Dialog mit dem vergehenden Jahr 2020

(Dieser Beitrag kommt heute, am 03. Februar 2021, ein wenig spät für einen Rückblick zum Jahresende. Aber ich kam erst jetzt dazu, ihn zu posten. Später werde ich ihn an der richtigen Stelle einordnen.)

Dieses fiktive Interview ist das, was ich (JvS) als Simulierter Dialog bezeichne. Man führt dieses fiktive Zwiegespräch am besten schriftlich und liest es hinterher vor. Dann wirkt es nicht nur optisch, also über die Augen, sondern auch akustisch, über die Ohren. Letztere sind das, was man als „analogen Informationskanal“ bezeichnet, der sehr intensiv und lebendig ist – im Gegensatz zum „digitalen Kanal“ der Augen (deren Input sofort komprimiert und gewissermaßen digitalisiert ans Gehirn weitergeschickt wird).
Eine sehr praktische Anwendung des SD ist das Gespräch mit dem inneren Schreiber.


(Ich stelle mir vor, dass das vergehende Jahr ein uralter Mann mit wallendem langen weißen Bart ist, wie das früher gerne gezeichnet wurde: Der Alte geht – und ein Säugling kommt.)

JvS: Hallo, 2020. Wie geht es dir?
2020: Nicht so gut. Bin müde und abgekämpft. Da ging so viel drunter und drüber –
JvS: Tut das nicht immer, in jedem Jahr?
2020: Schon ja – aber dieses Mal war es doch besonders schlimm. Sonst hatte ich immer noch ein paar Reserven, ein paar Vorräte wie Essen und ein paar Flaschen Wein im Keller, Äpfel aus eigener Ernte – Aber dieses Jahr! Ich bin froh, wenn mein Nachfolger kommt. Ich höre ihn schon von weitem in der Wiege quäken – ein Säugling, noch nicht einmal richtig aus dem Geburtskanal raus –
JvS: Und schon schreit es?
2020: Es wird wohl eine „sie“ sein, ein Mädchen. Die Zeichen der Zeit stehen auf Mädchen. Ich sag nur: Greta Thunberg und Lisa Neuberger und Fridays for Future –
JvS: War dieses Jahr ja nix mit FfF –
2020: Ja. Saublöd. Alles wegen C –
JvS: Aha!
2020: Naja – ich wollte dieses Wort eigentlich vermeiden – genauso wie den Namen dieses Idioten im Weißen Haus –
JvS: Spricht da wirklich das Jahr 2020 – oder ist das nicht eher ein Echo aus meinem eigenen Gehirn?
2020: Nein, ist schon passend. Die Thunberg und der Psychopath im höchsten Amt der USA – sie stecken die Seiten der Bühne ab, auf denen ich mich in diesem Jahr entfalten konnte – musste – durfte –
JvS: Es gab doch auch noch andere Themen wie Klimawandel, Chinas unaufhaltsamer Aufstieg zur Weltmacht, der neue US-Präsident, die kommende E-Mobilität –
2020: Naja, da wird schon noch so manches Jahr kommen und gehen müssen, bis das alles richtig Fahrt aufnimmt. Mir langt es jedenfalls.
JvS: Du meinst, die Jahresrückblicke für dich, also für 2020, sind eh schon alle geschrieben und gesendet – da darf jetzt nichts wirklich Überraschendes mehr kommen?
2020: Es kommt immer was. Und wenn es eine Lawine ist, die ein paar Tourengeher wegwischt, die verbotenerweise trotz C unterwegs sind. Oder ein Fahrstuhl, in dem einige Leute stecken bleiben und niemand kommt, sie zu retten. Oder ein Tsunami mit tausend Toten irgendwo in Asien. Oder in der ISS oben im Orbit schlägt ein Meteorit ein oder so ein Trümmerteil, wie sie dort oben bereits hunderttausendfach rumschwirren – menschengemachte Abfälle- Weltraumschrott – fff ist die Atemluft draußen und alle Astronauten sind erstickt.
JvS: Das wollen wir doch nicht hoffen.
2020: Nein, hoffen nicht – aber befürchten. Zum Beispiel eine zweite Pandemie – noch schlimmer als Corona – mit richtig vielen Toten – zig Millionen, wie damals 1918 bei der Spanischen Grippe. Aber mir kann´s ja gleich sein. Ich schwirr in sieben Stunden ab – das war´s dann mit mir. Ende von 2020. Soll sich doch 2021 damit plagen –
JvS: Das Mädchen?
2020: Ja, das arme Mädchen.
JvS: Wenn sie so tough ist wie die Greta – kann das doch ganz spannend werden! Die schafft das.
2020: Kann. Muss aber nicht.
JvS: Aber ist denn nicht auch viel Gutes passiert unter deiner Ägide?
2020: Was denn? Mir fällt außer Corona nix ein – und das war wirklich nichts Gutes. Obwohl –
JvS: Obwohl? Ich bin ganz Ohr – und Auge –
2020: Naja, die Digitalisierung ist doch beachtlich in Schwung gekommen. Irgendwie ist die Menschheit auch wieder ein Stück zusammengewachsen – samt den damit immer verbundenen Störmanövern den Ewiggestrigen.
JvS: Da hör ich jetzt wieder mich selbst reden –
2020: Und dann sind noch diese rätselhaften Monolithen, die plötzlich überall aufpoppten – das war schon eine gute Idee von mir, zum Jahresende, oder?
JvS: Ich erhoff mir mehr vom Böllerverbot gleich um Mitternacht –
2020: Ja, das war auch ein guter Einfall von mir – dank Corona. War doch nicht alles schlecht.
(Dieses Interview wurde geführt am 31. Dezember 2020 um 17:00 Uhr.)

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