Brutalität der Bayern

Napoleon hatte auf seinem Feldzug nach Russland auch viele ausländische Söldner dabei – darunter 30.000 aus Bayern – von denen fast keiner aus diesem eisigen Inferno lebend zurückkam. Die Landesfürsten und die Könige haben ihre eigenen Untertanen immer wieder und gerne an andere Herrscher buchstäblich verkauft. Unser Dichterfürst Goethe war zum Beispiel als Finanzminister für so einen „Handel“ federführend, der junge Männer nach Nordamerika vertrieb und Geld in die Kassen des klammen Landesherrn Carl August in Weimar spülte.
Ähnlich ging es auch den bayrischen Söldnern von 1812 (an deren Desaster heute noch in München ein Obelisk auf dem Karolinenplatz beim Amerikahaus erinnert, da wo sich Barerstraße und Briennerstraße unweit des Stachus kreuzen).

Aggression und Brutalität hat viele Gesichter und Folgen – nicht nur in Bayern – aber hier gehört es fast zur „DNA“ (Archiv JvS)

Durch Bayern zogen kriegführende und marodierende ausländische Heere immer wieder ihre blutige Spur, wurden die Vorräte der Bauern geplündert, die Frauen und Töchter vergewaltigt. Der Dreißigjährige Krieg war nur ein besonders schreckliches und langes „Ereignis“ dieser Art, die Napoleonischen Kriege nicht minder – ganz zu schweigen vom Ersten und Zweiten Weltkrieg.

Alle diese Fremden waren für die Bayern das, was irgendwann seinen heute noch ehr weit verbreiteten Namen fand, weil die aus dem Norden besonders lästig oder sogar hassenswert waren: Die „Preußen“ – oder bayrisch „Preißn“ – noch bayerischer: „Saupreißn“. Preußen – das sind eigentlich alle, die nördlich des einstigen Limes, also der Donau, leben (was sich die Franken und die Oberpfälzer verbitten werden – aber die Oberbayern südlich der Donau haben immer noch das Sagen in ganz Bayern, auch wenn derzeit ein Franke namens Söder dort Ministerpräsident ist – der sich freilich, mit Kruzifix-Erlass in neuem Polizei-Gesetzt, auch recht urbayrisch brutal-christkatholisch geben kann).
Auch wenn man „in unserem schönen Bayernland“ die aus Berlin und anderswo „im Norden“ später gerne als geldbringende Touristen und Sommerfrischler begrüßte (Ludwig Thoma hat sie in seinen Lausbubengeschichten und seinen Theater-Sketchen wunderbar charakterisiert und parodiert) – so richtig ins Herz geschlossen hat man sie nie – diese Aliens (wie man heute vielleicht sagen würde).

Etwas ganz Besonderes – und ich würde sagen: typisch Bayrisches – ist schon ein regelrechter Hass, der bei diesem Wort „Preußen“ untergründig mitschwingt.
Die Bayern können ja recht rabiat werden, vor allem wenn Alkohol im Spiel ist. Die Wirtshausraufereien früherer Jahre waren gerichtsnotorisch, und es ist sicher kein Zufall, dass man in München irgendwann Maßkrüge mit einer „Sollbruchstelle“ entwickelt und landesweit eingeführt hat – weil zu viele Schädel bei Schlägereinen von Bierkrügen zerstört wurden. Die Sollbruchstelle beim Keferloher sorgte dafür, dass der Bierkrug vorzeitig bei „Feind“-Berührung zersprang. (Manches aus dem -Schulunterricht – in diesem Fall: „Physik: Mechanik“ – bleibt mir offenbar lebenslang hängen.)

Es ist auch kein Zufall, dass die größte Sauforgie der Welt in München über die Bühne geht – das Oktoberfest – mit jeder Menge Schlägereien und sonstigen „gerichtsnotorischen“ Übergriffen. Ein Fest, bei dem die Münchner und die Bayern (sogenannte Einheimische) sicher in der Minderzahl sind und all die anderen „Preußen“ in der Mehrzahl: amerikanische Preußen, chinesische Preußen etc. – über die es wunderbare Witze gibt*. (Ein Segen, dass dank Corona dieses Event 2021 wohl schon zum zweiten Mal ausfallen wird – was zwar keine Maßkrüge aber gut eine Milliarde €uro Umsatz zerdeppert.)

* Kommt ein japanischer Tourist ins Hofbräuhaus. Nur in einem Eck ist noch ein Stuhl frei. Der Japaner steuert darauf zu – nicht wahrnehmend (oder verstehend, was das bedeutet), dass auf dem Tisch ein Schild mit dem Hinweis „Stammtisch“ steht.
„Ist hier noch ein Platz frei?“ fragt er höflich auf Hochdeutsch.
Keine Reaktion der drei Männer in deutlich bayrischer Tracht (Hut mit Gamsbart, Schnurrbart, Karohemd, Krachlederne, Wadlstrümpf, Haferlschuh), die in ein Kartenspiel vertieft sind.
Der Japaner versucht es auf Englisch: „My I take a seat, please?“
Keine Reaktion der Lederhosen.
Er probiert´s auf Französisch: „Excusez-moi-„
Keine Reaktion.
In seiner Verzweiflung über so viel Unverständnis klaubt der Japaner seine bayrischen Sprachkenntnisse zusammen: „Habt´s no a Platzerl für mi?“
Keine Reaktion der Kartler. Frustriert zieht der Japaner von dannen. Als er außer Hörweite ist, murmelt einer der drei Trachtler anerkennend: „Vui Sprach´n kennt er scho – aber hat´s eam was taugt – dem Saupreiß, dem japanischen?“

Der Hass sitzt tief

All dies zusammengenommen, versteht man vielleicht, warum sich in einem doch recht vergnüglichen urbayrischen Lied auch heute noch so viel Hass auf die „Nordlichter“ und überhaupt auf „dös ganze ausländische G´schwerl“ äußert:

„Heint auf´d Nacht
Wer´n Preiß´n umbracht
– wer a Preißnfleisch mog
– der soll kumma de Tog.“

Muss ich das übersetzen?

Und noch etwas Urbayerisches, etwa 1990 bei einem Gartenfest des Jesuitenklosters (!) in der Seestraße in München-Schwabing als lustiges G´stanzl gehört, gesungen von einem Trio und fröhlich und lauthals von den Umstehenden begleitet:

„A jeder Kongoneger hat an Hosenträger
– aber unseraner – der hat nix -„

Da maskiert sich der Hass gegen das Fremdländische hinter deutlichem Neid, und zwar ganz unverblümt: „Denen dort unten – in Afrika – denen steckt man´s hinten und vorne rein – aber wir…“

(Nur ein Zufall – dass das Jesuitenkloster inzwischen abgerissen wurde – dereinst der hässlichste Betonbauklotz in ganz München und Umgebung?)

Solchen Neid und Hass gibt es also nicht nur bei Donald Trumps amerikanischen Wählern. Das gibt es auch in unserem schönen Bayernland. Dazu passt bestens, was die Fürstin Gloria von Thurn und Taxis mal in ihrer christkatholischen Arroganz zu Protokoll gab:

„Der Schwarze schnakselt gern -“
(Muss ich auch nicht übersetzen oder? Und wenn ja: Einfach bei Google suchen. Man wird fündig.)

Wobei die Fürstin (offiziell eigentlich nur „Prinzessin“) offenbar übersehen hat, dass in Bayern die „Schwarzen“ nicht etwa Leute aus Afrika mit dunkler Hautfarbe sind – sondern die von der CSU. Ursprünglich waren das die schwarz gewandeten katholischen Priester – die ja lange genug den Bauern deutlich predigten, wen sie zu wählen hatte: nämlich die Christkatholischen von der CSU oder von den Vorgängerparteien, die ja so toll „christlich sozial“ sind.

Auch so kann man Politik treiben.

177 _ aut #858 _ 2021-04-18/12:48

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