an Wohnungen 1956 viel größer war als heute 2021. Äußerst seltsam ist dieses Koinzidenz trotzdem.

Splitter eines Mars-Meteoriten – Vergrößerung etwa 1.000fach


Quelle:
Matzig, Gerhard: „Beine und Bauten“. In: Südd. Zeitung Nr. 10 vom 13. Jan 2020, S. R12 (Lokales).
NN: Das letzte Rätsel des Ur-Elefanten. In: https://www.ovb-online.de/muehldorf/letzte-raetsel-ur-elefanten-2716973.html .

<06. Feb 2021/18:49 / aut #158>

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