„Darf ich Ihnen Herrn Blatter vorstellen?“

Vor allem durch meine Arbeit für den Bayrischen Rundfunk bin ich vielen sehr prominenten Menschen begegnet, die ich interviewen durfte, darunter 1990 die Präsidentin von Island, Vigdis Finnbogadottir.
Auch in meiner Zeit als Drogenberater (1970 bis 1976) bin ich einigen sehr prominenten Personen „hautnah“ in Beratungsgesprächen gegenüber gesessen, die allerdings bis auf eine Ausnahme wegen ihrer kiffenden Kinder zu mir kamen und Rat suchten. Aber da dies unter das „Berufsgeheimnis“ fällt, werde ich schweigen bis ans Grab – obwohl es mich in den Fingern juckt, damit anzugeben.

Ein Prominenter, dem ich die Hand schütteln durfte, ist mir schon oft auf den Sport-Seiten der SZ begegnet: Der frühere Fifa-Skandalpräsident. Leibhaftig gegenübergestanden bin ich ihm folgendermaßen:
Ich bin viele Jahre im Urlaub und bald auch während meiner Seminare „Wandern und Schreiben“ im schweizerischen Oberwalis gewesen, der Heimat der väterlichen Vorfahren „Zenhäusern“ meiner Frau Ruth. Dabei hab ich mich alle paar Tage auch im Thermalbad Brigerbad in der heißen Grotte und in den Schwimmbecken gesuhlt und sehr genossen, wie die körperlichen Strapazen einer Wandrung auf den Höhenwegen ringsum sich allmählich lösten. Einmal sah ich den Gründer und Besitzer, Hans Kalbermatten, im Gespräch mit jemand anderem am Rand eines Beckens sehen. Voller Begeisterung über diese Anlage trat ich auf ihn zu und machte ihm ein großes Kompliment über das Thermalbad. Er freute sich natürlich und deutete dann auf den Gast neben sich: „Darf ich Ihnen den Herrn Blatter vorstellen?“
Es war deutlich, dass die beiden Herren sich gut kannten. Aber wer war „Herr Blatter?“ Kalbermatten registrierte natürlich meine Unkenntnis und erläuterte: „Das ist der Präsident der Fifa.“
Da fiel bei mir der Groschen und ich nickte und sagte: „Natürlich ist mir der Herr Blatter ein Begriff aus den Medien.“ Obwohl ich mit Fußball seit meiner Jugend nichts mehr am Hut habe und Judo oder Boxen zwischen zwei Kämpfern mich mehr elektrisiert als die Rasentreterei von 22 Fußballern, wusste ich aus Lektüre der einheimischen Tageszeitung, des Walliser Boten bereits, dass Blatter aus Visp stammte, dem Bahnknotenpunkt im Oberwallis, und dass er der Fifa-Boss war. In welche riesigen Skandale er verwickelt war, das wurde bald darauf publik. Jedesmal, wenn ich seinen Namen in der Zeitung lese (und seine Skandale rumoren dort immer noch gewaltig herum) fällt mir sofort die Szene im Brigerbad ein. Jüngstes Beispiel:
„Neuer Ärger für Sepp Blatter. Streitwert 500 Millionen Franken. Fifa zeigt früheren Präsidenten an.“

So kann Prominenz also auch aussehen und andauern. Aber weit mehr vermisse ich das Brigerbad und das ganze Oberwallis, meine dritte Heimat nach Rehau und München und speziell das Bergdorf Bürchen. Von dieser Hochgebirgslandschaft zeigt das Titelbild meines Blog einen schönen Ausschnitt, mein Lieblingsfoto aus dieser Zeit: Die alte Suon zwischen Bürchen und der Brandalp, Luftlinie, keine zehn Kilometer vom Brigerbad entfernt und ebenfalls vom hier so wichtigen Element des Wassers bestimmt. Und deshalb hier nochmals in voller Größe verewigt:

Alte Suon zwischen CH-Bürchen und der Brandalp – gesehen in Richtung Westen, linkerhand des Rhonetals. (Foto: J v Sch 2005).

Quelle
SID, DPA: Neuer Ärger für Sepp Blatter. Südd. Zeitung vom 23. Dez 2020, S. 24.

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