Bilder im Blog?

Ja, wie bebildert man so ein „Logbuch im Internet“? WordPress empfiehlt das den Bloggern sehr, und ich habe es mir von Anfang an zur Gewohnheit gemacht, immer auch wenigstens ein Bild in einen Text zu integrieren, möglichst am Anfang – als Blickfang (Eye Catcher – nennen das die Amerikaner treffend).
Nun kann man ja nicht einfach ein Bild aus der Online-Version einer Tageszeitung oder sonst einer Quelle einfach übernehmen. Da gibt es Bildrechte, und das ist auch gut so, denn Fotografen (oder bildende Künstler) müssen ja von ihrer Kunst leben.
WordPress bietet selbst ein riesiges Archiv mit 10.000 Bildern an, aus dem man sich kostenlos und lizenzfrei bedienen kann – wenn man die Quelle nennt.
(Vor Jahren gab es eine CD-ROM von CorelDraw mit vielen lizenzfreien Bildern – aber diese CD läuft unter dem neuen Windows 10 nicht mehr. Schade.)

Ansonsten kostet es nichts als einen Brief oder ein Telefonat, irgendwo anzufragen, ob man darf. So eine Anfrage habe ich eben an die Neue Pinakothek in München geschickt, denn ich würde gerne das Bild von Carl Spitzweg vom „Armen Poeten“ verwenden, das dort im Museum hängt. Darf ich das? Ich habe es von der Wikipedia übernommen, die diesem berühmten Gemälde aus dem Jahr 1839 einen eigenen Artikel widmet und sicher keine Lizenzgebühren dafür bezahlen kann. Aber darf ich das Bild einfach weiterverwenden? Wohl eher nicht, vor allem wenn der aktuelle Besitzer (eben die Pinakothek) genannt wird. Das Museum ist gleich bei mir um die Ecke (der Grund, auf dem sie 1972 neu errichtet wurde, war als Trümmergrundstück sogar einer meiner Spielplätze). Das ist der Vorteil von einer Stadt wie München: Man kann einfach hingehen – noch dazu, wenn man im richtigen Stadtviertel mit vielen Museen wohnt.
Wenn nicht gerade Lockdown wegen Corona bestünde, würde ich morgen hingehen und mir den „Armen Poeten“ im Original anschauen und vor Ort nach der Genehmigung zur Verwendung des Bildes fragen. Geht aktuell aber nicht, und das Museum ist wegen Renovierungsarbeiten ohnehin geschlossen. Deshalb also die E-Mail.

Selbst ist der Fotograf

Ich habe als Student viel fotografiert und zeitweise auch zeichnerisch dilettiert. Da gibt es also einen gewissen Fundus, auf den ich zurückgreifen kann. Und wenn ein passendes Bild nicht im eigenen Archiv aufzutreiben ist – mache ich mir eines. Deshalb habe ich – nach langer Pause – wieder begonnen, abzulichten, was mir vor die Flinte kommt. Zum Beispiel den — Monolithen im Artikel NNN. Oder diese beiden schönen Paperweights aus Glas, die ich schon seit vielen Jahren besitze – und jetzt praktischerweise zur Illustration DIESES Artikels einsetze (s. oben).

Zur Kunst des Romanschreibens gehört der rote Faden

Die beiden Paperweights oben stehen für das, was ich beim Romanschreiben als „Begleitendes Objekt“ empfehle: Ein Gegenstand, der symbolisch für das aktuelle Projekt steht und am besten auf den Schreibtisch platziert wird, so dass er einen immer daran erinnert: „schreibt deinen Roman!“
Das Glasei links symbolisiert mein Roman-Projekt glü. Der rote Faden, der sich deutlich als Spirale hindurchwindet (ich wüsste zu gerne, wie der Künstler das gemacht hat!) steht zugleich für den „Roten Faden“, den jede Geschichte haben sollte und hilft mir in den Schreib-Seminaren auch, die Funktion eben dieses „Roten Faden“ beim Schreiben eines Romans – und eigentlich jedes Textes- nie aus den Augen zu verlieren. Fast mcöhte ich sagen:
Dieses gläserne Ei symbolisiert sogar so etwas wie die „Kunst des Romanschreibens“ schlechthin und auch die „Lehre vom Romanschreiben“ (Romanologie). Ein Ratgeber wie der von Norman Frey (Wie man einen verdammt guten Roman schreibt) ist sicher eine gute Gebrauchsanleitung mit vielen praktischen „Kochrezepten“ – aber dieses Objekt wirkt viel direkter auf den Kreativen Prozess im eigenen Unbewussten (das ist zumindest meine Erfahrung), und zwar aus diesem Grund:

Da ist nämlich nicht nur dieser „rote“ Faden – da ist in einer zweiten parallelen Spirale noch ein zweiter, rauchgrauer. Und der ist das eigentliche Geheimnis der Erzählkunst: Immer auch eine zweite Ebene (mit einem „dunklen Faden“) einzuziehen, auf der sich verborgene, unbewusste Dinge abspielen und die Figuren wie ihr Handeln eine gewisse Doppeldeutigkeit erhalten, die für überraschende Wendungen sorgt und damit für Spannung und jene Neugier, die einen bis zur letzte Seite weiterlesen lässt.

Und wofür steht bei mir das rechte blaue Paperweight? Es symbolisiert jenes andere Schreib-Projekt, an dem ich laboriere und für das dieser Blog auf eine ganz spezielle Weise so etwas wie der „Steinbruch“ ist: Meine Autobiographie. In dieser ist der Rote Faden das Schreiben in all seinen Varianten und Emanationen – und ein ganz spezieller Blauer Faden (der im rechten Paperweight durch die blaue Wölbung dargestellt wird, die auch für den Himmel – oder Weltraum – stehen könnte): die Science-Fiction als spezielle Literaturgattung. Die Beschäftigung damit zieht ich tatsächlich wie ein Blauer Faden durch mein ganzes Leben.

Die Geburt des Abendlandes und der Labyrinthiade

Ein weiteres Objekt (das ich auf meiner Computertastatur befestigt habe und jeden Tag, wie zufällig – mehrmals berühre), ist diese Münze. Sie steht für meine Arbeit überhaupt und speziell für die damit verbundene Geldkreativität:

Die griechische Zwei-Euro-Münze (Archiv: JvS)

Die Münze zeigt gewissermaßen die Geburt das Abendlandes: Göttervater Zeus entführt in Gestalt eines Stiers die Prinzessin Europa nach Kreta, wo er mit ihr drei Söhne zeugt, darunter den späteren König Minos. Dieser wird in der Mythologie zum Gründer der Minoischen Kultur, die von Kreta aus viele Jahrhunderte das Mittelmeer beherrschte. In der Labyrinth-Sage wird er zu einer der Schlüsselfiguren. Das Motiv der Münze ist gewissermaßen der Beginn dessen, was ich die Labyrinthiade nenne. Was für eine wunderbare Geschichte!

Der geheimnisvolle Monolith

Und hier noch ein Objekt, das ich zugleich mit den beiden Paperweights heute früh fotografiert habe: Mein Monolith. Ich wollte ihn zur Illustration einer Artikels über die Monolithen verwenden, die seit Dezember an allen möglichen Orten der Welt auftauchen – und ebenso spurlos wieder verschwinden verwenden. Aber wie kommt an an so ein Bild?

Ganz einfach:; Was nicht passt – wird passend gemacht. Und hier ist deshalb mein eigener Monolith. Raten Sie mal, wo er steht, als mein zweites selbstgemachtes Beispiel für moderne LandArt*?

* Das erste Beispiel ist das Labyrinth aus tausend Steinen, das ich 2002 in Bürchen im Kanton Oberwallis auf einer Bergwiese arrangiert habe.

Mein geheimnisvoller Monolith – mal hier, mal da – taucht auf – verschwindet wieder (Archiv JvS)

In seiner majestätischen Größe, wie er da so in der Wüste Sinai steht, macht er doch was her, dieser Monolith – weshalb ich ihn auch richtig groß platziere. Er ist so etwas wie die phallische Repräsentanz einer ganzen Menschheitsepoche, die man Patriarchat nennt und die dieser Tage offensichtlich allmählich zu Ende geht (was vielen Männer gar nicht passt).

Okay – die Wahrheit muss ans Licht: Dieser Monolith ist ganze zehn Zentimeter hoch und hat einen Zentimeter Durchmesser – und er steht nicht, sondern liegt ganz bequem in meinem Regal mit den Nippes. Es handelt sich um einen monokristallinen Rauchquarz, 1978 in Israel erworben, auf einem Trödelmarkt in der Wüste Sinai beim Katharinenkloster. Die Wüste muss man sich dazu denken, damit es richtige LandArt wird. Aber so viel Phantasie werden Sie ja wohl haben, wenn Sie mir bis hierher gefolgt sind – liebe Leserin oder lieber Leser.

MultiChronalia

Die Zeitreise führt zurück in die Minoische Kultur (etwa -2.600 bis -1450), der ersten Hochkultur Europas. Die Münze stammt hingegen aus dem Jahr 2002. Ich weiß noch genau, wie ich sie bekommen habe: Ich ging irgendwann im Sommer nachts zum Münchner Hauptbahnhof und wartet auf den Zug aus Griechenland. Rasch fand ich jemanden, der so eine Münze aus dem Urlaub mitbrachte, denn sie fehlte noch in meiner Sammlung der Euro-Münzen (die ich längst wieder aufgelöst habe – die Münze bleibt.)
Ins Jahr 1835 verweist der Spitzweg, nach 1956 folgende führt die Neue Pinakothek zurück (damals zogen wir von Rehau nach München um).
1978 die Reise nach Israel mit meiner Frau Ruth – 14 phantastische Tage, für die mein „Rauchquarz-Monolith“ ein wichtiges Erinnerungsstück ist.
Die beiden Paperweights erwarb ich einiges später, das „Ei mit dem roten Faden“ etwa 2005 auf dem Schwabinger Weihnachtsmarkt, die Kugel mit dem blauen „Himmel“ etwa zur selben Zeit in einem Spezialgeschäft in der Heßstraße. Damals wollte ich ernsthaft solche Paperweights sammeln; hab ich aber zum Glück bald wieder aufgegeben. Sammeln ist mehr eine Leidenschaft für die Jugend.
Im Dezember 2020 tauchten der erste dieser seltsamen Monolithen in der Wüste von Utah in den USA auf, dem bald andere folgten; sie weckten Assoziationen zu dem Film 2001 von Stanley Kubrick (nach Arthur C. Clarkes Geschichten), der 1968 in die Kinos kam – und mit dem dort präsentierten Monolithen startete – in der Urzeit der Menschheit – um in der Zukunft weit nach 2010 auf einer fernen Welt zu enden. Der letzte Monolith war er in der Türkei Anfang Februar 2021 nahe Tepekli Tepe (jener ältesten bislang entdeckten Steinsetzung der Menschheitsgeschichte – gewaltiger als Stonehenge und doppelt so alt: 13.000 Jahre).

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