3 (drei) ist häufig dabei

Nicht nur ich habe ein spezielles Faible für die Zahl 3 (drei). Wenn Sie ihre Tageszeitung mal genauer anschauen, finden Sie zum Beispiel, dass der „Seite Drei“ darin eine spezielle Bedeutung zukommt. Dort stehen immer die großen Reportagen (jedenfalls ist das bei der Süddeutschen Zeitung so).
Jeder längere Artikel besteht aus drei Abschnitten:
° Titel (oft nur ein MindCatcher, der Ihre Aufmerksamkeit erregen soll).
° Darunter die Einlaufzeile (auch Synopse genannt), in der genauer erläutert wird, worum es in diesem Text geht. Sie ermöglicht Ihnen zu entscheiden, ob sie weiterlesen im
° Fließtext darunter, in dem die ganze Geschichte ausgebreitet wird.

Auch die Titel selbst bestehen oft schon aus genau drei Elementen – Journalisten nennen das die Dreiklangfanfare. „Friede, Freude, Eierkuchen“ wäre so ein Beispiel. „Titel, Thesen, Temperamente“ ein anderes. Und noch ein drittes (genau!) Exempel: „City of Desaster“ (okay, das ist jetzt ein wenig gemogelt).
Am unteren Rand der einzelnen „Bücher“ der Zeitung (Feuilleton, Wirtschaft, Sportteil, Lokales) werden gerne die drei wichtigsten Artikel angekündigt: „Im Rampenlicht“ / „Im Zwielicht“ / Im Dunkeln“. (Warum nicht nur zwei – oder gar fünf?)

(Spalte 1)(Spalte 2)(Spalte 3)
Warum steigen plötzlich überall Menschen bei Minustemperaturen in Seen und Flüsse? > Seite 49
Kopf unter Wasser  
Hände am Buffet
Kaum Nachwuchs in Stadt- und Gemeinderäten? Kein Wunder. Kinderlernen schon früh in Hörspielen, was sie von Kommunalpolitikern zu halten haben > Seite 49
Wie verändert das Virus die Gesellschaft? Soziologin Eva Ulouz im großen Interview > Seite 52
Gefühl der Krise  
In drei Spalten werden am unteren Rand eines „Buchs“ der Südd. Zeitung in komprimierter Form (Synopse) die wichtigsten Artikel angekündigt

Schauen Sie doch auch mal auf die Startseite dieses Blog: Da werden Ihnen wie viele Artikel angeboten? Genau: 1 -2 – ?

Wieviele Affen sind es, die uns da spöttisch belehren? ( Photo by George Becker on Pexels.com)

Früher dauerte ein Song in der Jukebox drei Minuten – ungefähr. Das war der Standard. Weil das sowohl zum Zuhören wie zum Tanzen sehr angenehm war (und für den Jukebox-Betreiber finanziell ergiebiger). Bis neue Technik die Langspielplatte ermöglichte und die Jukeboxen verschwanden.

Wie wär´s mit einem „flotten Dreier“? Oder mit einer richtigen „Dreiecksbeziehung“? Geht selten gut – weil viel zu psychodynamisch. Das liest man jedenfalls in einem Interview mit dem französischen Regisseur Garrell über seinen neuesten Film „Ein Mann zum Verlieben“. Der Artikel hat den Titel „Die Drei ist eine Utopie“.

Drei Minuten soll der Tee ziehen..

Drei Minuten surrt die elektrische Zahnbürste.

Drei Gelübde legt ein Mönch ab, wenn er ins Kloster eintritt: Armut, ehelose Keuschheit und Gehorsam (den Oberen gegenüber).

Die ersten drei Minuten… lautet der Titel eines Buches über die Entstehung des Universums nach dem Urknall. (Warum nicht vier Minuten – oder zwei?)

Drei Prozent der Bevölkerung sind hochbegabt, mit einem Intelligenzquotienten ab 130 aufwärts. (Genau genommen sind es 2,27% gemäß der Normalverteilungskurve – aber mit 3,00% lässt sich leichter rechnen – und so genau kann man die Grenze gar nicht ziehen, die HB von normaler Begabung trennt.)

Die Basis des christlichen Glaubens ist die Trinität von „Gott Vater, Gott Sohn und Heiliger Geist. (Ja, die Gottesmutter Maria hätte das ganz schön durcheinander gebracht. Deshalb haben die Protestanten sie vermieden – und die Katholiken haben ihr im Nebengang der Kirchen einen Seitenaltar zur Verehrung gebaut).
Die Basis des hinduistischen Glaubens ist eine völlig andere Trinität: Brahma, Shiva und Vishnu.

Eine höchst dynamische Zahl

Was macht eine Familie aus? Vater – Mutter – Kind.
Und wie kommt man dort hin? Verliebt – verlobt – verheiratet. (War jedenfalls früher so.)

Was sind die wesentlichen Entwicklungsstadien von Romanfiguren (und oft auch im richtigen Leben)? Täter – Opfer – Retter.

Wie heißen die Zeitmodi? Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft.

Was sind die Phasen einer klassischen Heldenreise? Oberwelt – Schwelle – Unterwelt.

Was brauchen Sie, damit Ihr Handy funktioniert? Geladener Akku – Guthaben – Passwort.

Wie geht ein guter Abzählreim? „Eene – meene -muh / raus bist du“.

Wieviel Zeilen hat ein Haiku? 5 Silben / 7 Silben / 5 Silben.
Beispiel (eben gedichtet):
5 Mit „eins“ beginnt es
7 Kommt ein zweites noch dazu
5 Gibt „drei“ keine Ruh.

Das Beste kommt zum Schluss:

Aller guten Dinge sind drei“ – so sagt man doch, oder?“

Und wenn jemand geistig nicht sonderlich rege ist, sagt man: „Der kann nicht bis drei zählen.“

Forts. → 3 (drei): Trivia und Trivialitäten

Lesefutter
Garrell, Louis (Interview: Gansera, Rainer): „Die Drei ist eine Utopie“. In: Süd. Zeitung Nr. 257 vom 06. Nov
2020, S. 12 (Feuilleton).
Könneker, Carsten: Wissenschaft kommunizieren. Weinheim 2012 (Wiley VCH). Kap. 8.2.7 „Der Dreiklang“.
– ISBN 978-3-527-32895-6. 219 Seiten – € 24,90. Ein sehr lesenswertes Buch mit vielen guten
Schreib-Tipps – nicht nur für Wissenschaftsjournalisten.
Mühlauer, Alexander: „City of Desaster“ (In London wütet das Corona-Virus mehr als irgendwo in Europa).
In: Süd. Zeitung Nr. 11 vom 15. Jan 2021 S. 03 (Seite Drei).

aut #754 _ 15. Jan 2021/21:49

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