Grabstein zu Lebzeiten

Wenn man achtzig Jahre alt ist und mitten in einer bedrohlichen Pandemie steckt – kommt man öfter ins Grübeln über das Ende der eigenen Existenz. Schon als Kind hat mich das beschäftigt (s. die ersten Beiträge in diesem Blog), was kein Wunder war wegen des Zweiten Weltkriegs, in dem ich auf die Welt kam.

Ich möchte kein Erdgrab haben und keinen Grabstein (wie der Titel dieses Posts andeuteten könnte), sondern eingeäschert werden und einige Jahre in einer Urne aufbewahrt. Diesen Blog verstehe ich als Erinnerungsort – ähnlich den Tagebüchern, die mein Urgroßvater Ferdinand Naumann (ab 1886) über meinen Vater Helmut vom Scheidt an mich vererbt hat. Wenn meine Kinder und Enkel diesen Blog im Internet weiter erhalten, wird er zu so etwas wie mein „Grabstein zu Lebzeiten“ – denn noch lebe ich ja und schreibe diese Gedanken und Erinnerungen auf.

Aktuell arbeite ich an drei Buch-Projekten:
° Einem Roman, der im München von heute spielt, aber pure Science-Fiction ist, mit Außerirdischen, Besuchen auf fremden Welten und was sonst noch zur SF dazugehört, die mich seit meinem achten Lebensjahr fasziniert (eigentlich schon früher, weil uns an Weihnachten irgendwann – 1946? – aus dem wunderbaren Märchen-Bilder-Kinderbuch Peterchens Mondfahrt vorgelesen wurde).
° Einem kleinen Sachbuch als Ergänzung meines Kreatives Schreiben – Hyperwriting.
° Meiner Autobiographie.

Alle drei Projekte werden sich aus diesem Blog speisen, der gewissermaßen der „(kreative) Fluss“ ist, in dem ich die Materialien sammle, aus denen ich dann das „Gold wasche“, das in den drei Projekten hoffentlich sichtbar wird.

Mein Lieblingsmärchen ist übrigens Der Gevatter Tod, das nur nebenbei – gleich gefolgt vom Märchen von einem der auszog, das Gruseln zu lernen.

„Grabstein zu Lebzeiten“ also – das passt.

(Inzwischen denkt man auch andernorts über neue Formen des Abschiednehmens und Trauerns nach. In der Südd. Zeitung lese ich:
„Corona verändert unseren Umgang mit Tod und Trauer. Man kann auch online Abschied nehmen“.)

Quelle
Moorstedt, Michael: „Digitales Lebewohl“. In: Südd. Zeitung vom 04. Jan 2021, S. 09.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: