~Rossini oder: Ich wollte einst auch zum Film

Nach langer Zeit habe ich mir mal wieder (auf DVD) diesen herrlich sarkastischen Film angeschaut, der sich delektiert am Vorgeplänkel zu einem neuen Möchtegern-Kino-Hit: Rossini – oder die mörderische Frage, wer mit wem schläft. Eine großartige Leistung von Regisseur Helmut Dietl und Drehbuchautor Patrick Süskind.
Hinterher kamen mir allerdings so manche eigene Erfahrungen wieder ins Bewusstsein, wie es „hinter der Kamera“ zugeht. Also nicht – wie im Film – die Welt der hochbegabten* und oft auch hochneurotischen Macher (Drehbuchautor, Regisseur, Produzent, Hauptdarsteller), sondern das „Fußvolk“, ohne das die Macher ganz schön aufgeschmissen wären.

… oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief (Constantin Film 1996)

Als Student habe ich so meine eigenen Erfahrungen gesammelt: als Statist und als Regieassistent. Sicher habe ich damit geliebäugelt, auch tiefer in diese Welt einzusteigen. Zum Beispiel als Drehbuch-Autor. Aber mein erster und einziger Versuch in dieser Richtung scheiterte kläglich: Das Skript zu einer Dokumentation über den (nicht nur in Indien weit verbreiteten) Glauben an die „Wiedergeburt“ misslang mir. Es misslang nicht etwa, weil ich zu wenig Ahnung vom Thema hatte (eine Rundfunkreihe und das daraus entstandene Sachbuch zeigen zumindest, dass ich mich in die Materie eingearbeitet hatte). Doch ich hatte einfach keinerlei Ahnung, wie man so ein Drehbuch macht. Das ist nämlich weit komplexer als das Drehbuch für einen Comic ( → Comix sind gar nicht komisch) oder das Skript für eine Rundfunk-Sendung (womit ich bereits viel Erfahrung hatte).


Immer wieder kreuzen sich die Wege im Cineastischen

1994 heuerte mich Martin Thau von der „Drehbuch-Werkstatt“ der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) in München für ein Kreativitäts-Seminar an, das den Studenten helfen sollte, Blockaden beim Verfassen von Drehbüchern zu überwinden und ihren Kreativen Prozess in Gang zu bringen. Bei dieser Gelegenheit lernte ich als einen der Studenten Daniel Speck kennen, mit dessen Lebensweg sich meiner immer wieder mal kreuzte, direkt oder indirekt;
° So führte ich für seine Mutter, die Pädagogik-Professorin Angelika Speck-Hamdan, 1995 ein Schreib-Seminar mit ihren Pädagogikstudenten an der Ludwig-Maximilians-Universität durch.
° Daniel selbst war einige Mal Teilnehmer an einer unserer Schreib-Werkstätten.
° 2003 ergab sich dann die Gelegenheit, seine Erfahrungen (als inzwischen arrivierter Drehbuchautor) mit meinen Erfahrungen zusammenzubringen und eine gemeinsame „Drehbuch-Werkstatt“ anzubieten. Bei der habe ich selbst viel gelernt – nicht zuletzt über das Konzept der Heldenreise (das an Filmhochschulen längst fester Bestandteil der Ausbildung ist und seitdem auch in meinen Seminaren).
° Inzwischen ist Daniel auch erfolgreicher Romanautor (Bella Germania wurde bereits verfilmt).
° Kurz vor neuerlichen Lockdown im November 2020 hatte ich die Freude, Daniel mit Joana Osman zu einem vergnüglichen Kaffeeklatsch zusammenzubringen und beider Neuerscheinungen zu feiern: Joanas Der Boden des Himmels und Daniels zweiten Roman Piccola Sicilia (sein drittes ist ab Ende März 2021 auch auf dem Buchmarkt: Jaffa Road).


Schuster, bleib bei…

Die Welt des Films hat mich also immer wieder auch von der „ausführenden“ Seite her angezogen, nicht erst, seit ich als Kino zum Film-Enthusiasten wurde – keineswegs nur für Science-Fiction-Spektakel.
Und kann es, last but not least, Schöneres geben – als wenn der eigene Sohn Filmregisseur wird? Maurus hat diesen Weg eingeschlagen – auf seiner Website erfährt man Näheres über seine beiden abendfüllenden Spielfilme Wie Licht schmeckt (nach einem Roman von Friedrich Ani) und Einer für alle – alles im Eimer, über seine Werbefilme und seine andere Variante der Arbeit mit der Kamera: das Fotografieren → Maurus vom Scheidt.

Ein Junge will in der Großstadt seinen 14. Geburtstag feiern – und trifft auf eine blinde 16jährige, die ihm zeigt, wo´s lang geht (Bayr. RF 2006)

Und so kann ich getrost bei meinem eigenen Leisten“ bleiben – nicht als Schuster (obwohl ich mich als Kind in Rehau beim Hartmann-Schuster gleich nebenan in der Werkstatt stundenlang herumgetrieben habe und viele Seiten Erinnerungen daran notieren könnte: wie das Schusterpech riecht, wie der Schusterzwirn sich anfasst und die Ahle, mit der man ihn ins Leder zieht, und wie das klingt, wenn der Schuh mit dem Hammer auf dem metallenen Leisten geschlagen wird – gibt es heute fast nicht mehr.)
Sondern als Schriftsteller für Romane und Sachbücher und Kurzgeschichten und für diesen Blog – und Leiter von Schreibseminaren.

Quellen
Dietl, Helmut (Regie): Rossini – oder: Die mörderische Frage, wer mit wem schlief. Deutschland 1997 (Constantin Film).
Osman, Joana: Am Boden des Himmels. Hamburg 2019 (Atlantik).
Scheidt, Jürgen vom: „Die Kette der Wiedergeburten“. München, Sep/Okt 1981 (6teilige Feature-Reihe für den Bayr. Rundfunk).
ders.: Wiedergeburt – Geheimnis der Jahrtausende. München 1982 (Heyne TB). Buchfassung der Funkreihe.
ders.: Wiedergeburt. TV-Treatment für TeleNorm. (München 1984-01-22)
Scheidt, Maurus vom (Regie): Wie Licht schmeckt. 2006.
ders. (Regie): Einer für alle, alles im Eimer. 2015.
ders.: Website Maurus vom Scheidt.
Speck, Daniel: Bella Germania. Frankfurt a.M. 2016 (S. Fischer).
ders.: Piccola Sicilia. Frankfurt a.M. 2018 (S. Fischer).
ders.: Jaffa Road. Frankfurt a.M. 2021 (S. Fischer).

067 _ aut #855 / 2021-01-20/20:55

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